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E-Book

Ein Panda im Rucksack

Erzählung

AutorPeter Schroer
VerlagPro BUSINESS digital printing
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl273 Seiten
ISBN9783864601088
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Der Ingenieur Peter arbeitet seit geraumer Zeit auf der kleinen Insel Taiwan. Er möchte aber noch ein kleines Stückchen weiter. Er möchte einmal in seinem Leben nach China. Ein alter Kindheitstraum! Sein Rucksack ist nicht prall gefüllt. Er verstaut neben der Zahnbürste und dem Reiseausweis vor allem die Ratschläge und Tipps seiner Freunde. Er schnürt sein Bündel mit einer ihm fremden, urchinesischen Wettleidenschaft. Er merkt erst mit der Zeit, dass ein Panda, ein böser Tempelwächter und ein Astronaut als blinde Passagiere mit von der Partie sind.

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Leseprobe


Kapitel I.

 

Feierabend im Großraumbüro
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Peter, willst du wirklich nach China fahren? höre ich meinen taiwanesischen Arbeitskollegen Jacky fragen.

Ja, antworte ich, einmal in China sein, das ist ein alter Kindheitstraum von mir. Gibt es irgendetwas dagegen einzuwenden?

Nein, nein, beschwichtigt Jacky sofort, aber wieso muss dein Ziel denn gerade China sein?

Wieso bist du immer so neugierig? Ich sperre mein Laptop und drehe mich zu Jacky um.

Jacky ist einen guten Kopf kleiner als ich und auch von Statur her schmaler gebaut. Seine Brille ist rahmenlos und seine pechschwarzen Haare haben schon lange keinen Friseur mehr gesehen.

Er trägt eine zerknitterte Sommerhose. Seine weißen Turnschuhe sind halb offen. Sein gelbes T-Shirt ziert ein schmelzendes, rotes Cartoon-Quecksilber-Thermometer.

Alles an ihm spiegelt meine erste Erfahrung auf Taiwan wieder. Egal, wie du dich auf der kleinen, vor Hitze nur so schwitzenden Tropeninsel kleidest, du bist immer zu warm angezogen.

Jacky stammt ursprünglich aus Yi Lan, einer Stadt an der Nordostküste des kleinen Inselstaates. Er erzählt gerne, dass Yi Lan übersetzt Wunderschöne Orchidee bedeutet und dass sie an den Ufern des Pazifischen Ozeans liegt.

Jacky verließ jedoch vor einigen Jahren seine geliebte Orchidee. Er zog von Yi Lan nach Hsin Chu, dem Neuen Bambus. Er zog von der Ostküste an die Westküste Taiwans.

Der Grund war, dass er sein Leben nicht damit verbringen wollte, in der Garküche seines Vaters Nudelsuppen zu servieren. Oder wolltest du dich nur von den Familienfesseln lösen, um ein wenig entspannter dem Junggesellendasein zu frönen?

Ich rolle auf meinem Bürostuhl langsam zu Jackys Platz hinüber. Jacky hat bereits seinem Schreibtisch den Rücken zugekehrt und betrachtet gelangweilt die niederen Bürotürme auf der anderen Straßenseite.

Was ist jetzt, empfängt er mich, wieso willst du unbedingt nach China?

Alles mit der Ruhe, antworte ich und schaue dabei auf meine Armbanduhr. Der Zeiger verspricht in Kürze den Feierabend. Aber Vorsicht, ich sollte mich nicht zu früh freuen.

Jacky hat mich gerade vor die Wahl gestellt. Entweder gehe ich auf seine Frage ein, das heißt, wir quatschen ein wenig über meine Chinareise, oder aber er fängt an, mich mit langweiligen technischen Fragen zu nerven.

Ich entscheide mich für die chinesische Variante. Vielleicht gelingt mir das unverhoffte Kunststück, Jacky noch einige nützliche Tipps für meine morgige Chinafahrt zu entlocken. Er ist zwar Taiwanese, aber in Sachen China ist er für mich ein ortskundiger Local.

Ich will die Informationsbeschaffung erst einmal ruhig angehen lassen: Du fragst mich, warum ausgerechnet China? Ich will China einmal mit den eigenen Augen sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bedingungen günstiger werden könnten. Du kennst die Fakten doch selber: Von Taiwan nach Hong Kong ist es ein Katzensprung. Etwas mehr als eine Stunde Flugzeit, kein Jetlag, keine teuren Flugtickets. Was will ich mehr? Warten, dass ich irgendwann von Deutschland aus nach China fliegen darf?

Ja, ja, die Vorteile sind mir bekannt. Aber wieso muss dein Kindheitstraum unbedingt China heißen? bleibt Jacky unbeirrt bei seiner alten Frage: Ich meine, wieso suchst du dir gerade China als Traumland aus und nicht ein normales Urlaubsland?

Du meinst, eines der klassischen Urlaubsländer, wie Thailand, Philippinen, Malaysia und wie sie noch alle heißen? antworte ich.

Ich sehe, du fängst an zu verstehen. Sein Gesicht bleibt beim Sprechen unbeweglich lächelnd: Die leben vom Tourismus, die warten nur auf Leute wie dich.

Jetzt strahle auch ich: Und in China, da werde ich direkt hinter der Grenze an die nächste Wand gestellt?

Nein, nein, das ist Blödsinn, Jackys Blick folgt dem dichten Verkehr aus Autos und Motorrollern unter uns auf der Straße. Als ob er dort die passende Frage sehen könnte.

Irgendetwas will er von mir, wenn ich nur wüsste, was?

Jacky scheint einen neuen Ansatz gefunden zu haben: Konstruieren wir mal ein Beispiel: Vom Hong Konger Flughafen fährst du mit dem Bus zu deinem ersten Ziel, die Stadt Guang-Zhou. Sie liegt direkt hinter der Grenze zu Hong Kong. In Hong Kong spricht jeder auf der Straße Englisch. Glaubst du wirklich, dass du in Guang-Zhou genauso viel Glück hast?

Ich sage dir, was geschehen wird! Du wirst von 100 Chinesen umringt sein und kein einziger von ihnen wird Englisch sprechen können, von Deutsch ganz zu schweigen. Was wirst du dann tun? Du wirst kein Hotel finden können. Du wirst in keinem Restaurant etwas zu essen bestellen können. Du wirst nicht einmal die Bushaltestelle in Guang-Zhou verlassen können.

Also, was soll der ganze Stress? Flieg nach Bangkok oder Bali und entspann dich!

Du bist ja richtig besorgt um mich, spotte ich. Leider habe ich in Wahrheit mehr als genug Zweifel über das eigene Vorhaben. Jacky muss sie nicht noch schüren.

Jacky, ich unternehme keine Reise ohne Wiederkehr. Ich gehe nicht in den finstersten Dschungel oder in die heißesten Wüsten unseres Planeten. Ich habe nicht vor, mit Schlangen oder Löwen zu kämpfen.

Ich will ein paar Tage nach China. Ich besichtige dort lediglich einige Städte. In Städten gibt es immer Menschen. Erzähl mir jetzt bloß nicht, dass es dort nur Chinesen gibt, die des Englischen unkundig sind.

Es geht nicht nur um das Können, sondern vor allem um das Wollen. Was wirst du tun, wenn dir keiner helfen will? baut Jacky sein Schreckensszenario weiter aus.

Versucht er mir die Reise auszureden? Also gesetzt den Fall, ich würde nur unfreundlichen, englischsprachigen Chinesen begegnen!

Ich würde in solchen Fällen meinen Reiseführer zur Hilfe nehmen. In dem Buch sind jede Menge Übersetzungen in Englisch und Chinesisch aufgeführt. Ich würde, ohne sprachliche Hindernisse, auf all die vielen, freundlichen Chinesen zurückgreifen, die nur reines, chinesisches Mandarin sprechen oder lesen können.

Zudem habe ich für jede Stadt einige Hoteladressen auf Chinesisch. Es sollte doch möglich sein, in China einen Taxifahrer...

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