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Emotionale Offenheit

Ein neues Modell in Forschung und Praxis

AutorGrégoire Zimmermann, Michael Reicherts, Philippe A. Genoud
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl252 Seiten
ISBN9783456950099
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
Jeder Mensch hat seine eigene Art, Emotionen, Gefühle und Stimmungen zu erleben und zu verarbeiten. Die verschiedenen emotionalen Zustände umfassen einerseits unsere schönsten persönlichen Erlebnisse und können andererseits wichtige psychologische Probleme zum Ausdruck bringen. Diese Komplexität stellt eine große Herausforderung für Diagnostik und Intervention dar. Das Modell «Emotionaler Offenheit» wird als mehrdimensionaler Ansatz vorgestellt, um den Anforderungen im klinischen Kontext zu begegnen.

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Kapitelübersicht
  1. Emotionale Offenheit
  2. Inhalt
  3. Vorwort
  4. 1. Emotionale Offenheit: Ein neuer Ansatz zum Erleben und Verarbeiten von Emotionen - Konzept und theoretisches Modell
  5. 2. Die DOE-Instrumente: Entwicklung, mehrdimensionale Modellierung und psychometrische Kennwerte
  6. 3. Emotionale Offenheit im Vergleich mit Alexithymie und emotionaler Intelligenz: Innovation oder „Alter Wein in neuen Schläuchen“?
  7. 4. Emotionale Offenheit und Persönlichkeit
  8. 5. Die Entwicklung des Erlebens und Verarbeitens von Emotionen in der Kindheit
  9. 6. Emotionale Offenheit im Jugendalter - Erste empirische Hinweise und Reflexion
  10. 7. Emotionale Offenheit im Alter - Affektivität und Emotionsverarbeitung bei den „jungen Alten“
  11. 8. Emotionale Offenheit bei Patienten mit Abhängigkeits- und Persönlichkeitsstörungen
  12. 9. Emotionale Offenheit bei Patienten mit somatoformen Symptomen
  13. 10. Emotionsverarbeitung in der Spinnenphobie: Ein experimenteller Ansatz zur emotionalen Offenheit
  14. 11. Emotionale Offenheit und Burnout
  15. 12. „Angebotene“ und „erhaltene“ emotionale Offenheit in der Partnerschaft
  16. 13. Emotionale Offenheit in psychologischen Interventionen
  17. 14. Emotionale Offenheit in helfenden Interaktionen
  18. 15. Emotionale Offenheit bei der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung - Eine Falldarstellung
  19. Autorenverzeichnis
  20. Anhang
Leseprobe
Während sich die Perzeption interner Körperindikatoren vor allem auf autonome Aktivierungen bezieht, die mit verschiedenen emotionalen Prozessen über das autonome Nervensystem (ANS) einhergehen, betrifft die Perzeption externer Körperindikatoren vor allem die somato-motorischen Subsysteme und peripheren Aktivitäten. Das Vorherrschen interner gegenüber externer Indikatoren kann mit einem sog. „internalisierenden“ versus „externalisierenden“ Muster des emotionalen Erlebens in Verbindung gebracht werden, wie es Cacioppo und Kollegen (1992) im Hinblick auf Persönlichkeitstendenzen formuliert haben. Diese Muster entsprechen ebenfalls dem Konzept der sog. interozeptiven versus exterozeptiven Stimuluswahrnehmung in der modernen Lerntheorie (Bouton, Mineka & Barlow, 2001). Diese Ansätze unterstreichen die grosse Bedeutung der somatischen Indikatoren bei der Affektverarbeitung und die Relevanz einer Unterscheidung zwischen der Perzeption körperinterner (in den DOE-Instrumenten operationalisiert in der Dimension „PERINT“) und körperexterner Emotionsindikatoren (operationalisiert in der Dimension „PEREXT“).

Zu den bisher entwickelten Dimensionen der Emotionalen Offenheit sind zwei weitere Dimensionen hinzuzufügen, einerseits die Modifikation der affektiven Zustände oder Emotionen unter Einbezug der somatischen, kognitiven und sozialen Komponente, nämlich die Emotionsregulation, andererseits die normativen d.h. sozialen Restriktionen der Affektivität, die wir als eine zusätzliche Dimension der Affektverarbeitung betrachten.

Regulation von Emotionen

Die Regulation von Emotionen kann als Prozess definiert werden, der darauf zielt, (1) Auftreten, Form oder Dauer (2) physiologischer oder aufmerksamkeitsorientierter Prozesse sowie (3) verhaltensmässiger Reaktionen, die mit Emotionen einhergehen, (4) zu initiieren, zu vermeiden, zu hemmen, aufrechtzuerhalten oder zu modulieren (Eisenberg & Spinrad, 2004). Diese Dimension umfasst demnach eine Vielzahl von Varianten der Regulation unterschiedlicher affektiver Zustände: Emotionen, Stimmungen, des Kernaffekts oder emotionaler Episoden. Das Konzept der Emotionsregulation hat seinen Ursprung unter anderem in Untersuchungen zu Stress und Coping (Perrez & Reicherts, 1992; Reicherts, 1999) und kennt einige grundlegend verschiedene Formen der Regulation bzw. des Coping.

Nach Krohne (2003) kann die Regulation im Prinzip dazu dienen, sowohl negative als auch positive Emotionen zu modifizieren: sie zu reduzieren, zu stabilisieren (aufrechtzuerhalten) oder zu verstärken. Die verschiedenen Funktionen können – je nach Kontext – adaptativ oder maladaptativ sein. Nach Bridges, Denham und Ganiban (2004) gehören zu den notwendigen Bedingungen angemessener Emotionsregulation die Fähigkeit, „echte“ Emotionen zu erleben, auch ausgeprägte negative Affekte reduzieren zu können und Emotionen auf angemessene Weise ausdrücken zu können. Angemessener Ausdruck setzt voraus, dass er im Einklang mit den verschiedenen Zielen ist, welche die Person verfolgt (einschliesslich des Bedürfnisses nach Sicherheit, der Aufrechterhaltung von positiven sozialen Interaktionen, der wahrgenommenen Kompetenzen und des Wohlbefindens). Gross und Thompson (2007) schlagen vor, indirekte und direkte Emotionsregulation zu unterscheiden. Die indirekte Regulation umfasst die Selektion und Modifikation der Situation als solche; die direkte zielt auf die Modifikation emotionaler Reaktionen, z.B. durch Unterdrückung und kognitive Aktivitäten (Aufmerksamkeitssteuerung oder Umund Neubewertung). Während die Umbewertung im Wesentlichen auf die Auslöser der Emotion zielt, richtet sich die Unterdrückung auf die emotionalen Reaktionen selbst (Gross, 1998). In der Tat ähnelt die Konzeption von Gross dem Modell der Belastungsverarbeitung (Reicherts, 1988; Perrez & Reicherts, 1992), das zwischen direkt auf die Situation bezogenen (instrumentalen) Bewältigungsformen und Formen, die auf die Person selbst gerichtet sind (bezogen auf die kognitive Repräsentation, auf die Bewertung oder die Stressemotionen selbst), unterscheidet.

Die Regulation von Emotionen steht auch im Zusammenhang mit Prozessen der kognitiven Repräsentation: Sie setzt voraus, dass man sich bis zu einem gewissen Grade der Emotion oder Stimmung und ihrer Einbettung in eine Situation bewusst (geworden) ist. Sie ist ebenfalls verbunden mit dem Gewahrwerden von körperlichen Emotionsindikatoren (sowohl interner als auch externer) und ihrer Veränderung im Zuge von Regulationsbemühungen. In diesem Zusammenhang schlägt Philippot (2007) den Mechanismus einer „konzeptuellen Rückkopplung“ vor, die zusammen mit verschiedenen kognitiven Regulationstechniken erlaubt, eine Emotion zu verstärken oder abzuschwächen (s. auch Kapitel 13).

Schliesslich steht sie auch mit der Kommunikation und dem Ausdruck von Emotionen in Zusammenhang: Emotionale Zustände können sich bereits dadurch verändern, dass sie anderen Personen signalisiert oder mit ihnen geteilt werden. Zudem kann der Prozess in eine aktive interpersonale Emotionsregulation übergehen, bei der die andere Person dazu beiträgt, negative Emotionen zu mildern oder positive herbeizuführen bzw. zu verstärken (z.B. Rieder, Perrez, Reicherts et al., 2008; s. Kapitel 12).

Die normativen Restriktionen der emotionalen Offenheit, so wie die Person sie wahrnimmt, stellen eine zusätzliche Dimension des Modells dar. Einschränkungen des Umgangs mit Emotionen hängen von sozialen Regeln und Konventionen ab, die ihrerseits zumeist mit der affektiven Resonanz des sozialen Umfeldes in Verbindung stehen. Eine wichtige Variante wahrgenommener normativer Restriktionen ist in der Tatsache zu sehen, dass das Subjekt die Gründe für einen erlebten Mangel an emotionalen Erfahrungen oder Interaktionen der Umgebung, d.h. anderen Personen, den Umgebungsbedingungen oder der Gesellschaft im Allgemeinen zuschreibt.

Ein spezifisches Phänomen normativer Restriktionen, das mit der Berufsrolle der Person verbunden ist, lässt sich in der sog. emotionalen Arbeit („emotion work“; z.B. Zapf, 2002; vgl. den ebenfalls von Hochschild, 1983, eingeführten, ähnlichen Begriff „emotional labour“) beobachten, die auf der Diskrepanz zwischen den erlebten und den zum Ausdruck gebrachten Emotionen beruht. Emotionale Arbeit ist ein interessantes Phänomen, das zwischen den Dimensionen Wahrnehmung externer Körperindikatoren und Kommmunikation und Ausdruck von Emotionen angesiedelt werden kann: Die zum Ausdruck kommenden oder aktiv zum Ausdruck gebrachten Emotionen sind je nach sozialem Kontext (der mit der Berufsrolle verbunden ist) aktiv zu steuern und zu kontrollieren. Die Berufsrolle und der Kontext erlegen der Person Regeln oder Muster des sozialen Austauschs auf, die von sozialen Normen und verinnerlichten Regeln abhängen (Hochschild, 1979; s. auch Totterdell & Holman, 2003). So sind Personen, die in direktem Kontakt mit Kunden oder Klienten arbeiten, oftmals gezwungen, ihr eigenes emotionales Erleben angesichts von problematischen Kundenwünschen oder Verhaltensweisen zu maskieren und zu unterdrücken. Emotionale Arbeit kann als Emotionsregulation definiert werden, die man sich auferlegt, mit dem Ziel, interpersonale Verhaltenswiesen zu zeigen, die normkonform sind (z.B. Brotheridge & Lee, 2003). In diesem Sinne kann emotionale Arbeit in enger Verbindung mit der Dimension normativer Restriktionen der Affektivität gesehen werden. In den DOE-Instrumenten werden einige Aspekte der wahrgenommenen normativen Restriktionen der Affektivität in der Dimension bzw. Subskala „RESNOR“ abgebildet.
Inhaltsverzeichnis
Emotionale Offenheit1
Inhalt6
Vorwort8
1. Emotionale Offenheit: Ein neuer Ansatz zum Erleben und Verarbeiten von Emotionen - Konzept und theoretisches Modell10
2. Die DOE-Instrumente: Entwicklung, mehrdimensionale Modellierung und psychometrische Kennwerte32
3. Emotionale Offenheit im Vergleich mit Alexithymie und emotionaler Intelligenz: Innovation oder „Alter Wein in neuen Schläuchen“?46
4. Emotionale Offenheit und Persönlichkeit58
5. Die Entwicklung des Erlebens und Verarbeitens von Emotionen in der Kindheit78
6. Emotionale Offenheit im Jugendalter - Erste empirische Hinweise und Reflexion100
7. Emotionale Offenheit im Alter - Affektivität und Emotionsverarbeitung bei den „jungen Alten“112
8. Emotionale Offenheit bei Patienten mit Abhängigkeits- und Persönlichkeitsstörungen124
9. Emotionale Offenheit bei Patienten mit somatoformen Symptomen136
10. Emotionsverarbeitung in der Spinnenphobie: Ein experimenteller Ansatz zur emotionalen Offenheit154
11. Emotionale Offenheit und Burnout166
12. „Angebotene“ und „erhaltene“ emotionale Offenheit in der Partnerschaft180
13. Emotionale Offenheit in psychologischen Interventionen196
14. Emotionale Offenheit in helfenden Interaktionen222
15. Emotionale Offenheit bei der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung - Eine Falldarstellung234
Autorenverzeichnis248
Anhang250

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