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Die Macht der Worte und der Medien

AutorJo Reichertz
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl333 Seiten
ISBN9783531920207
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis22,47 EUR
Das Buch fragt nach der Kraft der Wirkung von Medien und Worten und bearbeitet damit eine zentrale Frage der Gegenwartsgesellschaft. So wird beispielsweise diskutiert, unter welchen Bedingungen das Fernsehen Wirkungen erzielen kann, wie sich die Medienkommunikation für die und in der Berufsarbeit von Unternehmern, Unternehmensberatern und Wissenschaftlern nutzen lässt und ob es in interpersonaler Kommunikation hinreicht, das richtige Argument in schöne Worte zu fassen.

Dr. Jo Reichertz ist Professor für Kommunikationswissenschaft (Fachbereich Geisteswissenschaften) der Universität Duisburg-Essen.

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Leseprobe
3 Vertrauen in der Internet-gestützten Unternehmenskommunikation (S. 185-186)

„In vormodernen Umgebungen vertrauten die Menschen nur denen, die sie persönlich kannten. In der modernen Gesellschaft vertrauen wir uns Menschen an, die wir eigentlich gar nicht kennen.“
Anthony Giddens

3.1 Tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel: die Globalisierung


Geschichtliche Entwicklungsprozesse fließen nicht im gleichen Zeittakt voran. Manchmal verläuft die Entwicklung langsam und stetig, so dass leicht der Eindruck entstehen kann, nichts bewege sich, das stets Gleiche wiederhole sich nur, und wenn, ereigne sich die Veränderung lediglich unter der Oberfläche. Dann gibt es aber auch Zeiten, in denen sich Entwicklungen rasant und teilweise auch sprunghaft vollziehen: Für jeden ist der tiefgreifende Wandel erkennbar und auch spürbar. Solche Zeiten, in denen mancher glaubt, er sehe den Mantel der Geschichte wehen, nennt ein bekannter deutscher Historiker, nämlich Koselleck, Sattelzeit (Koselleck 1973).

In Sattelzeiten kommt es oft zu Abrissen und Verwerfungen, aber zugleich eröffnen sich neue Verbindungen und neue Freiheiten. Jede Sattelzeit bringt beides mit sich: neue Risiken, aber auch neue Chancen. Symptomatisch für Sattelzeiten ist das Bestreben der in ihr lebenden Menschen, sich auf das Geschehen um sie herum einen (neuen) Reim zu machen oder präziser: Sie versuchen mit Hilfe neuer Selbstbeschreibungen das Neuartige in den Griff zu bekommen. Politiker, Wirtschaftsführer und sogar die Wissenschaftler sind sich fast weltweit einig darüber, dass wir uns seit etwa zwei Jahrzehnten in einer Sattelzeit befinden.

Die Signatur dieser Sattelzeit lautet: ‚Globalisierung‘. ‚Globalisierung‘ meint dabei vor allem die Entschränkung des physikalischen, politischen, sozialen und auch des ökonomischen Raumes (vgl. auch Beck 1997). Für einige bedeutet ,Globalisierung‘ fortschreitender wirtschaftlicher Wohlstand – (endlich) auch für die Länder der Dritten Welt. Für andere ist sie ein ‚Dschagannath-Wagen‘,69 der alle die überrollt und vernichtet, die nicht rechtzeitig aufspringen (auch wenn man nicht weiß, wohin der Wagen rollen wird – vgl. Giddens 1995) und für dritte ein Machtdiskurs zum Zweck der Unterdrückung und weiteren Ausbeutung (Bourdieu 1998).

Die Globalisierung ist ohne die Erfindung des neuartigen Speicher- und Übertragungsmedium ‚Computer‘ nur schwer vorstellbar. Gewiss hat der digitale Rechner nicht die Globalisierung verursacht, aber er hat sie wesentlich mitgetragen, und ohne ihn hätte der Prozess der Entgrenzung des Raumes nicht so schnelle Fahrt aufnehmen können.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Einleitung12
I Das Fernsehen als Akteur16
1 Die Realität der Massenmedien17
1.1 Das Fernsehen – von der Institution zum Akteur18
1.2 Das Fernsehgerät als Zauberspiegel19
1.3 Das Fernsehen ist immer und überall23
1.4 Das Fernsehen als Feld29
Literatur29
2 Institutionalisierung als Voraussetzung einer Kultur der Performativität32
2.1 Antwortschreiben eines Bürgermeisters32
2.2 Die deutsche Hochzeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts33
2.3 Theatralisierungstendenz und das Entstehen einer Kultur der Performativität36
2.4 Die Traumhochzeit als Idealtyp einer performativen Kultur der romantischen Trauung38
2.5 Kleine soziale Welten als Welten zwischen subjektivem Sinn und objektiven Strukturen – Institutionalisierung und Organisation41
2.6 Heiraten zu Beginn des 21. Jahrhunderts: eine Aufführung ohne Regisseur?44
2.7 Der typisierte Handlungsverlauf als organisierende Kraft für die gemeinsame Performance: das trajectory48
2.8 Ohne Institutionalisierung keine Kultur der Performativität50
Literatur51
3 Kinder brauchen (auch) die ‚Power Rangers‘53
3.1 Statt einer Einleitung53
3.2 Serielle Rettung der Welt: die Power Rangers54
3.3 Notwendige Unterscheidung: Kamerahandlung und Handlung vor der Kamera57
3.4 Wie zeigt die Kamera das Handeln der Akteure?58
3.4.1 Das Setting58
3.4.2 Das Personal59
3.4.3 Körperlose Gewalt – zur Inszenierung von Kampfhandlungen60
3.4.4 Formen und Techniken der Kamerahandlung61
3.5 Produktion, Quoten und Reichweiten62
3.6 Die Power Rangers – eine kurze Geschichte ihrer Medienkarriere64
3.7 Schädigen oder hemmen die ‚Power Rangers‘ die Entwicklung von Kindern?67
3.8 Der Rahmen bestimmt die (Medien-)Wirkung70
3.9 Die Rahmung der ‚Power Rangers‘ durch das sendende Medium74
3.10 Aneignung der ‚Power Rangers‘79
3.11 Strukturelle Probleme kindlicher Lebenspraxis in den 90er Jahren80
3.12 Die Power Rangers – ein sinnvolles Errettungsmärchen für Kinderder 90er84
Literatur87
4 „…denn sie wissen nicht, was sie tun“. Von James Dean zu Alexander Klaws90
5 „Ich könnte schreien vor Glück“ oder: Formen des Glücks in den Massenmedien95
5.1 Zwei Wege zum Glück – Jennifer Aniston und der Dalai Lama95
5.2 ‚Glück‘ als das Begehrenswerte97
5.3 Glück und Glas – wie leicht bricht das100
5.4 Glückszwang durch Weltabkehr und systematische Askese101
5.5 Die Medien und die Suche nach Glück104
5.6 Don’t worry, be happy and show it!106
5.7 Theatralisierung des ‚Glück‘ in und durch die Medien108
5.8 Medienglück109
Literatur110
6 Becker und Häkkinen beim Golfen. Das Altenbild in der Mercedeswerbung112
6.1 „Almost as close as you won Suzuka”112
6.2 Was ist die Frage?114
6.3 Alter als biologisch fundierte soziale Konstruktion114
6.4 Blicke auf die Codierung des Alters in den Bildern der Werbung116
6.5 Der Rahmen ‚Werbung‘119
6.6 Die zufriedenen Golfer. Jenseits der Heroisierung der Jugend122
Literatur126
7 Der Mediensport Olympia – ein globales Integrationsritual?128
7.1 Macht, Spaß und Geld128
7.2 Olympia ist tot129
7.3 Olympia lebt!132
7.4 Coubertins Konzeption der olympischen Spiele als Ritus137
7.5 Der Sport und die Zuschauer140
7.6 Olympia als kollektiver Ritus einer sich globalisierenden Gesellschaft143
Literatur144
II Netzkommunikation – Rahmen und Bedingungen146
1 ‚Navigieren‘ oder ‚Surfen‘ oder: Das Ende der Bedrohung147
1.1 Metaphern als Medien des Denkens und des Handelns147
1.2 Sinnstiftende Metaphern für das Internet150
1.3 Das Meer als Metapher153
1.4 Internetnutzung als Sport – Surfen155
1.5 Internetnutzung als berufsmäßige Erarbeitung von Reiserouten – Navigieren157
1.6 Das Ende der Bedrohung?159
1.7 Gesellschaftlicher Kampf um die Leitmetapher160
Literatur162
2 Browsen im Internet oder: Der Einfall trifft nur den vorbereiteten Geist164
2.1 Die Zukunft des Internet – Nichts Genaues weiß man164
2.2 Das Internet als Lehr- und Lernmedium in der Schule164
2.3 Deduktion, Induktion und Abduktion167
2.4 Eine Strategie zur Herbeiführung von Abduktionen169
2.5 Der Hypertext des Internet und seine Pfade171
Literatur176
3 Vertrauen in der Internet-gestützten Unternehmenskommunikation178
3.1 Tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel: die Globalisierung178
3.2 Von der Informations- zur Kommunikationsgesellschaft179
3.3 Vertrauen als zentrale Kategorie der Unternehmenskommunikation182
3.4 Vertrauen schaffen durch persönliche Kommunikation184
3.5 Vertrauen schaffen durch moralische Selbstverpflichtung186
3.6 Vertrauen schaffen durch eine mythologische Fundierung189
3.7 Mythos – eine Kulisse?194
3.8 Gefahren einer auf Vertrauen bauenden Unternehmenskommunikation196
Literatur199
III Medienkommunikation als Teil der Berufsarbeit201
1 Zur neuen Logik der (sozial-)wissenschaftlichen Mediennutzung202
1.1 Zeitenwende202
1.2 Wissenschaft betreiben in Zeiten des Wandels204
1.3 Die weitere Vergesellschaftung von Wissenschaft bei gleichzeitiger weiterer Verwissenschaftlichung der Gesellschaft207
1.4 Die weitere Ökonomisierung von Wissenschaft bei gleichzeitiger weiterer Verwissenschaftlichung der Ökonomie209
1.5 Das Bedeutsamwerden der Massenmedien für die Wissenschaft bei gleichzeitigem Bedeutsamwerden der Wissenschaft für die Massenmedien79210
1.6 Die zunehmende Bewertung wissenschaftlichen Arbeitens nach den Grundsätzen und Belohnungsstrategien des Quality-Managements215
1.7 Das allmähliche Reputierlichwerden von Prominenz in der Wissenschaft216
1.8 Das allmähliche Umstellen von wissenschaftlicher Methode auf Charisma und Populismus (zumindest in den sich immer internationaler gebenden Sozialwissenschaften223
1.9 Vom Monotheismus zum Polytheismus?225
Literatur230
2 Abschied vom Glauben an die Allmacht der Rationalität? oder: Der Unternehmensberater als Charismatiker234
2.1 Methodologische Vorüberlegungen zur Interpretation von Homepages235
2.1.1 Exkurs zum Bedeutungsbegriff238
2.2 Zur Methode einer hermeneutischen Wissenssoziologie241
2.3 Interpretation der Homepage der Beratergruppe Neuwaldegg243
2.3.1 Auswahl der Daten243
2.3.2 Aufbau der Homepage244
2.3.3 Die im Bild gezeigte Handlung247
2.3.4 Die Handlung des mit der Bildgestaltung Zeigens248
2.4 Abschied von der Rationalität oder Ergänzung?254
2.5 Postskriptum 2006256
Literatur257
3 Spaß für Millionen. Harald Schmidt und Co. als moderne Hofnarren?261
3.1 Freddie Mercury und die Queen261
3.2 Der Narr am Hofe (nach Lepenies)262
3.3 Der Hofnarr und seine Funktion im Wandel der Zeiten263
3.4 Alte Narren am neuen Hof?269
3.5 Harald Schmidt – ein Hofnarr?274
3.6 Von Spaßmachern und der Spaßgesellschaft277
Literatur278
IV Die Macht des Wortes280
1 Verstehen ist nicht das Problem – oder: Über die Macht der Worte281
1.1 Sprechen, Ausdruck und Kommunikation281
1.2 Die Kommunikationswissenschaft(en) – ein Vorschlag285
1.3 Verstehen und Medien288
1.4 Eindrucks- oder Ausdruckskommunikation291
1.5 Intersubjektivität293
1.6 Die Macht der Worte295
1.7 Exkurs: Die europäische Idee des singulären Subjekts299
1.8 Die vier Disziplinierungen des Kommunizierens304
Literatur310
2 Einladung zum Gruppentanz315
2.1 Staging315
2.2 These in Form einer Metapher316
2.3 These in Begriffen der Praxis317
2.4 Kritik des scheinbar ‚stillosen Stils‘318
Literatur320
Nachweis321

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