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Die Konkubinenwirtschaft

Warum westliche Unternehmen in China scheitern und die Chinesen an die Weltspitze stürmen

AutorFrank Sieren
VerlagCarl Hanser Fachbuchverlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl281 Seiten
ISBN9783446418240
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR

Die Konkubinenwirtschaft ist inzwischen das Schlagwort für das, was westliche Unternehmen im größten Wachstumsmarkt der Welt erwartet. Geschickt werden sie von den Chinesen gegeneinander ausgespielt. Sie müssen um die Gunst der chinesischen Partner buhlen wie einst die Konkubinen um die Gunst des Kaisers. 

Selbst Konzerne können in dem unübersichtlichen Markt die Spielregeln nicht mehr bestimmen. Die chinesischen Staatslenker sitzen am längeren Hebel. Jedes Produkt, das in China verkauft wird, soll möglichst viele lokale Arbeitsplätze schaffen und Profite für China erwirtschaften. Oft schlagen die Chinesen dabei über die Stränge und kopieren Produkte. Die Westler müssen mitspielen, weil sie den großen neuen Markt brauchen. Mit nicht weniger großem Engagement hilft die Pekinger Führung chinesischen Unternehmen dabei, sich in etablierten Märkten und Entwicklungsländern geschickt und oft unauffällig festzubeißen. Dabei entwickeln sie geschickte Strategien, die den Westen das Fürchten lehren. An zahlreichen Firmenbeispielen deckt der profunde Chinakenner Sieren die Schwächen der Westler und die Stärken der Chinesen auf. 

Von beiden können wir lernen. Nur so kann es gelingen, unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken. Unverzichtbares Management-Knowhow in einem Weltmarkt, dessen Schwerpunkt sich jeden Tag ein wenig mehr in Richtung Asien verschiebt.

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Leseprobe

Mit Mann und Maus (S. 95-97)
Wie OBI an Millionen chinesischer Handwerker scheiterte
Wenn Manfred Maus vor dem Fernseher sitzt, kann er sich entspannt zurücklehnen. Der 73-Jährige mit dem vollen schlohweißen Haar hat viel erreicht. „Wer, wo, was weiß OBI" tönt es zu den Klängen des Queen-Songs „We will rock you" aus dem Fernsehlautsprecher. 98 Prozent der Deutschen kennen die Baumarktkette. OBI hat etwa 500 Märkte weltweit, ist der erfolgreichste Baumarkt Deutschlands, die Nummer zwei in Europa und der viertgrößte Baumarkt weltweit – dafür hat OBI-Gründer Maus hart gekämpft. Von 1970 bis 2001 hatte OBI 430 Geschäfte aufgebaut, vor allem in Deutschland, Österreich, Italien und Polen. Doch ein Ziel hat Maus nicht erreicht. Etwas wehmütig ist er noch immer, wenn er an China denkt. Immer mehr westliche Firmen haben in den letzten Jahren einen Standort im Reich der Mitte aufgebaut. Manager reden begeistert über die Chancen, die der riesige Wachstumsmarkt bietet.

Auch Manfred Maus hatte einst das Chinafieber: „China wird in den nächsten Jahren zum größten Markt der Welt werden", sagte der Unternehmer zu Bundeskanzler Gerhard Schröder, als die beiden durch die Reihen gefüllter Regale des ersten Schanghaier OBI-Marktes gleich gegenüber der Transrapidhaltestelle schlenderten. Das war im November 2001. Aus den Lautsprechern schallte Udo Jürgens’ „Mehr als die vier Wände, an die man die Bilder hängt". Maus fügte enthusiastisch hinzu: „Was hier geschieht, ist ohne Beispiel." Damit sollte er recht behalten. Tatsächlich war das, was im Folgenden geschah, ohne Beispiel. Mit der Expansion in den riesigen Wachstumsmarkt China hatte der Baumarkt mit dem Biber im Logo sich allerdings übernommen. Dabei schien China für den energischen Macher Manfred Maus das richtige Spielfeld.

Seine Argumente für den Markteintritt gegenüber der Tengelmann- Gruppe, die 63 Prozent an der OBI Bau- und Heimwerkermärkte GmbH &, Co. Franchise Center KG hält, waren einfach und überzeugend. Wenn OBI ohnehin schon rund 15 Prozent seiner Produkte in China kaufe und der Anteil immer stärker ansteige, könne man sie auch gleich in China verkaufen. Kunden gebe es genug. Die neue chinesische Mittelschicht erfüllt sich gerade den Traum der eigenen vier Wände, und in China ist es üblich, Wohnungen oder Häuser im Rohbau zu kaufen und den Innenausbau selbst zu übernehmen.

Auch mit konkreten Zahlen konnte Maus die Tengelmann- Gruppe für die Expansion nach China überzeugen: Schanghai zum Beispiel wuchs zu dieser Zeit um 14 Millionen Quadratmeter Wohnfläche jährlich, 200 000 Familien zogen dort jedes Jahr in neue Wohnungen – und gaben durchschnittlich etwa 6 000 Euro im Jahr für Innenausbau und Einrichtung ihrer neuen Häuser aus. Dass Maus nicht der Einzige war, der dies erkannte, fiel bei diesen beeindruckenden Zahlen nicht weiter auf. „Der Chinese kann nach 40 Jahren Kommunismus Eigentum erwerben, das motiviert die Menschen unglaublich", war er überzeugt. In Deutschland dagegen schien der Markt an seine Grenzen gekommen zu sein. „Wir müssen raus aus dem Jammertal", forderte der OBI-Gründer.

Er hatte sich den Markt gut angeguckt und wusste, dass die Chinesen in der Regel keine Heimwerker sind. Außerdem sind Wanderarbeiter aus den Provinzen so preiswert, dass es sich für die meisten nicht lohnt, den Hammer selbst in die Hand zu nehmen.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis8
Vorwort10
Nicht lange Fackeln18
Wie aus der Garagengründung Lenovo der viertgrößte Computerhersteller der Welt wurde18
Auf und Nieder immer wieder34
Wie China den Unternehmer Eginhard Vietz in die Knie zwang und er wieder auferstand34
Immer flüssig48
Wie aus ICBC, einem Endlager für faule Kredite, die größte Bank der Welt wurde48
Wahaha70
Wie Danone in China das Lachen verging70
Stets starkes Signal84
Wie Huawei die Welt vernetzt84
Mit Mann und Maus104
Wie OBI an Millionen chinesischer Handwerker scheiterte104
QQ ohne IQ118
Wieso mit Chery nicht gut Kirschen essen ist118
Akku leer130
Wie Ningbo Bird Siemens das Fürchten lehrte130
Bohren für China150
Wie CNOOC auf dem Ölboom reitet150
Über den Wolken168
Wie Airbus den Chinesen Flügel verleiht168
Haier und Higher190
Wie der Kühlschrankhersteller Haier eiskalt die Welt erobert190
Störsender und Chinesin206
Wie Rupert Murdoch aalglatt ins Herz des Drachen wollte206
Hochstapeln leicht gemacht234
Wie der Containerhersteller CIMC den Weltmarkt aufmischt234
Meisterzeit250
Wie Ulrich Reichert, der China-Geschäftsführer des Maschinenherstellers Wirtgen, ein Gefangener Pekings wurde250
Literaturverzeichnis276
Nachwort280

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