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Die Satiren des Horaz

AutorSteffi Rothmund
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl67 Seiten
ISBN9783638866866
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Klassische Philologie - Latinistik - Literatur, Note: 1,75, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 60 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Erkenntnisinteresse: inwieweit orientiert sich Horaz an seinem Vorgänger Lucilius. Zunächst sollen einige Vorbemerkungen zur Gattung Satire zum Thema hinführen. Anschließend werden die Satiren des Horaz, danach die des Lucilius, auf der formalen Ebene beschrieben. Im Hauptteil werden die Satiren des Horaz unter verschiedenen Aspekten vorgestellt und, sofern möglich, in Bezug zu Lucilius gesetzt. Das die Arbeit abschließende Fazit greift die Ausgangsfrage auf und erläutert, worin genau die Leistung von Horaz besteht.

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Leseprobe

3 Die Satiren des Horaz und seine Orientierung an Lucilius

 

Nach dieser Einführung in die Gattung der Satire stehen im Folgenden vor allem die Satiren des Horaz im Mittelpunkt.

 

Auf der formalen Ebene sollen Aspekte betrachtet werden, die das Wesen der Horazischen Satire und natürlich auch ihre Form kennzeichnen. Hierzu gehören Gesichtspunkte wie Stil und Sprache, aber auch die Technik, um letztlich das Wesen der Satire und ihre Form erfassen zu können. Zunächst sollen poetologische Äußerungen des Dichters untersucht werden, bevor die zu untersuchenden Aspekte schließlich aus der Sicht der Forschung beschrieben werden.

 

Da sich Lucilius kaum poetologisch zur Satire geäußert hat, wird er hinsichtlich der formalen Ebene nur aus der Sicht der Forschung vorgestellt und kommt nicht, wie Horaz, selbst zu Wort.

 

Um die inhaltliche Ebene erfassen zu können, wird nach einigen Vorbemerkungen allgemeiner Art, besonders auf die Satiren des Horaz eingegangen. Innerhalb eines jeden Kapitels soll durch einen Blick auf die Satiren des Lucilius beleuchtet werden, inwiefern sich Horaz an seinem Vorgänger orientiert.

 

Ein zusammenfassender Rückblick soll sowohl Kapitel 3.1 als auch Kapitel 3.2  vervollständigen.

 

3.1 Formale Ebene: Sprache, Merkmale und Absicht der Satiren

 

3.1.1 Horaz über seine Satiren

 

Nicht außer Acht gelassen werden dürfen Horazens Überlegungen zur Gattung Satire, die in den Satiren 1,4, 1,10 und 2,1 gemacht werden. Für eine Besprechung der folgenden Satiren muss festgehalten werden, dass poetologische Äußerungen sich insbesondere aus der Auseinandersetzung des Horaz mit Lucilius ergeben und nicht, wie man vielleicht meinen könnte, als poetologischer Katalog aufgeführt sind. Man muss, um Horazens Äußerungen zu verstehen, hinter die Kulissen schauen, denn er versucht durch die Verhüllung des Themas, z. B. in einen Dialog oder durch die Einbettung in einen anderen Themenzusammenhang, den Gesprächston des sermo zu wahren.

 

So könnte man vorausschickend sagen, dass es sich im Folgenden um „Satire über Satire“[57] handelt, weshalb man nicht von einer fertigen Theorie auszugehen hat, sondern lediglich von Überlegungen zu dieser Gattung.

 

Am Beginn dieses Kapitels soll Satire 1,4 stehen, aus der sich einige poetologische Aussagen des Horaz über das Wesen der Satire gewinnen lassen. Um einen Überblick über die Themenvielfalt der Satire zu geben, ist es unabdingbar kurz den Inhalt dieser Satire vor Augen zu führen.[58]  Die ersten sechs Verse spricht Horaz über die Vertreter der alten attischen Komödie und erklärt, dass Lucilius mit seinem Freimut in deren Nachfolge gestanden hat. Die sich anschließenden sechs Verse bleibt Horaz bei seinem Vorgänger: Lucilius arbeite ohne die nötige Sorgfalt und wird daher als „Vielschreiber“ bezeichnet. Horaz selbst hingegen, so heißt es in den Versen 13-21, schaffe wenig und selten und trage auch nicht vor jedermann vor, um keine Konflikte heraufzubeschwören (V.21-25). Dieses angesprochene Konfliktpotenzial bildet das Thema der nächsten zwölf Verse, in denen Horaz erklärt, dass der Satirendichter ständigem Hass ausgesetzt sei: schließlich hat doch jeder Mensch den einen oder anderen Fehler, der in einer Satire zum Thema gemacht werden könne.

 

Er aber, so heißt es in den folgenden Versen, rechne sich nicht zum Dichterstand, denn wahre Dichter haben Genialität und Begeisterung und schreiben nicht so alltagsnah, wie eben Lucilius und er (V.39-62). Diese Aussage ist von falscher Bescheidenheit und sicherlich ironisch zu verstehen.

 

Die folgenden Verse greifen wieder das Verhältnis des Satirendichters zu seinen Lesern auf: Horaz macht am eindrucksvollen Beispiel des Sulgius und Caprius[59] klar, dass Menschen, die sich nichts vorzuwerfen haben, seine Satiren doch gar nicht zu fürchten brauchen. Damit bezieht er sich auf den Anfang der Satire (V.63-78).

 

Den Vorwurf, er habe Vergnügen daran, andere zu verspotten, weist er in den Versen 79-101 deutlich zurück und erklärt, dass sein scherzender Spott frei von jeder Bosheit sei und dass es sein Vater war, der ihm die Fehler anderer als Warnung vorgehalten (V.102-133) und ihn dadurch zum Beobachter seiner Umwelt gemacht habe.

 

Die Satire beginnt, wie erwähnt, mit den drei Vertretern der alten attischen Komödie und bringt das Charakteristikum der libertas (Hor.sat.1,4,5), also der Freiheit öffentlich zu tadeln und Kritik zu äußern, mit ihr in Verbindung, das auch, so sagt es Horaz, wichtiger Bestandteil der Lucilischen Satiren ist. Die Verse werden gemeinhin als Beleg für die Nähe des Horaz zur alten attischen Komödie angesehen.[60] Reflexionen poetologischer Art können dann vor allem aus der folgenden Kritik an Lucilius abgeleitet werden: zunächst findet sich der Vorwurf der „Vielschreiberei“ des Lucilius (vgl.Hor.sat.1,4,9f.), von der sich Horaz ganz klar absetzt und auf diese Weise indirekt als Grundsatz für das Dichten festhält, dass man sich beim Schreiben nicht beeilen soll und vor allem die Mühe sorgsam zu arbeiten nicht vernachlässigen darf. Horaz geht es vor allem um das recte scribere (vgl.Hor.sat.1,4,13 scribendi recte), mit dem er Vollkommeneres schaffen will als Lucilius es versuchte: hierzu gehört auch der Verzicht, den Lesern und der öffentlichen Mehrheit gefallen zu wollen, woraus sich für den Dichter der Entschluss ergibt, nur für sich selbst und die engsten Freunde zu schreiben. Horaz möchte also angeblich keine Wirkung auf die Öffentlichkeit ausüben und trägt seine Dichtung, wie er selbst sagt, lieber im Freundeskreis vor (vgl.Hor.sat.1,4,74f.).

 

Auf der formalen Seite verzichtet Horaz auf Kennzeichen, die die hohe Poesie betreffen, von der er sich deutlich in den Versen 40-44 absetzt und erklärt, dass seine Dichtung nahe am Gespräch anzusiedeln ist.[61] Seine direkte Art der Kritik rührt von der Erziehung des Vaters: dieser hat ihm stets Beispiele negativer Eigenschaften als Warnung vorgehalten und auf diese Weise dafür gesorgt, dass er selbst nur mittelschwere Fehler habe (vgl.Hor.sat.1,4,129ff.), wozu er allerdings sein Schreiben zählt (vgl.Hor.sat.1,4,138ff.).

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Horaz in der Satire 1,4 nicht nur grundsätzliche Gedanken zum Wesen der Satire anstellt sondern auch seine persönliche Motivation zum Schreiben von Satiren darlegt, die er mit der Erziehung des Vaters in Verbindung bringt. Es liegt hier also tatsächlich eine „Satire über Satire“ vor, denn der urbane Gesprächston des sermo bleibt stets erhalten, wodurch der Charakter einer poetologischen Abhandlung gänzlich vermieden wird.

 

Als eng an diese Satire anknüpfend kann man Satire 1,10 bezeichnen. Auch hier soll ein kurzer Überblick über den Inhalt das Verständnis des nachfolgend Gesagten erleichtern: Horaz bezieht sich inhaltlich direkt auf seine Äußerungen in Satire 1,4,[62] in der er die Form der Satiren des Lucilius tadelt. Für diese Aussage, die ihm wohl Verehrer des Lucilius übel genommen haben, entschuldigt er sich in der Satire 1,10 nicht, sondern er mildert seine Kritik an seinem Vorgänger und präzisiert sie. Zugleich weist er darauf hin, dass er sich auch positiv über Lucilius geäußert habe, er lobte nämlich besonders seinen Witz (V.1-6). Die folgenden Verse 7-30 geben einen Überblick über das, was Horaz von einer Satire erwartet. In den Versen 31-49 stellt sich Horaz in einen Vergleich mit den Nachfolgern des Lucilius, von denen er sich seines Erachtens deutlich abhebt (V.47), um danach wieder auf seine ehemals geäußerte Kritik an Lucilius zurückzukommen. Horaz verteidigt sich damit, dass Lucilius auch Kritik an anderen Dichtern geäußert hat (V.53) und dass man eben damals so dichtete, dass also das Dichten des Lucilius wohl dem Zeitgeschmack entsprochen hat (V.56-66) und dass er, würde er heute leben, vermutlich andere Ansprüche an seine Dichtung stellen würde (V.67-71).

 

Horaz gibt am Ende seiner Satire (V.72-92) den Rat, sich nicht an der Bewunderung der Masse, sondern an dem feinen Urteil der Kenner zu orientieren. 

 

Es muss nun noch auf die Verse 7-30 genauer eingegangen werden, da sich besonders aus ihnen poetologische Äußerungen ableiten lassen, die meistens aus der Kritik an Lucilius gewonnen werden können. Wie sich gleich zu Beginn der Satire 1,10 darstellt, verlangt Horaz ein künstlerisch hohes Niveau, dass man mit seinem recte scribere aus Satire 1,4, (V.13) in Beziehung setzen kann. An dieser Stelle ist es notwendig, nochmals kurz auf die bereits angesprochenen Verse 40-44 aus Satire 1,4 zurückzukommen, in denen Horaz sagt, dass seine Satiren auf Kennzeichen der hohen Poesie verzichten. Wie kann nun aber seine Forderung nach einem hohen Niveau, dem recte scribere, in Zusammenhang gebracht werden? Horaz geht es um die Vermittlung philosophischen Gedankenguts. Damit diesem jeder folgen kann, sieht er es am besonders in einer Dichtung vermittelt, die nahe am Gespräch anzusiedeln ist. Die Konstruktion von Dichtung als Gespräch zur einfachen Vermittlung von moralphilosophischen Gedanken macht das künstlerisch hohe Niveau aus, das er mit seinem recte scribere fordert. Durch welche Kennzeichen er das...

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