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E-Book

Die entspannte Familie

Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht

AutorSimone Kriebs
VerlagGütersloher Verlagshaus
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783641208646
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
»In entspannten Familien zählt die innere Haltung.«
(Simone Kriebs)

In den letzten Jahrzehnten gab es eine Vielzahl von Erziehungsmodellen und Ansichten, wie Erziehung richtig wäre. Diese Modelle waren stets Ausdruck der Zeit und damit der gesellschaftlichen Strukturen. Dabei geht es in Familie viel eher um authentische Begegnungen, um ein gelebtes Miteinander.
Die Familientherapeutin Simone Kriebs bietet gestressten Eltern Hilfe, eine entspannte Haltung zu finden und durch ein besseres Verständnis der Entwicklungsprozesse Vertrauen in biologische Fähigkeiten und natürliche Reifeprozesse zu erlangen.


Die neue Autorin zum Thema Erziehung
Mit mehr Gelassenheit zu besserer Erziehungskompetenz
Eine neue, erfrischende Stimme für alle gestressten Eltern
Lebensnah, erfahrungsstark und authentisch geschrieben



Simone Kriebs, geboren 1974, Diplom Pädagogin, Anti-Aggressivitäts-Trainerin/Ausbilderin, Systemische Familientherapeutin (IFS/DGSF), CTW®-Hypnosetherapeutin, Heilpraktikerin Psychotherapie; Arbeit mit aggressiven, gewaltbereiten Jugendlichen und Erwachsenen, deutschlandweit Referentin und Ausbilderin von Pädagogen und Lehrkräften, Schulkonzeptbegleitungen, Einzel- und Teamcoaching; Geschäftsführung des Instituts für Weiterbildung, Interaktion, Therapie und Ausbildung wita GmbH in Herne. Kriebs ist Mutter von zwei Kindern.

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Leseprobe

1. WAS UNSERE KINDER BRAUCHEN

Wir Menschen haben körperliche und seelische Grundbedürfnisse. Körperliche Bedürfnisse, wie z. B. Nahrung, Schlaf, Licht, Wärme, Sauerstoff, Bewegung, Ruhe, und seelische, wie z. B. Nähe, Bindung, Sicherheit, Entwicklung und Selbstbestimmung, sind grundlegend für die Existenz eines Menschen. Dieses Zusammenspiel macht uns so komplex. Jedes einzelne Bedürfnis allein ist schon wichtig für das Überleben. Alles muss in einer Balance sein, selbst der Sauerstoffanteil in der Luft, die wir atmen, muss ausgewogen sein und kennt nur wenig Toleranz. Wir können recht genau beschreiben, was und wie viel ein Mensch zur Bedürfnisdeckung benötigt. Wie jedoch die individuelle Ausgestaltung erfolgt, ist durchaus sehr unterschiedlich. Den Sauerstoffgehalt kann man berechnen, wie jedoch ein Mensch atmet, das entscheidet er für sich. Welche Nährstoffe der Mensch braucht, ist bekannt, wie er sich ernährt, muss er selbst herausfinden. Auch Bindung ist ein grundlegendes Bedürfnis, dessen Gestaltung individuell gefunden werden muss. Letztlich lassen sich Körper und Geist nicht trennen. Dysbalancen auf einer Ebene haben auch immer Auswirkungen auf die andere. Dies zeigten schon grausame Versuche im 13. Jahrhundert von Kaiser Friedrich II. an Säuglingen, die ohne emotionale Zuwendung nur körperlich versorgt werden durften. Ziel war es, herauszufinden, ob die so aufwachsenden Kinder eine eigene (urtümliche) Sprache entwickeln würden. Alle Säuglinge starben jedoch nach kurzer Zeit. Seelische Bedürfnisse sind wohl gleichbedeutend mit körperlichen.

Der Neurobiologe Gerald Hüther9 betont zwei seelische Grundbedürfnisse, die alle Menschen gemeinsam haben, da wir sie bereits aus dem Mutterleib kennen: Wachstum und Verbundenheit.

Wachstum

Jedes Lebewesen strebt ständig nach Wachstum; körperlich und geistig. Während das körperliche Wachsen sich verlangsamt oder stoppt, sind geistige Wachstumsprozesse ein Leben lang aktiv. Heute weiß man, dass wir ein neuroplastisches Gehirn besitzen, das über die Fähigkeit verfügt, bis ins hohe Alter neuronale Verbindungen aufzubauen. Dabei bringen wir eine angeborene Entdeckerlust mit, die uns motiviert, uns ständig weiterzuentwickeln.

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Überzeugung, das Gehirn sei trainierbar wie ein Muskel. Das bloße Üben würde zu Lern- und Wachstumsprozessen führen, wodurch stupide Wiederholungen von Lerninhalten ihren Einzug in Bildungskonzepte fanden. Lernende mussten ständig das Gleiche büffeln und können sich vielleicht heute trotzdem an das meiste nicht erinnern. Mittlerweile ist bekannt, dass das ständige Wiederholen von Lerninhalten ohne eine innere Motivation und Begeisterung nicht zu der gewünschten Vernetzung im Gehirn führt, sogar sinnlos bis destruktiv sein kann. So geht unter Zwang auch der Wirkungsgrad schulischen Lernens beim Menschen gegen Null.10 Nach fünf Jahren sind bis zu 90 % des vormals Gelernten meist schon wieder vergessen.

Wachstum benötigt Eigenmotivation. Zumal Lernen immer mit allen Sinnen erfolgt. Es handelt sich um einen Prozess des ganzheitlichen Wachsens und Erfassens. In der gesamten Menschheitsgeschichte haben wir noch nie ausschließlich intellektuell gelernt. Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Vater wollte Ihnen das Angeln beibringen und hätte Sie dazu auf einen Stuhl gesetzt und Ihnen lange Vorträge über das Material der Anglerausrüstung, die Techniken des Angelns, die physikalischen Gesetze, die chemischen Grundlagen der Wasserbeschaffenheit oder die Zoologie der Unterwasserwelt erklärt, bevor Sie auch nur einmal einen See gesehen hätten. Lernen ist immer etwas Ganzheitliches, was mit allen Sinnen geschieht. Vermutlich wäre Ihr Vater mit Ihnen zu einem See gegangen und hätte praktisch vorgemacht, wie man angelt. Er hätte Ihnen das Gefühl von Begeisterung vermittelt, wenn ein Fisch anbeißt, und somit auch das Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit des gemeinsamen Erlebnisses. So entwickeln Sie Handlungswissen. Denn Handlungswissen aufzubauen, ist die natürliche Form des Lernens. Die Sinnhaftigkeit des Angelns wäre Ihnen verständlich geworden, wodurch sich die so wichtige innere Motivation einstellt. Wir schauen zu und schauen ab. Oder stellen Sie sich vor, Sie hätten erst die Gebrauchsanweisung eines Fahrrades studieren sollen und darüber dann Fahrradfahren gelernt. Das ist schlichtweg unmöglich. Wenn Sie gut Fahrrad fahren können, ist die Gebrauchsanweisung erst später nützlich. Dann können Sie auch Bücher über das Fahrradfahren lesen und davon profitieren. Das Erfahren der Außenwelt schafft Bezugspunkte, die das Gehirn zum Aufbau einer Lernstruktur braucht.

Jungen Menschen wird oftmals der Zusammenhang zwischen Lernerfahrung und Lerntheorie genommen. Dabei ist Lernen auch ein sinnlicher Prozess, und zwar bei allem, was wir lernen. Insofern wird der Lernprozess falsch herum aufgezogen. Es wurde uns antrainiert, ohne äußere Bezugspunkte Wissensbereiche im luftleeren Raum aufzubauen. Das erfahre ich auch in meinen Seminaren, wenn die Teilnehmer versuchen, das Gehörte rein intellektuell zu erfassen, daran aber regelmäßig scheitern. Die meisten sind gehemmt, da sie sich nicht mehr trauen, Dinge einfach auszuprobieren. Und der eigene Anspruch ist, das zu Übende perfekt zu beherrschen, bevor es zur Anwendung kommt. So fällt es vielen schwer, Neugelerntes anzuwenden, und dann bleibt doch alles beim Alten. Vielleicht wird noch theoretisches Wissen gelernt, doch die praktische Anwendung ist davon immer noch weit entfernt. Neurobiologisches Wachstum bedeutet, nicht Anhäufung von isolierten Wissensinseln zu schaffen, sondern komplexe neuronale Landkarten zu erstellen, um so selbstorganisatorisch und proaktiv Lösungen für die eigene Welt finden zu können. Dies geschieht hauptsächlich über Vorbilder, mit denen wir uns verbunden fühlen.

Verbundenheit

Wir streben ständig nach sozialen Bezügen, weil wir in den ersten Entwicklungsjahren existenziell an die uns umgebenen Menschen gebunden sind. Verbundenheit kennen wir bereits aus dem Mutterleib durch die Nabelschnur. Dieses Bedürfnis bleibt uns Menschen erhalten, wir möchten uns zugehörig fühlen. Schon ein Säugling, der keine Verbundenheit wahrnimmt, fühlt sich in seinem Leben bedroht. Dies führt bei jedem Kind dazu, dass es von Natur aus mit seinen Eltern und anderen Bezugspersonen kooperiert. Ein junger Mensch, der meint, von seinen Eltern nicht geliebt zu werden, fühlt sich selbst in alltäglichen Situationen bedroht. Egal wie absurd diese Gedanken aus der Erwachsenensicht sind, für Kinder und Jugendliche ist diese Wahrnehmung Realität.

In Familien scheint es manchmal zum generellen Prinzip geworden zu sein, Verbundenheit an Funktionalität zu knüpfen. Gute Schulnoten sichern positive Aufmerksamkeit. Leistungen, die erbracht und bewertet werden, signalisieren Kindern häufig: Du bist wertvoll, weil du das kannst. Eine Bewertung – positiv wie negativ – bezieht ein junger Mensch immer auch auf seinen Selbstwert. Daraus entstehen unbewusst Gedanken wie: Ich muss funktionieren, um dazuzugehören, ich muss etwas leisten, um wertvoll zu sein. Jedoch ist echte Verbundenheit bedingungslos. Nur so kann sie als ein tiefes, sicheres Gefühl wachsen. Gerade ältere Geschwister sind häufig schockiert, dass dem Nachkömmling so viel Aufmerksamkeit und Liebe zuteilwird, ohne dass er irgendetwas dafür tut. Wenn ein Baby zur Welt kommt, dann dreht sich in der Familie meist alles um dieses kleine Wesen, und jede Regung wird als kleines Wunder und mit voller Begeisterung beachtet. Von einem Säugling wird zunächst nichts erwartet, außer bei vielen Eltern der stumme Wunsch, dass er bitte möglichst schnell durchschlafe. Je älter ein Kind jedoch wird, desto höher steigen die Erwartungen und Anforderungen. Auf einmal stellt man als Kind fest, dass die Eltern nicht alles toll finden, was man tut. Je nach Persönlichkeitstyp macht diese Erkenntnis mehr oder weniger Angst. So kann es passieren, dass Verbundenheit zu einem Tauschhandel wird. »Ich hab dich lieb, wenn du brav bist.« »Wenn du das jetzt nicht lässt, dann geh auf dein Zimmer.« »Komm erst aus deinem Zimmer, wenn du dich beruhigt hast.«

Kommunikation, die auf Belohnung und Bestrafung beruht, vermittelt zwangsläufig, dass man nur angepasst dazu gehört. Dahinter steht die Befürchtung, Verbundenheit zu verlieren. Doch wenn Kinder das Gefühl haben, Liebe nur über Gehorsam oder Leistung zu erlangen, dann zahlen sie einen hohen Preis – ihre Integrität. Ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu entwickeln, erfordert eine liebevolle Begleitung durch Bezugspersonen. Dabei bedeutet es nicht zwangsläufig, dass mein Kind eine gesunde Persönlichkeit entwickelt, wenn es in der Familie wenig Streit oder Probleme gibt. Und andersherum auch nicht automatisch, wenn es Schwierigkeiten in der Familie gibt, dass die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes gestört ist. Beides sind nur Symptome, die sich zeigen. Wie es jedem einzelnen in der Familie geht und wie wohl sich jeder fühlt, mit sich selbst und in Bezug zu den anderen, ist entscheidend.

Eine Zwölfjährige sagte mal auf die Frage, ob ihre Eltern wüssten, wie es ihr und ihrem Bruder ginge: »Nein, die sehen ja nur, wie wir uns verhalten und nicht, wie wir uns dabei fühlen.«

Dabei ist es uns nicht fremd, bedingungslos zu lieben. Viele Haustiere kommen in den Genuss, einfach nur für ihre Anwesenheit geliebt zu werden. Auf unsere Kinder üben wir allerdings häufig diesen Druck der Anpassung aus. Dabei machen wir Erwachsene das weder bewusst noch mit böser Absicht. Eltern treiben ihre Kinder an oder kritisieren sie fast immer aus...

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