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Erziehungsunsicherheit. Herausforderungen der Elternschaft

Der Elternkurs 'Starke Eltern - Starke Kinder' zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz

AutorLena Giller
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl117 Seiten
ISBN9783640816880
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Pädagogik - Familienerziehung, Note: 1,3, Universität Bielefeld, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Erziehung der Kinder ist eine alltägliche Aufgabe und Herausforderung, bei der immer mehr Eltern an ihre Grenzen stoßen. Die meisten Eltern lieben ihre Kinder und möchten in der Erziehung alles richtig machen. Ihre Kinder sollen sich zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln. Aber wie sieht eine 'gute' und 'richtige' Erziehung aus? Eltern stehen vor vielen Fragen und Entscheidungen, wenn es um die Entwicklung und Erziehung ihrer Sprösslinge geht: Braucht mein Kind klare Grenzen oder vor allem Freiraum, um sich entwickeln zu können? Welcher Erziehungsstil ist am besten? Wie kann ich mein Kind optimal fördern? Mit diesen und anderen Fragen müssen sich Eltern immer wieder auseinandersetzen. Viele Eltern fühlen sich in ihrer Erziehungsaufgabe allein gelassen und sind auf der Suche nach Orientierung und Unterstützung. Seit Jahren ist das Interesse an den zum Teil sehr umstrittenen Medienangeboten, wie 'Teenager außer Kontrolle - Letzer Ausweg Wilder Westen' (zuletzt ausgestrahlt von Februar bis April 2010) oder 'Die Super Nanny' (RTL) ununterbrochen groß. 'So kam Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank (...) auf einen Marktanteil von satten 21,7 Prozent (...), 2,59 Millionen 14 bis 49-Jährige waren dabei. Dies war zugleich Rang zwei in den Quoten-Top-Ten vom Mittwoch' (Tv-Tipps 2009). In 'Die Super Nanny' besucht eine Diplom-Pädagogin Familien mit Erziehungsproblemen in ihrem häuslichen Umfeld und steht ihnen beratend zur Seite. In der Reality Show 'Teenager außer Kontrolle - Letzer Ausweg Wilder Westen' werden schwer erziehbare Jugendliche einer Therapie in der freien Natur unterzogen. Sie sollen, weit entfernt von der Zivilisation, resozialisiert werden.

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Leseprobe

3 Erziehungskompetenz


 

Der aufgezeigte gesellschaftliche bzw. familiale Wandel führt zu vielfältigen Herausforderungen in der Elternschaft. Viele Eltern sind verunsichert, wie sie ihre Kinder „richtig“ erziehen sollen. Aber was macht eine kompetente Erziehung aus und was benötigen Kinder von ihren Eltern für eine gesunde Entwicklung?

 

Um sich mit Fragen der Erziehungskompetenz differenziert auseinandersetzen zu können und ein Verständnis für dieses Themenfeld zu ermöglichen, ist es zunächst notwendig den Erziehungsbegriff zu definieren.

 

3.1 Begriffsdefinition Erziehung


 

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine allgemeingültige Begriffsdefinition. Je nach fachspezifischen, zeitgeschichtlichen und  individuellen Hintergrund fällt die Auffassung darüber, was Erziehung ist, sehr unterschiedlich aus.

 

„Ein Prozess wie dessen Ergebnis, eine Absicht wie ein Handeln, ein Zustand wie dessen Bedingung, eine (deskriptive) Beschreibung und eine (präskriptive) Wertung, eine absichtsvolle Handlung (intentional) wie absichtslose gesellschaftliche Einflüsse (funktional), ein historisches Phänomen wie ein überzeitliches usw.“ (Gudjons 2001, S. 184).

 

Brezinka hat versucht aus der Fülle von Begriffsbestimmungen, diejenigen Merkmale herauszufiltern, die eine wissenschaftliche Präzisierung ermöglichen. Brezinka (1977) definiert Erziehung folgendermaßen:

 

Unter Erziehung werden soziale Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Komponenten zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten“ (S. 95, Hervorheb. im Original).

 

Nach Gudjons (2001) enthält Brezinkas Begriffsdefinition mindestens fünf Merkmale (vgl. S. 188). Diese sind in Abbildung 4 wiedergegeben.

 

Abbildung 4: Der Erziehungsbegriff nach Brezinka

 

 

Quelle: Gudjons 2001, S. 189

 

Als erstes verweist Brezinkas Definition darauf, dass Erziehende Menschen sind. Aus der Bestimmung der Erziehung als Handlung (englisch: action) folgt, daß nur Menschen Subjekte der Erziehung sein können“ (Brezinka 1977, S. 72).

 

Zweitens versuchen Erziehende auf die Persönlichkeit des zu Erziehenden einzuwirken. Da die erzieherischen Bemühungen lediglich als ein Versuch verstanden werden, kann dieser sowohl gelingen, als auch erfolglos bleiben.

 

Weiterhin ist Erziehung durch soziale Handlungen gekennzeichnet. Das bedeutet, die Handlungen werden bewusst und willentlich eingesetzt, um ein ganz bestimmten Zweck zu verfolgen. Sozial meint in diesem Zusammenhang, dass die Handlungen auf jemand anderen bezogen sind.

 

Erziehungsverhaltensweisen unterscheiden sich insbesondere von anderen Handlungen dahingehend, dass sie darauf abzielen, die psychischen Dispositionen des zu Erziehenden in irgendeiner Hinsicht zu verändern. Unter psychischen Dispositionen sind „(…) relativ dauerhafte psychische Bereitschaften zum Erleben und Verhalten [gemeint] (das können Kenntnisse, Haltungen, Einstellungen, Interessen etc. sein)“ (Gudjons 2001, S. 189).

 

Die psychischen Dispositionen zu verändern bedeutet, sie zu verbessern, zu erhalten oder zu beseitigen. Erzieherische Handlungen zielen darauf ab, vorhandene Dispositionen, die als wertvoll betrachtet werden, zu verbessern und zu verstärken. Noch nicht vorhandene Dispositionen sollen erzeugt und ungünstige Dispositionen beseitigt werden (vgl. Brezinka 1977, S. 84).

 

Dennoch räumt Brezinkas selbst ein, dass seine Begriffsdefinition immer noch verbesserungswürdig ist. Sein Erziehungsbegriff ist sehr allgemein gehalten und daher im hohen Maße generalisierbar. Dadurch fällt es schwer, Erziehung präzise bestimmen zu können (vgl. Brezinka 1974, S. 95).

 

Eine weitere Möglichkeit einen Zugang zum Erziehungsverständnis zu erhalten, erfolgt durch die Bildung von Metaphern. Auch hier gibt es eine Vielzahl an Bildern, die letztendlich aber alle zwei Grundverständnisse von Erziehung beinhalten.

 

Zum einen gibt es das Bild des Bildhauers bzw. Handwerker, bei dem der Erziehungsprozess mit einer handwerklichen Produktion verglichen wird. Erziehung wird hier als „herstellendes Machen“ (Gudjons 2001, S. 185, Hervorheb. im Original) verstanden. Ähnlich wie der Handwerker gebraucht auch der Erzieher ganz bestimmte Methoden und Mittel, um ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Dieses Verständnis von Erziehung lässt sich zurückführen auf Lockes „Essay Concerning Human Understanding“ (vgl. Gudjons 2001, S. 185). Locke geht zwar davon aus, dass jeder Mensch eine natürliche Anlage mitbringt, dennoch sind für ihn die Erfahrungen, insbesondere die Erziehungserfahrungen, prägend für die weitere Entwicklung.

 

Zum anderen gibt es das Bild des Erziehers als Gärtner bzw. Bauer, der das Kind analog zum Bild der Pflanze pflegt und schützt und dadurch den natürlichen Entwicklungsprozess des Kindes begleitend unterstützt. Erziehung wird hier verstanden als „begleitendes Wachsenlassen“ (vgl. ebd., Hervorheb. im Original). Diese Richtung geht zurück auf Rousseaus „Emile“ und seiner Vorstellung der natürlichen Entwicklung.

 

Eine ideale Erziehung beinhaltet immer beide Grundverständnisse von Erziehung und ist damit zugleich Führen als auch wachsen lassen. „Erziehung allein als Wachsenlassen hebt sich selbst auf, Erziehung allein als Führen schafft keine Mündigkeit und wird totalitär“ (Gudjons 2001, S. 186).

 

Die beiden Metaphern spiegeln ganz bestimmte Grundhaltungen und die damit verbundenen Verhaltensweisen im Erziehungsprozess wider. Im folgenden stelle ich diese anhand der vier grundlegenden Erziehungsstile vor.

 

3.1.1 Erziehungsstile


 

Unter einem Erziehungsstil versteht man die charakteristischen Verhaltensweisen des Erziehers gegenüber dem zu erziehenden, die durch eine relativ konstante Grundhaltung gekennzeichnet sind (vgl. Hobmair et al. 2002, S. 217).

 

Die erste Erziehungsstilforschung wurde in den 1930er Jahren in den USA von Lewin und seinen Mitarbeitern durchgeführt.

 

Lewin beschäftigte sich zunächst nicht mit den Erziehungsverhaltensweisen von Eltern, sondern mit denen von Gruppenleitern. Daher verwendet er anstatt des Begriffs „Erziehungsstil“ den Begriff „Führungsstil“.

 

In seiner Studie untersuchte er die Auswirkungen verschiedener Führungsstile auf Jugendgruppen, deren Leistungsniveau sowie ihr Sozialverhalten. Hierzu beobachtete er das Verhalten von Kindern im Alter zwischen 10 bis 12 Jahren, die unter der Leitung einer Person, bestimmte Bastel- und Werkarbeiten erledigen sollten.

 

Der Gruppenleiter führte die Gruppen nach ganz bestimmten Kriterien. Unterschieden wurden hierbei die drei Führungsstile autoritär, demokratisch und laissez-faire.

 

Der autoritäre Erziehungsstil zeichnet sich durch eine enorme Führung des Gruppenleiters aus, indem er wesentliche Entscheidungen trifft und dadurch direkte Kontrolle ausübt.

 

Im Vergleich dazu lässt der laissez-faire Gruppenleiter den Kindern völlige Freiheit und nimmt eine passive Rolle ein.

 

Der demokratische Erziehungsstil ist durch eine unterstützende Haltung des Gruppenleiters gekennzeichnet. Er macht den Gruppenmitgliedern zwar Vorschläge, aber beeinflusst sie nicht in ihren Entscheidungen (vgl. Fuhrer 2005, S. 225).

 

Die drei Erziehungsstile wirken sich unterschiedlich auf das Verhalten der Kinder aus. Unter den Kindern, die von einem autoritären Gruppenleiter geführt wurden, waren häufiger aggressive Tendenzen zu erkennen, ins-besondere bei Abwesenheit des Gruppenleiters. Die Kinder waren sehr auf die Anweisungen des Gruppenleiters fixiert. Dies schränkte ihre Kreativität ein.

 

Am entspanntesten und kreativsten waren die Kinder, die einen demokratischen Führungsstil erfahren haben. Das Gruppenklima untereinander war sehr angenehm und alle Mitglieder waren gleichberechtigt. Die Kinder zeigten nur sehr selten aggressives Verhalten.

 

Dahingegen zeigten die Kinder der laissez-faire geführten Gruppe wenig strukturierte Verhaltensweisen. Auch in dieser Gruppe entstanden Aggressionen in Folge von Unzufriedenheit und Missmut (vgl. Hobmair et al. 2002, S. 221).

 

Die Qualität der erbrachten Leistungen unterschieden sich und waren abhängig von dem jeweiligen Führungsstil.

 

„Am unproduktivsten verhielt sich die mit dem laissez-faire-Stil geführte Gruppe. Autoritär und demokratisch geleitete Gruppen boten in etwa die gleiche Leistung, allerdings war die Qualität der erbachten Arbeit in den demokratisch geführten Gruppen höher“ (Hobmair 2002 et al., S. 221).

 

Anhand der Studie wird deutlich, dass...

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