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Die Seele stärken

Wie Psychotherapie bei Krebs helfen kann

AutorPeter Herschbach
VerlagPatmos Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl180 Seiten
ISBN9783843604055
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. Ängste, Sorgen und Fragen über Fragen tauchen auf. Wie finde ich mich im Dschungel der Behandlungsmöglichkeiten zurecht? Wie gehe ich mit den Belastungen und Nebenwirkungen der Krebstherapien um? Wo kann ich mal Luft holen und Kraft schöpfen? In diesem umfassenden Ratgeber geben renommierte Experten Antworten auf die brennendsten Fragen. Und sie beschreiben, wie Psychotherapie den Heilungsprozess bei Krebs unterstützen und die Seele stärken kann. Unverzichtbar für Betroffene und Angehörige, aber auch für Ärzte und Psychotherapeuten.

Prof. Dr. Peter Herschbach ist Diplom-Psychologe und Leiter der Sektion 'Psychosoziale Onkologie' der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Er ist ein anerkannter Experte und Buchautor zum Thema Psychoonkologie.

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Leseprobe

5. Welche schwierigen Phasen und Belastungssituationen gibt es?


Peter Herschbach

Wenn wir in diesem Kapitel über die Belastungen, die eine Krebsbehandlung mit sich bringen kann, schreiben, dann wollen wir Ihnen natürlich keine Angst machen. Vielmehr soll es darum gehen, einen ungeschminkten Eindruck davon zu vermitteln, was es bedeutet, sich wegen Krebs in Behandlung zu begeben. Das soll es Ihnen erleichtern, sich, wenn nötig, vorzubereiten, die eigenen Gefühle einzuordnen (was ist normal, was scheint übertrieben?), unberechtigte Sorgen zu zerstreuen und Hilfe zu suchen, wenn Sie sie brauchen.

Die Menschen unterscheiden sich ausgesprochen stark voneinander, wenn es um das Belastungserleben und die Krankheitsbewältigung geht. Trotzdem hängen viele der Herausforderungen, die ein Krebspatient zu bewältigen hat, direkt oder indirekt mit den verschiedenen Erkrankungs- und Behandlungsphasen zusammen. Die Behandlung dauert oft viele Monate und erfordert immer wieder Kraft und Durchhaltevermögen vom Patienten. Die wichtigsten Phasen werden im Folgenden beschrieben. Im zweiten Teil des Buches werden wir dann darauf eingehen, wie Sie sich entweder selbst helfen können oder wie beziehungsweise wo Sie Unterstützung finden können, wenn Sie oder Ihre Angehörigen mit einzelnen dieser Belastungen konfrontiert werden sollten.

Die Phase der Diagnosefindung

Da nur relativ wenige Krebsdiagnosen Überraschungsbefunde sind, beginnt die Behandlung meist mit einer längeren Phase von diagnostischen Untersuchungen. Bis wirklich feststeht, dass die geschilderten Beschwerden von einer Krebserkrankung kommen, haben die Patienten meist verschiedene Ärzte aufgesucht und eine Vielzahl von Untersuchungen durchführen lassen. Die Ärzte haben Verdachtsbefunde zusammengestellt, so lange, bis sicher war, dass es sich um Krebs handelt und nicht um eine andere Erkrankung. Diese Zeit ist von Angst, Verunsicherung, Nervosität, vielleicht auch von Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen geprägt. Oft ist der Patient aber auch durch so viele Untersuchungstermine eingespannt, dass er kaum dazu kommt, nachzudenken und sich auf die Situation einzustellen.

Nicht selten ist man sogar erleichtert, wenn endlich feststeht, dass es sich um Krebs handelt und die Unsicherheit vorbei ist. In einer solchen Situation ist jedem Patienten zu wünschen, dass er nicht alleine ist und Angehörige oder Freunde hat, die ihn begleiten, mit denen er offen sprechen kann. Außerdem ist es wichtig, dass er einen Arzt hat, der ihm die Diagnose auf verständliche und einfühlsame Weise erklärt, und dass der Arzt dem Patienten auch an den Folgetagen Gelegenheit gibt, Fragen zu stellen. Nur die wenigsten Patienten können gleich nach dem ersten Gespräch alle Informationen verstehen und verarbeiten. Obwohl in dieser akuten Situation der Arzt und die Angehörigen die wichtigsten Partner des Patienten sind, kann auch jetzt ein Psychoonkologe hinzugezogen werden; im Krankenhaus können Sie Ihren Arzt danach fragen. Es kann hilfreich sein, im Gespräch mit dem Psychoonkologen die eigenen Gefühle zu »sortieren« und auch noch einmal zu bilanzieren, was Sie verstanden haben und wo doch noch Fragen offen geblieben sind.

Häufig erklärt der Arzt dem Patienten auch schon jetzt, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, und nicht selten erwartet er von ihm, dass er mitentscheidet, was getan werden soll (die Experten nennen das »partizipative Entscheidungsfindung« oder »shared decision making«). Der sogenannte mündige Patient ist gut informiert und entscheidet gemeinsam mit dem Arzt, wie die Behandlung konzipiert werden soll. Dieses moderne Arzt-Patient-Verhältnis setzt natürlich voraus, dass der Patient mitentscheiden will und dass der Arzt ihn so gut informiert, dass er sich in der Lage fühlt, die Verantwortung für die Behandlungsentscheidung mitzutragen.

Es kann nun sein, dass der Patient trotz Information der Sicht des Arztes nicht völlig vertraut. Möglicherweise hat er sich im Internet informiert und ist nun verunsichert. In diesem Falle ist es sein gutes Recht, eine sogenannte Zweitmeinung einzuholen. Er kann sich mit den bisherigen Untersuchungsbefunden an einen weiteren Arzt (aus einer anderen Klinik, in einer anderen Stadt) wenden und ihn um einen Behandlungsvorschlag bitten. Im besten Falle decken sich die Konzepte beziehungsweise die Behandlungsvorschläge beider Ärzte. Das Einholen einer Zweitmeinung wird im Allgemeinen von den Krankenkassen finanziert. Der Arzt wird dem Patienten das Einholen einer Zweitmeinung nicht übel nehmen. Er sieht es nicht als Misstrauensbeweis an und ist nicht gekränkt. Diese erste Phase der Diagnosefindung, -mitteilung und Behandlungsplanung gehört sicher zu den besonders belastenden für den Patienten.

Die Phase der Primärbehandlung

Die eigentliche medizinische Behandlung kann in der modernen Krebsmedizin aus einer Kombination unterschiedlicher Verfahren bestehen – nicht selten über längere Zeiträume hinweg. Oft werden die Operation, die Chemotherapie und die Bestrahlung kombiniert, wobei die Reihenfolge der Verfahren unterschiedlich sein kann. So wird der Tumor manchmal zuerst mit Chemotherapie behandelt und erst danach operiert – nicht umgekehrt, wie man meinen könnte. Der Grund ist, dass die Krebsgeschwulst oft leichter operativ zu entfernen ist, wenn sie kleiner geworden ist.

In der akuten Behandlungsphase (»Primärtherapie«) fürchten die Patienten häufig besonders die Nebenwirkungen der Therapie. Sie haben vielleicht Erfahrungsberichte von anderen Patienten oder aus der Verwandtschaft gehört und übertragen diese nun auf die eigene aktuelle Situation. Dies führt oft zu völlig übertriebenen Befürchtungen.

Ein Beispiel ist die Chemotherapie, die früher häufig mit starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall oder Schmerzen an der Mundschleimhaut verbunden war. Manchmal haben die Patienten schon beim Gedanken an die Therapie oder beim Geruch von Krankenhausfluren Übelkeit empfunden (»antizipatorische Übelkeit«). Moderne Chemotherapien sind in der Regel nicht mehr so »radikal«; außerdem gibt es heute viele sehr wirksame Medikamente gegen die Übelkeit und das Erbrechen (»Anti-Emese«). Für viele weibliche Patienten ist allerdings der Haarausfall als Folge der Chemotherapie nach wie vor eine große Belastung, etwas, was große Angst und auch Schamgefühle auslösen kann. Die eigene Weiblichkeit scheint in Frage gestellt, der Partner könnte unangenehm berührt sein. Vor allem aber würde man in der Öffentlichkeit erkennen: Dies ist eine Krebspatientin. Möglicherweise könnten die Kinder in der Schule gefragt werden: »Warum hat denn deine Mutter eine Glatze?«

Betroffene Frauen gehen sehr unterschiedlich mit diesem Problem um. Manche probieren Kopftücher und Perücken aus und kommen gut damit zurecht. Andere zeigen sich selbstbewusst öffentlich ohne Haare. Hier wird jede Frau ihren eigenen Weg finden. In jedem Falle kann Beratung, auch die Erfahrung aus Selbsthilfegruppen nützlich sein. In weiteren Kapiteln (zum Beispiel Kapitel 11) dieses Buches werden wir darauf eingehen, wann psychoonkologische Behandlung hier sehr nützlich ist. In vielen Fällen wird der Therapeut Ihnen dabei helfen können, die eigene Krebserkrankung anzunehmen und zu akzeptieren und selbstbewusst damit umzugehen, eigene Scham und Unsicherheit in kleinen Schritten zu überwinden (siehe Kapitel 6).

Strahlentherapie ist ebenfalls eine Behandlung, die Angst auslösen kann. Das ist nicht verwunderlich, denn man kann die Strahlen weder sehen noch schmecken oder riechen; sie sollen Krebsgewebe vernichten, lassen sich aber nicht wahrnehmen. Außerdem geschieht die Behandlung mit großen Maschinen in abgeschlossenen Räumen.

Hier ist eine gründliche Beratung und Erklärung durch den Strahlentherapeuten sehr wichtig. Nach den Erfahrungen, die aus psychologischen Studien vorliegen, ist die Belastung für den Patienten besonders vor Beginn der Bestrahlung hoch (weil er nicht weiß, was auf ihn zukommt). Sie nimmt dann schnell wieder ab. Manchmal kommt es im Behandlungsverlauf oder danach zu Nebenwirkungen (Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen). Diese Symptome verschwinden meist relativ kurze Zeit nach Behandlungsende von alleine wieder. In Kapitel 10 gehen wir noch genauer auf die Nebenwirkungen der Strahlentherapie ein.

Die operative Entfernung des Tumors ist nach wie vor die tragende Säule der Krebstherapie. Es kommt dabei für den Chirurgen darauf an, das Tumorgewebe komplett zu entfernen, mit einem notwendigen Abstand zu gesundem Nachbargewebe. Der Patient ist natürlich erfüllt von der Hoffnung, dass dies gelingen werde und dass keine bleibenden Schäden durch die Operation hervorgerufen werden. Manchmal wird auch von der Angst berichtet, die Narkose könne nicht wirken oder man wache nicht mehr aus der Narkose auf. Beides kommt heute extrem selten vor. Auch hier ist es wichtig, vor der Operation gründlich mit dem Arzt zu sprechen – auch über diese Ängste. Verglichen mit den beiden anderen Therapien – Chemotherapie und Strahlentherapie – wird die Operation im Allgemeinen am besten bewältigt. Die Patienten sind froh, wenn der Tumor aus ihrem Körper entfernt wurde.

Rückfälle

Krebspatienten gelten als geheilt, wenn sie 5 Jahre nach der Primärbehandlung überlebt haben, ohne Rückfälle (Rezidive) oder eine Ausbreitung der Krebserkrankung (Metastasierung = Loslösung von Krebszellen aus dem Primärtumor, die dann in anderen Körperorganen wieder Krebswucherungen hervorrufen, zum Beispiel in der Leber, in den Knochen oder der Lunge) erlitten zu haben. Das ist die berühmte 5-Jahres-Überlebensrate. Diese Zeit ist für...

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