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Die Motivation von Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen

Konstruktion eines Online-Fragebogens

AutorTina Günther
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl91 Seiten
ISBN9783640309498
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis27,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich BWL - Personal und Organisation, Note: 1,0, AKAD-Fachhochschule Leipzig (Betriebswirtschaftslehre), Veranstaltung: Diplomarbeit, Sprache: Deutsch, Abstract: Atypische und vom Normalarbeitsverhältnis abweichende Beschäftigungsformen breiten sich immer stärker aus und enden für die Betroffenen Arbeitnehmer häufig in der sogenannten 'Prekarität'. Dieser Begriff beschreibt allgemein 'unsichere', 'verwundbare' Arbeitsverhältnisse. Prekäre Beschäftigung wird hier basierend auf objektiven Kriterien (z.B. Existenzsicherung) und subjektiven Dimensionen (z.B. Status und Arbeitsinhalt) definiert, da auch die Herausbildung von Motivation auf subjektiv wahrgenommenen situativen Anreizen und deren Bewertung beruht. So zeigt sich, dass Prekarität keine Randerscheinung darstellt: Verunsicherung kann im Gegenteil auch bei Erwerbstätigen bestehen, die bei reiner Betrachtung der objektiven Kriterien von Prekarität (noch) nicht betroffen sind. Zudem ist auch die Abgrenzung zwischen Beschäftigten möglich, die sich rein objektiv in einer ähnlichen Benachteiligungssituation befinden, diese jedoch unterschiedlich einschätzen. Der aus den inhaltlichen und methodischen Überlegungen konstruierte Online-'Fragebogen zur Erfassung der Motivation von Erwerbstätigen' erfasst neben sozidemografischen Daten objektive Merkmale der Arbeitssituation, deren subjektive Bewertung sowie neun geeignete Indikatoren zur Erhebung arbeitsbezogener Motivation. Er gestattet somit eine Einordnung von Erwerbsarbeit in eine neunstufige Typologie. Diese reicht von der 'gesicherten Integration' über die 'prekäre Beschäftigung' bis zur 'unüberwindbaren Ausgrenzung'. Der Fragebogen macht einen Vergleich dieser verschiedenen Erwerbstätigengruppen zu ihrer Arbeitszufriedenheit und Motivation möglich. Durch die Online-Befragung erhalten Erwerbstätige Gelegenheit, sich anonym zu ihrer Beschäftigungssituation zu äußern. Der Nutzen des Fragebogens für Unternehmen und deren Mitarbeiter kann z.B. darin bestehen, mit den Befragungsdaten mögliche Zukunftsszenarien für Unternehmen zu entwickeln und mitarbeiterorientierte und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit steigernde Handlungsansätze im Rahmen der betrieblichen Beschäftigungspolitik abzuleiten.

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Leseprobe

3 Grundlagen zur methodischen Umsetzung der Fragebogenkonstruktion


 

Bevor mit der Fragebogenkonstruktion begonnen wird, sind Spezifika der Unter-suchungssituation zu erörtern, da diese die Gestaltung des Fragebogens beeinflussen.

 

3.1 Datenerhebung durch die Befragungsmethode[113]


 

Die Befragung ist eine schriftliche oder mündliche Erhebung von Einstellungen, Meinungen oder Wissen mit einem mehr oder weniger standardisierten Befragungs-instrument. Ziel ist das Zusammentragen von Informationen zu einem bestimmten Untersuchungsgegenstand. Sofern Probanden einen vorgelegten Fragebogen selbstständig schriftlich bearbeiten, wie in dieser Untersuchung, handelt es sich um eine schriftliche Befragung. Ein Fragebogen kann definiert werden als eine schriftliche Zusammenstellung von Fragen nach Fakten, vergangenem oder gegenwärtigen Verhalten, Einstellungen oder Gefühlen[114]. Die schriftliche Befragung stellt gegenüber dem Interview einen zeitlichen wie auch finanziellen Vorteil dar. Sie setzt jedoch eine hohe Strukturierbarkeit der Befragungsinhalte voraus und verzichtet demgegenüber aber durch den hohen Standardisierungsgrad auf steuernde Eingriffe von außen. Zudem kann von einer gesteigerten Bereitschaft der Probanden zu ehrlichen Angaben und gründlicher Auseinandersetzung mit der Problematik - bei zugesicherter Anonymität - ausgegangen werden. Allerdings sind bei Fern-Befragungen die Situationsgestaltung und Begleitumstände der Untersuchungssituation nicht kontrollierbar. So bleibt z.B. unklar, durch wen ein Fragebogen tatsächlich ausgefüllt wurde. Ein zentrales Problem fernschriftlicher Befragungen betreffen die Rücklauf-quoten und die unvollständige Fragebogenbearbeitung durch die Zielgruppe.

 

Im Zuge der Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationsmedien sind neue und sehr ökonomische Möglichkeiten entstanden, mit dem potenziellen Befragungsteilnehmer in Kontakt zu treten. Der zu konstruierende Fragebogen soll als Online – Instrument zum Einsatz kommen. Daher wird folgend auf die damit verbundenen Besonderheiten der Untersuchungsdurchführung eingegangen.

 

3.2 Besonderheiten von Online – Befragungen


 

Die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie erlaubt eine sehr praktische Befragungsdurchführung, bei welcher den Probanden der Fragebogen in elektronischer Weise präsentiert wird.  Für die Durchführung wissenschaftlicher Onlinebefragungen sind allgemein anerkannten Befragungsstandards sowie einige Besonderheiten zu beachten. Die relevanten Qualitätskriterien sind in den Standards zur Qualitätssicherung bei Onlinebefragungen[115] (mit Repräsentativitätsanspruch) beschrieben, an welchen sich auch in diesem Kapitel orientiert wird. Bezüglich ethischer und rechtlicher Aspekte kommt zudem der Richtlinie für Onlinebefragungen[116]  besondere Bedeutung zu.

 

3.2.1 Definition


 

Eine wissenschaftliche Online-Erhebung bezeichnet eine Befragung, bei der die Probanden einmalig oder wiederholt einen

 

 Auf einem Server abgelegten Fragebogen im Internet online ausfüllen oder

 

 Fragebogen von einem Server herunterladen und per E-Mail zusenden oder

 

 Fragebogen per E – Mail zugeschickt bekommen und zurücksenden[117].

 

In der hier geplanten Untersuchung soll ein Fragebogen auf einem Server abgelegt werden, welcher von den Befragungsteilnehmern online einmalig zu bearbeiten ist. Zu diesem Zweck wird zu einem späteren Zeitpunkt ein Fragebogen, der als anwählbare Web-Page im WWW erreichbar sein soll, mit Hilfe einer geeigneten Seitenbeschreibungssprache (z.B. HTML) erstellt.

 

3.2.2 Planung


 

Um den Qualitätskriterien wissenschaftlicher Erhebungen zu genügen, sollte sich die Auswahl der Probanden zunächst sachlich, regional und zeitlich auf eine klar definierte Grundgesamtheit beziehen. Zudem sind die Probanden hinsichtlich der Auswahl-kriterien auf Grundlage eines eindeutig definierten Auswahlverfahrens individuell anzusprechen. Dabei kann Repräsentativität bei Onlinebefragungen nur bezüglich aller Internetnutzer oder spezieller User-Gruppen erreicht werden. Generalisierbare Aussagen über andere Zielgruppen sind basierend auf Onlinebefragungen nur möglich, wenn die Online-Penetration der Gruppen nachweislich sehr fortgeschritten ist oder ausgewählte Personen mit einem Internetzugang ausgestattet werden[118].

 

Die Grundgesamtheit der Untersuchung wurde in der Ziel- bzw. Aufgabenstellung streng genommen als die „Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen“ definiert. Die Ausführungen zu den Beschäftigungsformen zeigen jedoch, dass es nicht möglich ist, prekäre Beschäftigung in verallgemeinerungsfähiger Weise festzumachen und vorab „den“ prekär Beschäftigten zu identifizieren. Vielmehr sind prekär Beschäftigte durch die Befragung herauszufiltern, d.h. zu entscheiden, ob aktuell ein prekäres Beschäftigungsverhältnis vorliegt oder nicht. Zudem wurde beschrieben, dass auch Normalarbeitnehmer Betroffene von Prekarisierung sein können, z.B. bei „Unsicherer Integration“. Das bedeutet, dass sowohl atypisch Beschäftigte als auch Normalarbeitnehmer in ganz Deutschland potenzielle Befragungsteilnehmer sind. Das heißt, dass eine sehr unspezifische und heterogene Grundgesamtheit vorliegt. Aufgrund der Anzahl potenzieller Untersuchungsteilnehmer ist eine individuelle Ansprache der Teilnehmer aufgrund des entstehenden Aufwands und damit verbundener Kosten unverhältnismäßig. Daher müssen entweder geeignete Multiplikatoren (z.B. Arbeitsamt, Zeitarbeitsfirmen, Gewerkschaften, Branchen-verbände) gefunden oder eine stärkere Eingrenzung durch das Untersuchungsteam z.B. nach Region, Branche, Unternehmen, Beschäftigungsform vorgenommen werden.

 

Als weitere Voraussetzung für Umfragen mit Repräsentativitätsanspruch gilt, dass jedes Mitglieds der Grundgesamtheit per Internet erreichbar ist, d.h. konkret: mit dem Medium umgehen kann, es verfügbar hat und zur Umfrage gelangen kann. Studien des statistischen Bundesamtes belegen, dass die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien von Privathaushalten in Deutschland mittlerweile über dem europäischen Durchschnitt liegt und in den letzten Jahren auf 65% bezogen auf Personen ab 10 Jahren gestiegen ist. Dabei waren 56% der Internetnutzer täglich oder fast täglich online (Stand 2006)[119]. Auch wenn begünstigende Merkmale eines Haushalts für einen Internetanschluss ausgewiesen werden, z.B. Berufstätigkeit oder Kinder älter 16 Jahre, kann das Vorhandensein von Internetpräsenz für jedes einzelne Mitglied dieser heterogenen Grundgesamtheit dennoch nicht angenommen werden. Dies müsste für den Einzelfall überprüft werden, was unverhältnismäßig wäre.

 

Die Stichprobe ist jene Teilmenge der Grundgesamtheit, die an der Befragung teilnimmt[120]. Damit generalisierende Schlüsse auf die Grundgesamtheit möglich sind, sollten Designs für Zufallsstichproben realisiert werden. Damit sollen systematische Verzerrungen vermieden sowie erwartungstreue Schätzungen ermöglicht werden[121].

 

Da nicht gewährleistet werden kann, dass überhaupt alle Mitglieder der Grundgesamtheit erreichbar sind, kann auch kein Zufallstichprobendesign realisiert werden. Bereits an dieser Stelle ist also zu sagen, dass die strengen Qualitätskriterien von Onlineuntersuchung in diesem Punkt nicht eingehalten werden können.

 

Die Stichprobenziehung kann sowohl online oder offline erfolgen. Es sollte möglichst „aktiv“ durch das Untersuchungsinstitut ausgewählt werden. Aktuell existiert jedoch keine eindeutige Online-Auswahlgrundlage von Internetnutzern. Es ist nicht sicher-gestellt, dass jedes Mitglied der Untersuchungsgrundgesamtheit auch über das Internet erreichbar ist. Somit muss hier eine „passive“ Auswahl erfolgen, d.h. durch eine Selbstselektion der Befragten. Durch Multiplikatoren kann zwar aktiv versucht werden, Befragungsteilnehmer zu rekrutieren. Jedoch besteht kein Einfluss, ob diese tatsächlich angesprochen werden und den Fragebogen tatsächlich finden. Damit sind Stichprobenverzerrungen sehr wahrscheinlich, da die Auswahlwahrscheinlichkeit von individuellen Merkmalen der Befragten abhängt und die Merkmalsverteilung nicht als repräsentativ für die Grundgesamtheit angenommen werden kann.

 

Die beschriebenen Rahmenbedingungen machen es praktisch unmöglich, ein Zufalls-Stichprobendesigns vollständig und fehlerfrei umzusetzen. Dies ist bei der Daten-interpretation zu berücksichtigen. In diesem Fall ist explizit darauf hinzuweisen, dass die Repräsentativität der Forschungsergebnisse nicht oder nur bedingt gegeben ist[122].

 

Aufgrund der umfangreichen und heterogenen Grundgesamtheit sollte das Untersuchungsteam...

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