Sie sind hier
E-Book

Eigentum

Ordnungsidee, Zustand, Entwicklungen

VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl167 Seiten
ISBN9783540269267
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis70,00 EUR

Band 2 der Bibliothek des Eigentums gibt einen umfassenden Überblick über die geistige Befindlichkeit Deutschlands in Ansehung des privaten Eigentums. Die Beiträge stellen den politischen Blick auf das Privateigentum dem juristischen, philosophischen, ökonomischen sowie den sozialethischen Blick dem sozialwissenschaftlichen gegenüber.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

Eigentum als Ordnungsidee - Wert und Preis des Eigentums (S. 19)

Paul Kirchhof
Die Ordnungsidee des Eigentums scheint durch eine mehr als fünfzigjährige Garantie des Eigentumsgrundrechts und die verfassungsgeprägte Wirklichkeit gefestigt. Das privatnützige Eigentum ist allgemein anerkannt und insbesondere auch durch die neuere Entwicklung Europas bestätigt worden. Andererseits gibt es kaum ein Rechtsinstitut, das sich so intensiv gegenüber neuen Anfragen an das Recht behaupten muss. Der klassische Eigentümer ist der Grundstückseigentümer, der auf seinem Grundstück seine Wohnung, seine Landwirtschaft oder seinen Gewerbebetrieb findet, in diesem Grundstück sesshafter Bürger wird und damit verstärkt diesem Staate zugehört.

Demgegenüber sucht das fungible Geldeigentum den Weltmarkt und scheint kaum in eine Rechts- und Kulturordnung eingebettet zu sein. Es verkörpert die Beliebigkeit weltweiten Wirtschaftens. Der Mensch findet nicht mehr, wie im 19. Jahrhundert, seine ökonomische Sicherheit im Sacheigentum - der Landwirtschaft und dem Gewerbetrieb -, sondern im Lohnanspruch, in seiner Sozialversicherung, in der Aktiendividende. Aus dem absoluten dinglichen Recht wird ein Anspruch gegenüber anderen, also ein Begegnungsrecht.

Das Eigentum ist die ökonomische Grundlage individueller Freiheit und gibt dem Eigentümer das Recht auf Besitz, Nutzung, Verwaltung und Verfügung des Eigentumsgegenstandes. Eigentum sind all die Vermögenswerten Positionen, die „dem Berechtigten von der Rechtsordnung in der Weise zugeordnet sind, dass er die damit verbundenen Befugnisse nach eigenverantwortlicher Entscheidung zu seinem privaten Nutzen ausüben darf. Bei der Nutzung des Eigentums erwirbt der Sacheigentümer dadurch, dass er seine Ware anbietet und dafür einen Preis erhält, sein Erwerb setzt die Aufgabe von Eigentum voraus.

Im Gegensatz dazu erlaubt das geistige Eigentum, ein Patent, einen Film, ein Computerprogramm oder ein Urheberrecht gegen Entgelt zur Nutzung zu überlassen, also zu erwerben, ohne Eigentumssubstanz aufzugeben. Das Mäßigungsinstrument des herkömmlichen Marktes, die Knappheit der Güter, bleibt unwirksam. Der Markt drängt auf Gewinnmaximierung ohne Gegengewicht und scheint damit in die Maßlosigkeit zu entgleiten.

Kernidee des Eigentums ist das Verantwortungseigentum. Ein Unternehmer bewirtschaftet sein eigenes Unternehmen, steht mit seiner Arbeit, seinem Namen und seinem Vermögen für die Qualität seiner Leistung ein. Viele Eigentümer erwirtschaften heute aber ihren Gewinn durch einen Fondsmanager, der ihr Kapital in Sekundenschnelle um den Erdball kreisen lässt und dort platziert, wo die größte Rendite zu erwarten ist. Ob mit diesem Kapital Medikamente oder Waffen produziert werden, ist unerheblich. Der Eigentümer verantwortet kaum noch die Wirkungen seiner Kapitalmacht. Vor allem aber ist ein großer Teil der Eigentümerrechte zum Inhalt und Gegenstand des Generationenvertrages geworden. Wenn das Geldeigentum sein Einlösungsvertrauen auf die nächste Generation richtet, der Sozialversicherungsanspruch die Erwerbenden von Morgen zur Finanzierung verpflichtet, das geistige Eigentum darauf baut, dass auch in dreißig Jahren das erworbene Recht noch genutzt wird, so gewinnt dieses Eigentum seine ökonomische Substanz in der Verpflichtung der nachfolgenden Generation.

Diese aber kann am Entstehen der Verbindlichkeit oder Rechtserwartung noch nicht mitwirken. Mit dem Wandel dieser Freiheitsgrundlagen ändert sich auch der Eigentumsbegriff und trennt sich von bürgerlichrechtlichen Begrifflichkeiten. In all diesen Fällen ist das Eigentum Grundlage und Folge der Freiheit. Es gibt kaum ein Freiheitsrecht, das ohne Herrschaft über Wirtschaftsgüter ausgeübt werden könnte. Wer leben will, muss sich ernähren. Die Unverletzlichkeit der Wohnung ist nur für denjenigen wirksam, der über Wohnraum verfügt. Wer ein Unternehmen oder eine Praxis gründen will, braucht Kapital, die Wissenschaftsfreiheit setzt Bücher und Labors voraus.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Inhaltsverzeichnis7
Einführung in die Thematik --- Otto Depenheuer10
Grußwort des Bundesministeriums der Justiz --- Hansjörg Geiger14
Grußwort „Zur Ethik des Privateigentums" --- Reinhard Marx20
Braucht das Eigentum eine eigene Interessenvertretung ? --- Edzard Schmidt-Jortzig24
Eigentum als Ordnungsidee - Wert und Preis des Eigentums --- Paul Kirchhof28
I. Dreifacher Auftrag zur gesetzlichen Gestaltung des Eigentums29
II. Die Ordnungsfunktion des Eigentums31
III. Eigentum in privater Hand33
IV. Veränderung der Funktionsbedingungen37
V. Erneuerung der Ordnungsidee43
Eigentumsfreiheit und soziale Gerechtigkeit Versuch einer philosophischen Deutung des verfassungsrechtlichen Grundsatzes „Eigentum verpflichtet" --- Wolfgang Kersting52
I. Eigentumsbegründung und Kommunismuswiderlegung54
II. Vernunftrechtliche Eigentumsbegründung und contractus originarius58
III. Grundriss des Lockeschen Arbeitseigentums60
IV. Staat als sich selbst organisierendes Eigentum62
V. Sozialpflichtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit64
Soziale Sicherheit durch Eigentum Abwägung zwischen Eigentumsschutz und Sozialpflichtigkeit --- Johann Eekhoff70
I. Einführung70
II. Soziale Sicherung71
III. Zur Bedeutung der Eigentumsordnung75
IV. Öffentliche Mittel für die Altersvorsorge?87
V. Schlussbemerkung89
Natur- und Denkmalschutz durch privates Eigentum? --- Gerd Roellecke90
I. Das Regelungsmuster für den Schutz von Sachen90
II. Denkmalschutzpolitik91
III. Kritik des Privateigentums93
IV. Die Entlastung des Sacheigentums von Ansprüchen der Allgemeinheit95
V. Sozialpflichtigkeit des Eigentums?98
VI. Die Funktionalität und Modernität des Privateigentums99
Der Stand des verfassungsrechtlichen Eigentumsschutzes --- Hans-Jürgen Papier102
I. Einleitung102
II. Ablösung und Renaissance des „klassischen" Enteignungsbegriffs103
III. Entschädigung im Rahmen der Sozialbindung107
IV. Ausblick111
V. Zusammenfassende Thesen112
Das Bild des Eigentums in der öffentlichen Meinung --- Renate Köcher114
Der Schutz des Eigentums im europäischen Recht --- Doris König122
I. Einführung122
II. Eigentumsschutz nach dem Ersten Zusatzprotokoll zur EMRK122
III. Eigentumsschutz im Recht der Europäischen Union132
IV. Resümee138
Der Schutz des Eigentums im Völkerrecht --- Jörn Axel Kämmerer140
I. Grundlagen des Eigentumsschutzes im Völkerrecht140
II. Die Begriffe des Eigentums und der Investition im Völkerrecht144
III. Rechtsquellen des Eigentums- bzw. Investitionsschutzes145
IV. Insbesondere die Enteignungsmaßstäbe149
V. Gerichtliche Durchsetzung völkerrechtlich begründeter Entschädigungsansprüche155
VI. Ergebnis157
Die universelle Bestimmung der Güter Zur Eigentumsethik der Christlichen Gesellschaftslehre --- Manfred Spieker160
I. Zwei Pfeiler der Eigentumsethik der Christlichen Gesellschaftslehre160
II. Eigentum - in der Geschichte der Christenheit161
III. Die Begründung des Privateigentums162
IV. Die Unterordnung des Privateigentums unter die universelle Bestimmung der Güter164
V. Die sozial- und kulturstaatliche Ausweitung des Privateigentums164
VI. Die Menschenwürde als Grenze des Privateigentums165
VII. Privateigentum und Gemeinwohl167
VIII. Das Problem der Enteignung und der Restitution enteigneten Vermögens168
IX. Verteilung und Produktion171
X. Die Humanisierung der Arbeitswelt172
XI. Das sozialstaatliche Leistungssystem173
XII. Die globale Dimension der Eigentumsethik173
XIII. Eigentumsethik und politische Ethik174
XIV. Zusammenfassung175
Autorenverzeichnis176

Weitere E-Books zum Thema: Steuerrecht - Steuerpolitik

Steuertipps für Versicherungsvermittler

E-Book Steuertipps für Versicherungsvermittler
Hinweise und Empfehlungen zu den Steuererklärungen 2009/2010 Format: PDF

"Auch in der 12. Auflage bietet dieser Klassiker des Steuerrechts wieder umfangreiche Hilfen für die optimale Gestaltung der Steuererklärungen 2009/2010, speziell abgestimmt auf die Bedürfnisse und…

Bilanzierung von Personengesellschaften

E-Book Bilanzierung von Personengesellschaften
Das neue Bilanzrecht richtig anwenden Format: PDF

Das neue Bilanzrecht hat zahlreiche Veränderungen bei der Bilanzierung von Personengesellschaften ausgelöst. Die Kenntnisse der Auswirkungen und der neuen Gestaltungsmöglichkeiten sind unerlässlich.…

Grunderwerbsteuer

E-Book Grunderwerbsteuer
gestalten - beraten - optimieren Format: PDF

In der Praxis des Immobilienverkehrs ist die Grunderwerbsteuer ein zentrales Thema. Die Grunderwerbsteuer entsteht mit Verwirklichung eines Erwerbsvorgangs und führt nicht selten zu einer nicht…

Markenbewertung in der Unternehmenspraxis

E-Book Markenbewertung in der Unternehmenspraxis
Empirische Analyse der Bedingungen und Schlüsselkonzepte der Bewertung Format: PDF

Eine umfangreiche empirische Datensammlung und Analyse bildet die Grundlage für dieses Werk. Der Autor erläutert auf dieser Basis die Implikationen für die Theorie und Praxis der Markenbewertung und…

Rückstellungen

E-Book Rückstellungen
Steuerrecht, Handelsrecht und IAS/IFRS Format: PDF

Rückstellungen werden in der Bilanz für ungewisse Verbindlichkeiten gebildet und werfen in der Praxis zahlreiche Fragen auf, da nicht nur das deutsche Bilanzrecht, sondern auch vermehrt…

Werbungskosten

E-Book Werbungskosten
Gesamtdarstellung mit Leitsatz-Datenbank Format: PDF

Das Werk erläutert umfassend die Werbungskosten, die im Einkommensteuerrecht eine zentrale Rolle spielen und häufig Anlass zum Streit mit den Finanzbehörden geben. Ergänzt wird das Buch durch eine…

Weitere Zeitschriften

FESTIVAL Christmas

FESTIVAL Christmas

Fachzeitschriften für Weihnachtsartikel, Geschenke, Floristik, Papeterie und vieles mehr! FESTIVAL Christmas: Die erste und einzige internationale Weihnachts-Fachzeitschrift seit 1994 auf dem ...

Archiv und Wirtschaft

Archiv und Wirtschaft

Fachbeiträge zum Archivwesen der Wirtschaft; Rezensionen Die seit 1967 vierteljährlich erscheinende Zeitschrift für das Archivwesen der Wirtschaft "Archiv und Wirtschaft" bietet Raum für ...

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

Für diese Fachzeitschrift arbeiten namhafte Persönlichkeiten aus den verschiedenen Fotschungs-, Lehr- und Praxisbereichen zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören Prävention, Früherkennung, ...

Bibel für heute

Bibel für heute

BIBEL FÜR HEUTE ist die Bibellese für alle, die die tägliche Routine durchbrechen wollen: Um sich intensiver mit einem Bibeltext zu beschäftigen. Um beim Bibel lesen Einblicke in Gottes ...

BMW Magazin

BMW Magazin

Unter dem Motto „DRIVEN" steht das BMW Magazin für Antrieb, Leidenschaft und Energie − und die Haltung, im Leben niemals stehen zu bleiben.Das Kundenmagazin der BMW AG inszeniert die neuesten ...

Card-Forum

Card-Forum

Card-Forum ist das marktführende Magazin im Themenbereich der kartengestützten Systeme für Zahlung und Identifikation, Telekommunikation und Kundenbindung sowie der damit verwandten und ...

küche + raum

küche + raum

Internationale Fachzeitschrift für Küchenforschung und Küchenplanung. Mit Fachinformationen für Küchenfachhändler, -spezialisten und -planer in Küchenstudios, Möbelfachgeschäften und den ...

DHS

DHS

Die Flugzeuge der NVA Neben unser F-40 Reihe, soll mit der DHS die Geschichte der "anderen" deutschen Luftwaffe, den Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee (NVA-LSK) der ehemaligen DDR ...

F- 40

F- 40

Die Flugzeuge der Bundeswehr, Die F-40 Reihe behandelt das eingesetzte Fluggerät der Bundeswehr seit dem Aufbau von Luftwaffe, Heer und Marine. Jede Ausgabe befasst sich mit der genaue Entwicklungs- ...