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E-Book

Die Tyrannei der Werte.

AutorCarl Schmitt
VerlagDuncker & Humblot GmbH
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl91 Seiten
ISBN9783428534579
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,90 EUR
Carl Schmitt war ein Mann des polemischen Traktats, der Streitschrift, des Pamphlets. Zu seiner eigentlichen literarischen Form fand er in dem, was die Franzosen einen brûlot nennen: ein entflammbarer Text, ein Boot mit hochentzündlicher Fracht, dazu bestimmt, das Schiff des Gegners in Brand zu setzen. Ein solcher brûlot ist die Schrift über die »Tyrannei der Werte«. Der Titel enthält bereits die ganze These. Werte können dem Gemeinwesen und seinem Recht keinen festen Grund bieten, sie verschärfen vielmehr dessen Probleme. Gerade wenn man von ihnen erwartet, sie sollen Gemeinsamkeit stiften, wirken sie zerstörerisch. [...] Der jungen Bundesrepublik, in der man sich nach der tiefen Verunsicherung durch Nationalsozialismus und Krieg gern und viel auf Werte berief, liest Carl Schmitt auf diese Weise die Leviten. So scheinbar klar seine zentrale These daherkommt, so rasch drängen sich dem Leser freilich grundsätzliche Fragen auf. Auf welcher Ebene bewegt sich Schmitts Argumentation eigentlich? Geht es um politische Philosophie, um allgemeine Ethik oder um Verfassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit? Schmitt selbst gibt einen Hinweis, wenn er »Überlegungen eines Juristen zur Wert-Philosophie« ankündigt. [...] Sein Text wählt von vornherein eine schwierige Zwischenlage zwischen Philosophie und Jurisprudenz. Der Autor will Philosophen und Juristen etwas sagen, geht damit freilich auch das Risiko ein, beide zu enttäuschen. Aus dem Nachwort von Christoph Schönberger

Carl Schmitt, geboren am 11.7.1888 in Plettenberg, lehrte als Professor für Verfassungs- und Völkerrecht in Greifswald (1921), Bonn (1922), Berlin (Handelshochschule, 1926), Köln (1932) sowie an der Universität Berlin (1933-1945). Er gehört zu den anregendsten und zugleich umstrittensten politischen Denkern dieses Jahrhunderts in Deutschland. Vor allem seine Definitionen der Begriffe Politische Romantik und Politische Theologie, Souveränität, Diktatur, Legalität und Legitimität sowie des Politischen (»Freund-Feind-Theorie«) hatten starken Einfluß weit über die Grenzen Deutschlands und seines Faches hinaus. Carl Schmitt starb 96jährig am Ostersonntag, dem 7. April 1985, in seinem Geburtsort.

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Leseprobe
Die Tyrannei der Werte Überlegungen eines Juristen zur Wert-Philosophie (S. 35-36)

Den Ebrachern des Jahres 1959 gewidmet
von Carl Schmitt


Die Frage


Es gibt Menschen und Dinge, Personen und Sachen. Es gibt auch Kräfte und Mächte, Throne und Herrschaften. Die Theologen und Moralisten kennen Tugenden und Laster, die Philosophen Qualitäten und Modi des Seins. Aber was sind Werte? Und was bedeutet eine Wert-Philosophie?

Man hat natürlich auch schon vor der heutigen Wert-Philosophie von Werten gesprochen, auch von einem Unwert. Doch machte man meistens eine Unterscheidung, indem man sagte: Sachen haben einen Wert, Personen haben eine Würde. Man hielt es für unwürdig, die Würde zu verwerten. Heute dagegen wird auch die Würde zu einem Wert. Das bedeutet eine auffällige Rang-Erhöhung des Wertes. Der Wert hat sich sozusagen aufgewertet.

Es ist zu beachten, daß der Wert, von dem die Wert-Philosophie spricht, kein Sein haben soll, sondern eine Geltung. Der Wert ist nicht, sondern er gilt. Einige sprechen von einem idealen Sein der Werte, doch brauchen wir solche Nuancen nicht zu vertiefen, weil der Wert als solcher jedenfalls nicht ist, sondern eben gilt. Das Gelten freilich impliziert, wie wir noch näher sehen werden, einen um so stärkeren Drang zur Verwirklichung. Der Wert lechzt geradezu nach Aktualisierung. Er ist nicht wirklich, wohl aber wirklichkeitsbezogen und lauert auf Vollzug und Vollstreckung.

Man sieht: wir haben es hier mit scharfsinnigen Distinktionen zu tun. Das läßt auf eine komplizierte Situation schließen. Für die Philosophen und Soziologen des Marxismus bedeutet das kein schwieriges Problem. Sie haben an den Formeln des dialektischen Materialismus einen bequemen Schlüssel und können jede nichtmarxistische Philosophie unter Ideologie-Verdacht stellen und schonungslos entlarven. Gegenüber einer Philosophie, die von Werten spricht und sich selber als Wert-Philosophie bezeichnet, ist die Entlarvung besonders einfach.

Nach marxistischer Lehre ist ja die ganze bürgerliche Gesellschaft eine Gesellschaft von Geld- und Warenbesitzern, in deren Händen sich alles, Menschen und Dinge, Personen und Sachen in Geld und Ware verwandelt. Alles wird auf den Markt gebracht, wo nur noch ökonomische Kategorien gelten, nämlich Wert, Preis und Geld. In der Produktion aber geht es um den Mehr-Wert.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Editorische Notiz8
Einleitung10
I.11
II.14
III.17
IV.17
V.22
VI.30
VII.33
Die Tyrannei der Werte. Überlegungen eines Juristen zur Wert-Philosophie36
Die Frage36
Herkunft und Lage der Wert-Philosophie38
Der Angriffspunkt42
Wertzerstörende Wertverwirklichung46
Die Tyrannei der Werte49
Unvermittelter und gesetzlich vermittelter Wertvollzug52
Christoph Schönberger: Werte als Gefahr für das Recht? Carl Schmitt und die Karlsruher Republik58
I. Forsthoff, Karlsruhe, Ebrach: Der Entstehungskontext der Schrift59
II. Die Probleme der Wertphilosophie und die Autonomie des Rechts66
III. Fragen an die „Tyrannei der Werte“71
1. Andeutungen: „Die Tyrannei der Werte“ und die NS-Vergangenheit71
2. Kritik der Wertphilosophie oder Kritik ihrer juristischen Rezeption?74
3. „Kehre“ Carl Schmitts zum liberalen Gesetzesstaat?80
IV. Die prekäre Lage der Juristen des öffentlichen Rechts „zwischen Theologie und Technik“89

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