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E-Book

Die idiopathische Epilepsie des Hundes

AutorAndrea Fischer
VerlagMartina Malenke
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl120 Seiten
ISBN9783830412663
FormatPDF/ePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis41,99 EUR
Epilepsie aktuell: Tierneurologen aus Hochschule und Praxis beantworten die häufigsten Fragen rund um die idiopathische Epilepsie des Hundes. Welche Diagnostik ist nach einem Krampfanfall Pflicht? Wann wird eine antiepileptische Therapie begonnen? Gibt es Alternativen für therapieresistente Patienten? Dieser Praxisleitfaden greift alle wichtigen Punkte auf und informiert umfangreich über: - Ätiologie und Pathogenese - Rasseprädispositionen - klinische Symptomatik und Klassifikation - Diagnostik inkl. diagnostischem Leitfaden - Differentialdiagnostik - Pharmakologie - Therapie - inkl. Dosierschemata, Kontaktadressen und Epilepsie-Tagebuch Von A wie Anfall bis Z wie Zuchtempfehlung - Expertenwissen auf den Punkt

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Leseprobe

1 Ätiologie und Pathogenese


Andrea Fischer, Velia Hülsmeyer

1.1 Definition


Andrea Fischer

Ein epileptischer Anfall ist die klinische Manifestation von episodisch auftretender, exzessiver und hypersynchroner elektrischer Aktivität des Gehirns. Die klinischen Symptome des epileptischen Anfalls variieren von leichtem Bewusstseinsverlust und geringgradigen motorischen Symptomen bis hin zu charakteristischer generalisierter Krampfaktivität mit tonisch-klonischen Krämpfen und vollständigem Bewusstseinsverlust. Häufig tritt begleitend eine erhöhte autonome Aktivität mit Speichelfluss, Mydriasis und Urinabsatz auf. Die klinischen Symptome eines epileptischen Anfalls treten dabei in Assoziation mit epileptiformer, elektroenzephalografisch nachweisbarer Aktivität des Gehirns auf.

Epilepsie ist eine Erkrankung, die durch das rezidivierende Auftreten von epileptischen Anfällen definiert ist. Die epileptischen Anfälle sind Folge einer andauernd veränderten Erregbarkeit und erniedrigten Krampfschwelle des Gehirns. Die Ursachen für die veränderte Erregbarkeit des Gehirns sind vielfältig. Dies sind im Falle der idiopathischen Epilepsie rein funktionelle Erkrankungen des Großhirns und im Falle der symptomatischen Epilepsie strukturelle Erkrankungen des Großhirns einschließlich bestimmter Gehirnstoffwechselstörungen. Epilepsie stellt somit die gemeinsame klinische Ausprägung einer Gruppe ätiologisch sehr unterschiedlich definierter Krankheiten dar. Nur im Fall der idiopathischen Epilepsie handelt es sich um eine per se genetisch definierte Krankheit (? Abb. 1.1).

Abb. 1.1 Schematische Übersicht über epileptische Anfälle.

Innerhalb der Epilepsien ist die idiopathische Epilepsie die häufigste neurologische Erkrankung des Hundes. Sie ist definiert durch das wiederholte Auftreten von fokalen und/oder generalisierten epileptischen Anfällen ohne nachweisbare Ursache, die aufgrund einer genetischen Prädisposition auftreten. Meist liegt eine lebenslange Erkrankung vor. Dabei wird die idiopathische Epilepsie als eine eigenständige Erkrankung betrachtet, die durch genetisch bedingte Veränderungen in der Erregbarkeit von Neuronenpopulationen und neuronalen Netzwerken bedingt ist bzw. auch auf einem Zusammenwirken von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen beruhen kann. Mögliche Ursachen sind Imbalanzen zwischen exzitatorischen und inhibitorischen Einflüssen auf der Ebene von Neurotransmittern und deren Rezeptoren, Ionenkanälen und neuronalen Netzwerken, die in vielen Fällen genetisch bedingt sind und Fokus aktueller Forschung bei Mensch und Tier sind.

Epilepsie ohne nachweisbare Ursache ist eine häufige Diagnose bei Hunden, die in den ersten 5 Lebensjahren an Epilepsie erkranken. Diese wird bei bis zu 75 % der epileptischen Hunde in dieser Altersgruppe gestellt. Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil dieser Hunde an einer idiopathisch-genetischen Epilepsie leidet ? [2],? [82]. Aus klinischer Sicht wird die idiopathische Epilepsie daher aktuell definiert als das Auftreten wiederholter epileptischer Anfälle ohne nachweisbare Ursache bei Hunden, die beim 1. Anfall häufig zwischen 0,5 und 5 Jahren alt sind, und die daher wahrscheinlich genetisch bedingt ist. Ein begründeter Verdacht auf idiopathische Epilepsie besteht, wenn zusätzlich in der Familie des betroffenen Hundes vom gehäuften Auftreten von idiopathischer Epilepsie berichtet wird. Der Ausschluss nicht genetischer Ursachen für Epilepsie und assoziierte Erkrankungen muss dabei möglichst sorgfältig erfolgen. Die Abklärung sollte auf einer ausführlichen Anamneseerhebung, einer neurologischen Untersuchung und Laboruntersuchung sowie auf der Durchführung einer Magnetresonanztomografie und Liquoranalyse basieren.

Kryptogene Epilepsie ist eine Epilepsie, bei der trotz intensiver Untersuchungen keine Grundkrankheit gefunden wurde und eine genetische Ursache z. B. aufgrund eines höheren Alters beim 1. Anfall unwahrscheinlich erscheint.

Merke

Die Begriffe idiopathische Epilepsie und Epilepsie ohne nachweisbare Ursache sollten nicht beliebig austauschbar verwendet werden. Der Begriff idiopathische Epilepsie impliziert immer eine genetisch bedingte Neigung für das Auftreten der Epilepsie, die sich mit einer familiären Häufung innerhalb bestimmter Familien oder auch bestimmter Rassen bemerkbar macht.

Angebrachter wäre es – wie auch von einigen Autoren bereits verwendet ? [70] –, von idiopathisch-genetischer Epilepsie zu sprechen.

Die idiopathische Epilepsie ist häufig eine lebenslange Erkrankung, die eine dauerhafte medikamentöse Therapie mit antiepileptisch wirksamen Medikamenten erfordert.

Zusammenfassung

Idiopathische Epilepsie ist eine Epilepsie ohne nachweisbare Ursache, die auf einer erhöhten genetischen Prädisposition für das Auftreten von epileptischen Anfällen beruht.

1.2 Pathophysiologie


Andrea Fischer, Velia Hülsmeyer

Ein epileptischer Anfall ist die klinische Manifestation von exzessiver und/oder hypersynchroner elektrischer Aktivität in Großhirn und Thalamus (Prosencephalon), die einen plötzlichen Beginn hat, spontan wieder nachlässt und eine Tendenz zur Wiederholung zeigt. Das kortikale Neuronennetzwerk stellt ein konstant exzitatorisch aktives Gewebe dar, dessen Aktivität durch umgebende inhibitorische Einflüsse andauernd ausbalanciert wird. Ein epileptischer Anfall kann durch exzessive neuronale Exzitation oder durch einen Zusammenbruch der Inhibition entstehen. Das Versagen der Inhibition wird dabei als der Hauptmechanismus bei der Entstehung epileptischer Anfälle verstanden. Dies begünstigt dann die Ausbreitung der hypersynchronen exzessiven Aktivität von einer Neuronengruppe aus auf angrenzende kortikale Areale (fokale Anfälle) oder auch zum Thalamus und von dort über kortikale Projektionen auf beide Großhirnhemisphären.

Unmittelbarer Auslöser für einen epileptischen Anfall kann dabei jede Veränderung exzitatorischer und inhibitorischer Einflüsse von Neuronen und deren Umgebung im zerebralen Kortex und im Thalamus sein:

  1. Strukturelle intrakranielle Erkrankungen im Bereich des Großhirns: Dies sind Missbildungen wie kortikale Dysplasie, Lissenzephalie, Porenzephalie oder Hydrozephalus, Tumoren, Entzündungen oder zerebrovaskuläre Erkrankungen (Infarkt, Blutung, auch im Zusammenhang mit Hypertension). Auch Gehirnstoffwechselstörungen, die zu strukturellen Veränderungen und neuronaler Degeneration führen, z. B. einige neuronale Ceroid-Lipofuszinosen oder mitochondriale Enzephalopathien oder auch die Myoklonusepilepsie des Hundes, sollten hier eingeordnet werden.

  2. Primär extrakranielle Erkrankungen, die die Homöostase von Neuronen und deren Metabolismus beeinflussen: Dies sind z. B. Elektrolytstörungen und Störungen in der Osmolalität der Extrazellularflüssigkeit, Hypoglykämie, Hypoxie und hepatische Enzephalopathie. In schweren Fällen können diese auch zu sekundärer Degeneration von Neuronen führen.

  3. Inhärent genetisch bedingte Prädispositionen, die eine generell erniedrigte Krampfschwelle zur Folge haben, wie dies bei der idiopathischen Epilepsie des Hundes gegeben ist: Hier gibt es aktuell auch Hinweise darauf, dass Defekte in der postnatalen Reifungsphase des Gehirns an der Ausprägung von epileptogenen neuronalen Netzwerken beteiligt sein können ? [71].

1.2.1 Erregbarkeit von Neuronen


„Alle Nervenzellen haben die Fähigkeit, elektrische Potenziale als Aktionspotenziale weiterzuleiten“ ? [77]. Das häufigste Neuron des Nervensystems ist das multipolare Neuron. Es besteht aus einem Zellkörper (Perikaryon, Soma), einem Axon (Neuriten) und vielen einzelnen Dendriten. Das Axon dient der Erregungsweiterleitung und bildet Synapsen mit anderen Neuronen, während die stark verzweigten Dendriten dem Erregungsempfang dienen. Jedes Neuron bekommt über zahlreiche Synapsen an Dendriten am Zellkörper (axodentritische und axosomatische Synapsen), teilweise auch am Axon (axoaxonale Synapsen), Informationen von anderen Neuronen. Diese verändern das Membranpotenzial durch das Öffnen von Ionenkanälen und den Ein- oder Ausstrom von Ionen im Sinne einer Erregung oder Hemmung. Dabei wirkt z. B. eine Erhöhung der intrazellulären Chloridkonzentration hemmend durch eine Erhöhung der intra-extrazellulären Ionendifferenz und somit einer Erhöhung des Ruhemembranpotenzials. Letztendlich bestimmt dann die Summe der...

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