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Die Rezeption von Community Organizing in der BRD

AutorDanny Schindler
VerlagBachelor + Master Publishing
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl54 Seiten
ISBN9783958207806
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
'Bürger benötigen, um als zivilgesellschaftliche Akteure Einfluss nehmen zu können, vor allem die Fähigkeit zu einem bewussten Vollzug kollektiver Entscheidungen.' (Fehren 2008) Haben Bauer und Szynka mit der These Recht, dass der Umgang mit Community Organizing und der Umgang mit Alinskys Schriften innerhalb der BRD als Nicht-Rezeption aufzufassen ist? Die vorliegend Literaturarbeit setzt sich mit Community Organizing in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Der Fokus wurde auf die historische Entwicklung, konkret auf die Rezeption beziehungsweise Nicht-Rezeption von CO innerhalb der BRD, gelegt, wobei der Verlauf einer etwaigen Rezeption beziehungsweise Nicht-Rezeption mit dem Ziel nachgezeichnet wird, um die These von Bauer und Szynka, der Umgang mit CO (und der Umgang mit Alinskys Schriften) innerhalb der BRD sei als Nicht-Rezeption aufzufassen, auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Unterstützend wird die CO Fort- und Weiterbildung (Training) als Indikator einer etwaigen Rezeption beziehungsweise Nicht-Rezeption und somit Implementierung beziehungsweise Nicht-Implementierung von CO innerhalb der BRD näher betrachtet.

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Leseprobe
Textprobe: Kapitel 1.3.1, Die Wurzeln von CO: Bei der Suche nach den Wurzeln von CO ist der Name Saul D. Alinsky unumgänglich. Er wurde am 9. Januar 1909 in Chicago als Sohn orthodox jüdischer, aus Russland stammender, Einwanderer geboren und gilt unumstritten als Begründer von CO. Nach einem Studium in Soziologie und Kriminologie stellte er sich die Frage, wie der traditionellen Nachbarschaftsarbeit in den Stadteilen von Chicago ein wissenschaftlich begründbares Modell der sozialen Arbeit entgegengesetzt werden könnte. Hieraus resultierend brauchte er eine handlungsfähige Allianz aus wichtigen Organisationen und Vereinen im Chicagoer Stadtteil Back oft he Yards zustande, welche sich erfolgreich um den Ausbau der Sozialen Infrastruktur im Stadtteil bemühte. Sein Erfolg, die organisierende Vorgehensweise und die daraus entstandene Methodik (Strategie des organizing), seine spektakulären Aktionen und die damit einhergehende eigene Bereitschaft selbst Gefängnisaufenthalte auf sich zu nehmen, verschafften ihm, seiner Arbeit und der auf einem wissenschaftlichem Fundament entstandenen Methodik des CO breite Anerkennung und Popularität. In Frustration über die wissenschaftliche Anerkennung seiner Arbeit, besonders hinsichtlich der kriminologischen, wechselte Alinsky später aus dem wissenschaftlichen Kontext in einen politischen und begann sich mehr und mehr für den Aufbau von Bürger*innenorganisationen zu engagieren. Zudem macht er den amerikanischen Radikalismus zu seinem politischen Programm. Er arbeitet eine Zeit lang an Biographien seiner politischen Vorbilder. Weitergehend verschreibt er sich, den Traditionsbruch zwischen den Radikalen der 30er / 40er Jahre, der flower-power Generation und der Studentenbewegung zu schließen (was zur Veröffentlichung von Rules for Radicals führte). Er ersuchte, die amerikanische Rassendiskriminierung einzudämmen und unterstütze Bürger*innenrechtsbewegungen. Weitergehend arbeitete er als Organizer für den Gewerkschaftsverband Congress of Industrial Organizations, initiierte den Back oft he YardsNeigborhood Council, baute die Industrial Area Foundation (wo er exucitive director war), die Organisation The Woodlawn Organization, sowie die Organisation Freedom, Independence, God, Honour, Today auf. Saul D. Alinsky stirbt infolge eines Herzinfarktes am 12. Juni 1972 in California (vgl. FOCO o.J., S. 8/Szynka 2006, S. 9 ff., S. 151 ff). Zu Alinskys Erbe lässt sich nicht nur die Entstehung der bis heute bestehenden Industrial Area Foundation (Modern Industrial Area Foundation) und somit 65 lokal entstandener Bürger*innenplattformen zählen, welche unter anderem am Bau von über 3000 Häusern in Brooklyn und 1000 Wohneinheiten in der Süd-Bronx beteiligt waren, sondern auch Projekte, welche die Schulqualität erhöhten, die Existenzsicherung für Arbeitnehmer*innen und deren Familien durch die Verabschiedung von Gesetzen zu Lohnerhöhungen gewährleisten, Maßnahmen zur Berufsqualifizierung einführten. Auch das bewirken einer Krankenversicherung für über 555 000 Menschen, die vorher nicht versichert waren kann hier zum Erbe gezählt werden (vgl. Penta 2007, S. 40 f.). Heute ist Alinksy eine Legende und hat, spätestens nach 1971 auch Spuren in der BRD hinterlassen. Beispielsweise beriefen sich Rezipient*innen bei Diskussionen über die sogenannte aggressive oder konfliktorientierte GWA in der BRD stets auf seine Arbeit. Die erste Rezeptionswelle (1945 - 1967): Erste Berührungspunkte zwischen CO und Deutschland konnten erstmals 1971 mit der Buchveröffentlichung Stadtplanung und Gemeinwesenarbeit unter der Überschrift Die Rolle informeller Führer beim Aufbau von Volksorganisationen, welcher aus Alinskys Veröffentlichung Reveille for Radicals stammt und durch C. W. Müller ins Deutsche übersetzt worden ist, ausgemacht werden, so Bauer und Fehren. (vgl. Bauer, Szynka 2004, S. 33/ Fehren 2008, S. 171 f.). Stock hingegen sprach schon von nach 1945 stattgefundenen Versuchen, die amerikanischen Methoden der Gemeinschaftshilfe (darunter auch CO) in der BRD Publik zu machen, wobei eine tatsächliche Auseinandersetzung nicht verzeichnet werden konnte. Stock begründet die nicht stattgefundene Rezeption in dieser Zeit mit der Dominanz von Einzelfallhilfen sowie Case Work und der fehlenden Auseinandersetzung mit Gruppenarbeit in Deutschland im Allgemeinen. (vgl. Stock 2014, S. 32).
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