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Die sieben Säulen des Glücks

Tugenden zum Leben

AutorNotker Wolf
VerlagVerlag Herder GmbH
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl200 Seiten
ISBN9783451337307
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Ein Klassiker, der seit 1.500 Jahren Weisheiten bereithält, die das Meiste dessen in den Schatten stellen, was heute geraten wird: die Regel des Benedikt. Sie zeigt Überraschendes: für unsere aktuelle Situation, für unser eigenes Leben. Abtprimas Notker Wolf erzählt von seinen Erfahrungen mit den Tugenden: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Klugheit, Maß, Glaube, Liebe, Hoffnung. Sie sind tragfähige Säulen des Glücks. Etwas, worauf man sein Lebenshaus bauen kann.

Abtprimas Notker Wolf OSB, geb. 1940, Dr. phil., 1961 trat er in die Benediktinerabtei St. Ottilien ein und wurde 1977 zum Erzabt gewählt. Seit 2000 ist er als Abtprimas des Benediktinerordens mit Sitz in Rom der höchste Repräsentant von mehr als 800 Klöstern und Abteien weltweit. Bei Herder u.a. die Bestseller: 'Gönn dir Zeit, es ist dein Leben'; 'Die sieben Säulen des Glücks'.

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Leseprobe

Wie ich zu meinem Glück fand


Es war im März 1955. Ich war vierzehneinhalb Jahre und fand auf dem Dachboden unseres Hauses ein Heft: die Lebensbeschreibung von Pierre Chanel, einem Südseemissionar aus dem Orden der Maristen. Chanel war 1954 heiliggesprochen worden. Dieses Heft beschrieb seinen abenteuerlichen Weg, aus dem kleinen französischen Département Ain auf die Insel Futuna, wo er als Märtyrer endete. Man hat ihn erschlagen, weil sich die Mächtigen bedroht fühlten. Ich habe diese Biographie damals verschlungen. Das Heft hatte ich tagsüber unter meiner Matratze versteckt, meine Mutter sollte es nicht sehen. Schließlich habe ich eine Woche lang mit mir gekämpft: War ich wirklich bereit, mein Elternhaus für immer zu verlassen? Würde ich das auch können: Würmer essen und alle möglichen Strapazen auf mich nehmen? Als ich alles durchhatte, ging ich zu meiner Mutter und sagte: „Ich möchte Missionar werden.“ Ich erklärte ihr meine Gründe und bat sie, mir zu helfen, es meinem Vater zu verklickern. Ich wusste: Das war meine Berufung. Ich hatte das große Ziel – und das Glück meines Lebens gefunden.

Ich war dann letztlich körperlich zu schwach für die Mission. Wäre es aber nach mir gegangen, ich wäre heute irgendwo in Asien oder in Afrika, auf einer Missionsstation. Es wäre sicher ein erfülltes und gutes Leben gewesen. Der Herrgott schien mir aber etwas anderes zugedacht zu haben. Ich wurde nach dem Studium von meinem Orden als Hochschullehrer eingesetzt und bin mit meiner Wahl zum Erzabt der Missionsbenediktiner für die ganze Kongregation zuständig geworden. Ich bin damit viel mehr Missionar geworden als ich es mir erträumt hätte, jetzt als Abtprimas des gesamten Benediktinerordens erst recht.

Glück hat mit Sinn zu tun. Erst wenn ich Sinn erfahre, an welchem Platz auch immer, kann ich glücklich sein. Und für den, der glücklich ist, gibt es keine Sinnkrise. Dafür kann man auch etwas tun: Um Sinn in meinem Leben zu erfahren, brauche ich eine Vision und muss dann auch auf sie hinarbeiten. Wer glücklich werden will, muss sich in Bewegung setzen. Für viele ist das schon zu viel. Aber so viel ist sicher: Bequemlichkeit, Tagträume und noch so süßes Nichtstun – das führt nicht zum Glück.

Mehr als Wellness


In den Flugzeugen gibt es einen Kanal, der nur Wellnessmusik spielt – so seicht, dass ich auf langen Flügen dabei nicht einmal wegdösen kann. Wellness als Gemütlichkeitsfeeling, in dem man sich einrichten kann, ist kein Glück. Es führt nicht weiter. Bei Rundumwellness ist das nicht anders. Ich habe kürzlich ein Wellnessangebot zugeschickt bekommen, das darin bestand, mich in Heubäder zu legen, mit allem Drum und Dran. So etwas muss nicht schlecht sein. Aber auch das ist kein Glück.

Genauso wenig wie das Kitschbild der guten Fee, wenn es jenseits der Kinderphantasie auftaucht. Ich war in Berlin bei guten Freunden. Am Abend wollten wir ausgehen. In einem Restaurant trafen wir auf eine solche „gute Fee“, die Bedienung in diesem Restaurant. Ein ätherisches rosa Gewand umhüllte sie, sie schien im Schwebezustand, wedelte mit einer Art Zauberstab und meinte, sie könnte oder müsste damit Menschen glücklich machen. Esoterisches Pseudoglück light. Glück ist Überschuss, es schnellt über den Behaglichkeitspegel hinaus. Wahres Glück ist auch mehr als Gefühl. Es ist etwas ganz anderes als ein Wellnessversprechen, das man mit Geld herbeiwedeln kann. Es ist mehr und etwas anderes als Spaß oder ein emotionaler Kick. Es ist eine besondere, eine abgehobene Erfahrung. Glück ist schwer zu definieren oder beschreiben, aber man kommt ihm näher, wenn man davon erzählt.

Ich bin dem Glück begegnet


Wenn ich erzählen sollte, was meine persönlichen Glückserfahrungen sind, würde es mir schwerfallen, etwas herauszuheben. Ich freue mich an so vielem. Es sticht nicht irgendetwas heraus. Aber sicher ist schon einmal: Es gibt kein wirkliches Glück, das „gegen“ jemanden gerichtet ist. Ich selber bin immer dann glücklich, wenn ich unter Menschen bin, wenn ich Menschen froh machen kann. Es kommt doppelt zurück.

Zum Beispiel als ich in St. Ottilien mit einem Novizen ins Gespräch kam. Wie ich mich fühlte, wenn ich wieder da sei, fragte er mich. Ich meinte: „Ach, hier fühle ich mich richtig zu Hause. Und ich freue mich, wenn ich mal endlich wieder ganz da bin.“ Darauf antwortete er: „Und wir auch.“

So etwas tut einfach gut.

Oder dies: Im Flieger von München nach Hamburg habe ich ein kleines Mädchen, etwa drei oder vier Jahre alt, mit allerlei Unsinn unterhalten, damit sie nicht weinte. Beim Aussteigen sagte ich zu ihr: „Weißt du, du bist schon ein echter Goldschatz.“ Da schaut sie mich an und sagt: „Du aber auch!“ Das sind die kleinen Glücksmomente. Glück hat mit Resonanz und Beziehung zu tun. Ich weiß nicht, ob man mit Geld glücklich werden kann. Ich würde eher sagen: Willst du jemand unglücklich machen – gib ihm sehr viel Geld! Der wird sich ständig sorgen, wo er am besten investiert. Sicher, wenn einer nichts hat, kann er auch unglücklich sein. Eine Grundsicherung muss gegeben sein. Gesellschaften, in denen die materielle Sicherheit da ist, sind glücklicher.

Es gibt kein einsames Glück. Beziehung – danach verlangt auch das Glück, das man erfahren hat. Man will es mitteilen. Jemand hat gesagt: Glück kommt selten allein. Allein kann man nicht glücklich sein. Glücklichsein – was das bedeutet, sieht man auch an der Frau aus dem Gleichnis im Evangelium, die die Drachme wieder gefunden hat. Diese Frau rennt zur Nachbarin, um ihr das mitzuteilen. So erzählt es das Gleichnis Jesu: Glück drängt danach, sich mitzuteilen.

Man kann zwar still dasitzen und für sich glücklich sein: Das sogenannte „stille Glück“ gibt es natürlich. Aber Glück neigt doch eher dazu, die Grenze der eigenen Erfahrung zu überschreiten.

„Mei! Hast es gehört!“

Da gibt es nur eine Antwort: „Ja. Und Wie!“

Glück ist immer auch Offenheit für etwas Größeres. In diesem Sinn sind auch Naturerfahrungen Glück für mich. Man kann als Biologe das Zwitschern und den Gesang der Vögel natürlich auch wissenschaftlich einordnen, als Balzruf oder Revierabgrenzung etwa. Ich höre es als Schöpfungszustimmung und als Ausdruck elementarer Lebensfreude. Einmal, an einem Frühlingsmorgen im Innenhof unseres Klosters S. Anselmo in Rom: Der Morgen war noch grau, ich musste in aller Frühe, um viertel nach fünf, zum Flughafen fahren, und draußen sang eine Nachtigall. Ich hielt inne und lauschte und lauschte. Gerne hätte ich länger verweilt; ich war einfach verzaubert. Doch ich musste weiter.

Viele nehmen diese einfachen Dinge nicht einmal wahr. Dabei sind sie das Geschenk des Lebens. Glück ist auch immer Geschenk. Nichts aus dem Warenhauskatalog, nicht zu kaufen. Wenn ich etwa am Meer sitze und zuschauen kann, wie die Sonne geradezu zischend ins Grünblau des Ozeans sinkt – dann ist auch das Glück.

Um glücklich zu sein, muss ich eine gewisse Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich muss aber auch bereit sein, mich anzustrengen. Wie beim Bergsteigen: Wenn man nach einem anstrengenden Aufstieg am Gipfel angekommen ist, sind das vielleicht die schönsten Glücksmomente. Weil sie geschenkt sind. Man kann etwas dafür tun, aber sie nicht machen.

Gerade in Begegnungen mit Menschen erfahren wir Glück. Ich selber bin im Kloster vielen Menschen begegnet, die das lang anhaltende Glück eines zufriedenen Lebens ausstrahlen. Meistens waren es einfache Menschen. Mein alter Prior zum Beispiel. Der Erzabt Suso hatte ihn einmal gefragt: „Pater Prior, stimmt es wirklich, dass Sie sich über nichts ärgern?“ Die Antwort: „Warum sollte ich denn, ich bin doch kein Rindviech!“ Und er erzählte später weiter: „Da war der andere schon wieder beleidigt, weil er gemeint hat, ich habe gesagt, er sei ein Rindviech.“ Echter Allgäuer Humor.

Am meisten haben mich im Kloster immer unsere Laienbrüder beeindruckt. Einer von den Brüdern aus St. Ottilien etwa, Bruder Adolf. Er war Pförtner und ein glücklicher Mensch. Er hat auch die japanischen Zenmönche, die bei uns zu Besuch waren, tief beeindruckt. Er diente schon 50 Jahre auf dieser Stelle. Sie sagten: „Unglaublich, dieser Mann hat nie Karriere gemacht und strahlt so viel Freude aus.“

Gerade diese Brüder, an die ich denke, waren gereifte Menschen, die nie ihr Glück auf den Straßen der großen Anerkennung suchten. Sie legten keinen Wert auf äußere Würden. Solche Menschen beschränken sich auf das Eigentliche. Sie sind unabhängig und frei von Ehrgeiz, Besitzsucht oder der Sehnsucht nach Titeln. Sie sind einfach ausgeglichener. Nicht neidisch. Nicht süchtig. Nicht gierig. Sondern: Gelassen und heiter. Glück hat also nicht nur etwas mit einem einfachen Gemüt zu tun. Es hat auch mit dem „guten“ Leben zu tun.

Jenseits der Klostermauern gibt es sie natürlich auch, diese glücklichen Menschen, die etwas Positives ausstrahlen und in deren Nähe man sich nur wohlfühlt. Und es gibt die sogenannten „Glückskinder“: Menschen, denen es in die Gene gelegt scheint oder denen es anerzogen wurde, das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Denen die Sicherheit, dass das Leben so schwer nicht ist, schon von Kindesbeinen an von den Eltern vermittelt wurde. Auf solchem Boden kann die Leichtigkeit des Seins wachsen. Einem solchen Menschen ist als Kleinkind schon vermittelt worden: Wohin du auch fällst, du wirst aufgefangen. Wir sind für dich da. Und später konnte dann daraus eine gereifte, echte Sicherheit im Leben werden.

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