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Eduard Suess

und die Entwicklung der Erdwissenschaften zwischen Biedermeier und Sezession. E-BOOK

VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl430 Seiten
ISBN9783862340583
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,99 EUR
Dieser Band ist Eduard Sueß (1831-1914) nicht primär als Geologen gewidmet, sondern fasst den Rahmen weiter. In den schönen Künsten vollzieht sich in der Zeit zwischen Biedermeier und Sezession ein dramatischer Wandel. Vergleichbar entwickeln sich in diesem Zeitraum, der die Lebensspanne von Eduard Sueß abdeckt, die Erdwissenschaften: beginnend mit den ersten flächendeckenden staatlichen Landesaufnahmen, der Etablierung erdwissenschaftlicher Lehrkanzeln an den Universitäten über das Hofmineralienkabinett, das in dieser Periode eine zuvor nie gekannte Blütezeit erlebt, bis zum Aufkommen »mobiler Theorien« wie der Deckenlehre und der Kontinentaldrift. Mit großem Weitblick hat Sueß viele dieser Entwicklungen direkt oder indirekt initiiert und wesentlich mitgetragen. Dieser Band stellt Eduard Sueß' Wirken in den wesentlichen geologischen Institutionen Österreichs ebenso dar wie seine Interaktion mit den bedeutendsten Erdwissenschaftlern des In- und Auslandes.

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Leseprobe
"I. Eduard Suess und seine Wirkungsstätten: Stadt Wien, Universität Wien und Naturhistorisches Museum (S. 11-14)

Peter Csendes Wien in der liberalen Ära

Abstract


Eduard Suess spent more than four decades in politics, for ten years he was a member of the Vienna City Council. During his years as a politician Vienna underwent basic changes in many ways. New legal conditions provided the basis for modern communal politics. For 35 years Vienna was ruled by liberal groups. An enlarged city area, an alteration of the townscape, a modern infrastructure and changes in the social topography were the results of their efforts. Eduard Suess contributed to this development as a politician and a scientist. He provided the scientific basis for important infrastructural projects like a modern water supply and the regulation of the Danube and promoted these projects as a member of the City Council. In this function but also as a member of the Diet of Lower Austria and the parliament (Reichsrat) he devoted much of his work to matters of education. The urban development of Vienna was accompanied by a remarkable impulse to arts and science, which reached its climax at the turn of the century.

Als Kaiser Franz Joseph zu Ende des Jahres 1857 den Auftrag zum Abbruch der Basteien und zur Anlage der Ringstraße gegeben hatte, war dies aus der Intention des absoluten Herrschers, seine Haupt- und Residenzstadt modern zu gestalten, geschehen. Als acht Jahre später die Ringstraße eröffnet wurde, war die Zeit des Neoabsolutismus – dessen Macht der junge Eduard Suess infolge seines Engagements im Revolutionsjahr 1848 am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte1 – vorbei, in Parlament und Rathaus bestimmten bürgerliche, liberale Kräfte das Gesetz des Handelns.

Nach der durch die militärischen und außenpolitischen Niederlagen der Monarchie erzwungenen Abkehr vom absolutistischen Staatsprinzip hatte der Minister des Inneren, Graf Agenor Goluchowski, 1860 in einer Denkschrift den Standpunkt vertreten, dass die Selbstverwaltung auf Landes- und Gemeindeebene der Schlüssel zu einer konstitutionellen Reform des Staates wäre und auch sein Verfassungskonzept, das »Oktoberdiplom«, danach ausgerichtet. Obwohl er mit seiner Vorstellung nicht durchkam und das Februarpatent Anton Ritter von Schmerlings von 1861 in eine geänderte Richtung wies, war doch ein Prozess in Gang gekommen, der angesichts der vorgesehenen Repräsentanz der Gemeinden in den Landtagen als ersten Schritt Gemeinderatswahlen erforderte.

Solche fanden 1861 auch in Wien statt und eröffneten jene bis 1895 andauernde Periode kommunaler Entwicklung, die als liberale Ära in die Wiener Stadtgeschichte eingegangen ist.3 Spricht man von d e m Liberalismus, so fasst man begrifflich unscharf ein außerordentlich breites, heterogenes Kräftespektrum politischer, ökonomischer, kultureller Richtung zusammen, das den Absolutismus überwinden und eine vorsichtige Demokratisierung herbeiführen wollte. Das erste Erreichen dieser Ziele in den 1860er Jahren führte aber vielfach zu einem Beharren auf dem Erreichten, was – besonders nach dem Verlust der Macht auf Staatsebene – nicht nur jeglichen Elan zunehmend zum Erliegen brachte, sondern auch die größten Probleme der Monarchie auf staatlicher und in ihren Auswirkungen auch auf kommunaler Ebene ausblendete."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt7
Vorwort11
I. Eduard Suess und seine Wirkungsstätten: Stadt Wien, Universität Wien und Naturhistorisches Museum13
Wien in der liberalen Ära15
» Die Zeit meiner ersten wissenschaftlichen Schulung« – Eduard SUESS und das Naturhistorische Museum25
Das » Antlitz « der Wiener Philosophischen Fakultät in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Struktur und personelle Erneuerung.69
II. Eduard Suess und sein wissenschaftliches Umfeld105
Eduard Suess – Biedermeier oder Vormärzler?107
Naturforschung im Spielfeld der Wissenschaftspolitik im Vormärz – die Beziehungen der k. k. Hofnaturalienkabinette in Wien zur Gesellschaft des Vaterländischen Museums in Böhmen147
Franz Xaver Maximilian Zippe ( 1791– 1863) – Ein böhmischer Erdwissenschafter als Inhaber des ersten Lehrstuhls für Mineralogie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien.163
Mediziner, Wissenschaftler und Künstler aus zwei Jahrhunderten – die Familie des August Emanuel Reuss.213
Ami Boué in der Südosteuropa-Kunde des 19. Jahrhunderts.231
Joseph Grailich (1829–1859) und seine Anschauungsweise über den naturwissenschaftlichen Unterricht247
Die Lehrerdynastie Rothe Zum erdwissenschaftlichen Schulunterricht zur Zeit von Eduard Suess257
III. Eduard Suess und sein geowissenschaftliches Werk275
Warum wurde Suess zum Tektoniker? Seine Stellung zum Uniformitarianismus- Katastrophismus- Streit277
» Da bekommen wir auf einmal wieder zwei Etagen mehr! Wohin soll das noch führen! « – Geologische Wissenskommunikation zwischen Wien und Zürich: Arnold Escher von der Linths Einfluss auf Eduard Suess’ alpines Deckenkonzept, diskutiert anhhand seiner Ego-Dokumente (1854-1856) und seiner Autobiografie297
Eduard Suess und die geologische Erforschung des Salzkammergutes321
Eduard Suess und der Bergbau in Bleiberg335
IV. Eduard Suess im internationalen Kontext343
Les confiantes et fructueuses relations entre Eduard Suess et les géologues français345
Eduard Suess ( 1831–1914) – the foreign member of the Russian Academy of Sciences397
Russian geologists’ contribution to Eduard Suess’ global compilation403
E. Suess and V. A. Obruchev: A creative correspondence415
Alphabetische Autorenliste431

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