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Ein Jahr? ....zwölf Monate zu viel!

Erlebnisbericht ohne Schnörkel und Verzierung, die nackte Wahrheit

AutorGudrun Grafenauer
Verlagneobooks Self-Publishing
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl475 Seiten
ISBN9783742728654
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,99 EUR
Mein selbstbestimmtes Leben verlief ruhig und geordnet, bis eine neue Liebe es total veränderte. Sie machte mich blind, allen Warnungen gegenüber taub, und bis ich merkte was mit mir los ist, bin ich diesem Traum von einem Mann längst ausgeliefert. Sexuelle Hörigkeit in einer von Gewalt geprägten Beziehung ergibt eine fatale Mischung. Ein Entkommen aus dieser Ehehölle erschien unmöglich.

1945 kam Gudrun Grafenauer im Gailtal in Kärnten zur Welt. 1963 zieht es sie nach Deutschland. 1985 bis 1986 erlebt sie eine wahre 'Ehehölle', welcher sie nur knapp entkommen konnte. 2007 Diagnose Brustkrebs. Noch dreimal holt dieser sie ein. Sie versucht in der Situation mit Schreiben Stabilität in ihr Leben zu bringen, erinnert sich an ihre alten Manuskripte.

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Leseprobe

Luises Rat, leider mit Folgen



Der Frühling 1985 gestaltete sich überraschend sonnig und warm und nach einem langen und strengen Winter war er mehr als willkommen. Leidige Winterdepressionen schmolzen dahin, wie die kümmerlichen, schmutzig-weißen Schneereste, die sich nur noch an wenigen aber schattigen Plätzen behaupten konnten.

Mich plagten zwar keine Depressionen, aber noch fehlte mir das befreiende Gefühl, die klirrende Kälte mit Eis und Schnee ist vorbei, frostige Tage und Nächte gehören der Vergangenheit an. Noch verspürte ich keine rechte Lust, all die dicken Pullover aus dem Kleiderschrank zu verbannen und die Fächer mit bunten T-Shirts zu füllen. Wo blieb nur meine Begeisterung, mit der ich jedes Jahr im Schrank Platz schaffte für die luftigen Sommerkleider? Diese Umräumaktion löste immer Vorfreude auf die helle Jahreszeit aus, war wie ein untrügliches Zeichen, der Winter hat sich endgültig verabschiedet. Aber wo blieb sie, diese freudige Erregung? Woher kam dieses seltsame Gefühl in meiner Brust, als würde ich etwas vermissen, oder auf etwas warten?

An mein Single-Leben als berufstätige Alleinerziehende hatte ich mich längst gewöhnt, somit konnte Einsamkeit wohl kaum der Auslöser sein. Ebenso die finanzielle Misere, in die ich durch die Trennung von Kurt rutschte, hatte ich schneller als erwartet in den Griff bekommen. Seit fast zwei Jahren lebte ich mit meinen beiden Söhnen Jürgen und Marc, sowie mit Untermieter Herrmann in einer gut funktionierenden Wohngemeinschaft. Woher also kam dieses undefinierbare

Gefühl der Beklemmung, das mich manchmal sogar mitten in der Nacht weckte?

Die Leuchtziffern am Wecker zeigten 4:48 Uhr und ich war wach. Hellwach sogar. Die dicken Vorhänge hielten wohl den Tag davon ab, in mein Schlafzimmer zu dringen. Dennoch, wieder einschlafen versuchte ich gar nicht. Genervt knipste ich die Nachtischlampe an, strampelte die Steppdecke ans Fußende und schwang die Beine aus dem Bett. Meine Füße landeten auf dem weißen Flokati und mit den Händen auf der Bettkante abgestützt blieb ich sitzen. Gähnend betrachtete ich meine nackten Füße, krallte die Zehen in die wolligen Fransen und zupfte daran. Eine Haarsträhne rutschte mir ins Gesicht, ich klemmte sie hinters Ohr, lauschte weiter in diese wohltuende morgendliche Stille. Aus den Zimmern der Jungs nebenan kam kein Laut, und auch von Herrmann war noch nichts zu hören. Mit einem unterdrückten Seufzer stand ich vom Bett auf, schlüpfte in den Morgenmantel und schlich vorsichtig die Wendeltreppe nach unten. Der Filzstreifen an den vorderen Kanten verhinderten schon so manchen Sturz, wenn ich nur mit Socken an den Füßen rauf oder runter geeilt war. Jetzt kitzelte er meine blanken Sohlen, und als ich unten ankam, schluckte der flauschige Teppichboden jeden meiner Schritte.

In der Küche bediente ich die Kaffeemaschine. Bis das Wasser durchlief, machte ich mich auf die Suche nach Zigaretten. Sie mussten von gestern Abend noch irgendwo hier unten sein, da ich in den oberen Räumen nicht rauchte. Im Esszimmer wurde ich fündig, nahm die Packung samt Feuerzeug an mich und ging zurück ins Wohnzimmer. Inzwischen war es draußen hell geworden, ich stellte mich ans Fenster und blickte in den silbrig grauen Himmel. Er war wolkenlos, versprach einen warmen Tag, nur die ersten Sonnenstrahlen tasteten sich über die Dachschräge und tauchten die Loggia in flimmerndes Licht. Für mich eine Einladung, die Morgenzigarette draußen zu rauchen.

Geräuschlos schob ich die Balkontüre zur Seite und setzte meinen nackten Fuß auf den gefliesten Boden, der sich noch recht kühl anfühlte. Mit zwei langen Schritten erreichte ich den Tisch auf der Terrasse, legte Zigaretten und Feuerzeug neben den Aschenbecher und huschte zurück in die Wohnung. Dort holte ich die Strickjacke vom Bügel, doch bevor ich sie anzog griff ich nach den dicken Socken, die mir schon den ganzen Winter als Hausschuhe gedient hatten. Ich horchte in Richtung Küche, das Wasser blubberte nicht mehr, also war der Kaffee fertig.

Mit dem Pott Milchkaffee in Händen tappte ich wieder auf die Loggia und setzte mich an den Tisch. Um diese frühe Morgenstunde beschränkte sich die Geräuschkulisse auf lautes Zwitschern, mitunter ein Krächzen der gefiederten Frühaufsteher. Von der Straße her waren nur einzelne Autos zu hören und davon hauptsächlich rumpelnde Lastwagen. Mit zunehmendem Berufsverkehr, würde sich dieser Lärmpegel jedoch bald steigern.

Meine Ellbogen auf die Tischplatte gestützt, nahm ich die Riesentasse in beide Händen und hielt sie mir an die Lippen. Kaffeedampf kitzelte an meiner Nase, ich hauchte ihn über den Tassenrand weg. Eine ganze Weile verharrte ich in dieser Haltung und grübelte darüber nach, was mich, eine Langschläferin, so früh aus dem Bett geholt hat. In kleinen Schlucken schlürfte ich den heißen Kaffee und zog zwischendurch immer mal an meiner Zigarette. Nach einem kräftigen Lungenzug pustete ich den Qualm stoßweise durch meine gespitzten Lippen in die klare Luft. Kleine Rauchkringel entstanden, waberten nach oben weg und lösten sich drehend auf. Nicht immer gelang mir so ein kreiselndes Ding, aber es zu versuchen lenkte vom Denken ab, wirkte entspannend.

Und ganz plötzlich, in diese Stimmung hinein, fühlte ich wieder diese seltsame innere Unruhe aufsteigen. Mein Herz fing schneller zu pochen an, mein Puls schoss in die Höhe, meine Magennerven vibrierten. Ohne ersichtlichen Grund war ich aufgeregt. Es war keine erfreuliche Erregung. Es fühlte sich so an, als hätte ich etwas Wichtiges total vergessen! Also eher unangenehm.

Mich fröstelte. Ich zerdrückte die halbgerauchte Zigarette im Aschenbecher und trank den inzwischen kalt gewordenen Kaffee aus. Mit widerwilligen Grummeln erhob ich mich vom Stuhl, ging vor an die Mauerbrüstung und wickelte auf dem Weg dahin die Jacke fest um meinen bibbernden Körper. Um mich zu beruhigen, ließ ich meinen Blick wandern. Er streifte über die unbebaute Grünfläche mit den einzelnen Obstbäumen bis an den gegenüberliegenden Waldrand. Das gesamte Areal war inzwischen mit Sonnenlicht geflutet und wo der gesättigte Boden das Wasser nicht mehr aufnahm glitzerte es, als läge da ein Teppich aus Strass. Ungeduldige Blatttriebe ließen das Geäst der noch kahlen Bäume grünlich schimmern, und erste frische Gräser waren dabei, die braune Wiese zu verschlingen.

Die Natur erwachte aus ihrem Winterschlaf und das war gut so. Aber musste sie mich deshalb schon so zeitig wecken? Zu so früher Stunde huschte ich meist nur zur Toilette und schnellstes zurück ins warme Bett, aber danach wieder einschlafen schaffte ich immer seltener. Ob meine innere Unruhe mit der Jahreszeit zusammenhing? Ich bezweifelte es. Solche Behauptungen hielt ich schon immer für dummes Zeug, weil ich nicht mal wetterfühlig bin. Erinnere mich aber noch gut an Leute, die Kopfschmerzen und jede Menge Unpässlichkeiten dem Föhn in die Schuhe schoben. In all den Jahren, in denen ich im Allgäu lebte, merkte ich davon nie etwas. Hier in Nordrheinwestfalen gibt es gar keinen Fön, drum war mir meine Rastlosigkeit erst recht ein Rätsel. Mein Leben verlief doch wirklich in total geordneten Bahnen und es gab nichts, worüber ich mir meinen Kopf zerbrechen müsste. Kostete mich ja auch ein schönes Stück Arbeit, es wieder in den Griff zu bekommen. Im Frühling vor zwei Jahren glich dieses noch, genau wie das Wetter damals, einer Katastrophe.

Völlig unvorbereitet stand ich mit dem Dreijährigen alleine und unversorgt da, als sein Vater inhaftiert wurde. Wir waren nicht verheiratet, Versorgungsansprüche konnte ich somit nicht geltend machen. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich schnellstmöglich auf diese neue Situation einzustellen. Sechs Jahre zuvor folgte ich ohne lange zu überlegen und blind vor Liebe, Kurt ins Sauerland. Jürgen lebte bei Pflegeeltern, sollte da auch bleiben und die Schule erst beenden. Ein Jahr darauf kam Marc zur Welt. Jürgen liebte seinen kleinen Bruder, hätte gerne bei uns gelebt, doch zwischen Kurt und ihm schwelte eine nicht zu überbrückende Eifersucht. Nur seine Schulferien durfte er bei uns verbringen. Als Kurt 'einrücken' musste, war Jürgen mit der Schule fertig und mehr als bereit, bei Marc und mir zu leben. Zwei Jahre besuchte er die Berufsschule, startete dann seine Schreinerlehre und steuerte vom ersten Lehrjahr an jeden Monat seinen Obolus zum Haushaltsgeld bei.

Meine sonntäglichen Fahrten auf Trödelmärkte machten nicht nur Spaß, sie waren eine zusätzliche Einnahmequelle. Was der Secondhandshop einbrachte, den ich noch kurz vor der Inhaftierung von Kurt eröffnete, reichte nicht immer für alle Ausgaben. Zufall oder Fügung, aber auf diesen Märkten lernte ich Herrmann kennen. War sein Standplatz neben meinem, oder auch nur in der Nähe, bot er jedes Mal seine Hilfe an. Er holte meinen Tapeziertisch aus dem Auto und stellte ihn auf bevor ich mir dabei die Finger breche, wie er lachend meinte. Zwangsläufig kamen wir ins Gespräch. Sein Humor passte zu meinem, und er war das, was man einen Kavalier der alten Schule nennt. Freundlich, höflich, hilfsbereit und niemals aufdringlich. Auf seine Andeutung hin, er sei auf der Suche nach einem Zimmer, fackelte ich nicht lange und bot ihm jenes neben der Küche an, dass ich eigentlich als Büro geplant hatte.

Herrmann in meiner Familie aufzunehmen, entpuppte sich als echter Glücksfall. Er unterstützte mich im Haushalt, kümmerte sich um Marc und fungierte bald schon als mein perfekter Stellvertreter im Secondhandshop, wenn ich was zu erledigen hatte, oder mich krank fühlte.

Auch ohne 'Ernährer' ging es mit mir und meiner neuen Familie kontinuierlich bergauf. Mir blieb gar keine Zeit zu trauern oder zu...

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