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E-Book

Die Macht der Stimme

Mehr Persönlichkeit durch Klang, Volumen und Dynamik

AutorIngrid Amon
VerlagRedline Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl272 Seiten
ISBN9783864148620
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Stimm- und Sprechtechnik sind Persönlichkeitsbildung und helfen, privat und im Berufsleben erfolgreicher zu werden. Auch beim Präsentieren, Verkaufen, Führen und Lehren spielt die Stimme eine wichtige Rolle. Beim Vortragen ist sie entscheidend für den Eindruck. Lebendige und ausdrucksvoll dargestellte Inhalte bleiben länger im Gedächtnis - und werden als angenehmer empfunden. Exzellente Rhetoriker legen nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie hohen Wert. Nur wenn beides stimmt, lässt sich eine deutlich höhere Wirkung erzielen. Ingrid Amon vermittelt in der aktualisierten Neuauflage ihres Rhetorikklassikers die Grundlagen und Trainingsmethoden moderner Stimm- und Sprechtechnik. Komplettiert wird der Bestseller von einem Basis-Stimmtraining und zahlreichen Hörbeispielen, die zum Download bereitstehen.

Ingrid Amon arbeitete als Sprecherin, Moderatorin und Hörfunkjournalistin beim ORF. Seit mittlerweile über 30 Jahren lehrt sie Sprechtechnik, Rhetorik und Präsentation und gilt als profilierteste Stimm-Expertin im deutschsprachigen Raum. Sie ist Präsidentin und Gründerin des Europäischen Netzwerkes der Stimm-Experten stimme.at und gefragte Rednerin. Ihre Spezialisierung auf interaktive Vorträge und Trainings mit Großgruppen brachte ihr 2008 eine Auszeichnung mit dem Excellence Award.

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Leseprobe

II. Die Sprechwerkzeuge


1. Übersicht


Ihr könnt nicht anders sprechen, als ihr euch bewegt.

Samy Molcho, israelischer Pantomime

Sprechen ist der abstrakteste Vorgang, den ein Mensch leistet. Die Abbildungen 2 (Seite 67), 3 (Seite 69) und 4 (Seite 83) können Ihnen die Einsicht vermitteln, dass Sprechen viel mehr ist, als den Mund aufzumachen. Viele Körperteile müssen zusammenwirken, im Idealfall als erstklassiges Team. Und: Über die Stimmfunktion Bescheid zu wissen, macht Sie auf Dauer unabhängiger von Emotionen.

Das Allererste, was wir brauchen, ist das Gehirn. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingt. Oft hat man das Gefühl, der oder die Rednerin habe den Denkapparat vor dem Sprechen nicht eingeschaltet. Konkret: Ohne Befehl aus der Steuerzentrale geht es einfach nicht gut. Sprechen ist, wie jedes andere willkürliche Körpergeschehen, immer mit einer geistigen Leistung verbunden. Mentale Präsenz begleitet alle Vorgänge.

Dann braucht die Stimme Luft. Die Stimme ist Luft – »Aus­atem«. Zur Atmung haben wir Lunge und Atemmuskulatur. Dem Zwerchfell als wichtigstem Atemmuskel kommt eine besondere Funktion zu. Mithilfe des Zwerchfells beginnt die Zuleitung zur Engstelle Kehlkopf.

Wenn Luft aus der Lunge durch die Luftröhre in Richtung Kehlkopf strömt, bringt sie unsere zwei Stimmbänder (= Stimmlippen) zum Vibrieren. Hörbare Schwingungen, Schallwellen entstehen. Das Schwingungsmuster der Stimmbänder ist im Normalfall eine messbare Sinusschwingung mit Obertönen. Im Kehlkopf wird ein Grundton erzeugt. Ein undifferenzierter Primärschall. Dieser Ton ist nur in Lautstärke und Tonhöhe definiert, ähnlich einem Grashalm, den man zwischen beide Daumen einspannt und anbläst. Von der Länge, Dicke und Spannung Ihrer Stimmbänder hängt die Tonhöhe ab. Tiefe Töne entstehen bei kurzen, wenig gespannten Stimmlippen. Hohe Töne bei gespannten, lang gezogenen Stimmlippen. Für die Spannung der vertikal liegenden Stimmbänder sorgen feine Muskeln.

Mithilfe von Mund, Zunge, Lippen, Zähnen und den Resonanzräumen im Schädel (Nasenhöhle, Neben-, Stirn-, Kieferhöhle, Mund und Rachen) bekommen diese Grundtöne eine Form. Es werden die uns bekannten Sprachlaute gebildet. Beispielsweise ein »A« oder ein »O« oder ein »P«. Von der Stellung der Artikulationsorgane hängt es ab, welches Wort Sie aussprechen, sprich: welche Form es bekommt. Fachsprachlich ausgedrückt heißt es auch: Der Primärschall wird überformt. Die Lautbildungsorgane bilden über den Stimmlippen ein Raumsystem. Dieses nennt man Ansatzrohr.

Dann brauchen Sie als Steuer- und Kontrollorgan Ihre Ohren. Die Ohren sind der Architekt unseres Klanges. Den audiovokalen Regelkreis kennen Sie von der Ebene der Behinderung. Warum können gehörlose (früher: taubstumme) Menschen nicht Sprache erzeugen wie Sie und ich? Weil das Ohr dieser Aufgabe als Steuer- und Kontrollorgan nicht nachkommt (alle anderen Sprechwerkzeuge sind meist voll funktionstüchtig). Das Ohr stellt sich vor, wie was gesagt werden soll. Und der Rest des Teams bildet diesen Klang.

Schließlich ist es günstig, die gesamte Körperhaltung zur Erzeugung der Körperresonanzen und die Körperbewegung (vor allem Gestik) zum melodischen Gesamtausdruck einzusetzen.

Bevor Sie mit den Übungen anfangen, möchte ich Sie bitten, folgende fünf Übungsgrundregeln mit »wohlwollender Einsicht« sorgfältig durchzulesen:

  • Grundregel Nummer 1: Profis üben mit sich selbst laut!

    Reden lernt man, indem man redet. Sie werden nicht besser sprechen nur durch das Lesen dieses Buches. Sie werden auch nicht besser sprechen, wenn Sie noch mehr darüber nachdenken, wie Sie sprechen wollen. Manche von Ihnen haben das schon oft genug erlebt. Im Kopf hatten Sie Ihre Präsentation ganz toll vorbereitet, die Argumentationslinie ausgedacht, die Begrüßung entworfen, den Schlusssatz kreiert. Als der Mund den Transport zum Hörer hätte übernehmen sollen, gab es Unstimmigkeiten zwischen Gehirn und Mund … Klar, der Mund war ja in Ihre Vorbereitungen nicht einbezogen. Ab sofort wird bitte laut geübt und vorbereitet. Außerdem stärken Sie den audiovokalen Regelkreis.

  • Grundregel Nummer 2: Training und Wettkampf sind zu trennen.

    Lassen Sie mich diese Regel mit einem Bild verdeutlichen. In der Formel 1 wird in der Werkstätte der Rennwagen so weit in Einzelteile zerlegt, dass das Auto manchmal nicht als Auto zu erkennen ist. Wenn Ihr Sprechtrainer also von Ihnen einen kläffenden Hund verlangt und um Froschgequake bittet, handelt es sich um ein Einzelteil. Auf der Rennpiste wiederum, mit Massen von Publikum, darf angesichts eines chromblitzenden Rennautos niemand an eine kleine Schraubenmutter denken. Die muss sitzen und funktionieren. Beim Sprechauftritt soll Ihr Publikum das Gesamtprodukt hören und nicht etwa rückmelden, wie deutlich Sie Ihr »T« aussprechen.

  • Grundregel Nummer 3: Training ist ein Soloauftritt.

    Als erwachsener Mensch kommen Sie sich oft ein bisschen seltsam vor bei manchen Stimm- und Sprechübungen. Deswegen machen Sie diese auch im Normalfall allein oder maximal mit Trainer. Ein Seminar ist sozusagen wie ein Stimmlabor …

    Bewährte Trainingsräume in Ihrem Alltag sind die sogenannten ABCD-Räume: Auto, Bad, Clo und Dusche. Ab sofort haben Sie in jedem Stau die Wahl, sich zu ärgern oder etwas für Ihre Stimme zu tun. Als Nächstes üben Sie außerhalb von geschützter Privatsphäre. Die praktische Anwendung des Gelernten in der Öffentlichkeit geschieht zuerst bitte empfehlenswerterweise dort, wo man Sie nicht kennt. Also nehmen Sie sich eine Aufgabe vor und absolvieren Sie diese unter fremden Menschen.Gelingt etwas Neues, zum Beispiel volltönend grüßend eine Bäckerei zu betreten, haben Sie etwas hinzugelernt. Wenn es nicht klappt, haben Sie nichts verloren!

  • Grundregel Nummer 4: Im Training geben Sie 130 Prozent.

    Im Zweifelsfall lieber wenige, dafür exakte Wiederholungen als viele Übungen schlampig. Es geht um genaues Wahrnehmen, differenziertes Hören und Feinabstimmung. Ohnedies bleiben dann im Ernstfall optimistisch eingeschätzt erst mal 80 Prozent übrig. Außerdem handelt es sich beim Sprechtraining um die Veränderung einer langjährigen Gewohnheit. So wie Sie derzeit sprechen, praktizieren Sie es schon lange Zeit. Haben Sie schon einmal versucht, in Ihrem Leben Gewohnheiten zu ändern?

  • Grundregel Nummer 5: Dialog statt Monolog.

    Stellen Sie sich von Anfang an immer einen reagierenden Zuhörer vor. Am Schluss aller Bemühungen sollen Sie ja mithilfe Ihrer Stimme besser ankommen. Auch bei der banalsten Übung sprechen Sie zu irgendeinem Gegenstand in Ihrer Nähe (Blumentopf, Lampe, Bild et cetera). Alles eignet sich, um im Training die Rolle Ihres Hörers zu simulieren.Eine Variante ist, sich ein kleines grünes Marsmännchen, einen Gartenzwerg oder Ähnliches vorzustellen und in verschiedenen Ecken des Raumes zu platzieren. Ihr imaginärer Zuhörer ist ein absolut wohlwollendes Wesen, das grundsätzlich an allem und jedem interessiert ist, was Sie sagen (siehe auch Kapitel 8.2 »Voice by Intention/Kontaktverhalten«).

Viel Spaß!

2. Warm-up-Programm: Stimmhygienische Maßnahmen


Es genügt nicht, dass man rede, man muss auch richtig reden.

William Shakespeare, Ein Sommernachtstraum

Wir alle wissen, dass es für Sportlerinnen und Sportler eine unabdingbare Voraussetzung ist, sich vor dem Wettkampf entsprechend aufzuwärmen. Nehmen wir als Beispiel Skirennläufer. Wir beobachten sie im Startraum: Die Muskeln werden gelockert, der Körper wird vorbereitet. Die Rennläufer machen seltsame Bewegungen, die auf der Piste nicht vorkommen. Wir sehen, wie sie im Geiste, in ihrer Fantasie, schwierige Passagen des Kurses in Gedanken schon »durchfahren«. Wir spüren und vermuten, dass sie auch mit einer seelischen Einstellung an den Start gehen, die lautet: »Ich gebe mein Bestes. Das Rennen gewinne ich.« Und sicher nicht: »Na, fahr ich mal ein bisschen runter.«

Jeder Klavierspieler lockert (nicht nur) seine Finger vor dem Konzert, jeder Opernsänger singt sich vorher entsprechend ein. Stellen Sie sich nur vor, er täte es nicht. Er käme auf die Bühne, der Vorhang höbe sich und Sie merkten ganz genau: »Der singt sich erst während des ersten Aktes/Liedes warm!« Sie ärgern sich, weil Sie eine professionelle Leistung erwarten, und zwar von der ersten Minute an. Sie zahlen nicht dafür, dass der Opernstar seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Unserer Sprechstimme schulden wir genauso ein Aufwärmtraining wie unserem Körper. Und zwar täglich, wenn Sie »Stimmarbeiter« sind. Immer vor wichtigen Anlässen, wenn Sie zumindest gelegentlich etwas sagen wollen. Zumal viele von Ihnen die Erfahrung haben, dass die Stimme am Morgen »knackt« und »grummelt«. Sie ist meist tiefer, belegt und brummiger als im Lauf des Tages. Man muss sich häufig räuspern und oft kommt erst während der ersten Telefonate, die Sie tagsüber führen, ihr voller Klang wirklich heraus.

Kein Wunder: Am Morgen befreien wir viele Partien unseres Körpers von den Schlacken der Nacht. Wir frisieren, duschen, schnäuzen uns, benutzen Zahnbürste und Zahncreme. Es ist ein höchst unangenehmes Gefühl, wenn man mal das Haus verlassen muss, ohne sich die Zähne geputzt zu haben! Die Sprechwerkzeuge unterliegen demselben Ausscheidungsprozess. Sind Sie je auf die Idee gekommen, auch Ihre Lunge, Ihren Kehlkopf und Ihre Stimmbänder zu »reinigen«?

Eine effiziente Stimmhygiene ist das...

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