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Die Religionspolitik Friedrichs II. von Preußen und Josephs II. von Österreich im Vergleich

AutorPatrick Diedrichs
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl57 Seiten
ISBN9783668248762
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, Note: 2,0, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Institut für Geschichtswissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: Friedrich II. von Preußen und Joseph II. von Österreich werden eng mit der Herrschaftsform des aufgeklärten Absolutismus assoziiert. Dies geht aus einigen Äußerungen sowie vor allem aus mehreren politischen Maßnahmen beider Monarchen hervor. Sie sicherten ihren Untertanen in der Zeit ihrer Regentschaft erstmals Freiheiten, die bis dahin von anderen absolutistischen Herrschern in Europa nicht ernsthaft in Betracht gezogen wurden. Diese neuerlichen Privilegien gingen auf die Ideen der Aufklärung, die von vernunftorientierten, humanistischen Wertvorstellungen gekennzeichnet waren, zurück. Die Werte der Aufklärung, die sich seit dem 17. Jahrhundert mittels einiger renommierter Philosophen wie etwa John Locke allmählich verbreiteten, gewannen im Verlauf des 18. Jahrhunderts mehr Aufmerksamkeit bei den europäischen Monarchen und wurden erstmals im politischen Sinne verwirklicht. Friedrich II. und Joseph II. vertraten in ihren Ländern eine vernünftige Staatsform, die sich vermehrt von den prädestinierten Strukturen und abergläubischen Werten der Ständegesellschaft distanzierte und die Gewissensfreiheit des Individuums förderte. Ein zentrales Merkmal bildete dabei die Toleranzfrage. In dieser Arbeit wird schwerpunktmäßig der Frage nachgegangen, wie tolerant die Religionspolitik beider Herrscher in Ihren Staaten gegenüber religiösen Minderheiten ausfiel. Schließlich muss berücksichtigt werden, dass es noch im 18.Jahrhundert keinesfalls selbstverständlich war, dass konfessionellen Minderheiten in Europa derartige Rechte zugesichert wurden. Im Gegensatz dazu waren diese häufig Zwangsvertreibungen durch intolerante Landesherren ausgesetzt. Hierbei wird dargelegt, welche Rechte diesen Minoritäten im Hinblick auf die Religionsfreiheit zukam und ob und wie eine allgemeine rechtliche Gleichstellung mit der Mehrheit der Bevölkerung erzielt werden konnte. Dabei wird die Religionspolitik Friedrichs II. gegenüber den katholischen und jüdischen Bevölkerungsgruppen in Preußen, sowie die Maßnahmen Josephs II. gegenüber den Protestanten, den Griechisch-Orthodoxen, den Griechisch-Katholischen Ruthenen und den Juden in den Provinzen des Habsburgerreichs untersucht. Letztlich geht diese Arbeit der Frage nach, welcher der beiden aufgeklärten Herrscher die tolerantere Religionspolitik durchsetzte.

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Leseprobe

2. Die Lebensbedingungen der religiösen Minderheiten in Österreich vor der Regentschaft Josephs II.: Die Protestanten in Böhmen, Mähren und Ungarn


 

Im ersten Kapitel dieser Arbeit konnte belegt werden, dass es sich bei Österreich im 18. Jahrhundert um einen Staat handelte, der eine enge Bindung zum katholischen Glauben hatte. Die religiöse Erziehung Josephs II., der in seiner Kindheit von einem Jesuitenpater unterrichtet wurde, deutet unter anderem darauf hin. Um auf die Religionspolitik des Kaisers und deren Folgen einzugehen, müssen erst einmal die Lebensbedingungen der religiösen Minderheiten vor der Thronbesteigung Josephs II. dargestellt werden. Demnach konzentriert sich dieses Kapitel auf die Zeit vor 1765, als Joseph nach dem Tod seines Vaters Franz Stephan zum römisch-deutschen Kaiser erhoben wurde und zusammen mit seiner Mutter Maria Theresia das Habsburgerreich regierte. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich die einzelnen Minoritäten auf unterschiedliche Regionen und Provinzen des Reichs verteilten. Somit lebten die meisten Protestanten in Böhmen, Mähren und Ungarn, die Griechisch-Orthodoxen sowie die Griechisch-Katholischen Ruthenen hauptsächlich in Ungarn, während die Juden vorwiegend in Wien, in Prag und in Mähren ansässig waren.[30]

 

Aufgrund der konfessionellen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten in den deutschen Königreichen, Fürsten- und Herzogtümern seit der Epoche der Reformation ist es sinnvoll, sich zunächst mit den protestantischen Minderheiten im Habsburgerreich zu beschäftigen. In Bezug auf die Umstände der Protestanten in Böhmen kann bereits mehrere Jahrzehnte vor dem Beginn der Regentschaft Josephs von Unruhen berichtet werden, die sich gegen die Diskriminierungen durch die katholischen Habsburger richteten. Diese Aufstände, an denen sich zum größten Teil Bauern beteiligten, fanden von 1732 bis 1738 statt und gingen letztlich unter anderem auf die pietistische Bewegung zurück.[31] Bedeutende Mitglieder dieser Bewegung waren auch einige Geistliche aus Preußen wie Daniel Ernst Jablonski, der beim damaligen König Friedrich Wilhelm I. als Hofprediger diente. Jablonski galt als einer der Organisatoren des Aufstands. Er sendete regelmäßig Agenten nach Böhmen, die die dort aufständischen protestantischen Bauern unterstützen und diese zugleich vom Pietismus überzeugen sollten.[32] Somit intervenierten die preußischen Anhänger einer lutherischen Bewegung in einem Konflikt, der sich in einer habsburgischen Provinz ereignete. Dies zeigt die Dimension konfessioneller Auseinandersetzungen innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, die auch noch im 18. Jahrhundert Bestand hatten. Selbst Friedrich der Große setzte sich während des Siebenjährigen Krieges für die unterdrückten Protestanten im Habsburgerreich ein, nachdem einige bekundet hatten, aufgrund der schwierigen Umstände ihre Heimat verlassen zu wollen. Am 25. Mai 1758 befahl er seinem Minister Schlabrendorff, dem Hilferuf der „Böhmischen Brüder“ nachzukommen und diese in Schlesien anzusiedeln.[33] Der preußische König hatte neben seiner humanitären und toleranten Einstellung noch ökonomische Absichten, da er davon überzeugt war, dass auch wohlhabende Familien aus Böhmen, Mähren sowie Ungarn in sein Land einwandern würden. Außerdem konnte hiermit der direkte Kriegsgegner Österreich wirtschaftlich geschwächt werden. Maßnahmen wie diese bestätigen den seit den Schlesischen Kriegen ständigen Dualismus zwischen den Hohenzollern und den Habsburgern, der zum Teil auch religiöse Motive hatte. Jedenfalls kann aus diesen Vorkommnissen geschlussfolgert werden, dass die protestantische Bevölkerung in Böhmen und Mähren schwierigen Lebensbedingungen ausgesetzt war. Die Forderung nach Gleichheit mit der katholischen Mehrheit führte sowohl zum Widerstand gegen die Staatsgewalt als auch zur Migration in Länder, in denen diese Bürgerrechte erhielten und somit nicht benachteiligt wurden. Die freie Ausübung des evangelischen Glaubens fand bis zur Regentschaft Josephs II., wenn überhaupt, dann nur in begrenztem Maße statt.[34]

 

Mit ähnlich harten Umständen waren auch die Protestanten in Ungarn konfrontiert. Hier hatten sich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts der lutherische sowie der calvinistische Glaube rasch verbreitet. Aufgrund der Tatsache, dass Ungarn damals zum größten Teil zum Osmanischen Reich gehörte, konnte sich der Protestantismus zunächst ungestört entfalten, da die Osmanen diesen Glauben im Gegensatz zum Katholizismus tolerierten. Die islamischen Eroberer betrachteten die katholische Kirche als eine Bedrohung für ihre Präsenz in Ungarn.[35] Jedoch veränderten sich diese Gegebenheiten, nachdem das Habsburgerreich Ungarn allmählich zurückerobert hatte. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts waren die habsburgischen Monarchen darum bemüht die Osmanen aus dieser Region zu verdrängen und zugleich Gegenreformationen, die sich gegen die protestantische Minorität richteten, einzuleiten. Für Kaiser Leopold I. etwa war der Protestantismus eine gefährliche, aufständische Bewegung, während sich der Katholizismus hingegen als loyal gegenüber dem Herrscherhaus erwies. In seiner Regentschaft folgten in den Jahren 1673 und 1674 die beiden Preßburger Schauprozesse, die mit dem Ziel durchgeführt wurden, die protestantischen Geistlichen und Lehrer aus der ungarischen Gesellschaft gewaltsam zu entfernen. Anhand dieser brutalen Vorgehensweise wird deutlich, dass Leopold I. eine weitere Verbreitung dieser religiösen Lehren mit aller Macht verhindern wollte. Der Gerichtshof in Preßburg verurteilte daraufhin über hundert evangelische Pastoren und Lehrer zum Tode.[36] Aus der Sicht der Verurteilten scheiterte dieses Unternehmen glücklicherweise, da die Empörung in England, in den Niederlanden, in Brandenburg und in Sachsen den Kaiser zur Revision seines Vorhabens verleitete.

 

Eine scheinbare Wende bezüglich der Verfolgung von protestantischen Minderheiten setzte mit dem Landtag zu Ödenburg im Jahr 1681 ein. Hierbei handelte es sich um eine Ständeversammlung, in der die Religionsfreiheit der Protestanten in Ungarn von Leopold I. formal anerkannt wurde. In der Realität wurde dieser Beschluss jedoch weiterhin nicht in die Tat umgesetzt. Mihaly Buscay, der sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Kampf der ungarischen Protestanten um die Religionsfreiheit im 16. und 17. Jahrhundert beschäftigt hat, erklärt hierzu, dass der Landtag in Ödenburg „nur eine andere Taktik zur Liquidierung des Protestantismus wählte.“[37]Die Artikel XXV und XXVI des Edikts schränken die Freiheitsrechte nämlich wiederum ein. Der Artikel XXV enthält eine entscheidende Klausel, die besagt: „Ohne Hintansetzung der Rechte der Grundherren.“[38]Bei den Grundherren handelte es sich für gewöhnlich um Grundbesitzer, deren große Mehrheit dem römisch-katholischen Glauben angehörte. Mit Hilfe des aufgeführten Zusatzes in diesem Artikel waren die Grundherren dazu berechtigt, ihren protestantischen Leibeigenen den eigenen Willen entgegenzustellen. Des Weiteren wurde in Artikel XXVI festgelegt, dass die Protestanten in jedem Komitat zwei eigene Ortschaften, die als die sogenannten „artikularen Orte“ bezeichnet wurden, erhielten. In diesen Ortschaften durften fortan evangelische Kirchen gebaut werden. Mit diesem Beschluss sollten die protestantischen Gemeinden einen Ausgleich für die in der jüngeren Vergangenheit vom Staat beschlagnahmten und nun katholisch eingeweihten Gotteshäuser bekommen. Dies klang zunächst als ein Fortschritt im Kampf um die Religionsfreiheit. Jedoch unterschied die Gesetzgebung noch durch eine darin enthaltende Erklärung Leopolds I. zwischen der Ausübung des evangelischen Glaubens im Öffentlichen und im Privaten. Mit dem Öffentlichen waren die artikularen Orte, mit dem Privaten beispielsweise engste Familienkreise gemeint. Dies bedeutete letztlich, dass die freie, öffentliche Verbreitung des Protestantismus ausschließlich auf die artikularen Orte beschränkt war.[39]Somit konnte dem Verständnis von Toleranz nach sicherlich nicht von einer Anerkennung der Religionsfreiheit durch Leopold I. die Rede sein.

 

Auch während des 18. Jahrhunderts hielten die habsburgischen Herrscher noch daran fest. Der Vater Maria Theresias, Karl VI. etwa, setzte in den Jahren 1731 und 1734 gegenreformatorische Maßnahmen, die teilweise die Bekehrung der Protestanten zur katholischen Kirche zum Ziel hatten, durch.[40]Derartige Bestrebungen deuten darauf hin, dass neben dem römisch-katholischen Glauben als Staatsreligion keine weiteren christlichen Konfessionen geduldet werden sollten. Die evangelischen Minoritäten durften nur dann die volle Religionsfreiheit erhalten, wenn sie zum Katholizismus konvertierten. Maria Theresia hielt an der intoleranten Religionspolitik ihrer Vorgänger fest. Als fromme, erzkatholische Monarchin glaubte sie, dass das Seelenheil ihrer Untertanen nur von der römischen Kirche garantiert werden könne.[41]Aufgrund dieser Einstellung bekämpfte sie den Protestantismus mit allen Mitteln und sorgte dafür, dass zahlreiche Protestanten aus Böhmen, Mähren und vor allem Ungarn in dünn besiedelte Regionen wie dem Banat vertrieben wurden. Diese Haltung führte in der Zeit der Doppelherrschaft mit ihrem toleranten Sohn zu Konflikten.

 

2.1 Die Griechisch-Orthodoxen in Ungarn


 

Eine weitere religiöse Minderheit, die sich in Ungarn...

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