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Die Grenz- und Territorialpolitik der römischen Kaiser Domitian und Trajan an den Reichsgrenzen von Rhein und Donau

AutorAndré Sardisong
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl91 Seiten
ISBN9783640280155
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis27,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike, Note: 1,3, Humboldt-Universität zu Berlin, 172 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Arbeit wird die römische Politik an der Nordgrenze gegenüber Germanen und Dakern am Ende des 1. und zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. verglichen. Hierbei wird ein direkter Vergleich der Außen- und Grenzpolitik der Kaiser Domitian und Trajan vorgenommen. Der zeitliche Rahmen der Untersuchung reicht vom Bataveraufstand der Jahre 69/70 bis zur Endgültigen Unterwerfung Dakiens im Jahre 107. Im Mittelpunkt steht die Frage nach Kontinuitäten und Unterschieden in der Politik beider Kaiser.

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Leseprobe

I. Einleitung

 

Beim Vergleich der Biografien der Kaiser T. Flavius Domitianus (Domitian) und M. Ulpius Traianus (Trajan) sind einige Parallelen unübersehbar. Beiden Kaisern blieb es bis zu ihrer Thronbesteigung versagt, ihre militärische Tüchtigkeit, also ihre virtus, unter Beweis stellen zu können. Zwar werden sowohl Domitian als auch Trajan in die germanischen Grenzregionen zur Niederschlagung aufkommender Aufstände geschickt, jedoch kommen Domitian zur Niederschlagung des so genannten ‚Bataveraufstandes‘ der Jahre 69/70 n. Chr. und Trajan zur Bekämpfung des Usurpators L. Antonius Saturninus (Saturninus) im Jahre 89 jeweils zu spät, um ihre militärischen Fähigkeiten nachweisen zu können. Ferner spielen die germanischen Militärbezirke bzw. Provinzen eine zentrale Rolle nach dem Amtsantritt beider Kaiser. Domitian erwählte diese Region für seinen ersten Feldzug, den er 83 gegen die Chatten führte und Trajan war zum Zeitpunkt seiner Adoption durch seinen Vorgänger, M. Cocceius Nerva (Nerva), Statthalter in Obergermanien und hielt sich, selbst nachdem Nerva am 27.1.98 gestorben war, noch einige Monate in den germanischen Provinzen auf. Es ist überdies festzustellen, dass die germanischen Grenzgebiete und die Regionen an der unteren und mittleren Donau die zentralen Aktionsfelder kriegerischer Auseinandersetzungen mit germanischen und sarmatischen Stämmen waren. Dies gilt nahezu durchgängig für die Regierungszeit Domitians sowie für die erste Hälfte der Regierungszeit Trajans, die für die vorliegende Arbeit von Interesse sind. Des Weiteren führten beide Kaiser verlustreiche Kriege an der unteren Donau mit dem Dakerreich und schlossen beide Friedensverträge mit dem Dakerkönig Decebalus ab, die einen nicht geringen Spielraum für Interpretationen bezüglich ihres Zustandekommens und ihrer Wertung zulassen.

 

Die vorliegende Arbeit soll die Grenz- und Territorialpolitik beider Kaiser einer ausführlichen Analyse unterziehen und untersuchen, welchen Einfluss die Außenpolitik an den nördlichen Provinzgrenzen auf die Etablierung der Machtposition beider Kaiser ausübte, wobei die Grenzpolitik in Britannien hierbei lediglich tangiert werden soll. Dabei sollen verschiedene Aspekte der Grenzpolitik eine genauere Untersuchung erfahren. So ist zu klären, welche Rolle der schnelle Nachweis des Vorhandenseins der militärischen Tüchtigkeit beim Chattenkrieg Domitians 83 und beim Verzicht auf eine militärische Invasion Trajans in das ‚freie Germanien‘ bzw. seinem ersten Dakerkrieg 101/102 spielte, welche Erwartungen an die Kaiser, ihre Außen- und Grenzpolitik betreffend, gestellt wurden und welche Ziele mit dem Limes-System bezüglich der weiteren Territorial- und Verteidigungspolitik im obergermanischen Raum unter beiden Kaisern verfolgt wurden. Den unteren Donaubereich betreffend ist zu erörtern, welche grenzpolitischen Ziele Domitian und Trajan hinsichtlich des Status des Dakerreiches im Reichsgrenzvorfeld und welche Absichten beide Kaiser mit den, jeweils etwas überraschend abgeschlossenen, Friedensverträgen verfolgten, die von beiden nach verlustreich, aber dennoch erfolgreich verlaufenen Schlachten abgeschlossen wurden. Bei der Untersuchung der Grenz- und Territorialpolitik kann eine Betrachtung der angewendeten Romanisierungs-, Sicherungs- und Integrationsinstrumente im Hinblick auf die eroberten bzw. neu geschaffenen Provinzen an Rhein und Donau genauso wenig ausgeblendet werden wie eine Beleuchtung der Methoden, derer sich Domitian und Trajan bedienten, sowohl um sich selbst und insbesondere ihre Grenz- und Reichspolitik erfolgreich darzustellen, als auch um eine Beziehung zum römischen Heer aufzubauen, um sich die Gefolgschaft und Loyalität der Armee, welche seit Augustus faktisch eine Grenzarmee war, zu sichern.

 

In der vorliegenden Arbeit will ich mich mit der Frage auseinandersetzen, welche Maßnahmen die Kaiser Domitian und Trajan ergriffen, um diese problematischen Grenzregionen zu stabilisieren, innenpolitisch zu konsolidieren und in das Reich zu integrieren. Die Bearbeitung der eben aufgeworfenen Fragen erfolgt in zwei großen Kapiteln, jeweils einen Kaiser systematisch behandelnd. Unerlässlich ist es hierbei meiner Ansicht nach, um das Verhalten und Handeln Domitians diesen Komplex betreffend in Gänze zu verstehen, auch die Grenzpolitik Vespasians im germanischen Raum und die Rolle Domitians innerhalb der flavischen Dynastie mit einzubeziehen. Bezüglich Trajans Regierungszeit sollen vor allem auch die Motive und Ursachen für sein sehr unterschiedliches Vorgehen an der germanischen und an der dakischen Grenze eine zentrale Rolle spielen, wobei der unmittelbar militärstrategische und strukturpolitische Zusammenhang, der die ‚germanische‘ und die ‚dakische Frage‘ miteinander verknüpft, ebenfalls näher beleuchtet werden soll. Ziel bei der Bearbeitung der eben aufgeworfenen Fragen ist es, zu einem umfassenden und ausgewogenen Bild über Parallelen und Kontinuitätslinien bezüglich der Außen- und Grenzpolitik beider Kaiser an den nördlichen Provinzgrenzen zu kommen und dabei auch den Fokus darauf zu richten, ob sie sich, falls es derartige Parallelen bzw. Gemeinsamkeiten gab, gleichermaßen auf die Absicherung der kaiserlichen Macht innenpolitisch auswirkten bzw. auswirken konnten.

 

Kontinuitäten und Unterschiede zwischen den beiden Amtszeiten sollen erfasst und, daraus folgend, Ursachen und Hintergründe hierfür analysiert und erörtert werden, wobei diese Ergebnisse dann mit dem neuesten Stand der Forschung abgeglichen werden sollen. Dahingegen müssen die genauen Kriegsverläufe der domitianischen und trajanischen Germanien- und Dakienfeldzüge stark marginalisiert dargestellt werden, da auf militärhistorische Aspekte in dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann. Weiterhin nicht diskutiert werden können die zahlreichen, in diese Periode fallenden, Datierungsprobleme hinsichtlich des ereignisgeschichtlichen Rahmens sowie archäologische, prosopographische und truppengeschichtliche Details, da dies bereits hinreichend geschehen ist. An gegebener Stelle wird auf die dementsprechende Literatur verwiesen. Die Betrachtungen werden sich an den oben formulierten Fragen orientierend über den Zeitraum von ca. 69/70, der Niederschlagung des ‚Bataveraufstandes‘, bis zur Provinzialisierung Dakiens und der ersten Provinzialisierungsmaßnahmen, ca. 106/07, erstrecken.

 

Sowohl über Trajan als auch über Domitian sind in den letzten Jahren zahlreiche Monographien erschienen. Hierbei ist festzustellen, dass die Herrschaft Domitians nicht erst in der neuesten Forschung relativ objektiv analysiert wurde.[1] Auch die Rolle beider Kaiser an einzelnen Grenzabschnitten und Provinzregionen sowie in einzelnen Kriegen wurde bereits zum Teil ausführlich dargestellt, ebenso wie ihre Beziehungen zu den Autoren ihrer Zeit.[2] Verbindungs- und Kontinuitätslinien zwischen Domitian und Trajan wurden bislang zumeist stark an einem speziellen Thema ausgerichtet untersucht oder in einem relativ großen Rahmen mit erfasst.[3] Andersherum wurden bei näheren Untersuchungen der germanischen Stämme oder der Nord- und Nordwestgrenzen des Reiches nicht unbedingt die Kaiser Domitian und Trajan ausreichend betrachtet und noch weniger hinreichend miteinander in Beziehung gesetzt.[4] Jedoch ist ein direkter Vergleich der Außen- und Grenzpolitik der Kaiser Domitian und Trajan, der die nördlichen Reichsgrenzen im Zusammenhang betrachtet und einbezieht, wobei hierbei der Schwerpunkt besonders auf den germanischen und dakischen Provinzgrenzen liegen soll, unter der Prämisse, welche Auswirkungen diese Politik auf die innere Konsolidierung der Herrschaft haben sollte und tatsächlich hatte, noch nicht vorgenommen worden.

 

Die diesen Themenkomplex betreffende Quellenlage ist außerordentlich fragmentarisch hinsichtlich Domitian und zusätzlich zumeist stark subjektiv eingefärbt, insbesondere was die zeitgenössischen Autoren P.(?) Cornelius Tacitus (Tacitus) und Plinius den Jüngeren (Plinius) betrifft. Von den Historien des Tacitus, die ursprünglich die Geschichte bis zum Tode Domitians 96 darstellten, sind lediglich die ersten vier und das fünfte Buch im Ansatz erhalten, weshalb sie uns ausschließlich Aufschluss über die Wirren des ‚Vierkaiserjahres‘ und Domitians Rolle im ‚Bataveraufstandes‘ geben können. Rückschlüsse auf die Germanienpolitik Domitians aus der taciteischen Germania und Agricola aus dem Jahre 98 lassen sich nur punktuell schließen. Die Germania beschreibt vor allem die gesellschaftliche und soziale Struktur germanischer Stämme, wohingegen die Biografie des Agricola eher ein Schlaglicht auf die Beziehung Tacitus’ zu Domitian und auf seine Bewertung der domitianischen Außenpolitik wirft.

 

Der Panegyrikus des Pilinus ist zwar durch eine deutliche Überhöhung Trajans und im Gegensatz dazu unübersehbare Abwertung Domitians geprägt, aber für die Untersuchung des zu behandelnden Themas dennoch von großem Wert, da der im Jahre 100 gehaltene und wenig später überarbeitete Panegyrikus gerade auch die Außenpolitik Domitians und Trajans kontrastiert und zudem in diesem Zusammenhang Bezug auf die sich abzeichnenden Dakerkriege Trajans nimmt. Die Kaiserbiografien des C. Suetonius Tranquillus (Sueton) gelten zwar als relativ objektive Darstellung Domitians,[5] behandeln jedoch nicht mehr Trajan, wohingegen die Kaiserviten der Historia Augusta erst mit dem Nachfolger Trajans, P. Aelius Hadrianus (Hadrian), wieder einsetzen, was uns an dieser Stelle bezüglich Trajan in eine...

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