Sie sind hier
E-Book

Die Stimme des Dharma

Darlegungen zu Rezitations-Texten der Rinzai- und der Soto-Zen-Schule

AutorSabine Hübner
VerlagWerner Kristkeitz Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl134 Seiten
ISBN9783932337864
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Die Sutras, die beim Zazen zu verschiedenen Gelegenheiten in altem Chinesisch, Japanisch oder Sanskrit gemeinsam rezitiert werden, erschließen sich dem Schüler ohne die Erläuterungen und Kommentare eines erfahrenen Lehrers nur schwer. Sabine Hübner übersetzt und erklärt uns in diesem Band eine Sammlung der wichtigsten Sutra-Texte aus der täglichen Praxis. Sie zeigt uns, wie wir durch diese Verse unserer Wesensnatur begegnen, hier und jetzt die Wahrheit in uns selbst erfahren und den Buddha-Dharma verwirklichen können. Das Hannya Shingyo wird unter anderem ebenso behandelt wie die Drei Zufluchtnahmen und das Shiguseiganmon, und insbesondere Hakuin-Zenjis Zazen Wasan wird ausführlich kommentiert. Ein Grundlagenwerk für jeden, der sich mit Zen befasst - jenseits der verschiedenen Schulen und Richtungen.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

Die drei Zufluchten


Ich nehme Zuflucht zum Buddha
Ich nehme Zuflucht zum Dharma
Ich nehme Zuflucht zum Sangha

 

Zum zweiten Mal nehme ich Zuflucht zum Buddha
Zum zweiten Mal nehme ich Zuflucht zum Dharma
Zum zweiten Mal nehme ich Zuflucht zum Sangha

 

Zum dritten Mal nehme ich Zuflucht zum Buddha
Zum dritten Mal nehme ich Zuflucht zum Dharma
Zum dritten Mal nehme ich Zuflucht zum Sangha

Die drei Zufluchten in Pāli, der Sprache des Buddha


Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Saṅghaṃ [→ 4] saraṇaṃ gacchāmi

 

Dutiyampi Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dutiyampi Dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dutiyampi Saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi

 

Tatiyampi Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Tatiyampi Dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Tatiyampi Saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi

 

Darlegung


Im Rahmen unserer Morgenzeremonie, die an jedem Sesshin-Tag in aller Frühe beginnt, rezitieren wir die Drei Zufluchtnahmen je drei Mal, indem wir beim zweiten Mal sagen: «Zum zweiten Mal nehme ich Zuflucht …», und beim dritten Mal: «Zum dritten Mal nehme ich Zuflucht …». Dieses tun wir zuerst in unserer Muttersprache und dann kraftvoll singend auf Pāli, der Sprache des historischen Buddha Śākyamuni.

Nicht nur Menschen, die sich einer der buddhistischen Strömungen zurechnen, rezitieren täglich im Sesshin ihre Zufluchtnahme zu den Drei Kostbarkeiten, sondern auch wir rezitieren jeden Morgen im Sesshin die Drei Zufluchtnahmen, ohne dass wir jedoch damit ausdrücken, der buddhistischen Religion [→ 5] anzugehören.

Wir nehmen Zuflucht zur Wirklichkeit.

Hier kommt nun ein wenig Wissensvermittlung, um die Begriffe zu verstehen, denn wer die Begriffe, die in unseren Rezitationen auftauchen, versteht, kann anschließend auf die intellektuelle Beschäftigung mit ihnen verzichten, und sein Geist wird in Frieden da sein können.

Buddha, Dharma [→ 6] und Sangha sind – kurz gefasst – erstens der historische Buddha sowie die kosmische Buddha-Natur, zweitens die Lehre des Buddha sowie das spirituelle und kosmische Gesetz und drittens die Schüler-Gruppe, die mit ihrem Meister gemeinsam den Schulungsweg zur Erleuchtung geht, darüber hinaus die Gemeinschaft aller Menschen auf der Welt, die sich auf dem Buddha-Weg, dem geistigen Weg des Erwachens zur Wahrheit befinden, schließlich der ganze Kosmos auf dem Weg zu seinem Ursprung zurück.

Wenn ein Mensch einer buddhistischen Gruppierung beitreten will, muss er vor einem dort autorisierten buddhistischen Lehrer unter anderem die Drei Zufluchtnahmen auf Pāli rezitieren und wird damit förmlich in dieser Gruppe zum Buddhisten erklärt. Man macht die Erfahrung, dass in jeder der buddhistischen Richtungen und Schulen auch solche Menschen wieder neu zu Buddhisten gemacht werden, die woanders schon längst Buddhisten sind, weil sie dort schon aufgenommen worden waren. So wird das Buddhist-Sein in jeder Schule neu gültig.

Die Drei Kostbarkeiten an sich sind selbstverständlich nicht auf Angehörige der buddhistischen Religion in all ihren Richtungen beschränkt, sondern sie sind kosmisch. Sie sind universell. Zuflucht zu ihnen zu nehmen – das bedeutet, sein allertiefstes Vertrauen in sie auszudrücken.

Für einen Erleuchteten bedeutet das Sprechen der Drei Zufluchtnahmen den gesprochenen Ausdruck seiner unwandelbaren und unverrückbaren spirituellen Erfahrung.

Nun sollen einige Hinweise über Buddha, Dharma und Sangha gegeben werden. Buddha, Dharma und Sangha – diese drei werden zusammen «Die drei Kostbarkeiten» genannt, auf Pāli «Tiratana», auf Sanskrit «Triratna» und auf Japanisch «Sanbō» oder «Sambō». [→ 7]

In die Lehre über die Drei Kostbarkeiten werden Zen-Schüler nach der vollständig abgeschlossenen Kōan-Schulung eingeführt. Zuerst sollen die Schüler auf dem Kōan-Weg die Wirklichkeit unmittelbar und durch experimentelle Erfahrung erkennen. Wenn sie in ihrem spirituellen Stand sicher sind, dürfen sie sich auch intellektuell mit philosophischen Fragen befassen. Sie werden dadurch keinen Schaden mehr nehmen. Zudem wird der Kern der Sache auch in diesen Lehrtexten wieder wie in den Kōan praktisch behandelt.

Hier soll der philosophische Aspekt nur angedeutet werden.

Es gibt drei Anschauungsweisen der Drei Kostbarkeiten:

Die Drei Kostbarkeiten, Buddha, Dharma und Sangha, sind ein Einziges.

Die Drei Kostbarkeiten manifestieren das Eine.

Die Drei Kostbarkeiten werden bewahrt, indem sie gelehrt und gelernt werden und dadurch die Lehre über sie von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Hieraus ergibt sich ein ausgefeiltes philosophisches System, das sich allerdings in tiefer und authentischer Erleuchtungserfahrung in Nichts auflöst. Die Beschäftigung mit Philosophie findet auf rationaler und dualistischer Ebene statt und kann somit die Wirklichkeit selbst nicht erreichen. Über die Wirklichkeit nachdenken, lesen, schreiben und sprechen ist wegen der begrifflichen Denkvorgänge nicht die Wirklichkeit selber, über die ja nur nachgedacht, gelesen, geschrieben und gesprochen wird.

Wenn eine Dharma-Darlegung allerdings den Zen-Schülern alle Vorstellungen über das, was die Wirklichkeit sei, aus dem Gehirn zieht und damit ihren Geist befreit, erfüllt eine solche Darlegung ihren Zweck. Bei einer solchen echten und spirituellen, nicht-rationalen Dharma-Darlegung kann der Hörer im günstigen Fall und mit – wohlgemerkt – äußerster nicht-willensmäßiger Konzentration den Versunkenheitszustand des «Appanā-Samādhi», die «volle Sammlung», und damit den Beginn der untersten der Erleuchtungsstufen erreichen. Mehr ist auf diesem Weg allerdings nicht möglich. Jeder Gedanke wirft einen Übenden aus tiefer Versunkenheit sofort wieder heraus.

Nun wollen wir uns in das, was Buddha, Dharma und Sangha eigentlich sind, vertiefen.

 

Buddha

 

Mit Buddha ist nur vordergründig der historische Buddha Śākyamuni gemeint. Als Śākyamuni, unter dem Bodhibaum in tiefer Versunkenheit sitzend, beim Anblick des Morgensterns tiefe Erleuchtung erfuhr, wurde er mit der Buddha-Natur eins. Er sagte: «O Wunder über Wunder, im Grunde sind alle Wesen Buddhas!» Seitdem wurde er als «Der Buddha» bezeichnet. In erster Linie ist Buddha jedoch das kosmische Wesen, der ewige Urgrund alles Seienden. Mit diesem kosmischen Wesen erfährt der Erleuchtete sich identisch. Er selbst ist das Buddha-Wesen. Er selbst ist seine Buddha-Natur. Insofern ist er selbst ein Buddha und erkennt nur noch in der dieses bestätigenden Erfahrung mit absoluter und zweifelsfreier Sicherheit sein Buddha-Sein. Dieses ist, wie gesagt, keine philosophische Aussage und auch kein Glaubenssatz, sondern Erfahrung. In der Erfahrung erübrigt sich jedes Wort.

Die Buddha-Natur ist die Wesensnatur. Die Wesensnatur des Menschen ist gleich der Wesensnatur des ganzen Universums. Das ist die Wesensnatur der Welt. Das ist ihr Sein, das allem zugrunde liegt. So erfährt der Erfahrende, dass er das ganze Universum ist. Nicht in seiner äußeren Ausformung ist er das Universum, denn er ist ein Mensch, der in einem menschlichen Körper herumläuft, sich auch bescheiden als ein Menschenwesen unter vielen weiß – aber in seinem Urgrund, der sein Wesen ist, ist sein Körper aus Fleisch und Blut nur eine einzige all seiner Formen. Er aber ist grenzenlos und das Ganze. In seinem menschlichen Körper lebend, erfährt er sich als die Welt, erfährt er sich als das Ganze.

Ein Mensch, der Zuflucht zum Buddha nimmt, vertraut sich zutiefst seiner Wesensnatur an. Hier ist er geborgen. Hier hat er sein Zuhause gefunden. Er entdeckt, dass er in seinem ureigenen Sein seit jeher zu Hause und von diesem Zuhause auch niemals getrennt war. Nun läuft er nicht mehr sehnsüchtig herum, um seine Heimat zu finden, von der er sich bis dahin getrennt wähnte.

Er ist aus seinem Traum erwacht.

Wohin ein Buddha auch schaut, er trifft überall sich selbst, da die Buddha-Natur aller Dinge und Wesen, so unterschiedlich in ihrer materiellen Ausformung sie auch sein mögen, seine eigene ist.

In der Erkenntnis der Wesenswelt, die seine Welt ist, ist alle Trennung aufgehoben, und Frieden ist eingekehrt. Dieses ist «der Frieden, den die Welt nicht geben kann», wie es in der Bibel heißt. Das unruhige Weltgetümmel ist nicht geeignet, diesen tiefen inneren Frieden zu geben. Jedoch inmitten des Weltgetümmels erfährt der Erfahrende des Friedens den Frieden. So ist er wahrhaftig friedvoll geworden und leistet seinen Beitrag zum Frieden der Welt.

«Ich nehme Zuflucht zum Buddha.» Wer oder was sonst könnte uns Zuflucht gewähren?

 

Dharma

 

Der Dharma ist vordergründig die Lehre des historischen Buddha. Ursprünglich wurden die Lehrreden des Buddha nicht aufgeschrieben, aber der hervorragende Schüler des Erhabenen, Ānanda, der ein, wie wir heute wohl sagen würden, fotografisches Gedächtnis besaß, wiederholte sie immer wieder Wort für Wort vor vielen Zuhörern, so dass diese Lehrreden, die Sūtras, eines Tages, und zwar beim ersten buddhistischen Konzil in Kashmir, wörtlich aufgeschrieben und uns übermittelt werden konnten. Vor allem die große Richtung des Theravāda hält sich an die ursprüngliche reine Lehre des Buddha. Es handelt sich hierbei um eine sehr hohe Philosophie, die auf Erfahrung und...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Buddhismus - Lehre Buddhas

Die Tempel von Shikoku

E-Book Die Tempel von Shikoku

Während einer Wanderung auf dem Jakobsweg erfährt Marie-Édith Laval von einem Pilgerweg auf der japanischen Insel Shikoku. 1200 Kilometer führt dieser auf den Spuren K?kais, des Gründers des ...

Shinjinmei und Shodoka

E-Book Shinjinmei und Shodoka

Die beiden großen Zen-Gedichte Shinjinmei und Shodoka, die vor vielen Jahrhunderten geschrieben wurden, gehören nicht nur den Menschen des alten China, bei denen diese Texte entstanden sind. Diese ...

Lamrim Delam

E-Book Lamrim Delam

Losang Chökyi Gyältsen erklärt in diesem Buch, wie man über den Lamrim (den Stufenweg zur Erleuchtung) meditieren sollte. Angefangen mit dem rechten Annehmen des Lehrers, der kostbaren ...

Das Licht der Gewissheit

E-Book Das Licht der Gewissheit

Jamgon Kongtrul Rinpoche (1813-1899), der auch der tibetische Leonardo genannt wird, war ein vielseitiger und produktiver Gelehrter, dessen Werke das gesamte Gebite traditionellen tibetischen Wissens ...

Aus dem Herzen gesprochen

E-Book Aus dem Herzen gesprochen

'Es ging mir an die Substanz und in die Tiefe hinein. Damals ist mein Interesse am Dharma richtig erwacht.' So lässt uns S. E. Dagyab Kyabgön Rinpoche in seinen Unterweisungen zu einem kurzen Text ...

Die Weisheit der Zen-Meister

E-Book Die Weisheit der Zen-Meister

«Da in jedem Herzen eine Flamme der Erleuchtung Buddhas brennt, gibt es nichts, was man suchen oder erwerben müsste. Wir sind erleuchtet, und alle Worte der Welt werden uns nicht das geben, was wir ...

Gia Yü - Schulgespräche

E-Book Gia Yü - Schulgespräche

Die Gia Yü oder die Konfuzianischen Schulgespräche bilden eine Sammlung von 44 Kapiteln. Sie enthalten teils Geschichten aus dem Leben des Meisters Kung, teils Anekdoten, Gespräche, Urteile über ...

Das Lebensrad

E-Book Das Lebensrad

Die Lehre des Buddhismus - erklärt durch ein einziges BildKlaren Geistes, lustvoll und friedlich - so ist der Weg des Tantrikers. In Tibet wird er traditionell durch ein einziges Bild erklärt, das ...

Mit Buddha das Leben meistern

E-Book Mit Buddha das Leben meistern

Während sich die meisten Bücher über den Buddhismus mit den philosophischen Grundlagen beschäftigen, will Volker Zotz dem Leser die ungeheure Lebensnähe der Lehren Buddhas zeigen. Und das war ...

Weitere Zeitschriften

Baumarkt

Baumarkt

Baumarkt enthält eine ausführliche jährliche Konjunkturanalyse des deutschen Baumarktes und stellt die wichtigsten Ergebnisse des abgelaufenen Baujahres in vielen Zahlen und Fakten zusammen. Auf ...

BMW Magazin

BMW Magazin

Unter dem Motto „DRIVEN" steht das BMW Magazin für Antrieb, Leidenschaft und Energie − und die Haltung, im Leben niemals stehen zu bleiben.Das Kundenmagazin der BMW AG inszeniert die neuesten ...

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum. Organ des Landesverbandes Haus & Grund Brandenburg. Speziell für die neuen Bundesländer, mit regionalem Schwerpunkt Brandenburg. Systematische Grundlagenvermittlung, viele ...

Deutsche Hockey Zeitung

Deutsche Hockey Zeitung

Informiert über das internationale, nationale und internationale Hockey. Die Deutsche Hockeyzeitung ist Ihr kompetenter Partner für Ihr Wirken im Hockeymarkt. Sie ist die einzige ...

ea evangelische aspekte

ea evangelische aspekte

evangelische Beiträge zum Leben in Kirche und Gesellschaft Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland ist Herausgeberin der Zeitschrift evangelische aspekte Sie erscheint viermal im Jahr. In ...

elektrobörse handel

elektrobörse handel

elektrobörse handel gibt einen facettenreichen Überblick über den Elektrogerätemarkt: Produktneuheiten und -trends, Branchennachrichten, Interviews, Messeberichte uvm.. In den monatlichen ...

Euphorion

Euphorion

EUPHORION wurde 1894 gegründet und widmet sich als „Zeitschrift für Literaturgeschichte“ dem gesamten Fachgebiet der deutschen Philologie. Mindestens ein Heft pro Jahrgang ist für die ...