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E-Book

Epilepsie und Verhalten

AutorUte Strehl
VerlagPabst Science Publishers
Erscheinungsjahr1998
Seitenanzahl166 Seiten
ISBN9783933151193
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,00 EUR
Mindestens ein Drittel aller Patienten mit fokalen Epilepsien gelten im Hinblick auf die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten als resistent. Die Arbeit überprüft ein psychophysiologisches Trainingsprogramm für diesen Patientenkreis: Erstmals wird ein Ansatz vorgestellt, der die Biofeedbackmethode in ein umfassendes verhaltenstherapeutisch orientiertes Trainingsprogramm integriert. Es induziert eine signifikante Verringerung der Anfallshäufigkeit. Eine individuelle Analyse weist auf bislang nicht bekannte physiologische und psychologische Faktoren hin, die als Prädiktoren für einen Trainingserfolg zukünftig berücksichtigt werden sollten.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Abstract
  2. I Theoretischer Teil: Epilepsien
  3. I Theoretischer Teil: Verhaltensmedizinische Behandlungsmöglichkeiten
  4. I Theoretischer Teil: Fragestellung
  5. II Empirischer Teil: Die Studie
  6. II Empirischer Teil: Therapieprogramm
  7. II Empirischer Teil: Ergebnisse
  8. II Empirischer Teil: Zusammenfassung und Diskussion
  9. II Empirischer Teil: Literatur
  10. III Anhang: Therapiematerialien
  11. III Anhang: Fragebögen und Instruktion
Leseprobe

2.1 Methoden der Reizkontrolle (S. 26-27)

Speziell für Reflexepilepsien, bei denen die Anfälle durch externe Stimuli, aber auch kognitive Reize (sogenannte Denk-Epilepsien) ausgelöst werden, hat Forster (1977) eine Reihe von verhaltensorientierten Techniken wie Desensibilisierung, Reizüberflutung, Reizdiskriminierung, Reizgeneralisierung und Ablenkungsmethoden erfolgreich eingesetzt.

Die Bedeutung von Aufklärung über die Erkrankung, anfallsauslösende Faktoren und ihre Kontrolle sowie einen Umgang mit einer selbst- und/oder fremdinduzierten Stigmatisierung für das Auftreten von Anfällen wird in der Literatur immer wieder betont (Legion, 1991). Empirische Untersuchungen zu sogenannten psychoedukativen Programmen sind aber eher selten. Aird (1983) konnte bei 17% von 500 Patienten Anfallsfreiheit erreichen, weitere 25% reduzierten die Zahl der Anfälle in einem „bedeutenden" Ausmaß (es fehlen konkrete Angaben), indem Kontrolle über das Schlafverhalten, die Flüssigkeitsbalance, Photostimulation, Alkohol und Streß herbeigeführt wurde. Das psychoedukative Programm von Oosterhuis (1994) sieht für acht zweistündige Sitzungen in Gruppen neben Informationen zur Krankheit und Unterrichtung in Selbstkontrolltechniken unterschiedliche verhaltenstherapeutische Methoden vor. Eine erste Evaluation mit fünf Patienten ergab eine signifikante Anfallsreduktion in den zwei Monaten nach Abschluß des Trainings im Vergleich zu der ebenfalls zwei Monate langen Baseline; allerdings ist die Studie nicht kontrolliert.

Studien zur Wirkung kognitiv-behavioraler Programme kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen. Davis et al. (1984) untersuchten den Einfluß eines sechswöchigen kognitiv-behavioralen Gruppenprogramms (Gedankenstop, assertives Verhalten, Reattribuierungstraining, Selbstverstärkung, Aktivitätsaufbau, Sport) auf depressive Stimmungen bei Anfallskranken. Im Unterschied zur Wartebedingung der Kontrollgruppe konnte eine signifikante Verbesserung auf einer Depressionsskala und in einem Fragebogen zur Lebenszufriedenheit erreicht werden. Die Veränderung in den Anfällen wurde nicht untersucht. In einer kontrollierten Studie von Tan & Bruni (1986) scheiterte der Nachweis einer spezifischen Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie in Gruppen.

Der Einsatz von Entspannungsmethoden zur Verhinderung von Anfällen hat verschiedene Funktionen. Physiologisch soll Entspannung u.a. zu Veränderungen im EEG führen, die thalamische Aktivierung reduzieren, Atemfrequenz und Herzrate sowie Blutdruck senken und die Durchblutung durch periphere Gefäßerweiterung steigern (Vaitl, 1993). Auf psychologischer Ebene wird eine Erhöhung der Wahrnehmungsschwelle für externe Stimuli und eine Verbesserung der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung körpereigener Signale angestrebt. Psychophysiologisch ist der Entspannungszustand relativ unvereinbar mit Angst und Streß und hat sich daher als Therapie für verschiedene Störungsbilder bewährt (vgl. Petermann & Vaitl, 1994).

Bei Epilepsie-Kranken werden Entspannungsmethoden zum einen zur Gegenkonditionierung eingesetzt (Standage, 1972; Ince, 1976; Öst, 1987; Dahl, 1988), zum anderen auch als allgemeine Maßnahme zur Streßregulierung (Whitman et al., 1990; Puskarich et al., 1992) Die erste kontrollierte Studie, in der Patienten in Progressiver Muskelentspannung unterwiesen wurden, haben Rousseau et al. (1985) durchgeführt. Ein spezifischer Einsatz im Zusammenhang mit den Anfällen wurde nicht vermittelt, gleichwohl zeigte sich ein signifikanter Rückgang der Anfälle, allerdings bei zwei von vier Patienten bereits in der Kontrollbedingung (die Patienten wurden instruiert, sich zweimal täglich ruhig hinzusetzen und zu entspannen). Nach der Teilnahme an der Experimentalbedingung verringerte sich die Anzahl der Anfälle weiter. Die Autoren sehen Einschränkungen in der geringen Zahl der Patienten, in der Selektion (von 400 angeworbenen Patienten eigneten sich 15 für die Studie, davon schieden sieben vor Abschluß aus) und in der ungeklärten Frage einer anfallsspezifischen Indikation.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Abstract14
THEORETISCHER TEIL15
1 EPILEPSIEN15
1.1 Klassifikation epileptischer Anfälle15
1.2 Epidemiologie16
1.3 Pathophysiologie17
1.4 Medizinische Behandlung19
1.5 Prognose20
2 VERHALTENSMEDIZINISCHE25
2.1 Methoden der Reizkontrolle27
2.2 Reaktions-bezogene Methoden29
2.3 Kontingenzmanagement40
2.4 Kombinierte Therapien41
3 FRAGESTELLUNG44
EMPIRISCHER TEIL47
4 DIE STUDIE47
4.1 Institutioneller Rahmen und Patienten47
4.2 Versuchsplan51
4.3 Meßinstrumente51
5 THERAPIEPROGRAMM58
5.1 Ziele, Inhalte und Methoden58
5.2 Übersicht Therapieplan61
5.3 Biofeedback65
5.4 Spezifische Bestandteile des Trainings69
5.4.1 Kritische Situationen und „B“ (Positivierung)69
5.4.2 Selbstkontrolle70
5.4.3 Selbstverstärkung70
5.4.4 Auslösende Reize („Auf der Suche nach den Auslösern“)71
5.4.5 Entspannungstraining72
5.4.6 Patienteninformation73
5.4.7 Umgang mit der Krankheit74
5.4.8 Verstärkeranalyse („Weniger oder keine Anfälle mehr und dann?“)76
5.4.9 Rückfallprävention76
6 ERGEBNISSE78
6.1 Langsame Hirnpotentiale78
6.2 Anfälle79
7 ERGEBNISSE104
8 LITERATUR118
Teil III Anhang132
1 THERAPIEMATERIALIEN132
2 FRAGEBÖGEN UND INSTRUKTION150

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