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Die Ministerialen der Zähringer in Burgund

AutorMatthias Storm
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl71 Seiten
ISBN9783638813389
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR
Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit, Note: 2,0, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Historisches Seminar), 26 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Herzogsgeschlecht der Zähringer wirkte in seiner gut 200 Jahre dauernden Geschichte maßgeblich in Südwestdeutschland und der heutigen Westschweiz. Nach dem Tod des letzten Zähringers im Jahre 1218 wurde das aus Allod, Reichs- und Kirchenlehen bestehende Erbe aufgeteilt. Die beiden Schwestern Bertholds V. hatten sich in die Familien der Grafen von Urach und der Grafen von Kyburg eingeheiratet. Auf diesem Wege ging der rechtsrheinische Allodialbesitz an die Uracher, der linksrheinische an die Kyburger. Weitere Erbschaftsforderungen stellten die Herzöge von Teck (Seitenlinie der Zähringer), Ämter und Reichslehen zog Friedrich II. ein. Mit dem Grundbesitz sind auch viele Ministerialen von den Zähringern auf die Kyburger übergegangen . Die Erforschung dieser Ministerialität ist ein Desiderat in der zähringischen Geschichtsforschung . Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Ministerialen der Zähringer in Burgund. Bei diesen und den Ministerialen der Zähringer Erben (die meisten von ihnen waren wahrscheinlich schon herzoglich- zähringische Ministerialen) sollen urkundliche Aussagen (Titel , (Vor-)Namen , Besitzungen, [falls möglich] Herkunft), Tätigkeit in zähringischer/ kyburgischer Zeit und Informationen zum Stammsitz erarbeitet werden. Eine Rangabstufung innerhalb der Ministerialität sowie eine Zuordnung zu Erb (Rheinfeldener, Oltinger)- und Reichsgebiet soll ebenfalls durchgeführt werden. Ein Vergleich der Ministerialendichte im Erb-/Rektoratsgut und die Formulierung möglicher Rückschlüsse hieraus folgen im Anschluss. Der Schwerpunkt wird auf die herzoglich- zähringischen Ministerialen gesetzt, die auch als solche urkundlich fassbar sind, da hier Funktion sowie Schicksal der Dienstleute am Ende der Zähringerzeit besonders deutlich werden. Das Thema wird in dem Sinne behandelt, dass eine räumliche Eingrenzung auf das eingeschränkte Rektoratsterritorium von 1156 erfolgt. Rheinfelden mit seinem Zubehör lag zwar nicht in Burgund , doch übernahm es als Verklammerung zwischen links- und rechtsrheinischen zähringischen Besitzungen eine wichtige Rolle beim Herrschaftsaufbau in Burgund . Deshalb wird es hier ebenfalls zugezogen.

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Leseprobe

Die Ministerialen der Zähringer in Burgund

 

III. Das Rheinfeldener Erbe und Ministeriale auf Rheinfeldener Gebiet


 

Die Herrschschaft der Zähringer in Burgund beginnt 1090 [29]. In diesem Jahr verstarb der Sohn Rudolfs von Rheinfelden, Herzog Berthold von Schwaben, kinderlos[30]. Das Rheinfeldener Hausgut gelangte durch dessen Schwester Agnes an Berthold II.[31]. Eine weitere Schwester, Bertha, wird ihrem Gemahl Graf Ulrich X. von Bregenz vermutlich ebenfalls einen großen Teil des Erbes zugeführt haben. Eine dritte Schwester, Adelheid, verstarb wie ihr Bruder Berthold im Jahr 1090; als Erbin kam sie nicht in Betracht.[32]

 

Das Rheinfeldener Erbe gruppierte sich um den namengebenden Herrschaftssitz am Rhein und um die Burg Burgdorf im Emmental[33]. Diese beiden Besitzkomplexe sind durch das Jura- Gebirge abgetrennt. In diesem Trennungsraum konnten die Zähringer, vermutlich ebenso wie vor ihnen die  Rheinfeldener, keine oder nur eine geringe Herrschaft ausüben.[34] Somit ist auch zu erklären, wieso in dem Gebiet zwischen den Stammsitzen der zähringischen Ministerialen Rheinfelden und Buchsiten westlich des Flusses Aare keine weiteren Zähringer Ministerialen bzw. Ministerialen der Zähringer Erben nachweisbar sind[35].

 

III.1 Rheinfelden


 

1.1 Der Herrschaftssitz Rheinfelden


 

 „In der stärker auf die lokalen Verhältnisse bezogenen Forschung wird oft die Ansicht vertreten, die Grafen bzw. Herzöge von Rheinfelden und ihre Erben, die Herzöge von Zähringen, hätten im näheren Umkreis der Burg und späteren Stadt Rheinfelden über wenig Besitz und Rechte verfügt“[36];

 

demgegenüber ist aber doch wohl mit Hartmut Heinemann anzunehmen, dass der Herrschaftssitz Rheinfelden sowohl unter den Rheinfeldenern als auch unter den Zähringern sicherlich mehr als nur ein kleiner Brückenkopf war[37]. Entsprechend sind später in zähringischer Hand befindliche rechtsrheinische Besitzungen möglicherweise ebenfalls ursprünglich rheinfeldische Güter und Rechte, die die moderne Geschichtsforschung unter anderem aufgrund der ungeklärten Herkunft der Rheinfeldener Grafen nicht zu erkennen vermag[38].

 

Rheinfelden hatte schon für Rudolf von Rheinfelden eine verbindende Funktion zwischen links- und rechtsrheinischen Rheinfeldener Herrschaftsgebieten[39]. Nachdem Herzog Berthold II. 1079 den Breisgau erobert hatte und dieser zum Herrschaftszentrum wurde, verstärkte sich nach dem Anfall des Erbes der Stellenwert Rheinfeldens (oder allgemeiner: der Stellenwert des Besitzkomplexes um Rheinfelden) als Klammer und Verkehrsverbindung zwischen dem hauptsächlich linksrheinischen Erbe und den angestammten rechtsrheinischen Besitzungen des Zähringers[40].

 

Dennoch gilt erst Herzog Konrad von Zähringen (1122- 1152) als Gründer der >Stadt< Rheinfelden, denn erst die 1122/1132 einsetzenden Belege für Personen, die nach Rheinfelden zubenannt werden und im Umfeld der Zähringer auftauchen (siehe unten), liefern erste konkrete Hinweise dafür, dass sich Rheinfelden in der Hand der Herzoge befand. Aufgrund der exponierten Bedeutung Rheinfeldens muss in der Stadt mit der Existenz mehrerer Ministerialen im 12. Jahrhundert gerechnet werden; nachweisbar ist jedoch nur ein zähringisches Ministerialengeschlecht.[41]

 

1.2 Die Ministerialen von Rheinfelden


 

Die heutige Stadt Rheinfelden liegt im Kanton Aargau, Schweiz.[42] Die drei mittelalterlichen Burgstellen Rheinfeldens sind heute ganz verschwunden. Die Ministerialen, insbesondere die Truchsesse, haben wahrscheinlich von der Burg auf dem Stein (Felsinsel im Rhein) ihr Amt ausgeführt.[43] Zwischen 1122 und 1132 vollzogen Abt und Konvent des zähringischen Hausklosters St. Peter auf dem Schwarzwald ein Tauschgeschäft mit dem jungen Herzog Konrad, in dessen Namen ein >edler Herr Heinrich von Rheinfelden< handelte und zeugte (...per manum Heinrici nobilis uiri de Rînuelden), wahrscheinlich derselbe Adlige, der wenig später in der Zeugenreihe eines Diplomes König Konrads III. vom 8. Juli 1143 nach Herzog Konrad von Zähringen, dem Markgrafen Hermann und zahlreichen anderen Herren erscheint (Heinricus de Rinuelden); seine Position in der Reihe deutet wohl auf Herkunft vom Hochrhein hin“[44].

 

Dem freiadligen Heinrich – bzw. den Heinrichen – gehörte wohl die >Altenburg<[45]. Sie sind vermutlich entgegen der Meinung Heycks[46] zu trennen von den Zähringerministerialen von Rheinfelden (in nachstehenden Urkunden unter anderem fassbare Namen: Rinuelden, Rinvelt, Rinvelden [47]), die offensichtlich durch die Rheinfeldener Erbschaft an die Zähringer gelangten[48]. Ob ein Heinrich von Rheinfelden, der in Gegenwart Herzog Bertholds IV. 1168 eine Basler Urkunde bezeugte, mit dem oben genannten Heinrich/ den Heinrichen identisch ist oder ob er zu den herzoglichen Ministerialen von Rheinfelden gehört, kann nicht nachvollzogen werden[49]. In dem Vertrag zwischen König Friedrich I. und Herzog Berthold über die militärische Eroberung Burgunds von 1152 beschwören zwei homines (Burkhard und Werner) Bertholds die Erfüllung der zähringischen Zusagen[50]. Unklar ist, ob diese homines als Lehensmänner[51] oder als Ministerialen[52] zu verstehen sind. Nach Heinemann dürfte es sich bei Werner um Werner von Rheinfelden oder um Werner von Roggenbach handeln[53].

 

Bei den Ministerialen von Rheinfelden lag das Hofamt des Truchseß, als sie 1152 erstmals sicher urkundlich erwähnt werden[54]. Bis 1186 zeugen drei Brüder, Werner der Truchseß (dapifer[55]), Konrad und Gerhard als de domo ducis[56], de clientibus ducis[57], de familia ducis[58], ministeriales[59] immer wieder in der Reihe herzoglicher familiares. Auffällig ist, dass Konrad von Rheinfelden zwei Ministerialenaufzählungen anführt[60], jedoch in einer weiteren Urkunde (Zeitraum zwischen 1152 und 1186) zusammen mit seinem Bruder Gerhard an letzter Position genannt wird[61]. Der Truchseß Werner von Rheinfelden erscheint in einer Schenkungsurkunde Herzog Bertholds IV. von 1175 unter Anwesenheit der barones Burgundię (also vermutlich auch der wichtigsten burgundischen Ministerialen der Zähringer) in der Auflistung der anwesenden herzoglichen Ministerialen an zweiter Stelle (hinter Marschall Gottfried von Staufen [im Breisgau])[62].

 

Die Ministerialen von Rheinfelden besaßen Eigengut bei Rheinfelden[63], in Goldenthal[64] und möglicherweise den Hof Wilere[65]. Berthold von Rheinfelden, Ministeriale Bertholds V., gründete 1212 mit der Erlaubnis des Zähringers ein Johanniterhospital auf seinem Eigengut bei Rheinfelden[66]. Ein Heinricus (vermutlich ebenfalls ein Ministeriale des Zähringers), der im Jahre 1212 in einer Johanniterurkunde erwähnt wird, war der erste bekannte Rheinfelder Schultheiss. Er ist wahrscheinlich identisch mit Heinricus de Rinvelden.[67]

 

Der dapifer- Titel wurde nach 1218 zum neuen Familiennamen der von Rheinfelden. Das Geschlecht diente offenbar nicht als Kyburger Ministeriale, sondern ging im Rheinfeldener Stadtadel auf.[68] In nachzähringischer Zeit sind Besitze in Schalunen[69] und in der Gegend von Freiburg im Uechtland[70] nachweisbar. Es kam zu einer Verschwägerung mit den Kyburger Ministerialen von Oenz[71].

 

III.2 Der Besitzkomplex um Burgdorf


 

Herzogenbuchsee, Burgdorf und Münsingen sind einzelne Orte, die das Erbe der Rheinfeldener in Burgund begrenzt haben dürften. Aufgrund der Erweiterung der zähringischen Stellung in Burgund durch das Erbe der Grafen von Burgund sowie durch das Rektorat über Burgund und der damit verbundenen Verschmelzung von Besitzungen, ist es nicht möglich das Rheinfeldener Erbe vom Erbe der Grafen von Burgund bzw. zähringisches Hausgut vom Reichsgut aufgrund der Rektoratsgewalt eindeutig zu trennen. Aufgrund der wahrscheinlichen geographischen Ausmaße der Rheinfeldener Hinterlassenschaft erscheint die Zuordnung nachstehender Zähringer Ministerialen (bzw. Ministerialen der Zähringer Erben) zum Rheinfeldener Gebiet jedoch als wahrscheinlich.[72] Da mit dem Grundbesitz auch viele Ministerialen von den Rheinfeldenern auf die Zähringer übergegangen sind, werden sich unter den folgenden Ministerialen auch ursprünglich rheinfeldische befinden, die aufgrund der schlechten Quellenlage...

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