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Die Wirkung von Vertrauen auf die Ex-Post-Transaktionskosten in Kooperation und Hierarchie

AutorAlexandra Matthes
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl233 Seiten
ISBN9783835054721
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR
Vertrauen gilt als ein wichtiger Faktor für die Senkung von Transaktionskosten. Alexandra Matthes untersucht die Wirkung von Vertrauen auf die Qualität der Zusammenarbeit in unterschiedlichen Governance-Strukturen.

Dr. Alexandra Matthes promovierte bei Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber am Lehrstuhl für Controlling und Telekommunikation der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Sie ist im Bereich Konzerncontrolling und Strategie der Bertelsmann AG tätig.

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Leseprobe
1 Einleitung (S. 1)

"The difficulty [of quantifying transaction costs], however, is mitigated by the fact that transaction costs are always assessed in a comparative institutional way, in which one mode of contracting is compared with another. Accordingly, it is the difference between rather than the absolute magnitude of transaction costs that matters."

1.1 Ausgangspunkt

Die wachsende Spezialisierung und eine daraus resultierende verstärkte Arbeitsteilung führen zu einem Bedeutungszuwachs der Transaktionskosten. Ihre Höhe übersteigt nach neueren Berechnungen 60% der Gesamtkosten. Dadurch gewinnt die Frage nach den Möglichkeiten zur Senkung der Transaktionskosten immer mehr an Gewicht. Die Beantwortung dieser Frage hat sich die Transaktionskostentheorie zur Aufgabe gemacht. Ihr Ziel ist die Identifikation und Analyse von Institutionen, die eine kostenminimale Transaktion ermöglichen.

Gleichzeitig führt die steigende Spezialisierung zu einer Vervielfachung des in der Gesellschaft vorhandenen Wissens. Aufgrund der Zunahme der Wissensbasis wächst für die Unternehmen die Komplexität und sinkt die Möglichkeit zur Kontrolle. Daduch vermindert sich das Potential traditioneller Kontrollinstitutionen, die Transaktionskosten zu reduzieren. Alternative Institutionen müssen thematisiert werden, die die Transaktionskosten trotz geringerer Kontrollmöglichkeiten senken können.

Eine (prominente) Institution, die ohne die Notwendigkeit zur Kontrolle auskommt, ist Vertrauen. Als Ausgangspunkt der Überlegungen kann Luhmanns These gelten: Vertrauen ist ein Mechanismus zur Reduktion der sozialen Komplexität. Diese Komplexität – und die häufig damit einhergehenden steigenden Transaktionskosten – finden sich in der heutigen betriebswirtschaftlichen Welt in einem Maße, das, als Luhmann diese Zeilen schrieb, kaum vorstellbar war. Durch neue Kommunikationsmedien erweitern sich die Möglichkeiten zum Wissensaustausch.

Gleichzeitig treibt die fortschreitende Globalisierung eine räumliche Komplexität voran, und die Konzentration auf Kernkompetenzen führt zum Fremdbezug immer komplexerer und schwerer kontrollierbarer Fertigungsprodukte. Die betriebswirtschaftliche Praxis begegnet diesen Phänomenen mit der Entwicklung neuer hybrider Organisationsformen.

Die Transaktionskostentheorie sieht in der Wahl der Organisationsform eine wichtige Governance- Entscheidung, die weit reichende Konsequenzen für die Höhe der Transaktionskosten hat. Diese Konsequenzen ergeben sich aufgrund der Annahme, dass das Verhalten der Menschen innerhalb einer Organisation besser gesteuert werden kann als organisationsübergreifend. Dieser Annahme liegt die grundlegende Reorientierung des Menschenbildes innerhalb der ökonomischen Forschung zugrunde.

Der homo oeconomicus ist noch perfekt rational und vollständig informiert. Komplexität existiert für ihn nicht, die Zukunft ist vorhersehbar. Die Wahl der Organisationsform ist für ihn irrelevant. Doch durch die Integration von begrenzter Rationalität in die ökonomische Theorie – unter Beibehaltung der Annahme strenger Eigennutzmaximierung – steigt die Komplexität für den Akteur. Die Zukunft wird unsicher und auch so wahrgenommen. Um mit dieser Unsicherheit umzugehen und die Kontingenz der Möglichkeiten im Handeln der anderen Akteure wieder zu reduzieren, ist Vertrauen ein möglicher Mechanismus.

Vertrauen hat in den letzten beiden Jahrzehnten sowohl durch die Praxis als auch durch die ökonomische, soziologische und sozialpsychologische Forschung zunehmende Aufmerksamkeit erfahren. Trotz der intensiven Beschäftigung haben sich bisher jedoch weder ein einheitliches Verständnis des Phänomens Vertrauen noch geschlossene Erklärungsmuster herausgebildet. Eine Theorie des Vertrauens existiert nicht. Zwar gibt es bereits einige Meta-Studien zur Vertrauensforschung, doch ist – auch aufgrund der Breite der Forschungsrichtungen und -fragen – kein einheitliches Bild zu erkennen.

Die Vielfältigkeit im Verständnis von Vertrauen resultiert aus den zahlreichen Disziplinen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Im ökonomischen Kontext sind vielfach theoretische Schwächen der Vertrauensforschung zu erkennen, die häufig in einer Kombination der unterschiedlichen Sozialwissenschaften und deren Theorien mit gegensätzlichen Annahmen liegen.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort6
Vorwort8
Inhaltsübersicht10
Inhaltsverzeichnis12
Abbildungsverzeichnis18
Tabellenverzeichnis20
Abkürzungsverzeichnis26
1 Einleitung27
1.1 Ausgangspunkt27
1.2 Zielsetzung29
1.3 Aufbau32
2 Grundlagen34
2.1 Transaktionskostentheorie34
2.1.1 Begründung der Auswahl der Transaktionskostentheorie34
2.1.2 Zielsetzung der Transaktionskostentheorie37
2.1.3 Methodik der Transaktionskostentheorie in Abgrenzung zur klassischen Mikroökonomik39
2.1.4 Die Dimensionen der Transaktionskosten43
2.2 Vertrauen46
2.2.1 Wesen des Vertrauens46
2.2.2 Vertrauenswirkung51
2.2.3 Vertrauensverständnis dieser Arbeit54
2.3 Zur Vereinbarkeit von Transaktionskosten und Vertrauen57
2.3.1 Vertrauen als transaktionskostensenkende Institution57
2.3.2 Oliver E. Williamsons Verständnis von Vertrauen60
2.4 Begründung der Forschungsfrage61
2.4.1 Ableitung des Forschungsbedarfs61
2.4.2 Begründung der Relevanz des identifizierten Forschungsbedarfs63
2.4.3 Vorgehen zur Beantwortung der Forschungsfrage65
3 Hypothesen68
3.1 Operationalisierung der Transaktionskosten69
3.2 Aspekte der Unsicherheit71
3.2.1 Begrenzte Rationalität72
3.2.2 Wahrgenommene Opportunismusgefahr77
3.2.3 Anpassungsfähigkeit81
3.3 Spezifität88
3.3.1 Konzeptualisierung der spezifischen Investitionen89
3.3.2 Hypothesen zu spezifischen Investitionen90
3.3.3 Konzeptualisierung der Alternativen92
3.3.4 Hypothesen zu Alternativen93
3.4 Häufigkeit94
3.4.1 Konzeptualisierung94
3.4.2 Hypothesen zu Häufigkeit95
3.5 Zufriedenheit mit den Leistungen96
3.5.1 Konzeptualisierung der Zufriedenheit mit den Leistungen97
3.5.2 Hypothesen zur Zufriedenheit mit den Leistungen97
3.6 Unterschiede in Kooperation und Hierarchie99
3.7 Überblick über die Hypothesen102
4 Grundlagen der empirischen Untersuchung105
4.1 Konzeption der Untersuchung105
4.1.1 Untersuchungsobjekt105
4.1.2 Auswahl der Analysemethodik106
4.1.3 Erhebungskonstellation109
4.1.4 Befragte Informanten110
4.1.5 Fragebogengestaltung111
4.1.6 Pretest113
4.1.7 Konzeption der Datenerhebung113
4.2 Datengrundlage als Ergebnis der Feldphase114
4.2.1 Umfang der Datenbasis114
4.2.2 Charakterisierung der berücksichtigten Unternehmen114
4.2.3 Charakterisierung der zugrunde liegenden Geschäftsbeziehungen115
4.2.4 Repräsentativität der Datengrundlage117
4.3 Methodische Grundlagen der Analysephase119
4.3.1 Grundlagen der Kausalanalyse119
4.3.2 Beurteilung der Reliabilität und Validität der Mess- und Strukturmodelle120
5 Operationalisierung der Faktoren129
5.1 Vertrauen129
5.1.1 Vertrauen in den wichtigsten Lieferanten130
5.1.2 Vertrauen in die wichtigste Abteilung132
5.2 Unsicherheit133
5.2.1 Begrenzte Rationalität133
5.2.2 Wahrgenommene Opportunismusgefahr141
5.2.3 Anpassungsfähigkeit146
5.3 Spezifität154
5.3.1 Spezifische Investitionen in den Lieferanten154
5.3.2 Alternativen158
5.4 Häufigkeit160
5.4.1 Dauer der Geschäftsbeziehung mit dem Lieferanten162
5.4.2 Anteil des von diesem Lieferanten bezogenen Einkaufsvolumens164
5.4.3 Anzahl der Kontakte mit dem Lieferanten164
5.5 Zufriedenheit mit den Leistungen als subjektives Erfolgskriterium165
5.5.1 Zufriedenheit mit den Leistungen des wichtigsten Lieferanten166
5.5.2 Zufriedenheit mit den Leistungen der wichtigsten Abteilung167
6 Überprüfung der Hypothesen171
6.1 Unabhängige Betrachtung der beeinflussten Faktoren171
6.1.1 Wirkung von Vertrauen zum wichtigsten Lieferanten auf die Ex- Post- Transaktionskosten172
6.1.2 Wirkung von Vertrauen zur wichtigsten Abteilung auf die Ex- Post- Transaktionskosten174
6.2 Erklärungsmodell der Wirkung von Vertrauen auf die Ex- Post- Transaktionskosten176
6.2.1 Wirkung auf die Ex-Post-Transaktionskosten zum wichtigsten Lieferanten176
6.2.2 Wirkung auf die Ex-Post-Transaktionskosten zur wichtigsten Abteilung186
6.3 Vergleich von Kooperation und Hierarchie191
6.3.1 Deskriptiver Vergleich der Modelle191
6.3.2 Nachweis der statistischen Signifikanz mittels moderierender Analyse194
6.4 Ergänzende moderierende Untersuchungen201
6.4.1 Einfluss der Alternativen201
6.4.2 Einfluss der Häufigkeit205
6.4.3 Übersicht über die moderierenden Einflüsse210
7 Zusammenfassung und Fazit211
7.1 Zentrale Ergebnisse211
7.2 Implikationen für die Forschung und weiterer Forschungsbedarf217
7.3 Implikationen und Handlungsempfehlungen für die Praxis218
Anhang221
Anhang A: Literaturverzeichnis221
Anhang B: Fragebogen247

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