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E-Book

Die Liebe

Vollständige Ausgabe

AutorJules Michelet
VerlagJazzybee Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl297 Seiten
ISBN9783849631765
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,99 EUR
Michelets philosophisches Buch über Liebe, Ehe und die Frau gehört nach wie vor zu den besten Werken dieser Art. Inhalt: Erstes Buch I. Von der Frau II. Die Frau ist eine Kranke. III. Die Frau darf nur wenig arbeiten. IV. Der Mann muß für Zwei verdienen. V. Wie soll die Braut sein - reich oder arm? VI. Soll man eine Französin heiraten? VII. Die Frau will die Festigkeit und Vertiefung der Liebe. VIII. Du mußt deine Frau schaffen; es ist ihr eigener Wunsch. IX. Wer bin ich, daß ich eine Frau schaffen könnte? Zweites Buch. I. Die Schäferhütte. II. Die Heirat III. Die Hochzeit. IV. Das Erwachen. - Die junge Herrin vom Hause. V. Je enger der häusliche Kreis, desto besser. VI. Die Tafel. VII. Sie müssen sich selbst bedienen. VIII. Diätetik. IX. Von der geistigen Befruchtung. X. Von der moralischen Zeitigung. Drittes Buch. I. Empfängnis. II. Die Schwangerschaft und der Stand der Gnade. III. Die Schwangerschaft. - Der Nebenbuhler. IV. Die Niederkunft. V. Wochenbett und erster Ausgang. Viertes Buch. I. Der Säugling. Trennung. II. Die Liebe zur Veränderung. III. Die junge Mutter wird von ihrem Sohn getrennt. IV. Die Welt. Ist der Wert des Mannes gesunken? V. Die Fliege und die Spinne. VI. Die Versuchung. VII. Eine Rose als Ratgeberin. VIII. Heilung des Herzens. IX. Heilung des Körpers. Fünftes Buch. I. Zweite Jugend der Frau. II. Das Walten der züchtigen Hausfrau. III. Sie verfeinert den Geist und giebt uns die Begeisterung wieder. IV. Es giebt keine alte Frau. VI. Ist die Einigkeit erreicht? VII. Tod und Trauer. VIII. Die Liebe über das Grab hinaus. Noten und Erläuterungen.

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Leseprobe

 


Sie schläft, deine arme Kleine; sie schläft, und es wäre sehr schade, sie zu wecken, denn sie träumt süß; man sieht es an der Bewegung ihrer Lippen. Sie träumt von Liebe, das heißt von dir. Es ist eben fünf Uhr; erlaube, daß sie im Bette bleibt (besonders in dieser Zeit des Monats) und ein wenig in den Morgen hineinschläft. Wenn wir indessen erraten könnten, was in diesem leichten Hauche schwebt, der auf ihrer Lippe weht! Was denkt sie? oder was will sie?

 

"Ich weiß es nicht." – Nun, so will ich es dir sagen: "Dir lebe ich, in dir lebe ich!"

 

Das ist sehr einfach, aber es ist eine Welt. Eine vollständige Offenbarung liegt in diesem Worte, die ganze Formel der Natur, das Evangelium der Ehe.

 

"Lieber! ich bin nicht stark. Ich kann nicht viel mehr, als dich lieben und pflegen. Ich habe nicht deine nervigen Arme, und wenn ich lange über eine verwickelte Sache nachdenke, so steigt mir das Blut zu Kopfe und mein Gehirn beginnt zu schlagen. Erfinden ist nicht eben meine Stärke, und die Initiative zu ergreifen, fällt mir schwer. Weshalb? Ich warte immer auf dich, blicke immer auf dich."

 

"Dir allein bleibe der Aufschwung, der Feuereifer, dir auch das Vermögen, die ausharrende Kraft – die Erfindung und die Ausführung. Deshalb wirst du der Schöpfer sein und mir mit deinem Geiste, mit deiner Kraft ein Nest bereiten."

 

"Ein Nest? O, mehr! Eine harmonische Welt voll Ordnung und süßem Frieden; eine Stadt des Glücks, wo ich nicht leiden sehe, wo ich nicht zu weinen brauche, wo das Glück aller mein Glück erst vollkommen macht. Denn siehe! was nützte mir dies weiche Nestchen, wenn ich allein glücklich wäre. Wenn bis dorthin der Jammer fremden Elends dränge, so würde ich mein eigenes Glück hassen müssen."

 

Und nun, da sie gesprochen hat, versuchen wir, ihren Gedanken zu formulieren. Und könnten wir nicht sagen, ihr Gesetz! Ja, es ist das Gesetz der Liebe.

 

"Im Namen der Frau und kraft der Frau, Königin dieser Erde! Wir befehlen dem Manne, daß er die Erde umwandeln soll und daraus machen eine Stätte der Gerechtigkeit, des Friedens, des Glückes; und soll den Himmel hienieden schaffen."

 

"Und was wird sie mir dafür geben?" Sich selbst. Ihr Herz erweitert sich in dem Maße, als dein Heroismus wächst. Schaffe das Paradies für die anderen; sie wird dir das deinige zu bereiten wissen.

 

*

 

Das ist das Paradies der Ehe, daß der Mann für die Frau arbeitet, daß er das Nötige allein herbeischafft, daß er das Glück hat, für sie sich abmühen, für sie dulden zu können, daß er ihr die Mühe der Arbeit abnimmt und die Kränkungen der Welt erspart.

 

Zerschlagen kommt er des Abends nach Hause. Die Arbeit, die plumpen Dinge und die böswilligen Menschen haben ihn angegriffen. Er hat gelitten, er hat an seiner Kraft eingebüßt, er ist nicht mehr der Mann, der heute Morgen über die Schwelle ging. Aber er findet in seinem Hause eine Welt voll Güte, eine so himmlische Ruhe, daß er fast an der Wirklichkeit aller der Bitternisse zweifelt, die er den Tag über erduldet hat: "Nein, das alles war nicht wirklich, war nur ein böser Traum. Die Wahrheit – bist du!"

 

Das ist, mehr noch als die Fortpflanzung, die Mission der Frau: des Mannes Herz zu erquicken. Von ihm beschützt und ernährt, nährt sie ihn mit Liebe.

 

Die Liebe ist ihre Arbeit, und eigentlich die einzige, die sie zu verrichten hat. Um sie ungebrochen für diese Arbeit verwerten zu können, hat die Natur sie so ungeschickt für die geringeren Arbeiten des Lebens geschaffen.

 

Des Mannes Sache ist es, zu verdienen; ihre Sache, auszugeben.

 

Das heißt: die Ausgaben besser zu regeln und zu besorgen, als es der Mann imstande gewesen wäre.

 

Das heißt: ihm jede Ausgabe für Vergnügungen zu verleiden. Weshalb anderswo Vergnügen suchen? Und giebt es denn noch eins, außer in der geliebten Frau?

 

"Die Frau ist das Haus," sagt ein weises indisches Gesetz. Und besser noch sagt der indische Dichter: "Die Frau ist das Vermögen."

 

Die Erfahrung des Abendlandes erlaubt uns hinzuzufügen: "Und vor allem die arme Frau."

 

Sie hat nichts und bringt doch alles.

 

V. Wie soll die Braut sein – reich oder arm?


 


Sie soll sanft, gläubig, lenkbar und vor allem frischen Herzens sein.

 

Das Übrige ist Nebensache.

 

*

 

Um mit dem Punkte anzufangen, der heutzutage der Hauptpunkt ist, mit dem Vermögen, so muß ich bekennen, niemals ein reiches Mädchen gesehen zu haben, welches gelehrig gewesen wäre. Fast alle treten vom Tage nach der Hochzeit an mit ungemessenen Ansprüchen hervor, vor allen mit dem, im Verhältnis zu ihrer Mitgift Ausgaben zu machen, und wo möglich darüber. Mancher, der sich bereichert zu haben glaubte, hat sich in Wirklichkeit ärmer gefunden, genötigt, wie er war, sich in die Wechselfälle der Spekulation einzulassen.

 

Ich wagte vor zwölf Jahren, folgenden Grundsatz aufzustellen, der sich mehr und mehr bewahrheitet hat: "Wenn ihr euch ruinieren wollt, so heiratet eine reiche Frau."

 

*

 

Darin liegt noch eine größere Gefahr, als die, sein Vermögen zu verlieren: die Gefahr, sich selbst zu verlieren, die Gewohnheiten verändern zu müssen, die euch zu dem machten, was ihr seid, die euch gaben, was an euch stark und originell ist. Mit dem, was man eine gute Heirat nennt, werdet ihr das Anhängsel einer Frau werden, eine Art von Prinzgemahl oder der Gatte einer Königin.

 

Eine schöne, sehr schöne, vollkommen liebenswürdige und gutherzige Witwe sagte zu jemand: "Mein Lieber, ich habe fünfzigtausend Livres Rente, einfache, durchaus nicht weltliche Neigungen. Ich liebe Sie und werde thun, was Sie wollen ... Sie sind mein alter Freund, können Sie einen Fehler an mir finden?" – "Einen, Madame, Sie sind reich."

 

*

 

"Wie! der Reichtum wäre ein Verbrechen?"

 

Nein; alles, was ich hier sagen will, ist, daß die Frau, welche reicher als der Mann in die Ehe tritt, sich selten lenkbar zeigt. Sie wird nicht seine Ideen annehmen, seine Art zu leben, seine Gewohnheiten. Sie wird ihm die ihrigen aufnötigen: aus dem Manne wird sie ihre Frau machen, oder der Streit beginnt. Die unmerkliche, süße Vermischung seines und ihres Lebens wird nicht zustande kommen, das Ineinanderwachsen durch Annäherung unmöglich sein; es wird keine Ehe geben.

 

Ist die Frau im Gegenteil ärmer, so ist sie reich an gutem Willen. Sie liebt und glaubt (das ist sehr viel! ...). Ist es alles? Es bedarf eines dritten, das sie nicht immer geben kann: sie muß den, welchen sie liebt, begreifen können.

 

Ist der Unterschied des Standes, der Erziehung zu groß, sind mehrere Stufen zu überspringen, so ist die Schwierigkeit sehr bedeutend. Es bedarf dann vieler Zeit, großer Umsicht und einer Geduld, die ein viel beschäftigter Mann nicht immer hat. Man sieht und bewundert manchmal ein junges Landmädchen, das, unter glücklichen Sternen geboren, von Schönheit und Güte strahlt und dabei klug, unendlich rein, liebevoll, sanft und gelehrig ist. Wählt sie, heiratet sie – und ihr seid unangenehm überrascht, wenn ihr die unendliche Schwierigkeit wahrnehmt, die ihr habt, euch mit ihr zu verständigen. Und doch thut sie alles, was sie kann; sie merkt auf, sie will lernen; sie giebt sich euch ganz hin. Es hilft doch nichts. Euch zu folgen, wird ihr schwer; auch ist sie zu sanguinisch; – Landbewohner leiden, wenn sie aus ihren groben Arbeiten herausgerissen sind, an Überfülle des Blutes. Sie fühlt das alles nur zu wohl. Sie weint; sie ist ärgerlich auf sich selbst, "daß sie so dumm ist". Aber sie ist durchaus nicht dumm. Sie ist sogar in allem, was in ihrem Gesichtskreise liegt, sehr klug. Der Fehler liegt nicht an ihr, sondern an euch, die ihr glaubtet, mit Leichtigkeit mehrere Grade der Einweihung durchmachen zu können.

 

Dieses junge Mädchen konnte und mußte einen trefflichen Handwerker in der Stadt heiraten. Und die Tochter aus dieser Ehe, bei der die feinere Kultur durch die schon verfeinerte Rasse unterstützt wurde, hätte einen Gelehrten geheiratet. Sie hätte ihm folgen, ihn ohne Schwierigkeit begreifen können. Das würde eine geistige Ehe gegeben haben.

 

Und wird das immer so sein? Nein; ich hoffe sehr das Gegenteil. Die Stände wie die Rassen vermischen sich mehr und mehr. Alle alten Schranken werden fallen vor dem allmächtigen Mittler, dem souveränen Gleichmacher: der Liebe.

 

VI. Soll man eine Französin heiraten?


 


Es ist nicht genug, daß die Frau liebt, nicht genug, daß sie begreift; sie muß auch etwas zurückgeben können: Funken um Funken, Gedanken um Gedanken. Deshalb würde ich, wenn es auf die Nation ankommt, die Französin allen Frauen der Welt vorziehen.

 

Die Deutsche ist die Güte und Liebe selbst, von entzückender Reinheit und Kindlichkeit. Die keusche, einsame, träumerische, häusliche, so treue, so starke und zugleich so zärtliche Engländerin ist das Ideal einer Gattin. Die spanische Glut entzündet das Herz, und die Italienerin in ihrer Schönheit und Weichheit,...

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