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Erarbeitung und Aufführung des Theaterstückes 'Das Wasser gehört allen'

Im Rahmen des Comenius-Projektes in einer zweiten Grundschulklasse

AutorAlexandra Ludwig
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl54 Seiten
ISBN9783638579902
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde, Note: 2,0, , 42 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Schultheater hat in der schulischen Bildung der letzten Jahre neue Bedeutung gewonnen.Gründe dafür sind in der besonderen Aufmerksamkeit für eine umfassende ästhetische Bildung, im pädagogischen Anliegen einer Verbindung von Emotion, Imagination, Kognition und körperlichem Ausdruck und auch in der Entwicklung einer produktionsorientierten Literaturdidaktik zu sehen. Vor allem vor dem Hintergrund der Veränderten Kindheit scheint das Schultheater eine bedeutsame Stellung in der Grundschule einzunehmen. Da gegenwärtig besonders der erhöhte Medienkonsum bei Kindern zu einer Verringerung der unmittelbaren Erfahrungen und der Ausdrucksfähigkeit führt, die Fähigkeit der Fantasie verdeckt, nur bestimmte Sinne anspricht und soziale Fähigkeiten unterentwickelt lässt, muss es Aufgabe des Unterrichts sein, diese Defizite in der Entwicklung eines Kindes durch einen Unterricht, in dem die Schüler sich mit anderen auseinandersetzen und praktisch handelnd lernen, auszugleichen. Das Schultheater als Medium der Vereinigung vieler Lern- und Bildungsfelder kann hierzu ein gewichtiges Potential bereitstellen. Kinder haben Spaß daran, ihren Körper darstellend einzusetzen und Symbolik, wie Gestik und Mimik zu nutzen. Deutlich wird dies in den Rollenspielen, wie Mutter- und Kind, die Kinder spielen. Die Lust am Darstellenden Spiel ist Kindern also noch zu eigen und ihr teilweise verdecktes kreatives Potential kann damit im Unterricht aufgegriffen und gefördert werden. - Inwiefern ist es möglich, mit einer zweiten Grundschulklasse ein Theaterstück zu erarbeiten und zu entwickeln? - Welche Lerninhalte können dabei vermittelt werden? - Warum ist das Theaterspiel besonders für den Deutschunterricht geeignet? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

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Leseprobe

II. Zur Planung der Unterrichtseinheit


 

2.1 Organisatorische Rahmenbedingungen und Vorüberlegungen


 

Die im Folgenden dargestellte Unterrichtseinheit wurde mit einer zweiten Grundschulklasse durchgeführt. Für die Unterrichtseinheit stand ein Zeitraum von sechs Wochen zur Verfügung. Neben den für die Erarbeitung und Aufführung des Theaterstückes verwendeten Deutschstunden war es ergänzend dazu unter fächerübergreifendem Aspekt möglich und nötig, Unterrichtsstunden aus den Fächern Sachunterricht, Musik und Kunst in die Planung mit einzubeziehen (vgl. 2.4).

 

Schon vor Beginn der Einheit sind einige Dinge zu bedenken, um die Einheit selber ohne zusätzliche Schwierigkeiten durchführen zu können und zu einer gelungenen Aufführung zu kommen.

 

Die dem Theaterstück zugrunde liegende Geschichte sollte einen Bezug zum Thema Wasser haben, die Schüler interessieren und motivieren und vom Inhalt leicht verständlich sein (vgl. 1.3). Zudem muss sie soviel Inhalt bieten, dass jedes Kind eine Rolle erhalten kann. Da ich auf dieser Textgrundlage erst anhand der Schüleräußerungen während der Proben einen Rollentext erstellen werde, kann ich diesen an die sprachlichen Fähigkeiten der Schüler anpassen und damit den Aufbau und die Länge entsprechend dieser Fähigkeiten gestalten (vgl. 3.2.4)

 

 Es ist notwendig, die Eltern frühzeitig über das Vorhaben und den Aufführungstermin in Kenntnis zu setzen, um eventuell deren Hilfe in Anspruch zu nehmen und um nicht mit privaten Terminen in Konflikt zu geraten. Der Probenzeitraum darf dabei nicht zu kurz ausfallen, um eine Einschränkung der Kreativität der Schüler und Misserfolgserlebnisse während der Aufführung aufgrund zu weniger Proben zu vermeiden.

 

Die Räumlichkeiten für die Theaterproben und die Aufführung und die Aufbewahrung der Requisiten, wie der Trommeln, während der Proben sollten im Vorhinein geklärt werden. Vor allem der Probenraum darf nicht zu klein sein, damit die Umstellung für die Schüler von der Probenbühne auf die richtige Bühne nicht zu groß ist.

 

2.2 Lernvoraussetzungen der Klasse


 

Die Klasse ist mir seit Beginn meiner Anwärterzeit im Mai 2005 bekannt. Seit September 2005 unterrichte ich in dieser Klasse das Fach Deutsch eigenverantwortlich mit fünf Wochenstunden, das Fach Sachunterricht mit drei Wochenstunden.

 

Die Klasse 2 setzt sich aus neun Jungen und zehn Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren zusammen. In der Klasse 2 hat es seit der Einschulung weder Neuzugänge noch Abgänge gegeben, so dass sich eine feste Klassengemeinschaft bilden konnte.

 

Sechs Schüler[69] sind Kinder ausländischer Eltern. Die Eltern von A und B sind libanesischer Herkunft. C’s Eltern sind russische Spätaussiedler. D stammt von einer bulgarischen Mutter ab. E’s Eltern kommen aus der Türkei, F’s Eltern aus Algerien. Er hat das erste Schuljahr wiederholt. Bis auf D, die perfekt Deutsch spricht, haben alle Schüler an der Sprachfrühförderung teilgenommen. Aufgrund der oben skizzierten sprachlichen Problematik ist nicht vorauszusetzen, dass allen Schülern Begriffe, die über den einfachen deutschen Grundwortschatz hinausgehen, immer bekannt sind.

 

Das Sozialverhalten der Klasse hat sich positiv entwickelt. Die Atmosphäre ist in der Regel von einem hilfsbereiten und freundlichen Umgang miteinander geprägt. Es bestehen freundschaftliche Beziehungen unter den Kindern. Insbesondere G, H und D bemühen sich um ein gutes Klassenklima, indem sie sich oft helfend und vermittelnd für ihre Mitschüler einsetzen.

 

Mitunter zeigen einzelne Kinder im Sozialverhalten noch Defizite. So fallen F, G, H und E manchmal durch eigensinniges Verhalten auf. Dadurch geraten sie mit ihren Mitschülern in unnötige Streitsituationen, die in nachfolgenden Gesprächen jedoch stets konstruktiv geklärt werden können.

 

Das Arbeitsverhalten der Schüler ist bei vielen als lebhaft und engagiert zu bezeichnen. Bei guter Motivierung stehen sie dem Fach Deutsch aufgeschlossen gegenüber. Sie arbeiten überwiegend aktiv und produktiv, was zu einer positiven Arbeitsatmosphäre beiträgt.

 

Im mündlichen Bereich fällt es insbesondere I, J und K aufgrund ihres hohen Mitteilungsbedürfnisses zeitweise noch schwer, sich an die vereinbarten Gesprächsregeln zu halten, sich zurückzunehmen und anderen zuzuhören. H, G, E, L und I sind bei Unterrichtsgesprächen teilweise mit unterrichtsfremden Dingen beschäftigt.

 

Das Leistungsniveau der Kinder in der Klasse ist recht unterschiedlich. I, K, H, M und F gehören zu den leistungsstarken Schülern. Sie arbeiten im schriftlichen Bereich schnell, zielstrebig und selbständig und bringen Unterrichtsgespräche mit gut durchdachten Beiträgen voran. Leicht können sie sich Texte merken. Zu den leistungsschwächeren Schülern zählen E, B, C, N und O. Sie benötigen beim Verfassen schriftlicher Arbeiten zusätzliche Hilfestellung. Zudem beanspruchen sie beim Erlesen von Texten mehr Zeit. Durch den Leistungsunterschied werden schriftliche Arbeiten auch vom Zeitaufwand her unterschiedlich bewältigt.

 

Zur Lernausgangslage im Hinblick auf die Unterrichtseinheit ist das Folgende zu erwähnen:

 

Im ersten Schuljahr führte die Klasse bereits ein Theaterstück anlässlich der alljährlichen Schultheatertage auf. Somit haben die Schüler einige Vorerfahrungen in Bezug auf den Bau von Kulissen, Theaterübungen, Szenisches Spiel und die Durchführung einer Theateraufführung. Zudem war die Klasse vor Weihnachten im Stadttheater und hat sich „Max und Moritz“ angesehen. Spielformen des Theaters, wie das Rollenspiel, aber auch das Reflektieren von Erlebtem kennen sie. Das Schreiben einer Einladung im Deutschunterricht ist für die Schüler neu, allerdings ist davon auszugehen, dass sie Einladungen aus dem Privatleben kennen (vgl. 3.1).

 

Unter fächerübergreifendem Aspekt ist zu sagen, dass die Schüler über das Leben in der Savanne und die Savannentiere vor Beginn der Unterrichtseinheit kaum etwas wussten. Durch eventuelle Zoobesuche oder Filme sind einige Schüler z.B. mit Afrikanischen Elefanten, Giraffen oder Zebras vertraut. Vorerfahrungen im Trommeln sind bei zwei Schülern vorhanden.

 

Die bereits in den theoretischen Grundlagen vorgenommene Auseinandersetzung mit Theater an sich und dem aufgeführten Theaterstück dient als Sachanalyse.

 

2.3 Allgemeine didaktische Begründungen


 

Die Unterrichtseinheit ist in den unterschiedlichen Phasen der Einheit insgesamt drei Lernbereichen zuzuordnen.

 

Zunächst ist sie dem Lernbereich „Sprechen und Hören“ zuzuordnen, welcher die Förderung folgender Fähigkeiten umfasst: zuhören, Gespräche führen, erzählen und berichten.[70] Die Schüler sollen verschiedene Gefühle ausdrücken, in Grundformen des szenischen Darstellens kleine Rollen übernehmen und ausgestalten und kritisch verarbeiten. Weitere Ziele sind in diesem Lernbereich sprachliche Mittel wie die Artikulation, die Betonung und die Lautstärke bewusst variierend einzusetzen und sprachbegleitende Mittel wie Mimik, Gestik und Körperhaltung zu beachten und gezielt einzusetzen (vgl. 1.1.5.1).[71] Die Bildungs-standards und die Anhörfassung des Kerncurriculums für das Fach Deutsch bestätigen diese Ziele.[72] Während der Proben und der Darstellung der verschiedenen Savannentiere müssen die Schüler diese Fähigkeiten einsetzen, indem sie verschiedene Rollen übernehmen und ausgestalten, Gefühle ausdrücken, dabei sprachbegleitende Mittel anwenden und das Dargestellte im Hinblick auf den Inhalt des Theaterstückes kritisch reflektieren (vgl. 3.1).

 

 Die Unterrichtseinheit ist des Weiteren dem Teilbereich „Umgang mit Texten“ innerhalb des Lernbereiches „Weiterführendes Lesen“ zuzuordnen. In diesem Lernbereich soll es dem Schüler ermöglicht werden, sich mit Texten emotional auseinanderzusetzen, dabei Fantasie zu entwickeln, seine Leseinteressen zu vertiefen und zu erweitern sowie Freude am Lesen zu erfahren. Diese Förderung der Lesefreude hat Vorrang vor dem kognitiven Umgang mit Texten.[73] Laut Kerncurriculum ist es „Aufgabe des Deutschunterrichts, Lesefreude und Leseinteresse zu wecken und zu fördern. Literarische Texte (…) eröffnen Zugänge zu verschiedenen Weltsichten und ästhetischen Vorstellungen. In der produktiven Auseinandersetzung mit literarischen Texten entwickeln sie ihre Fähigkeit zur Empathie.“ [74] Durch das Lesen des Ausgangs- und des Rollentextes wird diesem Ziel entsprochen. Zudem ermutigt der Deutschunterricht die Schüler zu einem kreativen Umgang mit Sprache.[75] Dieses Ziel kann laut Rahmenrichtlinien durch die Umsetzung eines Erzähltextes in Szenisches Spiel erreicht werden.[76] Indem die Schüler den Rollentext selbst entwickeln und...

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