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Die Welt des Baedeker

Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830-1945

AutorSusanne Müller
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl354 Seiten
ISBN9783593416830
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis30,99 EUR
1835 erschien mit der 'Rheinreise' der erste Reiseführer im Baedeker-Verlag. Es folgten die Bände 'Belgien', 'Holland', 'Schweiz', 'Paris und Umgebung' - das Reisehandbuch, aber auch eine neue Art des Reisens und des Sehens war geboren. Denn die Welt, die durch ein Reisehandbuch betrachtet wird, ist eine andere. Reisehandbücher, so Susanne Müller, sind in erster Linie touristische Sehhilfen: Sie erleichtern das Auffinden von Sehenswürdigkeiten und sorgen dafür, dass der Reisende die 'richtigen' Dinge auch 'richtig' sieht. Vornehmlich am Beispiel des populärsten europäischen Reiseführers erzählt Susanne Müller seine Geschichte von den Anfängen um 1830 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie ist eng verwoben mit der Aufklärung und dem Aufstieg des Bürgertums, der Entstehung von Dampfschifflinien, der Eisenbahn sowie der modernen Fotografie. 1945 endet die Darstellung, denn auch die 'große Zeit' des Baedekers war vorbei. Der Mythos, er hätte den Deutschen bei den Bombenangriffen auf England als Zielhilfe gedient, ruinierte seinen Ruf. Ebenso hatte sich das klassische Zielpublikum gewandelt: Der moderne Massentourismus eroberte die Kontinente.Susanne Müller, Dr. phil., lebt in Berlin und forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Künste und Medien der Universität Potsdam. Neben der Kulturgeschichte des Reisens liegen ihre Forschungsschwerpunkte in der Mediengeschichte und Medienkultur des 19. und 20. Jahrhunderts.Inhalt 1.Reisen nach Baedeker11 Von Mainz nach Köln11 Reisen nach ... Molwanîen13 Fiktion und Realität16 Medienkulturgeschichte19 Mediales Format23 Reisehandbuch26 2.Karl Baedeker und der Baedeker-Verlag29 Karl Baedeker29 Kleins Rheinreise32 Murrays Red Books34 Karl Baedekers Reisehandbücher37 Konkurrenten41 Ernst, Karl und Fritz Baedeker44 Hans, Ernst und Dietrich Baedeker48 Neubeginn nach 194551 Mythos Baedeker54 Das Konzept Baedeker57 3.Am Vorabend des Tourismus61 Luftfahrzeuge61 Seh(n)sucht62 Räume durchmessen65 Reisende Bürger67 Schönes und Erhabenes72 Romantische Kultur74 Landschaft77 Am Rhein80 In der Campagna85 Neues Sehen89 Zeit für den Baedeker90 4.Landschaft und Panorama93 Panorama93 Wechselwirkungen96 Alte und neue Perspektiven99 Bilderlesen103 Bergpanorama105 Warenhaus109 Reisen im Baedeker111 Panopticon114 Der gefesselte Reisende117 5.Verkehr und Geschwindigkeit121 Dampfschifffahrt121 Rheinpanorama123 Eisenbahn127 Regen, Dampf, Geschwindigkeit130 Pleorama136 Links und rechts139 Eisenbahnlandschaft141 Industrielandschaft145 Weltpanorama148 Mediales Ensemble151 6.Fotografisches und Monumentales155 Für die Ewigkeit155 Denkmäler im Baedeker158 Geschichtspanorama161 Den Augenblick bannen164 Fotografien im Baedeker167 Reisefotografie169 Aussicht und Ansicht172 Der rote Professor175 Über die Bewohner177 Baedekers Blütezeit181 Untergänge183 7.Die Stadt im Reisehandbuch191 Sinfonie in fünf Akten191 Stadtlandschaften193 Großstadt im Temporausch198 Die abgebildete Stadt202 Groß-Berlin im Baedeker208 Illuminierte Großstadt210 Montierte Bilder213 Das Gesicht der Zeit216 Anders reisen, anders sehen218 Ausdifferenzierung222 Arbeiterreiseführer225 Ein Baedeker der Seele228 8.Reiseführer im Nationalsozialismus231 Baedeker im Marschgepäck231 Reisen und Krieg233 Kraft durch Freude236 Wir fahren nach Berlin240 Reichsautobahn243 Straßenästhetik246 Straßenlandschaft248 Raum nehmen251 Eigenes und Fremdes254 Simulierte Normalität257 Blindflug262 Blitzed by Guidebook265 Bomber's Baedeker267 Schlütertee271 Ende und Ausblick275 Abstände275 Schielen277 Ausblick279 Anmerkungen287 Dank321 Abbildungsnachweise323 Quellen und Literatur329 Monografien, Artikel und Aufsätze329 Reisehandbücher, Panoramen, illustrierte Reisebücher (nach Jahr)349

Susanne Müller, Dr. phil., lebt in Berlin und forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Künste und Medien der Universität Potsdam. Neben der Kulturgeschichte des Reisens liegen ihre Forschungsschwerpunkte in der Mediengeschichte und Medienkultur des 19. und 20. Jahrhunderts.

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Leseprobe
Es ist nur eine kurze Reise - von Mainz nach Köln; 180 Kilometer weit, 378 Buchseiten lang. Autor der 1828 im Koblenzer Verlagshaus Röhling erschienenen Rheinreise von Mainz bis Köln ist der Koblenzer Gymnasiallehrer Johann August Klein. Es ist unwahrscheinlich, dass die Menschheit gerade auf dieses Buch gewartet hat, denn im Wesentlichen unterscheidet es sich kaum von anderen zeitgenössischen Abhandlungen über das Rheinland. Es mag etwas handlicher sein als Aloys Schreibers Anleitung auf die nützlichste und genußvollste Art den Rhein [...] zu bereisen, doch seine Aufmachung ist bei weitem nicht so spektakulär wie Friedrich Wilhelm Delkeskamps Rhein­panorama von 1825. Auch sind die beigefügten Ansichten vom Mittelrhein nicht so pittoresk und farbenfroh wie die 1822 erschienen Kupferstiche in den Rheingegenden von Mainz bis Cöln des Malers Christian Georg Schütz. Eine Besonderheit weist das Buch allerdings auf: Im Innenumschlag trägt es den Titelzusatz Ein Handbuch für Schnellreisende - eine eilige Reaktion des Röhling-Verlags auf den seit 1827 stattfindenden Linienverkehr der Preußisch-Rheinischen Dampfschifffahrtgesellschaft. Wie eigentlich jede Rheinbeschreibung dieser Zeit verkauft sich das Buch außerordentlich gut. Das entgeht auch dem jungen Buchhändler Karl Baedeker nicht, der das Buch in seiner Sortimentsbuchhandlung am Koblenzer Paradeplatz führt. Als der Röhling-Verlag Konkurs anmeldet, kauft Baedeker 1832 die Rechte an dem Buch des inzwischen verstorbenen Johann August Klein und überarbeitet es für eine Neuauflage. Diese erscheint 1835 und bildet den Ausgangspunkt für eine der größten verlegerischen Erfolgsgeschichten im deutschsprachigen Raum. Das Buch bildet gleichsam den Ausgangspunkt für diese Geschichte des Reiseführers, die man vieldeutig auch eine Reise nach Baedeker nennen kann. Natürlich handelt es sich bei der vorliegenden Studie um kein Reisehandbuch, dennoch beschreibt sie ein Unterwegssein - im Raum wie in der Zeit. Die Reise führt in die expandierenden europäischen Großstädte, in die Bergwelt der Alpen und durch vornehmlich deutsche Landschaften. Insbesondere durch die, wie es immer wieder heißt, schönste Landschaft von allen: das Rheinland. Gereist wird zu Fuß und mit der Pferdekutsche - vor allem aber mit den neuen Verkehrsmitteln des 19. Jahrhunderts, dem Dampfschiff und der Eisenbahn. Später werden Fahrräder und Automobile, ja sogar Luftschiffe und Flugzeuge bestiegen. Gereist wird auch durch die Zeit. Die Reise beginnt am Vorabend des Tourismus und endet um 1945. Doch obwohl das Medium Reisehandbuch nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufschwung erlebt, ist die große Zeit des Baedekers, der für diese Mediengeschichte fast immer beispielgebend sein wird, nach 1945 abgelaufen. Der Mythos von der Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit des Buches ist nicht mehr glaubwürdig, der klassische bürgerliche Reisende gehört der Vergangenheit an. Die Reise nach Baedeker muss, wenn sie auf die entscheidenden Fragen zum Reisehandbuch eine Antwort finden will, auch eine Reise durch beinahe zwei Jahrhunderte Kulturgeschichte sein. Man kann die Geschichte eines Mediums nur erzählen, wenn man sich den Aspekten zuwendet, die seinen Erfolg bedingen und tragen. Das können soziale oder politische Umstände sein, aber auch technische Errungenschaften, andere Medien im weitesten Sinne und natürlich die Menschen, die das Reisehandbuch benutzen. Somit handelt es sich auch um eine Reise zu den Wünschen und Träumen der Menschen; der Menschen nämlich, die den Baedeker lesen, um sich von der Welt ein Bild zu machen, die - von der Kulturkritik verhöhnt - von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, aber auch derjenigen, die den Baedeker zu Hause lesen, auf dem Sofa sitzend, von der Ferne träumend, wohlwissend, dass sie die vertraute Heimat nie verlassen werden. So oder so: Die Reise nach Baedeker ist eine Geschichte der Sehnsucht und der Seh-Sucht. Am Ende steht das Ziel, einem Medium näher zu kommen, seine Entwicklung zu verfolgen, sein Wesen zu konturieren und die Gründe für seinen Erfolg zu finden. Ein solches Vorhaben kann nur gelingen, wenn es sich einschränkt. Damit ist nicht nur die bereits erwähnte Tatsache gemeint, dass diese Reiseführergeschichte mit dem Zweiten Weltkrieg enden wird. Sie bezieht sich auch vornehmlich auf die Reisehandbücher aus dem Baedeker-Verlag. Der Grund für die Wahl liegt nicht nur im unbestreitbaren bibliophilen Wert der roten Bücher und der Tatsache, dass es sich wohl um die berühmtesten Reisehandbücher überhaupt handelt, sondern vor allem in der bis heute andauernden lückenlosen Erscheinungsweise. Zudem liegen dieser Studie einige methodische Besonderheiten zugrunde, die im Folgenden kurz umrissen werden.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
1. Reisen nach Baedeker12
Von Mainz nach Köln12
Reisen nach … Molwanîen14
Fiktion und Realität17
Medienkulturgeschichte20
Mediales Format24
Reisehandbuch27
2. Karl Baedeker und der Baedeker-Verlag30
Karl Baedeker30
Kleins Rheinreise33
Murrays Red Books35
Karl Baedekers Reisehandbücher38
Konkurrenten42
Ernst, Karl und Fritz Baedeker45
Hans, Ernst und Dietrich Baedeker49
Neubeginn nach 194552
Mythos Baedeker55
Das Konzept Baedeker58
3. Am Vorabend des Tourismus62
Luftfahrzeuge62
Seh(n)sucht63
Räume durchmessen66
Reisende Bürger68
Schönes und Erhabenes73
Romantische Kultur75
Landschaft78
Am Rhein81
In der Campagna86
Neues Sehen90
Zeit für den Baedeker91
4. Landschaft und Panorama94
Panorama94
Wechselwirkungen97
Alte und neue Perspektiven100
Bilderlesen104
Bergpanorama106
Warenhaus110
Reisen im Baedeker112
Panopticon115
Der gefesselte Reisende118
5. Verkehr und Geschwindigkeit122
Dampfschifffahrt122
Rheinpanorama124
Eisenbahn128
Regen, Dampf, Geschwindigkeit131
Pleorama137
Links und rechts140
Eisenbahnlandschaft142
Industrielandschaft146
Weltpanorama149
Mediales Ensemble152
6. Fotografisches und Monumentales156
Für die Ewigkeit156
Denkmäler im Baedeker159
Geschichtspanorama162
Den Augenblick bannen165
Fotografien im Baedeker168
Reisefotografie170
Aussicht und Ansicht173
Der rote Professor176
Über die Bewohner178
Baedekers Blütezeit182
Untergänge184
7. Die Stadt im Reisehandbuch192
Sinfonie in fünf Akten192
Stadtlandschaften194
Großstadt im Temporausch199
Die abgebildete Stadt203
Groß-Berlin im Baedeker209
Illuminierte Großstadt211
Montierte Bilder214
Das Gesicht der Zeit217
Anders reisen, anders sehen219
Ausdifferenzierung223
Arbeiterreiseführer226
Ein Baedeker der Seele229
8. Reiseführer im Nationalsozialismus232
Baedeker im Marschgepäck232
Reisen und Krieg234
Kraft durch Freude237
Wir fahren nach Berlin241
Reichsautobahn244
Straßenästhetik247
Straßenlandschaft249
Raum nehmen252
Eigenes und Fremdes255
Simulierte Normalität258
Blindflug263
Blitzed by Guidebook266
Bomber’s Baedeker268
Schlütertee272
Ende und Ausblick276
Abstände276
Schielen278
Ausblick280
Anmerkungen288
Dank322
Abbildungsnachweise324
Quellen und Literatur330
Monografien, Artikel und Aufsätze330
Reisehandbücher, Panoramen, illustrierte Reisebücher (nach Jahr)350

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