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E-Book

Die positive Kraft des Zweifelns

Unsicherheit als Erfolgsfaktor

AutorEmanuel Koch
VerlagUllstein
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783843720304
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Die positive Kraft des Zweifelns wird unterschätzt. In der richtigen Dosis und an der richtigen Stelle eingesetzt kann sie uns Fehlentscheidungen ersparen und Möglichkeiten eröffnen, die wir zuvor nicht gesehen haben - in der Lebensplanung, in der Karriere, in unseren Beziehungen. Wer nicht zweifelt, hat nicht nachgedacht, nicht geprüft und nicht abgewogen. Wenn wir dem Zweifel keinen Raum geben, überlassen wir den Überheblichen und Leichtgläubigen das Feld. Erfolg mit Zweifeln ist nachhaltig, weil Risiken und Stolperfallen von vornherein mitbedacht worden sind. Zweifel stören also nicht, sondern helfen uns den richtigen Weg zu finden und nachhaltig erfolgreich zu sein.

Emanuel Koch *1970, ist Diplom-Informatiker und weiß: Computer zweifeln nicht - Menschen schon. Mit der Verknüpfung von Logik und Emotionen hilft er Menschen und Organisationen, ihr volles Potenzial zu entfalten - als Business-Speaker, Musiker und Unternehmensberater.

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Leseprobe

2. Risikofaktor Überzeugung


Warum wir die falschen Dinge anzweifeln

YouTube? Das wird doch nie was!


Es ist Juli 2007, und ich halte YouTube für eine Schnapsidee. Ich sitze in meinem Büro und starre total fasziniert auf meinen Laptop. Das neuste Modell, federleichte drei Kilogramm wiegt er. Leider hat er noch keine internen Lautsprecher, und daher stecke ich gerade externe Boxen an, um dieses kurze Video anzusehen. »Did you know«, heißt es, »Schon gewusst«, und geht gerade um die Welt. Ich staune, denn ich kann das Video ganz einfach mit einem Mausklick im Browser starten. Unglaublich, diese neue Plattform.

Ein innovatives Startup aus Kalifornien hat die Vision von ­Videos im Netz von und für jedermann umgesetzt. Jeder Internetnutzer sollte nach der Vorstellung der Entrepreneure ganz einfach die Möglichkeit haben, Videos hochzuladen und der Welt zugänglich zu machen.

Mein erster Gedanke ist damals: »Wie soll das denn skalierbar sein?« Ich finde den technischen Ansatz ja wirklich toll. Nur wie soll das gehen, wenn alle Internetnutzer nun anfangen, ihre Privatvideos hochzuladen, als gäbe es auf den Servern von YouTube genug Platz für jeden? Spontan denke ich an diverse Bewegtbild-Werke von Verwandten und Freunden, denen ich schon zum Opfer gefallen war: »Pauschalurlaub auf Malle«, »Die Geburt unseres Kindes« (Teil 1 bis 4, jeweils 45 Minuten), bis hin zum »bunten Abend mit den Nachbarn« (zwei Stunden ungeschnittenes Material und nur bedingt bunt). Mein persönliches Highlight ist der vor Jahren mir zugetragene Beitrag »Verfugen bei Scholz«, wo weniger das Handwerk als der Getränkekonsum im Mittelpunkt der Handlung stand.

Private Videos? Ein Horror! Wer will das im Internet sehen? Nicht ohne Grund fragte mein Vater schon früher gern: »War es ein schöner Abend oder musstet ihr Dias gucken?«

Die Qualitätsfrage mal beiseitegelassen: Videodateien sind echt groß und brauchen viel Übertragungskapazität. Kein Server der Welt wird das aushalten. Oder der technische Betrieb von YouTube wird so teuer, dass deren Geschäftsmodell ruck, zuck zusammenbrechen wird.

So denke ich damals, und zweifle auch nicht weiter an meinen Überlegungen. Denn als Diplom-Informatiker, sozusagen Fachmann, kann ich in meiner unendlichen Weisheit natürlich souverän einschätzen, dass diese eigentlich tolle Idee nichts für die breite Masse sein wird. Denn dafür ist ein technologischer Overkill erforderlich, den ein Betreiber nicht finanzieren kann, so meine felsenfeste Überzeugung.

Wahrscheinlich muss ich Ihnen nicht erklären, was aus YouTube inzwischen geworden ist. Ein Blick auf die offiziellen und beeindruckenden Statistiken zeigt, dass die Video-Plattform mit Stand 2018 von mehr als einer Milliarde Menschen in 88 Ländern genutzt wird. Eine unglaubliche Zahl. Jede Minute werden hunderte Stunden Videomaterial hochgeladen – und angesehen. Laut eigenen Angaben von YouTube werden pro Tag weltweit eine Milliarde Stunden abgespielt. Das macht pro Nutzer im Schnitt eine Stunde Videomaterial am Tag. Inzwischen erfolgt die Hälfte aller YouTube-Aufrufe von mobilen Geräten. In den USA erreicht YouTube allein auf Mobilgeräten mehr Zuschauer als jeder US‑­Fernsehsender.

Womit beide Einwände widerlegt wären, die ich damals zweifelsfrei formulierte. Wie konnte ich mich nur so irren? Ganz einfach: Meine Beurteilung »das kann nichts werden – zumindest nicht auf breiter Basis« basierte auf dem damaligen Stand der Technik und meinem Erfahrungsbereich. Ich wusste, dass sich Technik rasant entwickelt. Aber dieser enorm große Leistungssprung, der parallel bei den Serverkapazitäten, den Übertragungsbandbreiten und bei mobilen Endgeräten passierte und YouTube massenkompatibel machen konnte, das überstieg damals einfach meine Vorstellungskraft.

Was mich daran im Nachhinein ärgert, ist nicht etwa, dass ich am Erfolg von YouTube zweifelte. Das tat ich nämlich nicht – die Phase des Zweifelns hatte ich einfach übersprungen. Ich war mir vielmehr vollkommen sicher, dass diese Schnapsidee nicht funktionieren konnte. Zweifel? Schön wär’s.

Für mich persönlich war dieser fundamentale Irrtum kein Beinbruch – ich war ja nur staunender Beobachter. Andere, die damals ähnlich dachten wie ich, bekamen es mit weitaus schmerzhafteren Konsequenzen zu tun – zum Beispiel die Fernsehbranche.

Die Folgen sind so dramatisch, dass ich sie hier kurz schildern möchte. Denn das gesamte Fernsehgeschäft wurde durch YouTube gehörig durchgeschüttelt.

Plötzlich konnten technisch versierte Jugendliche, die vorher in der breiten Öffentlichkeit keiner kannte, auf sich aufmerksam machen. Die interessierten sich nicht für irgendwelche Bedenken, die bezüglich der Technik bestanden. Sie taten einfach das, was ihnen Spaß machte. Schon bald begannen sie, gehörige Mengen Geld damit zu verdienen und Reichweiten zu generieren, von denen manche klassischen Fernsehformate nur träumten. Die Fernsehmacher haben bis heute nicht genug gezweifelt und sind von Internetformaten wie YouTube oder späteren Streamingdiensten wie Amazon Prime oder Netflix überrannt worden.

Seitdem muss diese Branche mit den Folgen ihrer Ignoranz leben: Jugendliche und junge Erwachsene schauen immer weniger Fernsehen. Sie richten sich nicht länger nach Sendezeiten und programmieren auch keine Videorecorder mehr. Bei Bedarf greifen sie zum entsprechenden Angebot im Internet. Heute haben die Fernsehmacher Respekt vor den Internet-Medien und ihren Machern. Sie versuchen händeringend, eigene Antworten darauf zu finden. So haben ARD und ZDF die Sender EinsPlus und ZDF Kultur eingestellt und stattdessen den Internet-Sender »Funk« gegründet. Dort werden vor allem – Sie ahnen es – YouTuber als Moderatoren verpflichtet.

Die Fernsehmacher versuchen also, sich über das klassische TV‑Programm hinaus weiterzuentwickeln – bisher eher mit mäßigem Erfolg. Über Angebote wie »Funk« oder ihre Media­theken versuchen sie, die Internet-Bewegung zu kopieren. Was natürlich eine Gratwanderung ist, denn sie graben damit auch dem klassischen Live-Fernsehen das Wasser ab.

Das Problem dort wiederum ist, dass jeder Sender (Kanal) nur eine Gesamtsendezeit von 24 Stunden zur Verfügung hat. Mit viel Politik und internem Gerangel werden die heißbegehrten Sendeplätze vergeben. Soll etwas Neues hinein, stellt sich zuerst die Frage: Welche Sendung fliegt dafür raus? Diese Beschränkung hat das internetbasierte Format natürlich nicht. Dort besteht ein unendlicher Raum ohne zeitliche und örtliche Beschränkungen. Jeder kann sich dort, ohne Politik und ohne Intendanten und mit nur sehr kleinen technischen Hürden, einfach ausprobieren und seine Ideen umsetzen. Und wenn es den Menschen gefällt, dann geht das Ergebnis vielleicht viral und erreicht über exponentielles Wachstum Millionen von Zuschauern. Einfach so.

Und so konnte man (und kann weiterhin) der Entmachtung der einst so mächtigen Fernsehbranche förmlich zusehen.

Dieser kurze Abriss über die Entwicklung von YouTube und die Auswirkungen auf unseren Medienkonsum insgesamt bringt uns auf eine gute Fährte. Es war meine begrenzte Vorstellungskraft, die mir den Blick verstellte. Wie heißt es so schön: Wer von der Unmöglichkeit überzeugt ist, der schützt jeden Berg zuverlässig vor dem Versetztwerden.

Genau diese Überzeugtheit, der auch ich aufsaß, hat so manches Unternehmen aus Musik- und Filmbranche die Existenz ­gekostet. Hätte man an der eigenen Vorstellungskraft zweifeln sollen? Das wäre unter Umständen eine gute Idee gewesen. Vielleicht hätte man sich dann früher und besser auf den Wandel eingestellt.

Sind gut platzierte Zweifel also hilfreich? Ist es gut, sich infrage zu stellen, wenn man sich doch eigentlich so sicher ist? Ist es nötig, kritisch zu sein in Bezug auf die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft?

Schon gewusst? Die Welt ändert sich


Gerade dieses kleine Video, welches ich damals auf dem klobigen Laptop ansah, hätte mir Antworten auf diese Fragen liefern können. Es war einer der ersten »viralen Hits«, die Millionen Menschen binnen kürzester Zeit angesehen haben. Vollständig hieß es: »Did you know – shift happens« (»Schon gewusst – der Wandel passiert«) und stammt im Ursprung von Karl Fish, dem technischen Direktor der Arapahoe High School in Centennial, Colorado. Wie er in seinem Blog »The Fishbowl« darlegt, wollte er mit dem Video seine Kollegen zu einer Diskussion anregen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was Schüler brauchen werden, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein und wie sich das auf die Arbeit der Lehrer in den Klassenzimmern auswirken könnte.

Mit seiner Videopräsentation zeigte Fish schon 2007 eindrücklich, dass die Welt sich wandelt – und zwar sehr schnell. Der Lehrer erklärt darin etwa, dass viele der meistgefragten Jobs knapp zehn Jahre zuvor noch nicht einmal existierten. So hatte zum Beispiel der erste Webseiten-Programmierer mit Sicherheit keine offizielle Ausbildung für diese Tätigkeit. Karl Fish weist seine Kollegen darauf...

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