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Die Kaiser der Julisch-Claudischen Dynastie

Übersetzt und eingeleitetvon Lenelotte Möller

AutorSueton
VerlagEdition Erdmann in der marixverlag GmbH
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783843803861
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
'Sueton schrieb mit der gleichen Ungehemmtheit, mit der die Caesaren lebten.' Hieronymus Den Kern der überlieferten Teile der Lebensbeschreibungen des römischen Historikers Sueton (1./2. Jh. n. Chr.) bilden die Biographien der fünf Herrscher Augustus, Tiberius, Gaius, Claudius und Nero. Sein Werk stellt einerseits eine wichtige historische Quelle dar, bediente aber mit seinen Anekdoten auf der anderen Seite auch ausführlich das Unterhaltungsbedürfnis der Leser. Jede Lebensbeschreibung stellt eine für sich abgeschlossene Einheit dar, weshalb Suetons Darstellungen auch für Einzeldarstellungen späterer Jahrhunderte zum Vorbild wurde.

Gaius Suetonius Tranquilius wurde um 70n. Chr. westlich von Karthago geboren. Er entstammt dem römischen Ritterstand und erhielt eine standesgemäße Ausbildung. Unter Kaiser Trajan trat Sueton in den Verwaltungsdienst ein. Zu seinen Mentoren gehörte Plinius der Jüngere, der maßgeblich Einfluss auf Suetons Karriere am Kaiserhof hatte. Suetons Laufbahn nahm jedoch ein jähes Ende, als er unter Kaiser Hadrian in eine Hoftintrige verwickelt wurde und er sich fortan nur noch der Schriftstellerei widmete. Die Kaiserbiographien sind sein bekanntestes Werk. Sueton starb vermutlich nach 122 n. Chr. Dr. Lenelotte Möller studierte Geschichte, Latein und evangelische Theologie in Saarbrücken, Basel und Mainz; die Promotion in Geschichte folgte im Jahr 2000; Sie unterrichtet am Gymnasium Schifferstadt im Rhein-Pfalz Kreis. Im marixverlag sind von ihr zahlreiche Übersetzungen erschienen.

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Leseprobe

Kaiserviten


Augustus


(1) Dass die Familie der Octavier einst eine besondere in Velitrae war, darauf weist vieles hin. Denn schon früh wurde ein Viertel im berühmtesten Teil des Städtchens das »octavische« genannt, und dort wurde ein Altar gezeigt, der von einem Octavius geweiht worden war. Als dieser nämlich als Anführer in einem Krieg mit benachbarten Staaten gerade vor Mars die heiligen Handlungen vollziehen wollte, wurde ein plötzlicher Einfall der Feinde gemeldet, und er zerschnitt die halb roh vom Herd gerissenen Opferteile. So in den Krieg aufgebrochen, kehrte er als Sieger zurück. Auch bestand ein öffentlicher Beschluss, dass man sorgfältig darauf achte, dass zukünftig auf ähnliche Weise dem Mars die Eingeweide der Opfertiere dargebracht und die übrigen Teile den Octaviern gegeben würden.

(2) Diese Familie, von König Tarquinius Priscus unter den geringeren Geschlechtern in den Senat aufgenommen, wurde bald von Servius Tullius unter die Patrizier eingereiht, zog sich aber mit der Zeit wieder in die Reihen der Plebejer zurück, um wieder nach einer langen Zeit durch Iulius Caesar zu Patriziern zu werden. Als Erster von ihr erhielt C. Rufus durch Volkswahl ein Amt. 2 Dieser zeugte nach seiner Quästur die Söhne Gnaeus und Gaius, von welchen zwei verschiedene Linien der Familie der Octavier abstammen, indem nämlich Gnaeus und schließlich sämtliche von ihm Abstammenden die höchsten Ämter innehatten. Gaius aber und seine Nachkommen blieben, sei es durch Schicksal, sei es aus Absicht, im Ritterstand bis zum Vater des Augustus. Augustus’ Urgroßvater leistete Kriegsdienst im Zweiten Punischen Krieg als Militärtribun in Sizilien unter dem Kommando von Aemilius Papus. Sein Großvater gab sich mit Munizipalämtern zufrieden und wurde mit überreicher väterlicher Erbschaft in höchster Ruhe alt. Doch davon schreiben andere. 3 Augustus selbst schreibt daher nicht mehr, als dass er aus einer Familie des Ritterstandes stamme, dabei aber einer alten und reichen, in welcher sein Vater der erste Senator war. M. Antonius behauptet, dass er einen Freigelassen zum Urgroßvater hatte aus dem Gau Thurinus, der Großvater sei Geldwechsler gewesen. Und nichts Weiteres kann über die Vorfahren des Augustus väterlicherseits herausgefunden werden.

(3) Sein Vater C. Octavius war von frühestem Alter an wohlhabend und allgemein sehr angesehen, sodass ich mich allerdings wundere, dass er von einigen als Geldwechsler bzw. als Stimmenhändler auf dem Marsfeld bezeichnet wird. Denn mit großen Reichtümern ausgestattet, erlangte er leicht Ämter und führte sie hervorragend aus. Nach der Prätur erloste er die Provinz Makedonien und machte unterwegs Flüchtige, eine übriggebliebene Schar von Spartacus und Catilina, nieder, die das Gebiet Thuringum besetzt hatten, da ihm vom Senat dieser außerordentliche Auftrag erteilt worden war. 2 Der Provinz stand er nicht weniger mit Gerechtigkeit als mit Tapferkeit vor, denn nachdem er die Besser und Thraker in einer großen Schlacht zerstreut hatte, behandelte er die Bundesgenossen so, wie es die Briefe M. Ciceros enthalten, in welchen dieser seinen Bruder Quintus (Ad Quintum fratrem 1,1,21; 2,7), der zur selben Zeit mit unglücklichem Ruf als Prokonsul Asien verwaltete, ermunterte und ermahnte, seinen Nachbarn Octavius bei der Behandlung von Bundesgenossen nachzuahmen.

(4) Als er von Makedonien zurückkehrte, starb er eines plötzlichen Todes, noch bevor er sich um das Konsulat bewerben konnte, indem er folgende Kinder hinterließ: die ältere Octavia, die er von Ancharia hatte, und die jüngere Octavia sowie Augustus, welche beiden er von Atia hatte. Atia war die Tochter von M. Atius Balbus und Iulia, der Schwester des C. Caesar. Balbus stammte väterlicherseits aus der Familie der Aricier, die auf viele senatorische Ahnenbilder verweisen kann, mütterlicherseits ist er engstens verwandt mit M. Pompeius, und nachdem er die Prätur bekleidet hatte, verteilte er als einer der Zwanzigmänner Ackerland in Kampanien gemäß der lex Iulia. 2 Antonius selbst aber, der Augustus wegen dessen mütterlichen Herkunft verachtete, warf ihm vor, dass sein Urgroßvater afrikanischer Abstammung gewesen sei und mal einen Salbenhandel, mal das Müllerhandwerk betrieben habe. Cassius von Parma aber schätzte Augustus in einem Brief nicht nur als Enkel eines Müllers, sondern auch eines Geldwechslers so ein: »Du hast Mehl aus der ärmlichsten Mühle von Aricia zur Mutter; dieses formte mit den vom Münzenzählen beschmutzten Händen der nerulische Geldwechsler.«

(5) Geboren wurde Augustus im Konsulat M. Tullius Ciceros und C. Antonius’ (63 v.Chr.), am 23. September kurz vor Sonnenaufgang in der Gegend des Palatin, die »Bei den Stierköpfen« genannt wird, wo er jetzt ein Heiligtum besitzt, das einige Zeit nach seinem Tod errichtet wurde. Denn wie es in den Senatsakten enthalten ist, verwies C. Laetorius, ein junger Mann von patrizischer Abstammung, angesichts des ziemlich schweren Vorwurfs des Ehebruchs außer auf sein Alter und auf seine Herkunft bei den Senatoren auch darauf, dass er der Besitzer des Bodens sei, den der vergöttlichte Augustus, als er gerade geboren war, zuerst berührte, und er bat, dass ihm gleichsam aufgrund der ihm gehörenden besonderen Gottheit [das Leben] geschenkt werde, und man beschloss, dass dieser Teil des Hauses zum Heiligtum gemacht werde.

(6) Der Ort, an dem er aufgezogen wurde, wird gezeigt auf dem Landgut zu Velitrae, sehr bescheiden und so groß wie eine Vorratskammer. In der Nachbarschaft hält sich die Meinung, dass er dort auch geboren sei. Dort hineinzugehen außer in notwendigen Fällen und mit Ehrfurcht gilt als Frevel, da man die alte Meinung angenommen hat, dass denen, die leichtfertig hineingehen, Schrecken und Furcht eingejagt werden. Und dies wurde bald bestätigt. Denn als der neue Besitzer des Landhauses, sei es durch Zufall, sei es, um das Bett auszuprobieren, sich dort hineinbegab, geschah es, dass er nach wenigen Stunden in der Nacht, aufgeschreckt durch eine plötzlich auftretende und unsichtbare Kraft, von dort hinausgeworfen wurde und fast halb tot mitsamt dem Bett vor der Tür aufgefunden wurde.

(7) Als Kind wurde ihm der Beiname Thurinus gegeben in Erinnerung an den Ursprung seiner Vorfahren oder weil Octavius, der Vater des Neugeborenen in der Region Thurii gegen die Flüchtigen so erfolgreich gekämpft hat. Dass er den Beinamen Thurinus erhalten hat, kann ich mit hinreichender Sicherheit überliefern, da ich ein altes Jugendbildnis aus Erz von ihm erhalten habe, das mit ehernen und fast schon verblassten Buchstaben mit diesem Namen beschriftet ist. Dieses habe ich als Geschenk dem Kaiser gegeben, und es wird unter den Laren seines Gemachs verehrt. Aber auch von M. Antonius wurde er als Beleidigung in Briefen oft Thurinus genannt, und er selbst schreibt, dass er sich nur wundere, dass ihm sein früherer Name zum Vorwurf gemacht werde. 2 Später nahm er den Namen Gaius Caesar und dann den Beinamen Augustus an, den einen aufgrund des Testaments des Großonkels, den anderen aufgrund des Antrags des Munatius Plancus; und während einige sogar dachten, er sollte Romulus heißen, da er gleichsam selbst der neue Gründer der Stadt sei, überwog doch die Ansicht, dass er besser Augustus genannt werde mit einem nicht nur neuen, sondern auch größeren Namen, weil die heiligen Orte, an welchen die Auguren bestimmt haben, was geweiht würde, augusta (erhaben) genannt wurden, entweder aufgrund ihrer Erhöhung oder nach dem Fressen und Verhalten der Vögel, wie uns auch Ennius lehrt, wenn er schreibt (Ennius, Annales 502):

Augusto augurio postquam incluta condita Roma est, … Nachdem das erhabene Rom mit erhabenem Augurium gegründet war,…

(8) Als Vierjähriger verlor er seinen Vater. Im zwölften Lebensjahr ehrte er seine verstorbene Großmutter mit einer öffentlichen Rede. Nachdem er mit 14 Jahren die Männertoga erhalten hatte, wurde er beim Triumph Caesars über Afrika mit militärischen Ehren bedacht, obgleich er aufgrund seines Alters nicht am Krieg teilgenommen hatte. Als bald danach der Onkel nach Hispanien gegen die Söhne des Cn. Pompeius aufbrach, folgte er ihm, kaum von einer schweren Krankheit genesen, auf einem durch Feinde gefährlichen Weg mit nur sehr wenigen Begleitern und erlitt sogar Schiffbruch. Er machte sich durch großen Einsatz verdient, und er zeigte außer großer Energie auf dem Marsch auch schnell eine gute Anlage seines Charakters. 2 Nachdem Caesar Hispanien wiedergewonnen hatte, plante er, einen Feldzug gegen die Daker und von dort gegen die Parther zu unternehmen, wurde nach Apollonia vorausgeschickt und war zunächst einmal frei, sich seinen Studien zu widmen. Sobald Caesar ermordet worden war, wurde er dessen Erbe, zweifelte aber lange, ob er die nächsten Legionen herbeirufen solle, verwarf diesen Plan aber als unüberlegt und voreilig. Im Übrigen suchte er die Stadt [Rom] auf und trat das Erbe an, während seine Mutter zweifelte und sein Stiefvater Marcius Philippus, der...

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