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Ein kurbayerischer Markt in der Epoche des Reformabsolutismus. Vohburg an der Donau 1745-1799

AutorElisabeth Able
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl404 Seiten
ISBN9783831607181
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis32,99 EUR

Wie muss man sich einen typisch kurfürstlich-bayerischen Markt wie Vohburg an der Donau zur Zeit des Reformabsolutismus vorstellen? Welche Gesellschaftsgruppen lebten hier und wer bestimmte die Geschicke des Ortes der Bürgermeister, die Bürger oder vielleicht doch der Landesherr? Welche Rolle spielten beispielsweise die Finanzen, aber auch Handel und Gewerbe für das Funktionieren des Zusammenlebens? Lassen sich Besonderheiten durch die Lage Vohburgs an einem Fluss der Donau feststellen? Welchen Stellenwert hatten religiöse und mildtätige Einrichtungen und wie veränderte sich deren Bedeutung im Zuge des aufgeklärten Absolutismus?

Was tat sich gerade im Bereich des Schulwesens während dieser Umbruchzeit?Durch die Beantwortung dieser und vieler weiterer Fragen zeichnet die Autorin ein genaues sozialgeschichtliches Bild vom Leben in Vohburg an der Donau während einer Epoche, in der man auf der einen Seite Weichen für das 19. Jahrhundert stellen, auf der anderen Seite aber auch an alth ergebrachten Traditionen festhalten wollte. In diesem Spannungsfeld zwischen landesherrlichem Reformeifer und städtischer Selbstbehauptung werden Kontinuität, aber auch Wandel in allen wichtigen Lebensbereichen eines Bürgers in einem kurfürstlich-bayerischen Markt für die Jahre 1745 bis 1799 beleuchtet. 

Die Autorin

Elisabeth Able studierte Geschichte mit Schwerpunkt Bayerische Landesgeschichte und Germanistik an der Katholischen Universität Eichstätt. Seit 2003 arbeitet sie als Gymnasiallehrerin in Ingolstadt.

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Leseprobe

III Ergebnisse (S. 335-336)

Vorliegende Arbeit hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensbedingungen im Markt Vohburg zwischen 1745 und 1799 als Voraussetzung für die Beantwortung der Frage nach dem landesherrlichen Zugriff auf den Markt im Zeitalter von Reform und Aufklärung darzustellen und zu bewerten. Beeinflusst wurde das märktische Leben dabei durch die Regentschaft Max III. Joseph und Karl Theodor, die durch Einführung von Reformen und Änderungen in den Gemeinwesen ihren Zugriff auf die Städte und Märkte verstärken, aber auch aufklärerisches Gedankengut in die Bevölkerung bringen wollten.

Bei Regierungsbeginn Max III. Joseph konnte der landesherrliche Markt Vohburg – Zentrum des Pfleggerichts Vohburg – auf eine Einwohnerzahl von etwa 550 blicken. Dabei waren die Vohburger Häuser aber keineswegs alle besetzt, genauso wenig die darin vorhandenen Herdstätten. Statt dessen hatte man durch den gerade für Bayern beendeten Österreichischen Erbfolgekrieg starke Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen. Dieser Bevölkerungsschwund war vor allem durch Plünderungen und Brandschatzungen des Marktes durch dessen zentrale Lage an einem Donauübergang entstanden.

Die Vohburger Bevölkerung konnte sich von dieser Dezimierung erst wieder nach den Hungerjahren 1770/71 richtig erholen, sodass zwischen 1745 und 1799 letztendlich ein Anstieg der Personen um 37,5% stattfand. Damit lässt sich Vohburg in die Mehrzahl der bayerischen Städte und Märkte einordnen, deren Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ebenfalls angestiegen war. Während sich auch die Herdstättenanzahl erhöhte, änderte sich am äußeren Erscheinungsbild des Ortes wenig, da keine neuen Häuser gebaut worden sind. Auch vermehrte Bürgeraufnahmen in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts – die für Vohburgs Regeneration, die zu 2/3 von außerhalb stattfand, sehr wichtig war – waren für diese Entwicklung verantwortlich. Während eine Kontrolle der Vohburger Einbürgerungen durch die Zentralbehörden in München bis 1780 nur sehr selten vorkam, mussten seit dem Regierungsantritt Karl Theodors nun alle Änderungen offengelegt und bestätigt werden.

Privilegien und Rechte, die Vohburg bereits im 16. Jahrhundert und früher erworben hatte, konnten zum Großteil auch im 18. Jahrhundert bewahrt werden. Sie wurden jedoch nicht mehr vorrangig als Rechte, sondern auch als Pflichten angesehen, sodass der Landesherr bei Zuwiderhandlung auch eingriff und lange innegehabte Regalien wie den Pflasterzoll auch zeitweise entzog. Seit dem Regierungsantritt Karl Theodors 1777 wurde auch die Ratswahl für die landesherrlichen Behörden transparenter. Durch Offenlegung und schriftliche Fixierung der angegebenen Stimmen und letztendlichen Wahl von Bürgermeister und Ratsmitgliedern erhöhte der Landesherr die Kontrolle über die märktische Verfassung und Selbstbestimmung. Hierbei ist der Ablauf der Vohburger Ratswahl bemerkenswert, in der der Bürgermeister nahezu direkt von der Bevölkerung bestimmt worden ist, im Gegensatz dazu fanden sich bisher in anderen bayerischen Gemeinwesen nur Ratswahlen, die sich an der Polizeiordnung des 16. Jahrhunderts orientierten.

Wurde der theoretische Rahmen der Verfassung in Vohburg auch durch Instruktionen, Mandate und Polizeiordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts gesteckt, hieß dies aber nicht automatisch, dass selbe auch in Vohburg befolgt wurden. Genau wie in anderen bayerischen Gemeinwesen fanden sie vor allem gegen Ende des 18. Jahrhunderts nur noch wenig Beachtung. So waren in Vohburg die Verwaltungsämter bis zu 20 Jahre und länger in den selben Händen und die Anzahl der Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Ratsgremien stieg gegen Ende des 18. Jahrhunderts so stark an, dass fast alle Räte miteinander verwandt oder verschwägert gewesen sind. Zur Erstellung der Steuerbeschreibung Vohburgs 1745 kam der Rentmeister das letzte Mal persönlich in den Markt, danach konnten sich Ämtermissbrauch und Schwächen in der Finanzwirtschaft entwickeln.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Inhaltsverzeichnis7
I Hinführung zum Thema11
1 Einleitung und Aufgabenstellung11
2 Überblick zur Stadtgeschichtsforschung14
3 Quellenlage25
4 Bayern und die bayerischen Städte zwischen 1648 und 174528
5 Die Geschichte Vohburgs bis 174535
II Vohburg 1745 bis 179944
1 Der Markt Vohburg im Pfleggericht Vohburg44
2 Bevölkerung und Sozialstruktur im 18. Jahrhundert46
3 Verfassung und Verwaltung im Spannungsfeld von märktischer Selbstbestimmung und landesherrlicher Kontrolle90
4 Gewerbe, Handel und Landwirtschaft in Vohburg140
5 Vohburgs Finanzhaushalt im 18. Jahrhundert198
6 Schule und Universitätsbesuch236
7 Öffentlichkeit262
8 Kirche und religiöses Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufklärung272
9 Daseinsvorsorge und Stiftungswesen in Vohburg301
III Ergebnisse337
IV Anhang342
1 Die Berufe der Neubürger in Vohburg zwischen 1741–1800342
2 Die Vohburger Bürgermeister 1745 – 1800344
4 Die Vohburger Gewerbestruktur 1745/1805351
5 Gewerbe- und Vermögensverhältnisse353
6 Brücken- und Plasterzoll357
7 Protokoll der Vohburger Schulkommission vom 22.11.1792358
8 Die Einnahmen des Vohburger Lehrers 1785360
9 Besoldung von Pfarrmesnern und Lehrern aus dem Pfleggericht Vohburg361
10 Protokoll der Franziskaner362
11 Zielorte der Vohburger Pestwallfahrten 1745–1802365
12 Speiseordnung des Vohburger Spitals367
V Quellen- und Literaturverzeichnis368

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