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E-Book

Die Zukunft

Sechs Kräfte, die unsere Welt verändern

AutorAl Gore
VerlagSiedler
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl624 Seiten
ISBN9783641129224
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Al Gore, der ehemalige Vizepräsident der USA, Friedensnobelpreisträger und Bestsellerautor, wagt in seinem neuen Buch einen Blick in die Zukunft. Er identifiziert diejenigen Kräfte, die unser Leben in den kommenden Jahrzehnten am stärksten verändern werden, und zeichnet so ein beeindruckend detailliertes Bild der Welt von morgen. Denn, so Gore, nur wem es gelingt, die Chancen und Risiken der Zukunft zu erkennen, kann sie auch gestalten.

Wir leben in einer Zeit umwälzender Veränderungen. Aus der Vielzahl der Kräfte, die unsere Welt formen, greift Al Gore diejenigen heraus, die unsere Zukunft am radikalsten prägen werden: Neben der weiter zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft sind das die Verschiebung der geopolitischen Machtverhältnisse, eine fehlgeleitete, allein auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik, der nicht nachhaltige Umgang mit unserer Umwelt und unseren Ressourcen sowie die Revolutionen in der digitalen Kommunikation, in der Biotechnik, den Neurowissenschaften und der Gentechnik. Inwiefern wir diese Entwicklungen gewinnbringend nutzen können und ab wann sie für uns zum Risiko werden, das debattiert Gore in seinem neuen, umfassenden Bestseller über unsere Zukunft.



Al Gore war unter Bill Clinton Vizepräsident der USA, im Jahr 2000 verlor er nur knapp die Präsidentschaftswahlen gegen George W. Bush. Seit seinem Rückzug aus der Politik widmet sich Gore dem Schutz der Umwelt und dem Kampf gegen den Klimawandel. Für sein Engagement in der Umweltpolitik wurde er 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, für seinen Film »Eine unbequeme Wahrheit«, der weltweit das Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels schärfte, erhielt er einen Oscar. Gore ist Autor zahlreicher Bücher, die zu internationalen Bestsellern wurden, darunter »Eine unbequeme Wahrheit« (2006) und »Wir haben die Wahl« (2009).

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Leseprobe

1

DIE WELT AG

DER WANDEL, DEM DIE WELTWIRTSCHAFT unterworfen ist, verläuft schneller und ist umfangreicher als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Wir leben mit und in der Welt AG38: Nationale politische Maßnahmen, regionale Strategien und lange Zeit als gegeben angesehene Wirtschaftstheorien spielen unter den neuen Bedingungen einer eng vernetzten, fest integrierten, extrem interaktiven und technologisch innovativen Wirtschaft keine Rolle mehr.

Erfolgreiche internationale Großkonzerne produzieren Güter in »virtuellen globalen Fabriken« mit kompliziert verflochtenen Lieferketten, die Hunderte von Unternehmen in Dutzenden von Ländern einbinden. Immer mehr Warenmärkte – und zunehmend auch Dienstleistungen, die keine persönliche Interaktion mehr erfordern – richten sich heute global aus. Ein zunehmender Prozentsatz der Lohnarbeiter steht nicht nur im Wettbewerb mit anderen Lohnarbeitern anderer Länder, sondern auch mit intelligenten Maschinen, die wiederum mit anderen Maschinen und Computernetzwerken verzahnt sind.

Die Digitalisierung der Arbeit und die massive Wucherung der, wie man es früher nannte, Automatisierung treiben zwei massive Veränderungen gleichzeitig an:

1. Das Outsourcing von Arbeitsplätzen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Bevölkerung groß und die Löhne niedrig sind, sowie

2. das Robosourcing von Arbeitsplätzen vom Menschen hin zu mechanischen Prozessen, Computerprogrammen, Robotern aller Größen und Formen sowie bislang noch rudimentären Arten künstlicher Intelligenz, die hinsichtlich Effizienz, Nutzen und Einfluss mit jedem Jahr wachsen.39

Die Transformation der Weltwirtschaft lässt sich am besten als ein emergentes Phänomen begreifen, dessen Ganzes nicht nur größer ist als die Summe seiner Teile, sondern das sich auch grundlegend von der Summe seiner Teile unterscheidet. Es ist etwas völlig Neues, nicht mehr nur das Zusammenspiel nationaler und regionaler Ökonomien wie in früheren Zeiten, sondern vielmehr ein gänzlich neues Gebilde mit einem vollkommen anderen internen Kräftespiel, mit anderen Strukturen, Impulsen und einer grundsätzlich anderen Dynamik, als wir sie aus der Vergangenheit kennen. Der internationale Personenverkehr hat natürlich seine Grenzen, und die Handelsströme sind intensiver zwischen Ländern, die enge Beziehungen pflegen, doch insgesamt ist die Weltwirtschaft heute stärker vernetzt als je zuvor.

So wie die dreizehn Kolonien Nordamerikas im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts als ein geeintes Ganzes emergiertenin Erscheinung traten –, so tritt nun die Welt als Ganzes in einer ökonomischen Einheit in Erscheinung, die sich rasant auf eine vollständige Integration zubewegt. Das zumindest zeichnet sich in der Welt des Handels und der Industrie, in der Wissenschaft und überwiegend auch in der Technologie ab, die sich in den Handelszentren rund um den Erdball rapide ausbreitet.

Im Bereich der Politik und des politischen Handelns sind nach wie vor die Nationalstaaten die wichtigsten Akteure. Psychologisch und emotional sowie in der Art, wie wir unsere Identität gestalten, denken und handeln die meisten von uns immer noch, als lebten wir in der Welt, die wir aus unserer Jugend kennen. Aus der Perspektive der ökonomischen Realitäten des Lebens rückt diese Welt allerdings in weite Ferne. Diese mächtige Triebkraft des globalen Wandels, die bisweilen unpräzise und unzutreffend als »Globalisierung« bezeichnet wird, markiert nicht nur das Ende einer historischen Ära und den Beginn einer neuen, sondern auch die Emergenz einer völlig neuen Realität, mit der wir Menschen zurechtkommen müssen.

OUTSOURCING UND ROBOSOURCING werden von diversen Ökonomen, Technologie- und Politikexperten meist als zwei getrennte und verschiedenartige Aspekte untersucht und erörtert. Dabei sind sie eng miteinander verbunden, repräsentieren zwei Aspekte desselben Phänomens.

Die bahnbrechende Verschiebung hin zum Robosourcing und zum Outsourcing, die sich dank der Informationstechniken vollzieht, verändert das Verhältnis zwischen dem Einsatz von Kapital und dem Einsatz von Arbeitskraft dramatisch und schwächt den Ruf nach Lohnerhöhungen aufseiten der Arbeiterschaft in den Industrieländern.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es in den politischen Auseinandersetzungen um das Arbeitsrecht vor allem um die Festlegung der relativen Verteilung von Einkommen aus Arbeit und Kapital in den Betrieben, in denen sich die Arbeiter organisiert hatten. Doch heute beeinflussen die Veränderungen durch technische Neuerungen die Zukunft der Arbeit und des Lohns, den die Menschen dafür erhalten, viel stärker. Argumente, die bislang im Kontext eines Nullsummenspiels vorgebracht wurden, haben offenbar keine Relevanz und Überzeugungskraft mehr, denn ein Arbeitgeber hat die Wahl: Er kann (a) die Fabrik oder die Firma schließen und in einem Niedriglohnland wieder ansiedeln oder (b) die Arbeitskräfte durch Roboter und automatisierte Systeme ersetzen.

Aus Sicht der Fabrikarbeiter in den USA oder Europa, deren Jobs verloren gegangen sind, haben die Automatisierung und die Verlagerung ins Ausland im Wesentlichen dieselben Folgen. Aus Sicht des Fabrikbesitzers steigt die Produktivität mit dem Outsourcing und dem Robosourcing, egal, ob die neue Technik in der bestehenden Fabrik eingesetzt wird oder im Ausland.

Politische Entscheidungsträger werten das Ergebnis oft als Erfolg, weil eine Produktivitätssteigerung gern mit dem Heiligen Gral des Fortschritts gleichgesetzt wird. Oft sind sie blind für die Gesamtauswirkungen dieses Prozesses auf die Beschäftigung in dem Land, in dem das Unternehmen mit dem Produktivitätszuwachs dem Namen nach angesiedelt ist. Dieser Trend hat sich mittlerweile so weit beschleunigt, dass sogar die grundlegende Rolle der Arbeitskraft in der künftigen Wirtschaft infrage steht.

Wie stark die immer schnellere Vernetzung der Weltwirtschaft das Outsourcing und das Robosourcing vorantreibt, wird in den Schwellen- und Entwicklungsländern deutlich, wo das Robosourcing nun ebenfalls verstärkt stattfindet und einen wachsenden Prozentsatz der Arbeitsplätze vernichtet, die erst kürzlich aus den Industrieländern ausgelagert wurden.

Es besteht ein enormer Unterschied zwischen der Investition in eine Fabrik im Ausland mit denselben Jobs wie vormals im Westen und, wie Ökonomen seit Neuestem sagen, Investitionen mit »Technologiekapital«. Letztere erhöhen nicht nur die Produktivität des jeweiligen Betriebs und des Wirtschaftszweigs, sondern sie vernichten nach und nach zahlreiche Jobs – in den Ländern, die ursprünglich die Fabriken eingebüßt haben, wie auch in denen, in die sie ausgesiedelt wurden.

Die Arbeiter in den Niedriglohnländern profitieren zunächst von den neuen Beschäftigungsmöglichkeiten, bis sie aufgrund des gestiegenen Lebensstandards, den ihre Arbeit mit sich bringt, höhere Löhne fordern. Nun sind auch sie in Gefahr, ersetzt zu werden, da die Fabrikbesitzer mit den neuen Gewinnen, die sie dank der Verlagerung aus dem Westen gemacht haben, immer bessere und billigere Roboter und Automaten erwerben können. Foxconn, ein chinesischer Hersteller von Unterhaltungselektronik, gab 2012 bekannt, innerhalb von drei Jahren eine Million neue Roboter einsetzen zu wollen.40

Zwischen der zunehmenden Integration der Welt AG einerseits und der Zunahme verzahnter intelligenter Maschinen andererseits findet eine positive Rückkoppelung statt, das heißt, die beiden Trends – das ansteigende Robosourcing und die Integration der Weltwirtschaft durch Handel und Investment – verstärken einander.

Die Folgen des Robosourcing auf die Beschäftigung werden manchmal darauf reduziert, dass ganze Arbeitsplatzbereiche vollständig wegfallen, wenn infolge einer technischen Neuerung plötzlich Menschen durch intelligente vernetzte Maschinen ersetzt werden. Viel häufiger jedoch ersetzen intelligente vernetzte Maschinen nicht nur einen erheblichen Anteil der Jobs, sondern sie verbessern auch drastisch die Produktivität der wenigen verbleibenden Beschäftigten, da sich diese die Effizienz der Maschinen zunutze machen können, die nun Teil des Produktionsprozesses sind.

Für die noch vorhandenen Arbeitsplätze steigt manchmal wegen der zusätzlich für den Umgang mit der neuen Technik notwendigen Qualifikationen auch die Entlohnung. Deshalb interpretieren wir die Gesamtwirkung dieses neuen beschleunigten Robosourcing oft fälschlicherweise als Fortführung des seit Langem vertrauten Schemas, nach dem alte Jobs vernichtet und durch neue und bessere Jobs ersetzt werden.

Da wir aber mittlerweile den steilen Teil dieser Technologiekurve erreicht haben, zieht dieser Mechanismus in zahlreichen Firmen und Branchen gleichzeitig einen enormen Rückgang der Beschäftigtenzahl nach sich. Darüber hinaus verfügen viele Beschäftigte nicht über die erforderlichen Qualifikationen (mathematische zum Beispiel, die für die Bedienung vieler Roboter notwendig sind), um die neuen Aufgaben bewältigen zu können.

Mittlerweile betrauen viele Unternehmen Homeoffice-Mitarbeiter mit Aufgaben, die sich günstig und effizient über das Internet auslagern lassen.41 Gary Swart, Chef des erfolgreichen Freiberufler-Vermittlers oDesk, stellt eine wachsende Nachfrage nach Führungskräften aller Couleur fest, darunter »Anwälte, Bilanzbuchhalter, Finanzfachleute, ja sogar leitende Manager«. Und das Robosourcing wirkt sich nun auch auf den Journalismus...

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