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E-Book

Einblicke in die Antike

VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl267 Seiten
ISBN9783831606429
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR

Das Interesse an der Alten Welt ist ungebrochen, spektakuläre Ausstellungserfolge ebenso wie der neue Boom des Antikenfilms scheinen es in letzter Zeit noch befördert zu haben. Doch was bewegt die Alte Geschichte – in beiderlei Sinn?

Der vorliegende Band bietet einen Einblick in aktuelle althistorische Forschungen und Fragestellungen – von der Beschäftigung mit antiken Siedlungs- und Sozialstrukturen über die Analyse politischer Systeme bis hin zur Untersuchung von symbolischen Ausdrucksformen der Macht. Die Vielfalt der Perspektiven spiegelt dabei die Impulse, die eine zunehmend interdisziplinär ausgerichtete Geschichtswissenschaft aus der Zusammenarbeit mit anderen sozial- und kulturwissenschaftlichen Fächern aufgenommen hat, um ihren Gegenstand stets neu zum Sprechen zu bringen.

Ausgehend von der Frage, welche Bedeutung der griechisch-römischen Antike für die Entwicklung Europas zukommt, werden in zehn Beiträgen unterschiedliche Aspekte des Lebens in den Gesellschaften der Alten Welt in den Blick genommen – wie funktionierten sie, wo lagen ihre Grenzen, was ist ihr bleibender Beitrag?

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Leseprobe

Christian Meier
Fängt Europa bei den Griechen an? (S. 1-2)

Das ist eine merkwürdige, und nur die erste einer Reihe von Fragen, die ich hier aufwerfen möchte. Es sind Fragen, mit denen ich mich seit mehr als einem Jahrzehnt herumschlage – in der Arbeit an einem Buch, das den ersten Band einer vierbändigen Geschichte Europas ausmachen soll, den Band über „Die Alte Welt". Da eben muß man sich Gedanken darüber machen, wo diese Geschichte anfängt. Das heißt zugleich: wie man Europa bestimmen soll. Daß Europa sehr stark von den Griechen beeinflußt worden ist, unterliegt keinem Zweifel. Insofern wäre den Griechen ein bedeutender Platz in der Vorgeschichte Europas sicher – wenn Europa, wie man heute weithin annimmt, im Mittelalter beginnt, mehr oder weniger als Gruppe von Völkern auf europäischem Boden, seien sie nun romanischer, germanischer, keltischer, slawischer oder finno-ugrischer Herkunft.

Aber vielleicht ist Europa nicht nur (und nicht einfach) eine Völkergruppe, sondern eine Kultur, oder, noch elementarer, eine bestimmte Möglichkeit zur Entfaltung von Kultur, von Freiheit etwa, von menschlicher Autonomie, von Wissenschaft, eine Möglichkeit, die eventuell durch die Griechen erschlossen worden ist. Dann hätte man, kurz gesagt, nach dem Europäischen, nach dem, was Europa zu Europa macht, zu fragen. Vielleicht gäbe es gute Gründe, unter diesem Gesichtspunkt die Griechen zu Europa zu schlagen, sie dann also dessen Frühgeschichte zuzuweisen.

Das würde gut zur alten abendländischen Konzeption einer europäischen Geschichte passen: Altertum – Mittelalter – Neuzeit. Man hat ja in der frühen Neuzeit – gleichsam in einem umgekehrten Akt der Adoption, der Adoption nämlich von Vorfahren durch Nachkommen – die Griechen in die eigene Geschichte hereingeholt (in einer Zeit, als man die übrigen Völker und Kulturen, soweit sie überhaupt bekannt waren, historisch nicht sonderlich zu berücksichtigen pflegte).

Diese nachträgliche Adoption war nicht nur eine Sache historischer Einteilungen. Denn das mittelalterliche und vor allem das neuzeitliche Europa hat ja wirklich aufs engste an die griechisch-römische Überlieferung angeknüpft. Wo die Araber im neunten Jahrhundert einen großen Teil der griechischen Überlieferung, aber eben nur einen Teil – nämlich zumal medizinische, astronomische, mathematische und philosophische Schriften – übernahmen, hat man sich in Europa (freilich erst Jahrhunderte später) das Ganze (alles, dessen man habhaft werden konnte) angeeignet, zunächst auf Lateinisch, später auf Griechisch. Und wo die Araber sich diese Schriften übersetzen ließen, zwar mit dem Übersetzten sogleich auf hohem Niveau in ihrem Sinne großartig weiterarbeiteten, aber die Sprache selbst normalerweise nicht lernten, hat man im neuzeitlichen Europa nicht nur das Lateinische, sondern auch das Griechische in großem Stil weithin gelernt. Man hat Jahrhunderte hindurch die Texte immer wieder im Original gelesen, interpretiert, aufgenommen. Und das nicht nur in der Wissenschaft. Wo gibt es das sonst, daß die Ober- und teilweise auch die Mittelschichten eines ganzen Kontinents ihre Kinder zwei Sprachen auf der Schule lernen lassen, die seit anderthalb Jahrtausenden von keinem Volk der Erde mehr gesprochen wurden?

Man mag sich fragen, ob die jahrhundertelange Einbeziehung antiker Überlieferung in das eigene Sprechen, Denken, Vorstellen, in die eigene Kunst und Wissenschaft, ob das vielfältige Eintauchen dahinein, das immer neue Lernen davon und daran nicht schon selbst dafür spricht, die römische und die griechische Geschichte als Teil der europäischen anzusehen. Andererseits: Was macht das aus? Wie weit sind solche Einflüsse, solche insgesamt kulturellen Einflüsse, in der Geschichte bestimmend, wie weit können sie es sein – im Vergleich etwa zu strukturellen und mentalen Gegebenheiten und Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Technik etc.?

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis8
Vorwort10
Fängt Europa bei den Griechen an?12
1. Konzeption Europas durch die Griechen14
2. Bedingungen und Eigenart griechischer Kulturbildung18
3. Das Problem der Fortwirkung griechischer Kultur in Rom und über Rom hinaus29
Antike und moderne Oligarchien34
II.38
III.44
IV.49
Quellen51
Bibliographisches Verzeichnis63
1. Antike Quellen:63
2. Forschungsliteratur:63
Stadteinzüge in der Zeit der römischen Republik68
Die Zeremonie des Adventus und ihre politische Bedeutung68
Bibliographisches Verzeichnis97
Verrückte Kaiser?98
1. Der römische Principat und die Rollenbilder des Kaisers98
2. Die Selbststilisierung der ‚verrückten‘ Kaiser Roms109
3. Die Außendarstellung der ‚verrückten‘ Kaiser und ihre Rezeption durch die Bevölkerung des Reiches119
4. Schluß134
Abbildungsverzeichnis137
Bibliographisches Verzeichnis137
Provinzhauptstädte im Imperium Romanum142
Abbildungsverzeichnis164
Bibliographisches Verzeichnis164
Zwischen Widerstand und Integration168
Bibliographisches Verzeichnis183
Die Bautätigkeit des Agrippa auf dem Marsfeld (27–25 v. Chr.): Bestand und Programm192
Einleitung192
Der bauliche Bestand195
Zur Programmatik206
Schluß209
Bibliographisches Verzeichnis210
Rechtsgeschäfte im römischen Alltag*214
A. Die Erscheinungsform des institor215
B. Die Tatbestandsvoraussetzungen der praepositio218
C. Der Haftungsausschluß220
D. Die institores in der sozialen Schichtung223
E. Die Erschließung der sozialen Tiefenstruktur aus den Juristenschriften226
F. Ausblick231
Bibliographisches Verzeichnis232
Arm und Reich in der spätantiken Stadt234
Bibliographisches Verzeichnis246
Archäologische Feldforschungen zu antiken Siedlungsformen im Küstensaum Lykiens (Südtürkei)*248
Einleitung248
Timiussa und Tyberissos251
Phellos und Antiphellos258
Zusammenfassung266
Bibliographisches Verzeichnis267

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