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Entwicklung und Überprüfung eines Trainingsprogramms zur Verbesserung des taktischen Handelns bei offensiven Standardsituationen im Fußball

AutorMarcel Kieschnick
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl228 Seiten
ISBN9783640171187
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis35,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Sport - Bewegungs- und Trainingslehre, Note: 2,1, Universität der Bundeswehr München, Neubiberg (Institut für Sportwissenschaft und Sport), 50 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Worin unterscheidet sich ein Schussversuch von Uli Höneß im Finale der Europameisterschaften von 1976 in Belgrad gegenüber dem Schuss von Pirlo im Champions-League Finale 2007? Der Unterschied liegt im Erfolg. Höneß' Strafstoß verschwand im Himmel von Belgrad. Hingegen wurde Pirlos direkter Freistoß durch Filippo Inzaghi für Torwart Jose Manuel Reina unhaltbar in das Tor abgefälscht und war somit der Grundstein für den Sieg des AC Mailand gegen den FC Liverpool. Neben dem Unterschied im Verlauf gibt es eine große Gemeinsamkeit. Beide Aktionen sind Resultat einer Standardsituation. Liverpool erreichte dieses Finale erst durch zwei gut parierte Elfmeter von Reina im Halbfinale gegen Robben und Geremi. Diese Beispiele sollen zeigen, dass Standardsituationen durchaus spielentscheidend sein können. Stellt sich nun die Frage, woran das liegen kann. Sind drei Ecken wirklich einem Elfmeter gleichzusetzen? Fällt jedes zweite Tor in Folge einer Standardsituation? Diese und weitere banale Aussagen sollen im Laufe der vorliegenden Arbeit näher erläutert sowie begründet werden. Hauptaugenmerk soll dabei auf dem Torabschluss nach offensiven Standardsituationen liegen. Welche Varianten lassen sich anhand zahlreicher Spiele aus dem nationalen sowie internationalen Bereich feststellen? Im Allgemeinen wird oftmals die Raffinesse bei der Ausführung von Standardsituationen vermisst. Gibt es Varianten der Ausführung die erfolgsversprechender sind als Andere? Gesetz dem Fall es gibt erfolgreiche Standardsituationen, lassen sich diese in ein Trainingsprogramm einbauen? Kann ein Trainingsprogramm in einer Fußballmannschaft den Erfolg nach Standardsituationen erhöhen? Fußball ist ein Mannschaftssport. Das heißt der Erfolg ist zwar oftmals von individuellen Leistungen abhängig. Die Fähigkeiten des Einzelnen können jedoch nur zum Tragen kommen, wenn das Kollektiv die Stärken und Schwächen des Individuums kennt und versteht diese optimal einzusetzen. Dazu müssen neben konditionellen und technischen Anforderungen vor allem das taktische Verständnis gut ausgebildet sein. Die Diplomarbeit war dabei Anlass in das Training der U15-Junioren des TSV 1860 München ein Programm zu involvieren, in dem das taktische Handeln bei offensiven Standardsituationen optimiert werden soll.

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Leseprobe

3. Analyse der Anforderungsstruktur


 

In diesem Abschnitt soll herausgearbeitet werden, welche Anforderungen das Zielverhalten stellt. Die Analyse der Anforderungsstruktur soll klären, ob es Standardsituationen gibt, die erfolgreicher sind als Andere. Im Kapitel 3.1 wird dazu anhand einer Analyse von Fußballspielen der letzten Jahre (3.1.1) sowie anhand eigener Untersuchungen aus der Saison 2006/07 (3.1.2) der Forschungsstand erarbeitet. Im Anschluss werden die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen diskutiert (3.2). Effektive Standardsituationen sollen in Kapitel 3.3 zusammengefasst und daraus Erkenntnisse für das Training der U15-Junioren des TSV 1860 München abgeleitet werden (3.4).

 

3.1. Analyse von Fußballspielen


 

Bei der Analyse von Fußballspielen soll zu Beginn der empirische Forschungsstand im Bereich der Standardsituationen (3.1.1) aufgezeigt werden. Dazu dient vor allem die Dissertation von Roland Loy, welcher zahlreiche Untersuchungen zum Eckball, Freistoß und Strafstoß durchgeführt hat. Darauf aufbauend wurden eigene Untersuchungen (3.1.2) durchgeführt, um die vorhandenen Daten mit aktuellen Zahlen zu vergleichen. Alle gesammelten Daten sollen im Anschluss als Sollwert in das Trainingsprogramm einfließen, um der Mannschaft zu zeigen auf welchem Niveau sich der nationale und auch internationale Fußball bewegt.

 

3.1.1. Empirischer Forschungsstand zu Standardsituationen


 

Der empirische Forschungsstand zu Standardsituationen im Fußball war bis vor kurzem lediglich durch einige wenige Recherchen aus dem Bereich gegeben. Erst die Dissertation von Roland Loy aus dem Jahre 2005 brachte zahlreiche Erkenntnisse über die ruhenden Bälle. Im Folgenden sollen einige Ergebnisse der Dissertation sowie weiterer Untersuchungen zusammengefasst werden.

 

3.1.1.1. Untersuchungen zum Eckball

 

Besonders bei Weltmeisterschaften wurden zahlreiche Untersuchungen zur Auftretenshäufigkeit von Eckbällen unternommen. So wurde zur WM 1990 ein Mittelwert von neun Eckbällen pro Spiel errechnet (vgl. Loy, 1990, S.26; Zempel u.a., 1990, S.37; Luthanen, 1993, S.217). Bei der WM 1994 stieg die Zahl auf durchschnittlich 10 Eckbälle (vgl. Loy, 1994a, S. 16; Luthanen u. a., 1995, S.46). Loy untersuchte zusätzlich die EM 1992, wobei der Durchschnittwert bei 11,1 Eckbällen lag (vgl. Loy, 1992, S.7), sowie die Bundesligasaison 1993/94 mit 13,2 Eckbällen pro Partie (vgl. Loy, 1994b, S.9).

 

Zusätzlich wurde untersucht, wie viele Eckbälle im Schnitt benötigt werden, um ein Tor zu erzielen. Zempel (1990) fand heraus, dass bei der WM 1990 350 Eckbälle zu lediglich vier Toren führten, wodurch nur jeder 87,5-te Versuch erfolgreich war. Untersuchungen von Loy zur WM 1994 ergaben, dass im Schnitt 76,6 Eckstöße benötigt wurden, um ein Tor zu erzielen (vgl. Loy, 1994a, S.16). In der Bundesligasaison 1993/94 wurden 55,5 Ecken benötigt, um den Ball in das Tor zu befördern (vgl. Loy, 1994b, S.9). Als Grund für die schlechte Ausbeute gibt Loy einmal die mangelnde Schärfe bei der Ausführung, sowie die die schlechte Präzision der Pässe an (vgl. Loy, 2006, S.432).

 

Bezüglich der Länge der ausgeführten Eckbälle lässt sich eine Entwicklung erkennen. Wurden bei der WM 1974 die Eckbälle von vermeintlich stärkeren Mannschaften öfter kurz ausgeführt als von schwächer eingestuften Teams (vgl. Kuhn & Maier, 1978, S.83), so stufte Schmitz (1991) die kurzen Ecken als „ein schlechtes Mittel, die gegnerische Abwehrreihe in Verlegenheit zu bringen“ ein (Schmitz, 1991, S.66). Franks (1994) wies in seinen Untersuchungen zur WM 1994 nach, dass zwar jede vierte kurz ausgeführte Ecke einen Torschuss zu Folge hatte, jedoch nur ein Tor aus den insgesamt 132 kurzen Ecken resultierte (vgl. Franks, o.J., S.1).

 

Auch zum Zielort der lang geschlagenen Eckbälle wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde einheitlich herausgefunden, dass Eckbälle, welche in den Zielbereich des kurzen Pfostens gespielt werden, die größten Erfolgsaussichten haben (vgl. Loy, 1990, S.26f; Schmitz, 1991, S.8).

 

Eine Untersuchung von Loy (1990) ergab, dass die Schärfe der getretenen Eckbälle nicht zu unterschätzen sei. „Bei der WM 1990 konnte keine von 192 weich getretenen Ecken auf direktem Wege einen Torerfolg einleiten.“ (Loy, 2006, S.434).

 

Abschließend sollen einige Erkenntnisse zur Eckballabwehr aufgeführt werden. Schmitz (1991) fand heraus, dass bei der WM 1990 in 65 % alle Eckbälle lediglich die kurze Ecke von der gegnerischen Mannschaft besetzt war und in den restlichen 35 % sowohl die kurze als auch die lange Ecke vom Gegner eingenommen wurden. Der Torhüter hielt sich in Schmitz Untersuchungen in 38 % der Fälle in der Tormitte auf und in den restlichen 62 % im hinteren Tordrittel (vgl. Schmitz, 1991, S93).

 

Loy (2006) untersuchte im Zuge seiner Dissertation insgesamt 2620 Eckbälle aus den Bundesliga-, DFB-Pokal- sowie Europapokalspielen der Saison 1988 bis 1992. Lediglich 53 Tore, also jeder 49,4-te Eckstoß, wurden erzielt. Er fand weiterhin heraus, dass Eckbälle, die mit Schnitt vom Tor weg geschlagen wurden, erfolgreicher waren als Diese, die zum Tor hin gespielt wurden. Dies wird zum einen in der leicht größeren Torquote deutlich und zum anderen darin, dass wesentlich mehr Torschüsse zu Stande kamen[3].

 

Des Weiteren analysierte Loy, dass lediglich 5,8 % der Eckbälle kurz ausgeführt wurden. Es wird jedoch nicht näher erläutert, ab wann ein Eckball als kurz ausgeführt gezählt wird.

 

3.1.1.2. Untersuchungen zum Freistoß

 

Die Untersuchungen zu den Freistößen wurden bislang weniger intensiv durchgeführt als die der Eckbälle. Die analytische Arbeit beschränkte sich dabei weitestgehend auf die Auftretenshäufigkeit der direkten bzw. indirekten Freistöße. Loy (1990) fand heraus, dass in den 52 Spielen der WM 1990 von insgesamt 209 Freistößen lediglich sieben Tore erzielt wurden, wodurch circa 70 Versuche benötigt wurden, um einen zählbaren Erfolg zu erlangen. Die Freistöße unterteilten sich dabei in 132 direkte sowie 77 indirekte Freistöße. Bei den indirekten Freistößen war durchschnittlich jeder 33,0-te ein Torerfolg, bei den indirekten jeder 25,7-te.

 

Auch Zempel u.a. untersuchten die Freistöße der WM 1990. Hierbei wurden lediglich die Freistöße in einer nicht näher beschriebenen „torgefährlichen“ Zone untersucht (vgl. Zempel, 1990, S.31ff). Bei der Analyse von 38 Spielen wurden insgesamt 971 Freistöße untersucht, worunter 86 direkte sowie 885 indirekte Freistöße zu verbuchen waren. Insgesamt sind daraus lediglich 8 Tore in Folge der Freistöße entstanden.

 

Des Weiteren analysierte Loy (1994) 306 Spiele der Bundesligasaison 1993/94 bezüglich der Auftretenshäufigkeit von direkten sowie indirekten Freistößen. Dabei wurden 371 indirekte Freistöße als Torschuss ausgeführt, welche zu 22 Toren führten (jeder 16,9-te Schuss ein Treffer). Aus 685 direkten Freistößen wurden 34 Torerfolge erreicht, so dass im Schnitt jeder 20,1-te Schuss das Ziel erreichte. Die unterschiedliche Erfolgsquote zwischen direkten und indirekten Freistößen erklärte Loy wie folgt: „Der Vorteil des unbedrängten Torschusses beim direkten Freistoß scheint . . . durch den günstigeren Schusswinkel an der Mauer vorbei bei den indirekten Freistößen ausgeglichen zu sein“ (Loy, 1994b, S.10).

 

Loy (2006) untersuchte im Zuge seiner Dissertation 1000 direkte sowie 1000 indirekte Freistöße, sowie 100 Tore nach direkten und 100 Tore nach indirekten Freistößen. Die Beobachtungen fanden bei nationalen sowie internationalen Spielen in den Jahren von 1988 bis 1992 statt.

 

Aus den 1000 direkten Freistößen wurden 55 Tore erzielt, wodurch jeder 18,3-te Versuch erfolgreich war. 709 der 1000 Versuche wurden platziert in eine Ecke gestoßen. 58 der 100 Tore wurden unmittelbar in der Nähe der Strafraumlinie erzielt. 88% der Treffer überschritten in unmittelbarer Nähe von Latte oder Pfosten die Torlinie. Die meisten Tore fielen dann, wenn der Schütze den Ball über die Mauer hinweg in die kurze Ecke schoss. 32,8% der Freistoßversuche endeten in der Mauer, bei 29,0% musste der Torwart eingreifen.

 

Von den 1000 indirekt ausgeführten Freistößen führten 53, also etwa jeder 19., zum Torerfolg. Der größte Anteil an indirekten Freistößen welche einen Torschuss zur Folge hatten wurde aus einer Entfernung von 22 bis 27,5 Metern ausgeführt. Indirekte Freistöße wurden in 66,3% mit einem Gewaltschuss vollendet. 76% der Schüsse flogen in unmittelbare Nähe von Pfosten oder Latte über die Torlinie. Bei 35,0% der Torschüsse ging der Ball neben das Tor, bei 20,8% musste der Torwart agieren. 28,2% wurden von der Mauer abgefangen, sowie 8,8% durch einen aus der Mauer herauslaufenden Spieler. Loy (2006) stellt die Vermutung auf, dass...

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