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Down to Earth

Ohne Flugzeug um die Welt

AutorSeth Stevenson
VerlagPiper Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl328 Seiten
ISBN9783492952873
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
»Seit ich denken kann, hatte ich mich nie so gut gefühlt. Ich lief durch New York. In meinen Taschen kein einziger Schlüssel. Unsere Wohnung aufgelöst, Auto verkauft, Büro gekündigt. Es war der Morgen unserer Abreise. Wir waren absolut frei.« Seth Stevenson und seine Freundin Rebecca machen, was für viele ein Traum bleibt: sechs Monate Weltreise, ohne ein Flugzeug zu besteigen. Mit Zug, Rad, Rikscha, zu Fuß. Mit polnischen Seeleuten auf einem Containerschiff in zehn Tagen über den Atlantik. Mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok. Auf einer Fähre nach Japan... Alles Strecken, die sie in einer fliegenden Aluwurst mit null Beinfreiheit in wenigen Stunden bewältigt hätten - und dabei die abgefahrensten Reiseerlebnisse verpasst hätten.

Seth Stevenson ist Journalist und Reiseschriftsteller, er schreibt u.a. für »Slate«, die »New York Times«, »Washington Post«, »Newsweek« und »Rolling Stone« und wurde für seine Reportagen mit dem Lowell Thomas Award der Society of American Travel Writers ausgezeichnet. 2005 gewann er den Online Journalism Award. Er lebt in Washington.

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Leseprobe
Vorwort zur deutschen Ausgabe   Im Frühjahr 2010 legte ein unerwarteter Gegner den europäischen Flugverkehr lahm: Ein isländischer Vulkan, der lange Zeit inaktiv gewesen war, spie plötzlich für Flugzeugturbinen schädliche Asche in die Atmosphäre. Rollbahnen leerten sich, die silbernen Vögel schmollten auf den Pisten. Es wurde still am Himmel. Schließlich verzog sich die Asche, und der Luftverkehr wurde wieder aufgenommen, als wäre nichts geschehen. Das vorherrschende Gefühl war Erleichterung. Regierungen und Unternehmen, die durch die gestörten Reisepläne verunsichert worden waren und Produktivitätseinbußen befürchteten, wirkten froh und glücklich darüber, dass die Flugzeugdüsen laut lärmend wieder zum Leben erwachten. Aber ich habe so das Gefühl, dass doch ein paar Reisende enttäuscht waren. Ich zum Beispiel hätte absolut nichts dagegen gehabt, wenn das herrliche flugzeugfreie Intermezzo noch ein wenig länger gedauert hätte. Meiner Ansicht nach war dieser Vulkanausbruch ein Segen. Er ermöglichte es Millionen von Menschen, ähnlich kontemplative Momente und hinreißend »geerdete« Anblicke zu erleben, wie ich sie genießen durfte, als ich die in diesem Buch geschilderte Reise unternahm. Die gestrandeten Reisenden, die in ganz Europa zu teilweise geradezu exzentrischen Mitteln griffen, um irgendwie nach Hause zu kommen (ich habe gelesen, dass ein Mann für eine 1100 Kilometer lange Strecke durch Skandinavien ein Taxi nahm), waren zunächst zweifellos äußerst gereizt, weil sich ihnen so viele logistische Hindernisse in den Weg stellten. Aber ich vertraue darauf, dass viele von ihnen, sobald sie erst einmal unterwegs waren und sich mit den Gegebenheiten abgefunden hatten, zu ihrer eigenen Überraschung Freuden entdeckten, die durch das Düsenzeitalter in Vergessenheit geraten waren. Eine aus dem launischen Zufall geborene Abenteuerlust. Ein gemächlicheres, nachdenklicheres Tempo. Das sehr viel tiefer greifende Erlebnis, die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen, anstatt in großer Höhe über sie hinwegzugleiten. In den rund 50 Jahren, seit Flugzeuge zum wichtigsten Transportmittel für Fernreisen wurden, haben Schnelligkeit und Komfort des Flugverkehrs die Welt kolossal bereichert. Doch wie Orson Welles in »Der Glanz des Hauses Amberson« erklärte, bleibt uns immer weniger Zeit, je rasanter wir uns fortbewegen. Das Leben ist heute ungeheuer schnell. Ich möchte behaupten, dass wir durch diese Entwicklung etwas verloren haben. Es gibt eine Form von Romantik, die wir jedes Mal verschenken, wenn wir an Bord eines Flugzeugs schlurfen. Denken Sie zum Beispiel an die Transatlantikflüge, die Sie schon gemacht haben. Ist Ihnen irgendetwas davon in Erinnerung geblieben? Fliegen ist nämlich eine triste, seelenlose Art, den Planeten zu bereisen, und die besten Flüge sind eigentlich die, die man gleich nach der Landung vergisst. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie würden auf einem Schiff über den Atlantik schippern. (Man weiß nicht, wie viele vom Vulkanausbruch betroffene Flugreisende schließlich kapitulierten und eine Schiffspassage buchten, aber ich vermute mal, der ein oder andere hat diese Lösung gewählt.) Meinen Sie, Sie könnten die Tage der Überfahrt genießen - die Freuden einer Sternennacht mitten auf dem Ozean oder eines kleinen Umtrunks mit neuen Freunden, während Sie über die Heckreling hinaus auf das glitzernde Wasser schauen - und sie im Gedächtnis bewahren, auch wenn Sie längst wieder an Land sind? Es ist noch zu früh für eine abschließende Einschätzung, aber vielleicht wird sich der Vulkanausbruch im Rückblick als die Geburtsstunde einer neuen Generation von Reisenden erweisen, die sich begeistert für den Land- oder Seeweg entscheiden. Wie viele Menschen, die einen Vorgeschmack auf das Leben ohne Flugzeuge bekamen, werden zu dem Schluss gelangen, dass sie nie wieder einen Flughafen von innen sehen wollen? Mir jedenfalls ist es so ergangen, nachdem ich die Welt umrundet hatte, ohne auch nur einen Meter zu fliegen. Wenn ich heute ein Flugzeug über mir sehe, betrachte ich seinen Kondensstreifen und empfinde Mitleid mit den armen Menschen, die da in einer engen Aluminiumröhre am Himmel entlangrasen. Während ich das hier schreibe, ruht der Eyjafjöll-Vulkan. Aber ich hoffe auf den Moment, an dem er unser hektisches Leben erneut zum Erliegen bringen wird, um uns an eine andere, besinnlichere Lebensweise zu erinnern. Ich freue mich auf das Verstummen der wütend kreischenden Düsenmotoren. Ich kann es kaum erwarten, an ihrer Stelle das Rattern von Zugrädern und das Klatschen von Wellen an Schiffsrümpfe zu hören.   Seth Stevenson, im September 2010   Einleitung Von Washington, D. C., nach Philadelphia   Wir haben so etwas schon einmal gemacht. Vor sieben Jahren wohnte ich mit meiner Freundin Rebecca in Lower Manhattan. Sie arbeitete in einem kleinen Start-up-Unternehmen, ich war Journalist bei Newsweek. Wir schoben beide Überstunden ohne Ende, und unsere Tage verliefen einer wie der andere. Woche für Woche bestellten wir in derselben Handvoll Restaurants etwas zum Mitnehmen, gingen in dieselben Bars, trafen uns mit denselben Freunden. Ich verbrachte übertrieben viel Zeit damit - manchmal in langen, schlaflosen Nächten -, darüber nachzugrübeln, wie ich beruflich vorankommen könnte. Es ging uns gut, doch ich konnte dieses nagende Gefühl nicht loswerden, dass wir irgendwie auf der Stelle traten. Wir waren hinter unseren Ambitionen und unserem Alltagstrott verschwunden. Als ich wieder einmal im selben Deli in Midtown einen hastigen Lunch aß, fragte ich mich, ob nicht vielleicht irgendwo da draußen eine transzendentere Existenz möglich wäre, jenseits der täglichen Tretmühle. Rebecca hatte den gleichen Gedanken. Sie und ich fingen an, uns gegenseitig herauszufordern, irgendwelche drastischen Maßnahmen zu ergreifen. »Komm, wir kündigen unsere Jobs und fahren nach Alaska«, blödelten wir zum Beispiel. Das häufte sich. War immer weniger als Scherz gemeint. Und irgendwann vergaßen wir ganz, dass wir Witze machten. An einem Tag im Frühling machten wir Nägel mit Köpfen. Wir kündigten unsere Jobs, was bei Freunden und Kollegen gelindes Entsetzen (und, wie mir in einigen Fällen auffiel, selbstmitleidgetränkten Neid) auslöste. Wir entledigten uns sämtlicher Habseligkeiten, sprangen in einen klapprigen Honda und fuhren los. Wir machten Station in staubigen Städtchen in der Pampa. Wir betranken uns an Dienstagnachmittagen in heruntergekommenen Bars. Wir rauchten gut gelaunt mit einem alten Freund auf seiner wackeligen Veranda in Austin einen Joint. Wir kampierten am Rio Grande, beobachteten eine Gruppe von Walen vor der kalifornischen Küste und blieben ohne triftigen Grund eine Woche lang in Salt Lake City. Wir wussten nie, wo wir in der nächsten Nacht schlafen würden, und das war uns gerade recht. Aus der Beton-Routine in Midtown waren wir in ein Leben geflohen, das nur so strotzte vor Farben und Unmittelbarkeit. Nach ein paar Monaten wachten wir eines Morgens auf, sahen uns um und stellten fest, dass wir in Alaska waren. Wir hatten unsere eigene Herausforderung angenommen und dadurch unsere Seele bereichert. Wir bereuten nicht das Geringste. Leider war uns aber das Geld ausgegangen. Uns drohte bittere Armut (und der brutale arktische Winter). Wehmütig sahen wir ein, dass es Zeit war, in die brave Gesellschaft zurückzukehren, Zeit, den Honda zu wenden, aufs Gaspedal zu treten und uns schnurstracks auf den Weg in das triste Gewimmel der Interstate 95 zu machen. Wir packten den Wagen für die lange Fahrt nach Osten, und als ich unsere herrliche Idylle im Kofferraum verstaut hatte, verharrte ich einen Moment und blickte hinaus auf die kalten grauen Wogen des Pazifiks. Ich hätte schwören können, dass sie mir zuwinkten. Wäre es nicht wundervoll, dachte ich, wenn wir, statt umzukehren, einfach ... weiterfahren würden?   Sieben Jahre später - wir waren inzwischen in den Dreißigern - hatten wir uns in einem angenehmen Leben in Washington, D. C., eingerichtet. Ich arbeitete von zu Hause aus für diverse Zeitschriften. Rebecca hatte Jura studiert und war inzwischen Prozessanwältin in einer knallharten Kanzlei in der City. Wieder bestellten wir regelmäßig in denselben Restaurants etwas zum Mitnehmen, gingen in dieselben Bars und trafen uns mit denselben Freunden. Nur, dass es nicht mehr die gleichen wie vor sieben Jahren waren. Karriereambitionen und Alltagstrott hatten uns erneut fest im Griff. Wir kauften uns schöne Möbel und gerahmte Drucke für unsere Wohnung. Bestellten Kabelfernsehen mit allen Schikanen. Richteten WLAN und Satellitenradio im Wohnzimmer ein. Eigentlich war das Leben rundherum gut. Kein Leid. Kein Mangel. Keine Krankheit. Und wenn die betäubende Trance elektronischer Unterhaltung mich enttäuschte, bekamen die Tage mithilfe allerlei berauschender Mittel neuen Schwung. Aber wieder meldete sich bei mir das nagende Gefühl, dass das Leben eine gewisse Spannung vermissen ließ. Spontaneität. Überraschung. Vor allen Dingen: Abenteuer. Je länger ich darüber nachdachte, desto ruheloser wurde ich. Im ersten Abschnitt von »Moby-Dick« schreibt Herman Melville: »Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen - dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen.«* Die heutigen Hüte unterscheiden sich zweifellos von denen in Melvilles Tagen, aber ich merkte, dass ich sie mit den gleichen bösen Absichten beäugte. Wenn ich meinen Einkaufswagen durch den viel zu vollen Bio-Supermarkt schob oder sah, wie Anzugträger an einer Bar ihre BlackBerrys mit dem Daumen bearbeiteten, spürte ich eine heftige, jähe, ziellose Wut. Das dringende Verlangen, dem allen zu entfliehen, brannte mir heiß auf der Haut. Unterdessen war Rebecca in der Arbeit an ihre Grenzen gestoßen. Sie hatte gleich nach dem Studium in der Kanzlei angefangen und drei Jahre lang wahnsinnig viele Überstunden und kaum Urlaub gemacht. Doch bei selbstkritischen Menschen fordert so ein Leben mit der Zeit seinen Tribut. (Ja, es gibt tatsächlich Anwälte, die man als selbstkritisch bezeichnen kann.) Für Leute wie Rebecca und mich, die wir über 30 waren und irgendwie auf der Stelle traten, hält die Gesellschaft natürlich ein Patentrezept parat. Wir sollen ein Haus kaufen und eine Familie gründen. Und tatsächlich war in letzter Zeit eine Welle von Häuslichkeit über unsere Clique hinweggeschwappt. Die Gespräche im Freundeskreis drehten sich auf einmal schwerpunktmäßig um Immobilien und Schwangerschaft. Pränatale Vitamine. Gute Grundschulen. Wir fanden das alles ganz toll und wollten uns irgendwann in der Zukunft damit befassen. Unsere unmittelbaren Impulse gingen dagegen in die andere Richtung. Wir verspürten kein Verlangen, in gesellschaftlich akzeptierten   * Zitiert aus Melville, Herman: Moby Dick, München 2003, S. 33.   Bahnen vorwärtszumarschieren und uns von ihnen widerstandslos in Richtung Elternschaft, Eigenheimkredit und so weiter und so fort lenken zu lassen. Wir wollten aus diesen Bahnen ausbrechen, uns den Staub abklopfen, noch einen erleichterten Blick zurückwerfen und fröhlich von dannen hüpfen. Etwa um diese Zeit erschien in Rebeccas Augen ein vertrautes unternehmungslustiges Funkeln. Und wieder ging es los mit den gegenseitigen Herausforderungen. »Komm, wir kündigen unsere Jobs und gehen auf das nächstbeste Frachtschiff«, blödelten wir. Das häufte sich. War immer weniger als Scherz gemeint. Und schon bald merkten wir, dass wir gar keine Witze machten.   Nach einigen Diskussionen kamen wir zu dem Schluss, dass ein zielloses Gammelintermezzo - will heißen, an einem Strand in Mittelamerika abzuhängen, bis uns wieder langweilig wurde - es nicht wert wäre, dafür aus unserem Leben auszusteigen (obwohl ein solcher Plan, wie ich zugeben muss, für mich durchaus seinen Reiz hatte - Hängematte, Joint, Sonnenuntergang etc.). Zum einen ist Rebecca nicht fürs Faulenzen geschaffen. Sie ist eher der antriebsstarke, hyperaktive Typ. »Als würden Millionen klitzekleine Häschen in meinem Gehirn herumhoppeln«, beschreibt sie das. Deshalb sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass Rebecca verrückt ist. Nur ein kleines bisschen, wohlgemerkt, aber immerhin. Sie wird das bestätigen. Alle, die sie kennen, werden das bestätigen, wobei sie die Augen schließen, nicken und leise lachen. Ich liebe das an ihr. Es war eines der Dinge, die mich auf Anhieb zu ihr hinzogen. Aber ohne eine gewisse Struktur und ein vage bestimmtes Ziel - zum Beispiel Alaska - führt der rasende Wirrwarr von Möglichkeiten in ihrem Kopf dazu, dass ihr Gehirn sich selbst auffrisst. Und glauben Sie mir, das gilt es um jeden Preis zu vermeiden. Außerdem, was uns in unserem Leben fehlte, war kein geruhsamer Strandurlaub. Wir hatten mehr Ruhe und Behaglichkeit, als uns lieb war. Jetzt lechzten wir danach, etwas Neues zu erleben. Herausforderungen. Etwas, das uns aus unserer Trance riss und uns die Augen öffnete. Die Antwort auf unsere Probleme, so mein Fazit, war eine Reise um die Welt.   Den Globus zu umrunden birgt eine gewisse Romantik. Eine solche Unternehmung war einst der Traum von Abenteurern - bevor die Globalisierung den Eindruck erzeugte, die andere Seite der Welt läge gleich um die nächste Straßenecke. Doch selbst heute noch, auch wenn es bei Weitem nicht mehr die Herausforderung ist, die es mal war, liegt eine reizvolle physische Absolutheit darin, einmal um die ganze Welt zu reisen. Zugegeben, wir würden nicht die Ersten sein. Das war Magellan - mehr oder weniger. Er stach 1519 von Spanien aus in See, segelte Richtung Westen und schaffte es ganz schön weit herum bis zu den Philippinen, wo er 1521 ums Leben kam, als er versuchte, einen Häuptling samt seiner Insel gewaltsam zum Christentum zu bekehren. (Jeder erfahrene Reisende weiß, dass man sich mit Einheimischen niemals über Religion streiten sollte. Wie schrecklich unhöflich! Selbst schuld, Magellan.) 1522 schaffte es eines von Magellans ursprünglich fünf Schiffen mit Müh und Not in einen spanischen Hafen und machte die 18 übrig gebliebenen Besatzungsmitglieder zu den ersten erfolgreichen Weltumseglern. Seitdem haben zahllose andere dieses Kunststück vollbracht. Als eine schlichte Umrundung nicht mehr waghalsig genug war, überlegte man sich größere Herausforderungen. Solo-Umsegelungen. Nonstop-Flüge ohne Nachtanken. Heißluftballons. Rollerblades und Paddelboote als alleinige Fortbewegungsmittel. Die wohl berühmteste Weltumrundung fand in Wahrheit natürlich nie statt. Jules Vernes Roman »In 80 Tagen um die Welt«, der 1872 zuerst als Fortsetzungsroman in einer französischen Zeitung erschien, erzählt die tollen Kapriolen des englischen Gentleman Phileas Fogg. Die Handlung ist einfach und genial zugleich: Fogg wettet mit seinen Freunden um 20 000 Pfund, dass er in dem titelgebenden Zeitrahmen einmal um die Erde reisen kann. Der große Erfolg des Romans brachte die Journalistin Nellie Bly auf die Idee, Foggs fiktive Reise nachzumachen. Sie startete 1889 in New York und schaffte es in rasanten 72 Tagen wieder nach Hause. Was ein ganz schön beachtliches Tempo ist, wenngleich nicht so schnell wie ein paar Segler 2005 mit einem Katamaran (50 Tage). Und längst nicht so schnell wie der Concorde-Überschallflug um die Welt 1995 (31 Stunden, etliche Stopps inklusive). Und es ist ein Schneckentempo im Vergleich zu der Zeit, die Yuri Gagarin 1961 brauchte, um auf dem ersten bemannten Raumflug die Erde zu umkreisen, bevor er wieder auf sowjetischem Boden landete (gut 108 Minuten).
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