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Die neue Schuleingangsstufe. Eine Herausforderung schulpädagogischer Reformen

eine Herausforderung schulpädagogischer Reformen

AutorJuliane Stoecker
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl100 Seiten
ISBN9783638886123
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik, Note: 2,3, Technische Universität Dortmund, 73 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: 'Die neue Schuleingangsstufe - eine Herausforderung schulpädagogischer Reform' ist das Thema meiner Arbeit. In den vergangenen Jahren ist das deutsche Bildungssystem zunehmend kritisiert worden. Ausgelöst haben die Diskussionen die Ergebnisse der in den Jahren 2000 und 2003 durchgeführten weltweit größten Schulleistungsuntersuchung 'PISA'. In beiden Tests erzielte Deutschland als eines der führenden Länder in Europa jedoch überraschender Weise nur unzureichende Ergebnisse. 'Das deutsche Bildungssystem hat versagt: Es ist ungerecht und produziert Mittelmaß' (ZEIT). Daraufhin wurden in der Politik, sowie in der Gesellschaft Stimmen laut, welche eine Reformierung des Schulsystems forderten. Schnell wurde klar, dass die Ursachen im Bildungssystem zu suchen sind, welches nicht rechtzeitig auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert hat. Kinder wachsen heut zu Tage in immer unterschiedlicheren Lebensbedingungen auf. Dem zu Folge steigt die Heterogenität in den kindlichen Entwicklungs- und Lernvoraussetzungen. Deutschland muss nun reagieren wenn sie den Anschluss an die Sieger des Pisatests nicht verlieren möchte. Wie kann man nun aber diese 'Bildungsmisere' hinter sich lassen? Sollte man vielleicht die in Deutschland herrschende Unterrichtsform die Jahrgangsklasse noch einmal hinsichtlich ihrer Effektivität prüfen? Der Heterogenität der Lernvoraussetzungen, Begabungen und Entwicklungen der Kinder kann in den Jahrgangsklassen nicht genügend Rechnung getragen werden. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Reformpädagogik die Sinnhaftigkeit des jahrgangsbezogenen Unterrichts in Frage gestellt. Maria Montessori und Peter Petersen waren dabei die Reformpädagogen die dem altersgemischten Unterricht eine besondere Bedeutung zuwiesen. Noch heute kann man die Konzepte der beiden Pädagogen als Wegweiser für die Bildung jahrgangsübergreifender Lerngruppen betrachten. Sollten nun diese reformpädagogischen Ansätze genutzt werden um Deutschland aus der 'Bildungskrise' zu verhalfen, mit dem Ziel, den Bildungsauftrag voll zu erfüllen, so dass jedem Schüler die optimalen Startbedingungen mitgegeben werden können? Mit dieser Herausforderung befasse ich mich nun in dieser Arbeit. Schafft es die neue Schuleingangsstufe Deutschland aus der Bildungsmisere zu helfen? Ich glaube schon.

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Leseprobe

2. Die veränderte Rolle des Kindergartens


 

Ein gelungener Schulanfang entscheidet oft darüber, welche Einstellung ein Kind zur Schule und zum Lernen entwickelt. Werden zu diesem Zeitpunkt Fehler gemacht, kann sich dies negativ auf die weitere Schullaufbahn des Kindes auswirken.

 

Der Kindergarten übernimmt in der Vorbereitung der Kinder auf den Schulanfang eine immer größere Rolle. Er dient nicht allein der Behütung der Kinder aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern, sondern hat den Auftrag das Kind in seiner individuellen Entwicklung zu begleiten und zu erziehen. Der Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung, anerkannter Weise seit 1970 mit dem Gutachten des deutschen Bildungsrates. Er betont die Einheit von Bildung- Erziehung- und Betreuung.

 

Das Land NRW führt aus diesem Grunde 2007 Sprachstandserhebungen in den Kindergarten sowie die KiTA ein. Denn eine altersgemäße Sprachentwicklung und die Beherrschung der deutschen Sprache sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen. „Die Landesregierung wird daher früher als bisher mit einer gezielten vorschulischen Sprachförderung  beginnen, um eine stabile Grundlage für das schulische Fortkommen aller Kinder zu legen und den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg zu verringern. Von März 2007 an soll bei allen Kindern zwei Jahre vor der Einschulung eine Sprachstandsfeststellung durchgeführt werden. Damit soll erreicht werden, dass noch mindestens zwei Jahre Zeit für eine gezielte Förderung im Elementarbereich bleibt.“[28]

 

Wird bei einem Kind ein besonderer Sprachförderbedarf festgestellt, so wird die Sprachkompetenz des Kindes in der Kindertageseinrichtung gezielt gefördert. Erzieherinnen und Erzieher müssen demnach eng mit der Grundschule zusammenarbeiten und in Kooperation mit den Lehrkräften stehen. Darin liegt eine große Chance, noch mehr als bisher die Sprachfördermaßnahmen so abzustimmen, dass den Kindern ein möglichst leichter Übergang von Elementar- zu Primarbereich gewährleistet werden kann.

 

Für die erfolgreiche Sprachförderung im Elementarbereich ist die gute Qualifikation der pädagogischen Fachkräfte von hoher Bedeutung. Aus diesem Grund haben sich viele ErzieherInnen in den letzten Jahren in diesem Bereich weiterqualifiziert. Die Sprachförderkompetenz der Erzieherinnen und Erzieher ist demnach sehr wichtig für den einfachen Übergang der Kinder in die neue Schuleingangsstufe und wird in den nächsten Jahren, in Absprache mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen, weiter ausgebaut.

 

2.1 Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule


 

Übergänge führen Veränderungen mit sich. Beim Wechsel vom Kindergarten zur Grundschule ist dies nicht anders. Die Art des Lernens und dessen Organisation, die soziale Umgebung und die Anforderungen an das Kind sind nur einige Beispiele an Veränderungen, mit denen ein Kind am Schulanfang konfrontiert wird. Es verlässt seine eher am Spielerischen orientierte Umgebung und geht über in eine auf das Lernen ausgerichtete Welt. Das Kind geht von der Kleingruppe Kindergarten in die Großgruppe Schule, von einer anregungsreichen Umgebung in schulische Räumlichkeiten. Um Irritationen beim Kind zu vermeiden, die bis hin zu ernsthaften Lern- und Verhaltensstörungen führen können, müssen beim Übergang vom Kindergarten zur Grundschule diverse Aspekte berücksichtigt werden, die das Gelingen eines kindgerechten Schulanfangs erst möglich machen.

 

Betrachtet man den Aufbau des deutschen Bildungswesens, so stellt man

 

fest, dass Kindergarten und Grundschule unterschiedlichen Bildungsbereichen angehören. Der Kindergarten ist dem Jugendhilfebereich zugeordnet, die Grundschule dem Schulbereich. Schon allein diese Tatsache führt dazu, dass angesichts der Eigenständigkeit beider Institutionen, Unterschiede vorprogrammiert sind. Um den Kindern den Übergang zu erleichtern ist es unbedingt notwendig, dass hier eine Zusammenarbeit existiert. „[F]ür einen besseren Start in der Schule [...] müssen Schule und Kindergarten ihre Interessen stärker aufeinander abstimmen.“[29]

 

2.2 Kooperation von Kindergarten, Grundschule und Elternhaus


 

„Schulvorbereitung heißt [für den Kindergarten] Netzwerke bauen mit Eltern und der Grundschule, um mit Kindern die Zonen des Vertrauten und Verlässlichen, in denen Kinder und auch Erzieherinnen sich sicher fühlen, auszubauen.“[30]

 

„Eltern als (mittelbare) Empfänger von Dienstleistungen in den Sektoren Betreuung, Erziehung und Bildung haben ein Interesse, über die qualitative Struktur der erwünschten und von ihnen auch (mit-)finanzierten Dienstleistung informiert zu werden.“[31] Erzieher/innen und Lehrer/innen haben gleichermaßen die Aufgabe, in Elterngesprächen, Elternbriefen oder in Form von

 

Informationsabenden diese Aufgabe zu erfüllen. So ist es unter anderem wichtig, „kindergartengemäße Betätigungsformen wie z.B. das Spiel in seiner unschätzbaren Bedeutung und seiner schulvorbereitenden Förderfunktion aufzuwerten. Nur so läßt sich bei Eltern das Vorurteil abbauen, im Kindergarten werde ja nur gespielt.“[32]

 

Dem Kindergarten fällt bei der Vorbereitung der Kinder auf die Schule eine entscheidende Aufgabe zu. Man kann sogar sagen, dass es die Erzieher/innen sind, welche die entscheidenden Grundlagen für das spätere Lernen schaffen. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrungen im Umgang mit Kindern im Vorschulalter in der Lage, der Lehrerin bzw. dem Lehrer eines ersten Schuljahres vielfältige Anregungen geben zu können, einen kindgerechten Unterricht zu gestalten.

 

„Die Kooperation steht in den Bundesländern auf [der] Basis von Empfehlungen, die von den Kultusministern in Verbindung mit den Landessozialministern erlassen wurden. Zu den gemeinsamen Vorhaben für Kindergarten und Grundschule gehört […] die gemeinsame Elternarbeit […].“[33] Gespräche mit den Eltern sind allgemein von großer Bedeutung.

 

Eltern möchten wissen, wie es ihrem Kind geht, sie möchten es gut aufgehoben wissen und wünschen sich eine optimale Vorbereitung auf den späteren Schulbesuch. Nur in Gesprächen können Unsicherheiten seitens der Eltern (und gegebenenfalls natürlich auch seitens der Erzieher/innen oder der Lehrer/innen) beseitigt werden. Auch bei gezielten Fragen hinsichtlich des Schulanfangs ist die Kommunikation zwischen Eltern und Erzieher/in, teilweise auch zusätzlich mit der zukünftigen Lehrerin bzw. dem zukünftigen Lehrer, von großer Bedeutung. Sind sich die Eltern beispielsweise noch nicht über den richtigen Einschulungstermin ihres Kindes schlüssig, so kann ein Gespräch mit der Erzieherin bzw. dem Erzieher, zu dem im Einzelfall auch eine Lehrperson hinzugezogen werden kann, oftmals zur Klärung beitragen. Nur wenn das Vertrauen auf beiden Seiten vorhanden ist, kann die Zusammenarbeit zum gewünschten Ziel führen.

 

Eine häufig gewählte Form der Kooperation von Grundschule und Kindergarten sind wechselseitige Besuche. Mittels dieser können zukünftige Schulkinder schon frühzeitig Kontakt zur ihrer zukünftigen Grundschule knüpfen. Zum einen kann die Lehrerin bzw. der Lehrer eines ersten Schuljahres mit Kindern der eigenen Klasse den Kindergarten besuchen. Die Erstklässler haben so die Möglichkeit von ihren neuen Erfahrungen zu berichten und den zukünftigen Erstklässlern wird ein Einblick in das schulische Leben ermöglicht. Zum anderen kann ein Besuch in der Schule dazu beitragen, dass Kindergartenkinder ihre eventuell vorhandenen Ängste schon vor dem eigentlichen Schulbeginn abbauen können. Auch Lehrer/innen profitieren von diesen nicht zu unterschätzenden Besuchen. Für engagierte Lehrerinnen und Lehrer gehört der Besuch eines Kindergarten mitunter zum festen Bestandteil, wenn es darum geht, sich auf die zukünftigen Erstklässler vorzubereiten, denn ein solcher Besuch stellt eine enorme Bereicherung für die Arbeit mit Schulanfängern dar. Auch mittels der neu integrierten Sprachstandserhebungen, knüpft der Lehrer bereits zwei

 

Jahre vor Schuleintritt Kontakte mit den zukünftigen Schülern und kann sie deshalb ab Schuleintritt gemäß den individuellen Bedürfnissen fördern.

 

Bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft die Vorteile der Zusammenarbeit immer stärker herauskristallisieren, so dass sowohl Lehrer/innen als auch Erzieher/innen von sich aus eine Kooperation wünschen.

 

Mit Einführung der flexiblen Schuleingangsphase wird hinsichtlich der Kooperation von Kindergarten und Grundschule meines Erachtens ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung gemacht.

 

2.3 Das Einschulungsverfahren


 

2.3.1 Die Schulanmeldung


 

Wenn ein Kind schulpflichtig wird (Vollendung des sechsten Lebensjahres bis zum 30.6. bzw. ab dem Schuljahr 2005/2006 bis zum 30.9.), erhalten die Erziehungsberechtigten von der zuständigen Schule...

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