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Die logistische Revolution

Der Aufstieg der Logistik in der Massenkonsumgesellschaft

AutorRichard Vahrenkamp
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl390 Seiten
ISBN9783593410920
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis33,99 EUR
Die Herausbildung der Massenkonsumgesellschaft mit ihrem enormen Angebot an Waren wäre nicht möglich gewesen ohne die gleichzeitige Entwicklung zahlreicher logistischer Dienstleistungen. Richard Vahrenkamp schildert die Entstehung der modernen Logistik seit Ende des 19. Jahrhunderts, vom Ausbau des Straßennetzes über die Eisenbahn bis hin zu Luftfracht und Supply Chain Management.

Richard Vahrenkamp ist Professor für Produktionswirtschaft und Logistik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel.

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Leseprobe
Die Massenkonsumgesellschaft westlichen Stils ermöglicht dem Konsumenten eine breite Auswahl von Waren und Dienstleistungen. Das Angebot an Waren vergrößerte sich in den vergangenen 100 Jahren beträchtlich, nachdem bereits im 19. Jahrhundert verschiedene Beobachter auf die Warenvielfalt hingewiesen hatten. Karl Marx hob sie im Jahre 1867 mit dem berühmten Einleitungssatz seines Werkes 'Das Kapital' als Charakteristikum der kapitalistischen Gesellschaften hervor, und Émile Zola schilderte in seinen Romanen 'Der Bauch von Paris' und 'Das Paradies der Damen' plastisch die Warenfülle in den Pariser Markthallen und Kaufhäusern. Im 20. Jahrhundert wuchs die Warenvielfalt umso mehr an. Die als Shopping Malls bezeichneten neuen Vertriebsformen im Einzelhandel boten verschiedene Artikel in der Größenordnung von einigen 100.000 an. Die Angebote an konsumentennahen Dienstleistungen wie Bankkredite, Versicherungen und die Tourismusindustrie waren gleichfalls von Vervielfältigung gekennzeichnet. Sie sind keine Selbstverständlichkeit, sondern basieren auf einem komplexen System logistischer Dienstleistungen, die sich parallel mit der Massenkonsumgesellschaft herausgebildet haben, aber in der Öffentlichkeit nahezu unbeachtet geblieben sind. Man nahm das Warenangebot unreflektiert als gegeben hin. In diesem Band sollen die logistischen Dienstleistungen, welche die Massenkonsumgesellschaft ermöglichen, diskutiert und dabei gezeigt werden, wie sich die logistischen Dienstleistungen parallel zur Massenkonsumgesellschaft seit der Jahrhundertwende 1900 entwickelt haben. Vor der Erläuterung der logistischen Grundfunktionen, soll hier die Massenkonsumgesellschaft charakterisiert werden.
1.1Die Massenkonsumgesellschaft
Die modernen Gesellschaften werden häufig mit dem Begriff der Massenkonsumgesellschaften beschrieben. Die Zeitperiode nach 1950 kennzeichnet die Evolution eines konsumorientierten Wirtschaftssystems in Europa, dessen Anfänge bis 1900 zurückreichen. Es ist von der Verbindung von Konsumgüterindustrien mit großflächigen, filialisierten Handelssystemen gekennzeichnet, welche die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Massenproduktion, Massendistribution und Massenkonsum bildeten ein System. Eine besondere Stellung innerhalb der Konsumgüterindustrie nehmen die Automobilindustrie und der Automobilhandel ein, welche die Basis für die Massenmotorisierung legen. Das Automobil ermöglichte den Einkauf in peripher gelegenen Großmärkten und den bequemen Transport großer Mengen an Konsumgütern und schuf so die Voraussetzungen für die Konzentration im Einzelhandel auf großflächige Einheiten.
Die Massenkonsumgesellschaft entwickelte nicht allein großflächige Shoppingeinrichtungen, sondern auch den Massentourismus, der auf logistischen Versorgungskonzepten einer großen Zahl von Touristen beruhte. Package-Angebote, die Bahnreisen nach Bayern und Österreich mit Hotelunterkünften kombinierten, entstanden seit 1900. In den 1920er Jahren ermöglichte der Autobus die Einführung von Ausflugsreisen und Package-Angeboten in Ziele im Mittelgebirge und im Alpenvorland, die bisher von Bahnlinien nicht erschlossen waren. Die Sehnsucht nach Urlaub nutzten auch die Diktatoren Hitler und Mussolini; sie boten preiswerte Bahnreisen an, um populär zu erscheinen. In den 1960er und 1970er Jahren lösten zunehmend Charter-Flugreisen in den Mittelmeerraum die Package-Angebote von Bus und Bahn ab.
Die Massenkonsumgesellschaft war Gegenstand verschiedener Diskurse. Einmal hob die Kulturkritik Exzesse des Konsums hervor, zeigte die Eindimensionalität von Konsumverhalten auf und wies auf den Mangel an Sinnerfüllung hin: Konsum als vergebliche Suche nach der Erfüllung. Die bereits in den 1920er Jahren in den USA sich deutlich entwickelnde Massenkonsumgesellschaft zog bei europäischen Betrachtern Kritik an der Konsumverflachung auf sich, während die USA selbst die breite Auswahl an Konsumgütern als 'Konsumentendemokratie' feierte. Hier verschob sich die Bedeutung von Demokratie als politischer Teilhabe auf den Konsum. Als in den 1920er Jahren in den USA das Vordringen von Big Business und Corporate America in Wirtschaft und Politik beobachtet werden konnte, ließen sich die Ideale von persönlicher Unabhängigkeit und Verantwortung immer weniger verwirklichen. Das Schlagwort der Konsumentendemokratie trug daher zur willkommenen innenpolitischen Stabilisierung bei. Das Thema Konsum wurde von Wissenschaft und Publizistik aufgegriffen. Seit 1913 erschien in dem amerikanischen Verlag Arno Press die Buchreihe 'Getting and Spending', welche den Konsum in den Rang einer staatsbürgerlichen Pflicht erhob.
Ohne Zweifel ist der Ansatz der Konsumentendemokratie eine Übertreibung. Gleichwohl zeigt der Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks in den 1990er Jahren den elementaren Wunsch der Bevölkerung nach besserer Versorgung auf, die als eine zivilisatorische Errungenschaft westlicher Gesellschaft verstanden werden kann. Auch wird die politisch stabilisierende Funktion des Massenkonsums deutlich, da berechtigter Weise angenommen werden kann, dass die wirtschaftliche Unfähigkeit des Ostblocks, die Bevölkerung mit Konsumgütern ausreichend zu versorgen, wesentlich zu dessen Zusammenbruch beigetragen hat.
Diesen Zusammenhang hat Jonathan Zeitlin exemplarisch an der Automobilwirtschaft aufgezeigt. Die geringe Automobildichte im Ostblock, der schlechte Zustand des Straßennetzes, der elementare Mangel an Service-Einrichtungen, wie Tankstellen, Reparaturwerkstätten und vor allen Dingen Ersatzteilen, trieb viele Leute in die Verzweiflung und untergrub zugleich die Arbeitsmoral, da sie auf der Jagd nach Ersatzteilen und anderen knappen Konsumgütern den Arbeitsplatz verlassen mussten. In Polen war bereits seit dem Jahre 1970 die Versorgungslage mit Lebensmitteln kritisch und führte immer wieder zu Streiks, Widerstandshandlungen und letztlich zur Gründung der Gewerkschaft Solidarität. Die Wirtschaftslage in Polen besserte sich jedoch nicht und erzwang im Frühjahr 1989 erstmalig in einem Land des Ostblocks die Teilung der Macht zwischen der kommunistischen Partei und Solidarnosc am legendären runden Tisch.
Für Erich Honecker, der ab 1971 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) den Vorsitz des Politbüros übernahm, waren die Vorgänge in Polen ein Warnsignal. Mit seiner abenteuerlichen Wirtschaftspolitik, welche die Verschuldung der DDR im Westen, den Stopp von Ersatzinvestitionen für den Produktions- und Dienstleistungsbereich und für die Infrastruktur und den Ausverkauf des DDR-Vermögens umfasste, versuchte er 18 Jahre lang, das Konsumniveau in der DDR zu stabilisieren und die Bevölkerung hinzuhalten, bis die DDR im Jahre 1989 schließlich doch zusammenbrach.
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