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Die große Panik

Das Wettrennen zur Rettung der Weltwirtschaft

AutorDavid Wessel
VerlagFinanzBuch Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl250 Seiten
ISBN9783862480746
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
Als der legendären Vorstandsvorsitzenden Alan Greenspan die Geschicke der Fed in die Hände seines Nachfolgers Ben Bernanke legte, waren die USA bereits in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Bürger im ganzen Land und bald darauf die ganze Welt waren verängstigt und alarmiert. Das Buch beschreibt die tiefe Krise der US-Notenbank Fed und gewährt einen intimen Blick hinter die Kulissen der Fed. Der Leser erfährt, wie die Bank wirklich funktioniert, legt offen, welch immense Macht in dieser Institution konzentriert ist. Wohl und Wehe der Weltwirtschaft hängen von der Kompetenz und den Entscheidungen ihrer Führungselite ab. Wessel zeigt eindrucksvoll auf, wie die Fed unter Ben Bernanke, durch ihre Fehlentscheidungen fast eine ganze Nation zu Fall brachte, und damit deren Rolle als Weltmacht aufs Spiel setzte. Nun bedarf es enormer Anstrengungen in bislang einmaliger Dimension, um die amerikanische Wirtschaft vor dem Untergang zu bewahren.

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Leseprobe
Kapitel 1 Lasst Lehman sterben (S. 21)

Die Vertretung der Fed an der Wall Street ist eine in den 1920er-Jahren gebaute, mit Eisenstäben vergitterte Festung im neoflorentinischen Stil. Bereits vor der Vollendung wurde der Bau als »so luxuriös und verschwenderisch « kritisiert, dass er »Salomons goldenen Tempel im Vergleich ziemlich billig aussehen lässt.« Unter dem Gebäude, zwanzig Meter unter dem Meeresspiegel, direkt auf dem Felsgrund von Manhattan ruhend befindet sich ein riesiges Gewölbe, das Gold im Wert von 195 Milliarden Dollar birgt.

In die Wand der Eingangshalle sind die zentralen Aufgaben der Fed gemeißelt, darunter einige altmodische Worte (»für eine elastische Währung sorgen«) sowie einige noch immer relevante (»die Ressourcen vieler Banken zum Schutz von allen bündeln«). Die Federal Reserve Bank of New York, ihrerseits selbst ein Machtzentrum, stellt auch eine Schlüsselverbindung zwischen der Finanzwelt der Wall Street und der Politik in Washington dar.

Doch nur wenige der Dramen, die sich in den Mauern des Gebäudes abspielten, waren so bedeutsam wie die Ereignisse des 13. und 14. September 2008, als es zum Schauplatz des Endes von Lehman Brothers, der Zwangsehe von Merrill Lynch und der Bank of America sowie den Vorbereitungen zur Quasi-Verstaatlichung von AIG, des größten Versicherungsunternehmens der Nation, wurde.

Lehman und Merrill Lynch wurden bereits weltweit als Sorgenkinder gehandelt, seitdem die Fed sieben Monate zuvor den Verkauf der ins Straucheln geratenen Investmentbank Bear Stearns an JPMorgan Chase eingefädelt hatte.

Als sich die finanzielle Fäulnis des Wohnimmobilienmarktes im Sommer 2008 allmählich ausbreitete, war Lehmans Problem keine Seltenheit: ein riesiger Haufen fauler Hypotheken, die unverkäuflich waren.

Ungewöhnlich war nur deren Ausmaß: In nur sechs Monaten musste die Bank 6,7 Milliarden Dollar an Verlusten aus dem Bereich Gewerbeimmobilien verkraften. Die Lehman-Aktien waren seit Jahresbeginn um 90 Prozent gefallen. Sowohl Paulson, der hyperaktive Finanzminister, als auch der kühl-analytische Präsident der New Yorker Fed, Tim Geithner, hatten seit Monaten Anrufe des langjährigen Lehman-CEOs Dick Fuld erhalten – sogar schon bevor das Unternehmen wenige Tage nach der Bear-Stearns-Rettung bekanntgegeben hatte, dass die Gewinne im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent geschrumpft seien.

Sowohl Paulson als auch Geithner forderten ihn auf, eine Kapitalerhöhung durchzuführen oder nach einem Käufer zu suchen. Fuld suchte – und die ganze Wall Street sah ihm dabei angespannt zu. Einmal schlug Fuld vor, Lehman in zwei Teile aufzuspalten, indem die faulenden Immobilienpapiere in eine eigene Gesellschaft ausgelagert würden – wenn nur der Staat mit vier Milliarden Dollar einspringen würde.

Lehman hatte damit geliebäugelt, eine »Bank-Holding« zu werden – ein Mittel, um es sich unter dem schützenden Mantel der Fed bequem zu machen und den Anlegern zu garantieren, dass man in der Not immer Zugang zu Fed-Krediten haben würde. Die Fed hörte zu, doch Geithner und andere waren skeptisch, dass ein Identitätswechsel Lehmans eigentliches Problem lösen würde.

»Keine nackte Bank-Holding«, teilte er Lehman mit (das sollte bedeuten, dass ein Wechsel der Rechtsform ohne eine fundamental geänderte Geschäftsstrategie nicht ausreichen würde). Paulson, der nie viel auf Lehman gegeben hatte, während er Goldman Sachs leitete, hielt Fulds Optimismus für nicht gerechtfertigt. Doch im Gegensatz zu anderen, sogar aus seinem Mitarbeiterstab, war Paulson nicht der Meinung, das Fuld einen zu hohen Preis für sein Unternehmen verlangte.

»Alle wussten, dass Lehman einen Käufer suchte. Wenn jemand Lehman hätte übernehmen wollen, dann wäre das nicht an dem Kaufpreis gescheitert, den Dick verlangte«, sagte Paulson später. Ein Last-Minute-Versuch, von einer koreanischen Bank frisches Kapital zu erhalten, schlug fehl. Lehman ging die Zeit aus.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis8
Personen10
Einleitung Alles, was nötig ist12
Kapitel 1 Lasst Lehman sterben22
Kapitel 2 Wiederholte finanzielle Ausschweifungen42
Kapitel 3 Das Zeitalter der Täuschung68
Kapitel 4 Auch in Boston gibt es Juden88
Kapitel 5 Pas de deux122
Kapitel 6 Die vier Musketiere: Bernankes Expertenteam134
Kapitel 7 RE: RE: RE: RE: RE: RE: Der blaue Himmel144
Kapitel 8 Mit Rückstand im Gepäck154
Kapitel 9 »Außergewöhnlich und dringlich«180
Kapitel 10 Fannie, Freddie und »Feddie«214
Kapitel 11 Das Glas einschlagen228
Kapitel 12 »Sozialismus amerikanischer Ausprägung«260
Kapitel 13 Die Nullzins-Welt288
Kapitel 14 Hat Bernanke sein Versprechen gegenüber Milton Friedman gehalten?314
Glossar326
Auswahlbibliografie329
Danksagungen331
Register332

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