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Die formanalytische Klassentheorie von Karl Marx

Ein Beitrag zur ‚neuen Marx-Lektüre’. Zweite, durchgesehene und ergänzte Auflage

AutorSven Ellmers
VerlagUVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl133 Seiten
ISBN9783940251503
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR

Der Klassenbegriff bei Karl Marx wird heute als wirklichkeitsinadäquat abgelehnt. Dabei wird in der Rezeption seiner Schriften kaum zur Kenntnis genommen, dass Marx das Wort Klasse in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Der von zahlreichen Soziologen proklamierte Abschied von der Marxschen Klassentheorie gründet überwiegend auf einer unzulässigen Einebnung der programmatischen Unterschiede von Form- und Sozialstrukturanalyse.

Das vorliegende Buch zeigt, dass die Kritik der politischen Ökonomie als eine eigenständige Disziplin innerhalb der Sozial- und Ungleichheitsforschung zu gelten hat, die unvermindert Aktualität besitzt.

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Leseprobe

2. Formanalytische Klassentheorie und empirische Sozialstrukturanalyse: Gemeinsamkeiten und Differenzen (S. 37-38)

Bereits 1843 entwickelt Marx in Zur Judenfrage den Gedanken, dass die französischen Menschenrechtserklärungen eine theoretische Ausarbeitung der in der Zirkulation verwirklichten privatautonomen Freiheit darstellen.55 1867 nimmt er ihn im Kapital wieder auf, wenn er unter Anspielung auf zeitgenössische Naturrechtslehren die Zirkulationssphäre ironisch als „ein wahres Eden der angebornen Menschenrechte“ (23/189) bezeichnet.

Hinter dieser Formulierung steckt mehr als nur eine Kritik an der Naturalisierung zirkulationsbezogener Subjekteigenschaften im Menschenrechtsdiskurs und in der politischen Ökonomie. Marx erhebt darüber hinaus den Vorwurf, dass jene Naturrechtslehren durch eine isolierte Betrachtung des Zirkulationsprozesses ein Trugbild der bürgerlichen Gesellschaft zeichnen. Wie sieht dieses Trugbild, dieser Garten Eden nun genau aus?

Innerhalb der Zirkulation gelten dem Warenbesitzer alle anderen Repräsentanten von Waren nur als bloße Mittel zur Befriedigung seiner egoistischen Bedürfnisse.56 Die wechselseitige Instrumentalisierung der von Marx als „personifizierte Kategorien, nicht individuell“ (23/177) gefassten Personen ist allerdings begrenzt durch die uneingeschränkt geltenden Appropriationsnormen des Warentauschs: Vorausgesetzt sind die Abwesenheit von physischem Zwang und die Existenz von Handlungsalternativen (Freiheit) sowie der Austausch von Äquivalenten (Gleichheit). Ausgehend von den innerhalb der Zirkulation verwirklichten Gesetzen der sekundären Aneignung scheint nun die außerhalb der Zirkulation sich vollziehende, primäre Aneignung der Produkte auf eigener Arbeit zu beruhen.57 Damit ist der falsche Schein der Zirkulation komplettiert: Die Zirkulation reguliert vermeintlich nur den Stoffwechsel atomisierter Einzelner, so dass die Existenz des Kapitals ihr äußerlich zu sein scheint; die ursprüngliche Aneignung der Tauschgegenstände erfolgt demnach durch eigene Arbeit in einem prinzipiell herrschaftsfreien Raum, womit die bürgerliche Gesellschaft schließlich als die Verwirklichung von Freiheit und Gleichheit erscheint. Im Folgenden wird gezeigt, wie Marx diesen Verblendungszusammenhang auflöst.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis4
Einleitung6
1. Grundzüge und Leistungen des formanalytischen Theorietypus10
2. Formanalytische Klassentheorie und empirische Sozialstrukturanalyse: Gemeinsamkeiten und Differenzen38
3. Die Semantik der Klassengesellschaft: Grundlage oder Kritik einer positiven Revolutionstheorie?62
4. Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation: Arbeitslosigkeit und Pauperisierung im Kapital72
5. Zur Historizität des Klassenbegriffs90
6. Sozialformationsanalyse und Totalität: Zum Klassencharakter von Rechtssystem und Staat96
Schlussbetrachtung108
Siglenverzeichnis110
Literaturverzeichnis112
Personenregister128

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