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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen in Werbeagenturen

Szenario einer Agentur der Zukunft mit familienorientierter Personalpolitik

AutorJulia Schroeter
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl137 Seiten
ISBN9783640174430
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Sonstiges, Note: 1,0, Universität der Künste Berlin, 175 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Ziel meiner Arbeit ist es, eine Lösung für das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen in Werbeagenturen zu finden, indem ich das Szenario einer zukunftsorientierten Agentur mit familienorientierter Personalpolitik entwerfe. Denn durch die innovative Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in Kombination mit dem Einsatz flexibler und individueller Arbeitszeitmodelle ist es meiner Ansicht nach möglich, eine Agentur zu schaffen, in der Frauen Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Um das Szenario einer solchen Agentur entwickeln zu können, werde ich mich zunächst mit dem Kontext des Themas auseinandersetzen. Ich muss mich intensiv mit dem Konzept der familienorientierten Personalpolitik beschäftigen, um es zu verstehen und später für die geplante Agentur anwenden zu können. Ich werde mich deshalb zunächst mit den gesellschaftlichen und politischen Hintergründen der Familienpolitik beschäftigen, um daraus die Anforderungen einer familienorientierten Personalpolitik an die Wirtschaft abzuleiten. Um dem Aspekt der Zukunftsorientierung Rechnung zu tragen, werde ich die verschiedenen Dimensionen um die Perspektive der Zukunft der Arbeit erweitern, um nach der Beleuchtung der historischen und gegenwärtigen Situation der Frauen in Deutschland, Ideen für eine zukünftige Perspektive entwickeln zu können. Diesen theoretischen Background zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen in Deutschland benötige ich, um die im 1. Teil erworbenen Erkenntnisse auf den 2. Teil meiner Arbeit anwenden zu können, bei dem es dann konkret um die Entwicklung eines Szenario einer Agentur der Zukunft mit familienorientierter Personalpolitik gehen wird. Bauen wir also zunächst das Fundament, auf das die Agentur der Zukunft gebaut werden kann.

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Leseprobe

2 Einführung und Problemstellung


 

Der Generationenvertrag funktioniert nicht mehr. Die Pflegeversicherung wie auch die Renten- und große Teile der Krankenversicherung bauen in Deutschland darauf, dass die Jungen mit ihren Beiträgen die Versorgung der Alten garantieren. Doch nun gerät dieses Konzept ins Wanken, weil die Kinder fehlen. Zwar wünschen sich die 29-bis 34-Jährigen im Schnitt immer noch zwei oder mehr Kinder,[4] doch die bekommen sie dann nicht. Jede dritte Frau bleibt bis Ende dreißig kinderlos.[5]

 

Die deutsche Bevölkerung schrumpft aber nicht nur, sondern sie wird auch immer älter. Noch 1997 waren 21,5 Prozent der deutschen Bevölkerung unter 20 Jahre alt, fast ebenso viele waren 60 und älter. Im Jahr 2050 dürfte der Anteil der Unter-Zwanzigjährigen auf 15 Prozent gesunken und der der Alten auf 38 bis 40 Prozent gestiegen sein. [6] Immer mehr Alte stehen also immer weniger Jungen gegenüber.

 

Was passieren müsste, um die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland vor dem Kollaps zu bewahren, malt der Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg aus: „Entweder bringen alle Frauen im gebärfähigen Alter in den kommenden Jahrzehnten im Schnitt nicht mehr nur 1,3 sondern 3,8 Kinder zur Welt oder es wandern in den nächsten 50 Jahren rund 188 Millionen junge Ausländer ein. Oder das Rentenalter steigt langfristig auf 73 Jahre.“[7] Dieses Szenario macht schnell deutlich, dass die Sozialsysteme dringend überholt werden müssen, um bestehen bleiben zu können. Wer also Kinder aufzieht und damit die Verantwortung für die Versorgung zukünftiger Generationen übernimmt, sollte in Zukunft finanziell entlastet werden. Damit ist es jedoch noch nicht getan. Denn jedem dürfte klar sein, dass kein Paar für Nachwuchs sorgt, nur weil es nun 15 Euro mehr pro Kind zum Ausgeben hat (wie es die Kindergelderhöhung von 2002 vorsah).   Doch wie lässt sich sonst vermeiden, dass sich Deutschland allmählich in eine Gesellschaft ohne Kinder verwandelt?

 

Maßnahmen wie die Anfang des Jahres 2001 eingeführte „Elternzeit“ sollen jungen Familien helfen, die Kinder gemeinsam zu betreuen und ihre Jobs in Teilzeit weiterführen zu können. Aber auch wenn die amtierende Familienministerin Renate Schmidt überzeugt ist, dass die Elternzeit bereits breit akzeptiert sei und stark genutzt werde, zeigen die demographischen Zahlen noch keine Trendwende. Es geht den jungen Familien sowieso in den wenigsten Fällen ums Geld. Was sie brauchen sind ausreichende Betreuungsangebote, damit auch die Mütter wieder arbeiten gehen können. Doch hier stößt der Staat an seine Grenzen. Neben der Regierung sind also auch die Unternehmen gefragt, etwas in punkto familienfreundlicherer Personalpolitik zu unternehmen. Schon im eigenen Interesse sollten sie sich z.B. stärker um den weiblichen Nachwuchs bemühen, da mit dem Sinken der Bevölkerungszahlen in Deutschland auch der Pool an gut ausgebildeten Nachwuchskräften für die Wirtschaft immer kleiner wird. Im globalen Wettbewerb kann es sich Deutschland einfach nicht mehr leisten, auf hoch qualifizierte Frauen zu verzichten.

 

Seit 1949 sind laut Artikel 3 des Grundgesetzes Männer und Frauen gleichberechtigt und spätestens seit der Frauenbewegung in den 60er Jahren wurde diese Gleichberechtigung auch erfolgreich ausdiskutiert. Deutsche Frauen sind heute unabhängig, gut ausgebildet, gehen einem Beruf nach und verdienen ihr eigenes Geld. Männer und Frauen sind einander, zumindest auf den ersten Blick, gleichgestellt und Unterschiede lassen sich kaum noch ausmachen. Im Studium sind die Frauen ehrgeizig und leistungsorientiert und erzielen im Schnitt sogar bessere Abschlüsse als die Männer. Eigentlich müssten diese hoch qualifizierten Frauen in eine rosige Zukunft blicken, da ihre hohe Qualifikation einen wichtigen Karrierevorsprung verspricht. Doch die Realität sieht leider immer noch anders aus. Von zehn Führungskräften in Deutschland ist nur eine weiblich. Gerade mal zwölf Frauen sitzen in den Führungsetagen der 600 wirtschaftsstärksten Unternehmen in Deutschland.[8] Anders als in der Ausbildung und im Alltag ist die Frauenfrage in der Wirtschaft also noch nicht geklärt.

 

Die Genfer Politologie-Professorin Than-Huyen Ballmer-Cao, verantwortlich für eine gerade erschienene Studie zur Gleichstellungsfrage in der Schweiz, hat festgestellt, dass sich zwar die Rollenbilder verändert haben, aber die Verhaltensmuster der Geschlechter bisher weitestgehend gleich geblieben sind.[9] In einem informativen Überblick über die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit in Europa zwischen 1980 und 1992/3 stellt die französische Soziologin Margaret Maruani fest: „Obwohl eine Angleichung des Erwerbsverhaltens von Männern und Frauen zu beobachten ist, dauern die beruflichen Ungleichheiten an. Sie äußern sich in einer weiterhin starken beruflichen Segregation ebenso wie im dauerhaften Auftreten von Beschäftigungsformen, die in erster Linie Frauen vorbehalten sind. Das bedeutet, dass die berufliche Stellung der Frauen bei weitem nicht mit ihrem Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung und der Wirtschaft korrespondiert.“ [10]

 

Der Einstieg in eine Führungsposition und der berufliche Aufstieg innerhalb eines Unternehmens sind für Frauen zwar keine Unmöglichkeit mehr, aber eine Selbstverständlichkeit wie für Männer sind sie noch lange nicht. Spätestens bei der Geburt des ersten Kindes ist es mit der Karriere erst einmal vorbei, denn in Deutschland eine Familie zu sein, bedeutet auch heute noch in den meisten Fällen, dass die Mutter sich um den Haushalt und die Kinder kümmert und der Vater das Geld nach Hause bringt. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft waren 2002 nur 62 Prozent der 15- bis 64-jährigen Frauen berufstätig.[11]

 

Frauen müssen sich in Deutschland also immer noch häufig zwischen Kind und Karriere entscheiden. Während in anderen Ländern seit vielen Jahren zahlreiche und sehr unterschiedliche öffentliche Betreuungsmodelle für Kinder entwickelt wurden, hat sich die deutsche Familienpolitik seit Jahrzehnten kaum verändert. In Deutschland sind Familie und Kinder immer noch  Privatsache. Das Familienleben findet nicht im öffentlichen Raum, sondern hinter verschlossenen Türen statt. Dementsprechend schwer ist es auch, einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter für ein Kind unter drei Jahren zu finden. Zumal die Fremdbetreuung kleiner Kinder in Deutschland sowieso gesellschaftlich wenig akzeptiert ist. Frauen gelten in ihrer Umgebung schnell als „Rabenmütter“, die ihr Kind abschieben. „Rabenvätern“ passiert das wohl eher selten. Auch für ältere Kinder ist das Betreuungsangebot in Deutschland spärlich. Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen sind in Deutschland eher die Ausnahme und auch sie werden von der Öffentlichkeit sehr kritisch beäugt. Oft haben also Mütter in Deutschland gar keine andere Wahl,  als nach der Geburt - zumindest für eine Zeit lang- ihren Beruf an den Nagel zu hängen und das häufig in den entscheidenden Jahren ihrer Karriere.

 

Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss, zeigen uns unsere europäischen Nachbarländer. Besonders in den skandinavischen Ländern Schweden, Dänemark und Norwegen gibt es ein gut ausgebautes Netz an Institutionen und öffentlichen Betreuungseinrichtungen, die Eltern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entlasten. In diesen Ländern gelten Kinderbetreuung und Erziehung als öffentliche Aufgabe und die Tatsache, dass Kinder nicht ausschließlich von der Mutter, sondern auch von anderen Menschen erzogen werden, wird dort ausgesprochen positiv bewertet. Ein Blick nach Frankreich zeigt, dass es zwischen der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Geburtenrate eines Landes einen Zusammenhang geben muss. Während in Deutschland nur 62 Prozent der Frauen erwerbstätig sind und die Geburtenrate mit nur 1,37 Kindern pro Frau eine der niedrigsten innerhalb der EU ist, sind in Frankreich über 70 Prozent aller Frauen berufstätig. Sogar 45 Prozent der Mütter von drei Kindern haben einen Job.[12] Trotzdem rückte Frankreich im Jahr 2000 mit einer Geburtenrate von 1,89 Kindern in der Baby-Rangliste weit nach oben.

 

Deutschland bildet bereits heute das Schlusslicht der europäischen Geburtenzahlen und zu allem Überfluss sinkt die Rate auch noch kontinuierlich nach unten. Von den 1965 geborenen Frauen wird jede dritte keine Kinder mehr bekommen. Bei den Akademikerinnen werden sogar über 40 Prozent ohne Nachwuchs bleiben.[13]

 

Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft Frauen aller Branchen. Auch wenn in großen Unternehmen wie der HypoVereinsbank oder in vereinzelten Kleinbetrieben wie dem EDV-Dienstleistungs-unternehmen Comet Computer aus München (auf die ich später noch einmal ausführlich zu sprechen kommen werde) bereits erste Anstrengungen in Sachen familienorientierter Personalpolitik unternommen wurden, bilden diese Unternehmen in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Die meisten Betriebe sind immer noch stark an der Arbeitsorganisation und der Unternehmenskultur der „old economy“ ausgerichtet, in der überlange Arbeitszeiten als Zeichen von Loyalität und Identifikation mit dem Unternehmen gelten.[14] Auch in innovativen, jungen Branchen wie der Werbung, sitzt man immer noch von 9 oder 10 Uhr morgens open end im Büro und...

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