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Die Entwicklung des Heimatkundeunterrichts im Bildungs- und Erziehungskonzept der DDR

AutorAnke Roost
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2003
Seitenanzahl102 Seiten
ISBN9783638184823
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik), Note: 1, Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig (Sachunterricht), Sprache: Deutsch, Abstract: Der gesellschaftliche Umbruch 1989 führte zu längst erforderlichen Veränderungen im Bildungs- und Erziehungskonzept der DDR. Kritik an den Lehrplaninhalten des Heimatkundeunterrichts führten deshalb zu Streichungen politisch relevanter, die Geschichte der DDR betreffender, Themen. Aufkommende Diskussionen richteten sich vorwiegend auf die der demokratischen Gesellschaft anzupassenden neuen Lehrplaninhalte. Kritiker, Fachberater, Schulleiter und auch Heimatkundelehrer waren damit beschäftigt, Begriffe aus dem Unterstufenunterricht der DDR neu zu formulieren. Den Blick in die Zukunft gerichtet, wurde dabei leider die Vergangenheit 'vergessen'. Diese Hausarbeit setzt sich mit der Entwicklung des Heimatkundeunterrichts in der DDR auseinander. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung der lehrplanorientierten Umsetzung der beiden Teillehrgänge des Heimatkundeunterrichts im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR. Aber auch dem Prozess der konzeptionellen Weiterentwicklung des Heimatunterrichts nach 1990 wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Darüber hinaus führt ein Exkurs in die Welt von 'Timur und sein Trupp'. Inhalt: Kapitel 1: Einleitung Kapitel 2: Die Bildungspolitik der DDR Kapitel 3: Lehrpläne und Unterrichtshilfen für die Planung und Durchführung des Heimatkundeunterrichts Kapitel 4: Die Teillehrgänge des Heimatkundeunterrichts Kapitel 5: Ausgewählte didaktisch-methodische Verfahren zur Gestaltung des Heimatkundeunterrichts Kapitel 6: Konzeptionelle Weiterentwicklung des Heimatkundeunterrichts nach 1990

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Leseprobe

2 Die Bildungspolitik der DDR


 

Die Bildungspolitik der DDR stand unter dem mächtigen Einfluss der Regierung, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und aller großen Organisationen. Sie arbeiteten gemeinsam an dem ideologischen Selbstbild der Gesellschaft der DDR und versuchten, es der jeweiligen Entwicklung anzupassen. Die Bildungspolitik galt als „[...] Instrument, um die sozialen, ökonomischen und politischen Ziele zu realisieren“ (Hearnden 1973, S. 10) und wurde „[...] sowohl von kontinuierlich wirkenden Faktoren als auch von zeitlich begrenzten Reformbestrebungen bestimmt“ (Baske 1979, S. 15). Im Zentrum der Bildung und Erziehung in der DDR stand die marxistisch-leninistische Weltanschauung.

 

Das vorrangige Ziel bestand in der Verhaltensformung des Individuums im Sinne des politischen Herrschaftssystems. Dabei richtete sich die Bildungspolitik der SED nach der zentralen Steuerung des Bildungswesens. An der Bedeutung dieser ideologischen Erziehung wurde bis zum Herbst 1989 festgehalten.

 

„Anläßlich der Vorbereitungen auf den IX. Pädagogischen Kongreß (Juni 1989) artikulierten zahlreiche Offene [sic] Briefe und Eingaben [...] Kritik an Diskrepanzen zwischen erklärten Zielen und [.] Verwirklichungen des Erziehungswesens, ohne daß [...] der Eingang dieser Eingaben bestätigt wurde“ (Fischer 1992, S. 47).

 

2. 1 Bildungspolitik und gesellschaftliche Entwicklung der DDR – Fragen zur Periodisierung


 

Der Einfluss der ‚Partei der Arbeiterklasse’, der SED auf die Bildungspolitik, lässt keine strikte Trennung der bildungspolitischen und gesellschaftlichen Entwicklung zu. Beides ist im Herbst 1989 gescheitert.

 

Dabei schien die Bildungspolitik der DDR am 25. Februar 1965 nach „[...] zwanzigjähriger Anstrengung zum Ziel gekommen zu sein“ (Waterkamp 1985, S. IX). Mit dem „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR“, dass durch die damalige Volkskammer verabschiedet wurde, fing ein neuer historischer Prozess in der sozialistischen Bildungspolitik an. Als „größte Errungenschaft des Sozialismus“ benannt, begann damit eine Umgestaltung des „[...] überkommenden Bildungswesen[s], an das 1945 anzuknüpfen war“ (ebd., S. IX).

 

Eine Periodisierung dieser Entwicklung wird in der Literatur jedoch sehr differenziert betrachtet.

 

„Angesichts der kontinuierlichen Wirkung einer bildungspolitischen Gesamtkonzeption stellt sich die Frage, ob es möglich ist, markante Stationen, Etappen und Zäsuren in der Entwicklung des Bildungswesens zu bestimmen. Die bisherigen Versuche zeigen, daß es schwierig ist, die Periodisierungsfrage einwandfrei und im Wesentlichen akzeptabel zu lösen. Ein Vergleich der in zahlreichen Veröffentlichungen vorgenommenen Periodisierungen führt zu dem Ergebnis, daß hinsichtlich der Zäsuren, der zeitlichen Abmessung von Etappen und der Bezeichnung der einzelnen Phasen erhebliche Differenzen bestehen. Dies gilt nicht nur für Arbeiten, die außerhalb der DDR erschienen sind. Auch die von Erziehungswissenschaftlern der DDR verfaßten Darstellungen weichen in dieser Beziehung voneinander ab“ (Baske 1979, S. 15).

 

Ebenso erschwerend für die Einteilung der Bildungspolitik in Perioden der gesellschaftlichen Entwicklung war die „[...] Wirksamkeit der kontinuierlichen bildungspolitischen Faktoren“ (ebd., S. 16), welche sich durch den gesamten bildungspolitischen Prozess zogen und Neuerungen dadurch relativierten (vgl. ebd., S. 16).

 

Da die Bildungspolitik jedoch eng in das politisch-ideologische System der DDR eingebettet gewesen ist, empfiehlt sich eine Anbindung „[...]an die allgemeine Periodisierung der DDR-Geschichte, besonders an die Parteigeschichte der SED“ (Anweiler 1988, S. 19). Ohne allgemeingültigen Anspruch haben sich jedoch 3 Hauptperioden der Entwicklung der Bildungspolitik herauskristallisiert.

 

1. 1945 – 1949, „antifaschistisch-demokratische Schulreform“

2. 1949 – 1961, „Aufbau der sozialistischen Schule“

3. 1961–1989, „Gestaltung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems“

 

Als eine mögliche vierte Periode wurde in der Forschung der achtziger Jahre der Regierungswechsel 1971 zwischen Ulbricht und Honecker diskutiert.

 

„Das Jahr 1971 (der Übergang von Walter Ulbricht zu Erich Honecker) brachte zweifellos für die Geschichte der DDR und teilweise auch für die Schulentwicklung einen bedeutenden Einschnitt, ebenso wurden Anfang der achtziger Jahre deutliche neue Akzente gesetzt. Zu einer parteiamtlich sanktionierten Periodisierung der rund zweieinhalb Jahrzehnte nach 1961 ist es aber noch nicht gekommen“ (ebd., S. 20).

 

Bei der Betrachtung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der DDR sind jedoch bildungspolitische Beschlüsse nicht immer zum Meilenstein einer Erneuerung im Bildungswesen geworden. Eine Periodisierung für den Zeitraum ab 1952 fand bis heute keine Berücksichtigung. Am 29. Juli 1952 beschloss das Politbüro nicht nur ihr „[...] oberste[s] Erziehungsziel von der allseitig entwickelten Persönlichkeit [...]“, sondern auch „[...] die Überarbeitung von Lehrplänen und Lehrbüchern [...]“ sowie „[...] eine auf Schulstufen bezogene Lehrerausbildung [...]“ (Baske 1979, S. 17). Ebenso wurde die Einführung der „ zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule“ 1958/59 und „[...]die Verlängerung der Pflichtschulzeit von 8 auf 10 Jahre“ (ebd., S. 18) in der Periodisierung ohne Zäsur bedacht. Erst das Konzept der SED, ein einheitliches sozialistisches Bildungssystem zu schaffen, dessen Grundlage die Beschlüsse der Partei waren, führte zu einer neuen und bis dahin dritten Periode der Bildungspolitik der DDR.

 

2. 2 Das einheitliche sozialistische Bildungssystem


 

Mit der Gründung der DDR 1949 wurde damit begonnen, ein einheitliches sozialistisches Bildungssystem aufzubauen. Das Leitbild bei der Umgestaltung dieses gesellschaftlichen Prozesses war die Erziehung zu ‚allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten’. Dabei war das Bildungssystem eng mit den gesellschaftlichen und politischen Zielen der DDR verknüpft. „Die Erziehung der Menschen und die Lösung der ökonomischen Aufgaben sind eine Einheit.“ (Baske 1979, S. 45). Dieser Satz gehörte zum rhetorischen Repertoire des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Es galt ein neues Bildungsprogramm zu entwickeln, welches auch den gesellschaftlichen Anforderungen der nächsten Jahrzehnte in der DDR gerecht werden konnte. Dabei kristallisierte sich das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ als Kernstück dieser Zielformulierung heraus.

 

Als der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 25. Februar 1965 dieses Gesetz beschloss, wurde auch von einer der größten Errungenschaften des Sozialismus gesprochen. Selbst westdeutsche, kritische Analytiker äußerten sich hinsichtlich mancher Leistungen dieses Bildungssystems positiv:

 

„Da gibt es jenseits unserer Grenze ein Bildungssystem, das schon seit Jahrzehnten einen Großteil jener bildungspolitischen Zielvorstellungen zu realisieren scheint, von denen man hier (BRD) kaum mehr zu träumen wagt: eine durchgängig horizontale Gliederung des Bildungswesens mit einer zehnjährigen einheitlichen Grundbildung für alle, eine konsequente Wissenschaftlichkeit des Unterrichts, eine fest installierte Bindung von Arbeiten und Lernen in Form des polytechnischen Unterrichts und ähnliches mehr“ (Fischer 1992, S. X f.).

 

Optimale „[…] traumhaft anmutende Lehrer-Schüler- bzw. Lehrer-Studenten-Relationen, die materielle Absicherung des Studiums durch Stipendien, wohl auch die institutionelle Verbindung von Lernen und Arbeit unter Produktionsbedingungen […]“ (ebd., S. XI) lassen jedoch nicht vergessen, dass dieses Bildungssystem von den zentralen Parteiorganen der SED gesteuert wurde.

 

2. 2. 1 Struktur und Aufbau des Bildungssystems

 

‚Grundlegende Bestandteile des einheitlichen Bildungssystems’[1] waren vor allem die Einrichtungen der Vorschulerziehung (Kinderkrippen und Kindergärten), die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule (POS), die Einrichtungen der Berufsausbildung, die Fachschulen, Universitäten und Hochschulen sowie die Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung der Werktätigen. Den zentralen Mittelpunkt des Bildungssystems stellte die POS dar. Ebenso wie die Vorschuleinrichtungen, die Volkshochschulen, die Pädagogischen Hochschulen sowie die Institute für Lehrerbildung war sie dem Ministerium für Volksbildung unterstellt. Des Weiteren gehörten das Staatssekretariat für Berufsbildung, das Ministerium für Gesundheitswesen (Kinderkrippen) und das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen zum administrativen Bereich des Bildungssystems.

 

Als grundlegender Schultyp war die POS untergliedert in:

 

1. die Unterstufe mit den Klassen 1 bis 3,

2. die...

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