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E-Book

Die Geburtshilfe

VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl1136 Seiten
ISBN9783540338970
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis139,99 EUR

Die Erfahrung anerkannter Experten aus drei Ländern: alle Aspekte der Geburtshilfe - praxisnah und kompetent. Auch die 3. Auflage ist komplett und sorgfältig aktualisiert: Neukonzeption vieler Kapitel, Integration neuer Themen und neu gewonnene Autoren. Komplett mit allen Inhalten zur Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkinde und zur fakultativen Weiterbildung 'Spezielle Geburtshilfe und Perinatologie'. '...Das neu konzipierte Standardwerk 'Die Geburtshilfe' bildet daher eine unverzichtbare schriftliche Grundlage für jeden, den erfahrenen wie auch den noch weniger erfahrenen Geburtshelfer' (A. Strauss, Der Gynäkologe, 01/2004)

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Leseprobe

24 Physiologie und Pathologie des Geburtsbeginns (S. 429-430)

24.1 Bedeutung des fetomaternalen Grenzbereichs für die Geburtsauslösung

H. Schneider

Überblick

Das kontraktionsfreie Myometrium bietet zusammen mit den Eihäuten und der geschlossenen Zervix dem Fetus eine geschützte Umgebung für eine ungestörte Entwicklung. In dem Grenzbereich bestehend aus Dezidua und Zervix einerseits und der Plazenta mit den Eihäuten andererseits kommt es zu einem direkten Kontakt zwischen mütterlichen und fetalen Geweben. Der Schutz des hemiallogenetischen Embryos vor Abstoßungsreaktionen des mütterlichen Immunsystems sowie die Versorgung des Fetus, die durch die speziellen Gewebsstrukturen, die sich in dieser Kontaktzone in der Frühschwangerschaft entwickeln, gewährleistet wird, sind für die erfogreiche Schwangerschaft von zentraler Bedeutung.

Dieser Bereich entwickelt ferner endokrine Funktionen, durch die die Anpassung des mütterlichen Organismus an die besonderen Bedürfnisse einer Schwangerschaft erst möglich wird. Über para- und autokrine Steuerungsmechanismen mit der Synthese von Peptiden und Zytokinen und die endokrine Verbindung mit der mütterlichen und der fetalen Hypothalamus- Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HH-NNR) wird während der Schwangerschaft die Ruhigstellung des Myometriums und die strukturelle Integrität der Zervix und der Eihäute sichergestellt.

Dabei spielt Progesteron als Steroidhormon, dessen Produktion am Ende des 1. Schwangerschaftsdrittels vom Corpus luteum auf die Plazenta übergeht, eine wichtige Rolle. Als Vorbereitung auf die Geburt kommt es durch eine Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen den die Schwangerschaft erhaltenden und den das Geburtsgeschehen begünstigenden Einflüssen zu einer Auflockerung des Zervixgewebes sowie einer Abnahme der Reißfestigkeit der Eihäute.

Aus einer erhöhten Kontraktilität des Myometriums entwickelt sich mit dem Beginn der Geburt eine regelmäßige Wehentätgkeit. Für diese Veränderungen spielen das Neuropeptid CRH, Prostaglandine und Proteasen, die in den Geweben des fetomaternalen Grenzbereichs gebildet werden, zusammen mit den Streoidhormonen Östrogen und Kortisol eine zentrale Rolle. Das Geburtsgeschehen kann durch eine vorzeitige Aktivierung der fetalen HH-NNR-Achse durch hypoxisch-ischämische Läsionen im Plazentagewebe oder auch durch chronischen mütterlichen Stress frühzeitig in Gang gesetzt werden. Aszendierende oder systemische Infektionen, retroplazentare Blutungen in die Dezidua sowie eine pathologische Überdehnung des Myometriums und der Eihäute sind andere pathogenetische Mechanismen, die über eine Störung der auto-/parakrinen Homöostase in der fetomaternalen Region zu einer Frühgeburt führen können. Dabei bestehen in Abhängigkeit von der jeweiligen Ätiologie durchaus Unterschiede in der kaskadenförmig ablaufenden Reaktionsfolge, wobei die Endpunkte in Form von Wehen, Zervixreifung und Blasensprung gesetzt sind. Es können sich allerdings durch deren zeitliche Reihenfolge unterschiedliche Geburtsabläufe ergeben.

Das Verständnis der molekularbiologischen Grundlagen zusammen mit den zellulären Abläufen sowie deren Unterschiede je nach Ätiologie der drohenden Frühgeburt sind Basis für den gezielten Einsatz der verschiedenen therapeutischen Maßnahmen wie Antibiotika, Tokolyse und eine Beschleunigung der Lungenreifung des Fetus. Die Wahl des Zeitpunktes sowie die Art der vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft durch Einleitung der Geburt, Wehenstimulation oder Sectio muss den besonderen Gegebenheiten des Einzelfalls angepasst werden. Im Folgenden wird v. a. auf die Vorgänge im fetomaternalen Grenzbereich und deren endokriner Interaktion mit der fetalen und der mütterlichen HH-NNR eingegangen. Einzelheiten der molekular- und zellbiologischen Auswirkungen auf das Myometrium, die Zervix und die Eihäute werden in 7 Kap. 24.2–24.4 näher beschrieben.

24.1.1 Auto- und parakrine Vorgänge in dem fetomaternalen Grenzbereich

Der fetomaternale Grenzbereich, bestehend aus der Dezidua, der Plazenta und dem Chorioamnion, wird in der Schwangerschaft zur zentralen Schaltstelle verschiedener Vorgänge und übernimmt Teilfunktionen des mütterlichen Hypothalamus-Hypophysen- Bereichs. Bereits in der Frühschwangerschaft gehen durch die Abgabe einer Vielzahl von Peptiden und Proteinen in den mütterlichen Blutkreislauf wichtige Impulse für die Adaptation des Organismus an die besonderen Bedürfnisse einer Schwangerschaft von dieser Region aus.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur 3. Auflage7
Vorwort zur 2. Auflage9
Inhaltsverzeichnis13
Sektionsverzeichnis11
I Frühschwangerschaft18
1 Präimplantation, Implantation und Plazentation: Bedeutung für den Schwangerschaftsverlauf20
2 Frühschwangerschaft: klinische Aspekte34
3 Extrauteringravidität48
4 Trophoblasterkrankungen58
5 Schwangerschaftsabbruch68
6 Embryologie und Teratologie78
II Abklärung und Beratung während der Schwangerschaft95
7 Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit97
8 Grundlagen diagnostischer Tests und Screeningverfahren120
9 Screening auf Fehlbildungen und Chromosomenstörungen134
10 Fehlbildungen: Diagnostik und Management150
11 Pränatale Diagnostik: Molekularbiologische Methoden176
12 Physiologie des mütterlichen Organismus186
13 Schwangerenvorsorge200
14 Beratungsgrundlagen zur Lebensführung in der Schwangerschaft216
15 Schwangerschaft und Ernährung236
16 Ultraschall in der Geburtshilfe252
III Schwangerschaftsinduzierte Erkrankungen/Erkrankungen in der Schwangerschaft281
17 Erkrankungenin der Schwangerschaft282
18 Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen308
19 Anämie336
20 Thromboembolische Komplikationenin Schwangerschaft und Wochenbett352
21 Infektionen in der Geburtshilfe366
22 Diabetes mellitus und Schwangerschaft412
23 Alloimmunerkrankungen432
IV Pathologie der Schwangerschaft443
24 Physiologie und Pathologie des Geburtsbeginns444
25 Frühgeburt: pränatale und intrapartale Aspekte478
26 Früher vorzeitiger Blasensprung514
27 Chirurgische und medikamentöse Therapie des Feten524
28 Intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR)540
29 Blutungen im 3. Trimenon564
30 Antepartale Überwachung578
V Geburt608
31 Normale Geburt und Gebärhaltung610
32 Geburtsüberwachung634
33 Intrapartale Asphyxie676
34 Geburtseinleitung688
35 Vorzeitiger Blasensprung am Termin700
36 Übertragung708
37 Pathologische Geburt720
38 Vaginaloperative Geburt762
39 Geburt und Beckenboden778
40 Sectio caesarea798
41 Mehrlinge816
42 Regelwidrigkeiten des Geburtsmechanismus: Poleinstellungsanomalien834
43 Schulterdystokie856
44 Pathologie der Plazentarperiode874
45 Gerinnungsstörungenin der Geburtshilfe890
46 Geburtshilfliche Anästhesie und Analgesie906
VI Postpartum/Wochenbett/Stillzeit934
47 Versorgung des Neugeborenen936
48 Stammzellen aus Nabelschnurblut und deren Bedeutung in der Geburtshilfe958
49 Wochenbett966
50 Stillen974
51 Nachuntersuchung988
VII Qualitätssicherung/Ethik/Psychosomatik998
52 Psychosomatik in der Geburtshilfe1000
53 Komplementäre Medizin1014
53.1 Wassergeburt1015
53.2 Homöopathie1021
53.3 Akupunktur1024
54 Ethische Probleme in der Geburtshilfe1032
55 Klinisches Risiko und Fehlermanagement1044
56 Perinatale Mortalität1054
57 Müttersterblichkeit1066
58 Forensik1082
59 Empfehlungen und Leitlinien (Guidelines)1102
Stichwortverzeichnis1108

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