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Eine Studie über den Aufstieg von Menschen mit Behinderung: Biografieforschung als Mittel zur Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit

AutorSiegfried Bachmayer
VerlagDiplomica Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl116 Seiten
ISBN9783842833920
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Es geht um die Menschen mit Behinderungen, die ihr gesellschaftliches Ansehen erworben haben, weil sie ihre Behinderung nicht als Hindernis sehen und genau wissen, was sie wollen. Wie haben sie das bloß geschafft? Die Studie stellt den biografischen Hintergrund dieser Menschen mit Behinderungen dar und analysiert, was diese Personen dazu gebracht hat, ihre Chancen zu nutzen und etwas verändern zu wollen. Jede Biografie ist geprägt durch die sozialen Bedingungen, die Menschen vorfinden und den Umgang, den sie selbst damit entwickeln können. So lässt sich auch das Leben der Personen nicht allein durch die äußeren Umstände oder ihre Behinderung erklären, da all diese Faktoren sich wechselseitig bedingen. In der Studie geht es um das Interviewmaterial, in dem die Personen ihre Situationen beschreiben und über ihren Werdegang erzählen. Dabei ist das Einbeziehen der sozialen Hintergründe in der gesellschaftlichen Situation von Bedeutung. Es ist wichtig, dass die Belege von der faktischen Welt in der eigenen Biografie eingebettet sind.

Sigo Bachmeyer verbrachte insgesamt drei Jahre (1998-2001) in den Vereinigten Staaten, wo er Auslandserfahrung in den Studienfächern Politikwissenschaften und Filmmaking erwarb. Dort hat er die Perspektiven und Einstellungen der Amerikaner kennengelernt, die einen positiven Umgang mit Menschen mit Behinderung haben und diese als Teil des Gesellschaftsbilds in den Vereinigten Staaten von Amerika integrieren. Seit 2001 arbeitet der Autor im Bildungs- und Medienbereich als Trainer und Filmemacher und erwirbt Qualifikationen als Sozialwissenschaftler, um im Hochschulbereich tätig zu werden. Da Sigo Bachmeyer selbst gehörlos ist, legt er Wert darauf, dass die Gesellschaft über neue Perspektiven erfährt und so einen positiven Umgang mit Behinderungen pflegt.

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Leseprobe
Textprobe: Kapitel 3, Eigenschaften der Selbstverwirklichung: Alle Menschen haben Motive und Ziele. Diese versuchen sie zu ihrem eigenen Wohlbefinden in ihren alltäglichen Handlungen umzusetzen. Diese Eigenschaften stehen im Zusammenhang. Heckhausen (2003) definiert Motive als Wertdispositionen für breite Äquivalenzklassen von Anreizen. Er unterteilt dabei Leistungs-, Macht- und Intimitätsmotive. Persönliche Ziele sind somit Ausdrucksformen von übergeordneten, meist impliziten Motiven (vgl. Emmons 1989). Aus späteren Studien von Emmons und McAdams (1991 zit. nach Brunstein & Maier 1996) und Brunstein et al. (1995 zit. nach Brunstein & Maier 1996) geht hervor, dass Motive und Ziele nur mäßig bis gar nicht miteinander korrelieren, somit zwei relativ autonome Systeme darstellen, die miteinander abgestimmt sein können, aber nicht müssen (vgl. Brunstein & Maier 1996). Dennoch ist das subjektive Wohlbefinden umso ausgeprägter und andauernder, je stärker Ziele und Motive übereinstimmen (vgl. Dargel & Brunschein 2005). Im Folgenden werden Begriffe im Zusammenhang mit der Motivation und den Eigenschaften der Selbstverwirklichung behandelt. 3.1, Unabhängigkeit, Wille: Der Wille wird nach Platon und Kant als menschliches Vermögen bezeichnet, das es dem Menschen ermöglicht, im natürlichen Laufe der Dinge eine bewusste Ausnahme zu machen und diese auch durchzusetzen. Von Wille wird in verschiedener Hinsicht gesprochen, wobei der Wille als Entscheidungskriterium, als Durchsetzungsvermögen und als Zielbestimmung erscheint (vgl. Gessmann 2009: 767ff.). Dazu gehört auch die Willensfreiheit, die die Fähigkeit des Menschen bezeichnet, sich ohne äußeren oder inneren Zwang zu entscheiden und sich ohne Fremdbestimmung Ziele zu setzen (vgl. ebd.: 768). Eng mit den bereits genannten Punkten im Zusammenhang steht die Unabhängigkeit von der physischen und sozialen Umwelt. Da die betreffenden Menschen von Wachstumsmotivation und nicht von Mangelmotivation angetrieben werden, sind sich selbst verwirklichende Personen nicht davon abhängig, etwas von anderen zu erhalten. Sie hängen vielmehr von ihrem Willen und ihrem Potenzial sowie den sozialen Faktoren bzw. Dimensionen ab. Ohne Willensbezug kann die soziale Gegebenheit nicht existieren. Mit welchen Möglichkeiten überwindet er nun die Hürden und wie geht er mit diesen um? 3.2, Selbstverwirklichung: Selbstverwirklichung, so fasst Kollbrunner (1987) zusammen, 'bedeutet nichts anderes als wirken lassen des 'Selbst', d. h. das Selbst, den innersten Kern des Menschen zur Wirkung kommen lassen' (ebd.: 290). 'Selbstverwirklichung ist die systematische Entfaltung der angeborenen Möglichkeiten des Organismus. Sie beruht auf der Anerkennung und dem Ausdruck (sich ausdrücken lassen) des innersten Kerns, des Selbst des Menschen [...]. Selbstverwirklichung ist eher Emittieren (Ausstrahlen) als Imitieren (Nachahmen) von Verhalten. Selbstverwirklichung ist deshalb auch Selbstbestimmung, das willentliche und bewusste Erschaffen des eigenen Schicksals (oder: das Sich-Selbst-Akzeptieren als Schicksal-produzierende Kraft) [...]' (ebd.: 290). In diesem Zitat steckt eine Fülle von Fakten und Behauptungen, die in den weiteren Abschnitten genauer beschrieben, weitergeführt, aber auch hinterfragt und kritisiert werden. Die obigen Zitate erklären etwas, das sich außerhalb der sozialen Umwelt abspielt; Es stellt sich daher die Frage, wie man Selbstverwirklichung erlangt.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Eine Studie über den Aufstieg von Menschen mit Behinderung1
Inhaltsverzeichnis
5
Abbildungsverzeichnis
7
Tabellenverzeichnis
7
Vorwort11
Einleitung13
Problemstellung13
Beschreibung methodischer Ausführungen16
Teil I: Theoretischer Rahmen17
Kapitel 1 Sozialisation19
Kapitel 2 Behinderung23
2.1 traditionelles Begriffsverständnis23
2.2 Empowerment25
2.3 Inklusion26
2.5 Einstellung der Menschen mit Behinderung gegenüber den Behinderten29
2.4 Kompensation27
2.5 Einstellung der Menschen mit Behinderung gegenüber den Behinderten29
2.6 Zusammenfassung und Abwehr gegen den gesellschaftlichen Status als Behinderte29
Kapitel 3 Eigenschaften der Selbstverwirklichung31
3.1 Unabhängigkeit, Wille31
3.2 Selbstverwirklichung31
3.3 Fazit32
Kapitel 4 Realisierung der Ziele33
Teil II: Methodische Überlegungen35
Kapitel 5 Qualitative und interpretative Sozialforschung37
5.1 Einführung37
5.2 Charakteristika qualitativ-interpretativer Forschung38
5.3 Explorative Studie39
5.4 Methodenauswahl40
Kapitel 6 Der Forschungsprozess43
6.1 Organisation für die Forschungsgespräche43
6.2 Umgang mit dem Material45
6.3 Kodieren45
6.4 Auswertungen der Daten47
6.5 Eisbergmodell nach den hermeneutischen Prinzipien48
6.6 Validierung50
Teil III: Fallgeschichten
51
Kapitel 7 Fallgeschichte 1: F.H.53
7.1 Lebensgeschichte53
7.2 Sozialisationsprozess54
7.3 Umgang mit der Bewältigungsstrategie60
7.4 Selbstverwirklichung61
7.5 Fazit / Falltypisierung62
Kapitel 8 Fallgeschichte 2: H.J.63
8.1 Lebensgeschichte63
8.2 Sozialisationsprozess63
8.3 Historische Entwicklung73
8.4 Fazit / Falltypisierung74
Kapitel 9 Fallgeschichte 3: J.H.75
9.1 Lebensgeschichte75
9.2 Sozialisationsprozess75
9.3 Kompensationsstrategien gegen Barrieren77
9.4 Lebenswandel78
9.5 Fazit / Falltypisierung79
Teil IV: Resumé81
Kapitel 10 Auswertung83
10.1 Zusammenstellung der zentralen Aspekte erfolgreicher Zielrealisierung behinderter Menschen83
10.2 Persönlichkeit und ihre Entwicklung in der Sozialisation85
10.3 Befriedigung der Bedürfnisse und Selbstakzeptanz93
10.4 Individuelle Anpassung und Entwicklung94
10.5 Realisierung der Ziele95
10.6 Inklusion und Teilhabe an der Gesellschaft97
10.7 Erfolgreiche Strategien der interviewten Persönlichkeiten mit Behinderungen99
10.8 Antworten auf die Forschungsfragen102
Kapitel 11 Zusammenfassung und Ausblick105
11.1 Zusammenfassung105
11.2 Ausblick107
Literaturverzeichnis109

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