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E-Book

Die Relevanz von Corporate Social Responsibility für den Unternehmenserfolg

AutorSebastian Pitschner
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl126 Seiten
ISBN9783638495370
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation, Note: 1,3, Ruhr-Universität Bochum, 126 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: In der vorliegenden Arbeit wird versucht, zunächst eine Theorie der Relevanz von CSR für den Unternehmenserfolg methodisch korrekt zu entwickeln, ehe diese dann sowohl empirisch geprüft wird, und, einer konstriktivistischen Tradition folgend, argumentativ begründet wird. Der erste Teil der Arbeit setzt sich jedoch zunächst ausführlich mit den beiden in der Theorie enthaltenen Begriffen Unternehmenserfolg und Corporate Social Responsibility auseinander und bietet so einen guten Einstieg in das Thema.

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Leseprobe

II.                                   Begriffslehre

 

A.                                   Corporate Social Responsibility


 

1.                                     Historischer Ursprung von CSR und Entwicklung des Bedeutungsinhaltes


 

Viele Veröffentlichungen, die sich mit der Relevanz von Corporate Social Responsibility für den Unternehmenserfolg oder andern Aspekten des Themenfeldes CSR befassen, lassen eine essentielle wissenschaftliche Leistung vermissen, was, drückt man es besonders pointiert aus, den Erkenntniswert von allem Folgenden in Frage stellt. Es handelt sich bei diesem Versäumnis um die Begriffslehre, deren Aufgabe es ist zu definieren, was unter den in der jeweiligen Arbeit verwendeten Ausdrücken, verstanden wird. Obgleich darüber, welche Leistungsfähigkeit dieses essentialistische Wissenschaftsziel an sich besitzt, beziehungsweise ob ihm ein Eigenwert zuzusprechen ist, heftig diskutiert wird, so besteht doch hinsichtlich der Notwendigkeit, die Begriffslehre der Stufe der Theoriebildung vorzuschalten, weitgehende Einigkeit.[40] Auch nach POPPERS Verständnis muss, um die wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten, im Sinne einer methodologischen Regel, durch die Zuordnung von grundlegenden Begriffen eine explizite Definition von den in der Forschung verwendeten Objekten erfolgen, es sei denn, es handelt sich um undefinierte Universalien.[41] Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie entweder über andere Begriffen bestimmt werden können, die in einem logischen Verhältnis zu ihnen stehen, oder dass sie durch den allgemeinen Sprachgebrauch festgelegt sind. Beides ist für den Begriff der Corporate Social Responsibility sicher nicht zutreffend, und deswegen wird der Begriffslehre in dieser Arbeit ein hoher Stellenwert eingeräumt.

 

Wird in Forschung oder Praxis über den Erfolg oder Misserfolg von CSR Aktivitäten berichtet, so muss sich der kritische Leser die Frage stellen, was CSR ist bzw. auf welche Definition von CSR sich solche Berichte beziehen. Gäbe es nur eine, weit verbreitete und allgemein anerkannte Definition, so könnte man noch über eine fehlende Begriffslehre hinwegsehen, tatsächlich jedoch wurde der Begriff seit den 50er Jahren fast unendlich oft und immer wieder anders definiert.[42] Auch LOEW et al. bestätigen, dass es unklar ist, worum es geht, wenn von Corporate Social Responsibility gesprochen wird, und VISSER liefert empirische Daten bezüglich der zu beobachtenden Vielfalt von CSR Definitionen und zitiert außerdem sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch sonstige einschlägige CSR Veröffentlichungen, die eine sehr große Spannbreite von CSR Verständnissen bestätigen.[43] Gleichzeitig ist, von der anderen Seite betrachtet, CSR nicht die einzige existierende Bezeichnung für denselben Bereich der empirischen Realität.[44] Dies macht es notwendig, auch angrenzende Begriffe zu beleuchten, was aber erst in einem späteren Abschnitt geschehen soll.

 

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen erscheint sowohl das Vorhaben, den gesamten Umfang von existierenden Definitionen zu zitieren, als auch die Absicht, im Sinne eines Extraktes eine komprimierende, allumfassende und somit allgemeingültige Definition von CSR zu entwickeln, nicht praktikabel. Statt dessen soll dem Leser nach einer kurzen Erläuterung der historischen Entstehung des Begriffs, indem exemplarisch zumindest einige ausgewählte Definitionen kurz genannt werden, ein Eindruck von der beschriebenen Vielfältigkeit der Definitionen vermittelt werden, ehe schließlich CSR so definiert wird, wie es für die Argumentation dieser Arbeit zweckmäßig erscheint. Dies geschieht dann aber, so sei nochmals betont, ohne einen Anspruch der objektiven, allgemeinen Gültigkeit.

 

Als Ursprung von CSR benennen LOEW et al. das antike Griechenland, denn bereits dort wurden von Unternehmen aus uneigennützigen Motiven Geld und Nahrung an arme Bürger verschenkt.[45] Von der ISO STRATEGIC ADVISORY GROUP ON SOCIAL RESPONSIBILITY wird hingegen die Ost-Indien Kompanie als historisches Beispiel angeführt, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf den Sklaveneinsatz bei der Zuckerproduktion verzichtete, nachdem englische Konsumenten mit einem Boykott ihrer Produkte begonnen hatten.[46] Im 19. Jahrhundert, so der Bericht Gruppe weiter, können die von Quäkern[47] geführten Unternehmen als wichtiges Beispiel für, in diesem Fall religiös motivierte, CSR Aktivitäten genannt werden.[48] Zum einen bauten sie in England für ihre Beschäftigten Schulen, Büchereien und ganze Orte, und zum anderen begannen sie damit, in der Produktion verwendetes Wasser zu rezyklieren, um so die Umwelt zu entlasten. Bis zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts können ansonsten jedoch nur vereinzelte, individuelle Ansätze von Unternehmen nachgewiesen werden, die dem heutigen Verständnis der Corporate Social Responsibility zuzurechnen sind.[49] Keinesfalls sollte man dies als Entwicklung eines einheitlichen, allgemein akzeptierten Konzepts verstehen.

 

Eine erste Intensivierung der Entwicklung von CSR machen LOEW et al. dann aber in den darauffolgenden Jahren aus.[50] Nachdem im Zuge der Industrialisierung große Konzerne entstanden waren, versuchten diese durch soziales Eigenengagement im Sinne einer antizipativen Strategie, der mit dem Wandel des wirtschaftspolitischen Paradigmas verbundenen zunehmenden Kontrolle und Regulierung der Märkte durch die Regierungen zuvorzukommen, um so ihre Freiheiten zu erhalten. Auch diese Ereignisse wurden noch nicht als eigenständiges, theoretisch abgrenzbares Phänomen wahrgenommen, denn erst in den 50er Jahren entwickelte sich parallel zur wirtschaftlichen Praxis auch eine umfassende wissenschaftliche Debatte über die Corporate Social Responsibility, und es erschienen die ersten Bücher und Aufsätze zu diesem Thema[51], die einen Beitrag zur Konzeptualisierung liefern.[52] Jedoch, erst in den letzen 10 Jahren wurde die Corporate Social Responsibility zu einem wesentlichen Aspekt auf der Agenda von Unternehmen und Regierungen und findet seither umfassend Eingang in die öffentliche Diskussion.[53]

 

Ausschließlich aus dieser Zeit stammen auch die ausgewählten Definitionen von CSR, die im folgenden Berücksichtigung finden. Diese zeitliche Begrenzung erscheint vorteilhaft, da es sich bei CSR, so wird später argumentiert, um ein (noch) sehr flexibles Konzept handelt, was dazu führt, dass sich eine Verdichtung der verschiedenen Definitionen umso schwieriger gestalten und umso weniger sachdienliche Ergebnisse liefern würde, je größer man den Untersuchungszeitraum wählt. Die Auswahl der in dieser Analyse zitierten Definitionen erfolgte mit der Absicht, möglichst viele der Akteursgruppen, die in der CSR Diskussion eine Rolle spielen, abzudecken, erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriffsinhalt wird zunächst bewusst ausgeklammert, soll dann aber im dritten Abschnitt dieses Kapitels mit dem Ziel erfolgen, den Zusammenhang zwischen der Corporate Social Responsibility und anderen, angrenzenden Begriffen herzustellen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Auswahl der hier zitierten Definitionen nicht mit der Behauptung gleichzusetzen ist, die jeweilige Gruppe habe ein homogenes Verständnis des Definiendums, welches wiederum genau in der hier genannten Definition zum Ausdruck kommt. Im Zusammenhang mit der Nennung erfolgt auch eine genaue Analyse der jeweiligen Definition, um aus ihr die verschiedenen, der CSR zugeschriebenen Eigenschaften zu gewinnen.

 

Stellvertretend für die Wirtschaft wird die Definition des World Business Council for Sustainable Development zitiert, die wie folgt lautet: „Corporate Social Responsibility is the commitment of business to contribute to sustainable economic development, working with employees, their families, the local community and society at large to improve their quality of life.”[54] CSR wird also funktional definiert, indem ihre Ziele genannt werden. Dies sind zum einen eine nachhaltige ökonomische Entwicklung und zum anderen die Verbesserung der Lebensqualität aller Stakeholder[55] der Unternehmen. Außerdem kann CSR im Sinne eines „commitments“ als freiwillige Aktivität der Unternehmen verstanden werden.

 

Die Definition der internationalen Organisation „Business for Social Responsibility“ (BSR) lässt im Vergleich zum vorhergehenden Verständnis des WBCSD deutliche Unterschiede erkennen. CSR wird zwar ebenfalls funktional, jedoch als primär auf den ökonomischen Erfolg ausgerichtet erklärt. BSR erläutert, CSR ist ausgerichtet auf: „[...] achieving commercial success in ways that honor ethical values and respect people,...

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