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E-Book

Ethnizität, Geschlecht, Familie und Schule

Heterogenität als erziehungswissenschaftliche Herausforderung

VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl428 Seiten
ISBN9783531921082
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis40,00 EUR
Zu einer der großen Herausforderungen im 21. Jahrhundert gehört es, Modelle für das Verstehen von und den Umgang mit Vielfalt in gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten zu finden. Heterogenität wird in diesem Zusammenhang zunehmend mehr zum Leitbegriff der Beschreibung und Analyse dieser Vielfalt in den Dimensionen der sozialen, kulturellen und sprachlichen Herkunft und des Geschlechts, des Alters sowie individueller Voraussetzungen. Der Band arbeitet in der Fokussierung auf die Themenfelder Schule und Familie - entlang der (Ungleichheits-)Dimensionen Ethnizität, Geschlecht und Alter - die Problemlagen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und die daraus resultierenden Konsequenzen für Sozialisations- und Bildungsprozesse von Heranwachsenden heraus.

Dr. Jörg Hagedorn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Pädagogik der Kindheit und Jugend, Universität Augsburg.
Dr. Verena Schurt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre (ZdFL), Universität Augsburg.
Dr. Corinna Steber ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
Dr. Wiebke Waburg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pädagogik der Kindheit und Jugend, Universität Augsburg.

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Leseprobe
Zur Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit für die Arbeit im Elementarbereich (S. 141-142)

Sowohl im Elementar- als auch im Grundschulbereich sind in Deutschland überwiegend Frauen beschäftigt. Auch mit der privaten Erziehungs- und Alltagsarbeit sind deutlich mehr Frauen als Männer befasst. In den letzten Jahren wird dieser Tatbestand sowohl in Fachdiskursen als auch von einer breiteren Öffentlichkeit zunehmend problematisiert.

Dabei stehen meist die Jungen im Mittelpunkt des öffentlichen und fachlichen Interesses. Ihre sozialen und schulischen Schwierigkeiten werden mit der weitgehenden Abwesenheit von Männern und der mehrheitlichen Anwesenheit von Frauen in der männlichen Kindheit in Verbindung gebracht. Umgekehrt scheint dann die Lösung der aktuellen Probleme (wie immer sie definiert werden), zunächst in der vermehrten Anwesenheit von Männern in den Kinderzimmern, Kindergärten und Grundschulen zu bestehen.

Die pädagogische Erfahrung und Forschung zeigt jedoch, wie es sich beispielsweise in der Koedukationsforschung eindrücklich dokumentiert, dass Organisationsformen oder pädagogische Settings zwar einen bedeutsamen Faktor in pädagogischen und professionellen Prozessen darstellen, dass aber Veränderungen auf der organisatorischen Ebene allein nicht automatisch zu Verbesserungen auf den pädagogischen und institutionellen Ebenen führen (vgl. z.B. Breitenbach 2002; Herwartz-Emden 2007). Auf einer politischen Ebene (auch auf der Ebene der Europäischen Union) erhält die Forderung nach einer Erhöhung des Männeranteils in den Kindertageseinrichtungen und in der Grundschule breite Zustimmung (vgl. Rohrmann 2008).

Die politische Argumentation des Gender Mainstreaming (vgl. Rabe-Kleberg 2003) erfordert den ungehinderten und selbstverständlichen Zugang von Männern zu Frauenberufen (und Frauen zu Männerberufen) mit dem Ziel, den engen Zusammenhang von Geschlechtszugehörigkeit und beruflicher Tätigkeit mit allen seinen negativen Implikationen auszuhebeln. Unklar bzw. widersprüchlich bleibt in der Diskussion oft, welches eigentlich die pädagogischen Ziele der angestrebten oder durchgeführten Maßnahmen sein sollen: Geht es um eine Erweiterung der Spiel- und Handlungsräume für beide Geschlechter?

Geht es um eine Dramatisierung oder Entdramatisierung der Geschlechterdifferenzen oder irgendwie um beides? Geht es um Jungenförderung durch Männer? Geht es um eine Etablierung traditioneller Geschlechterverhältnisse? Geht es um eine Veränderung der Angebote in den Kindergärten? Ich setze den Schwerpunkt in diesem Aufsatz nicht auf den politischen, sondern auf den pädagogischen Dimensionen des Themas. Ich frage nach den Ausgestaltungen und Bedeutungen der Geschlechtszugehörigkeit – der Erzieher/ innen, aber auch der Kinder – in der pädagogischen Arbeit im Elementarbereich1. Ich greife dabei auf sozialkonstruktivistische Ansätze der Geschlechterforschung zurück, die für den Elementarbereich noch nicht wirklich fruchtbar gemacht wurden.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Grußwort6
Inhaltsverzeichnis7
Einleitung10
Ethnizität und Bildungserfolg – begriffsgeschichtlich und empirisch beleuchtet13
1 Kurzer Abriss über die Geschichte des Begriffs ‚Ethnizität’ – ein Blick über die Grenzen der Interkulturellen Bildungswissenschaft13
2 Interkulturellen Pädagogik: Ethnizität als beeinflussender Faktor für Schulerfolg?20
3 Ein Gedanke zum Abschluss25
Literatur25
Erfolg und Misserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund beim Spracherwerb in der Grundschule30
1 Die Ausgangsposition30
2 Spracherwerb32
3 Untersuchungshypothesen37
4 Das Design der Untersuchung und Instrumente38
5 Ergebnisse der Untersuchung41
6 Diskussion der Ergebnisse46
Literatur47
Familialer Hintergrund, Übertrittsempfehlungen und Schulerfolg bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund52
1 Einleitung52
2 Familialer Hintergrund, Übertrittsempfehlungen und Schulerfolg53
3 Die eigene Studie – SOKKE58
4 Ergebnisse61
5 Fazit und Ausblick71
Literatur73
Migrationskindheit erzählt – Das Sprechen über sich selbst als Aneignung von Erinnerung77
1 Vom machtvollen und ordnungsstiftenden Sprechen77
2 Das Sprechen über sich selbst und die Biographieforschung78
3 Sprechen über sich selbst I: Das Erlebte80
4 Sprechen über sich selbst II: Artikulation84
5 Resümee: Artikulation und Bildung88
Literatur90
Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund – Eine empirische Reflexion einer bildungspolitischen Forderung92
Einleitung92
1 Heterogenität der Schüler(innen)schaft, Bildungsbeteiligung und schulischer Bildungserfolg: Ausgangspunkte der Forderung nach mehr Lehrkräften mit Migrationshintergrund94
2 Feldbeschreibung: Lehrende mit Migrationshintergrund und nicht-deutscher Staatszugehörigkeit im staatlichen Beschäftigungsverhältnis96
3 Empirische und systematische Hinweise auf besondere, zu erwartende Effekte durch Lehrkräfte mit Migrationshintergrund97
4 Als Fazit – Ein Forschungsausblick112
Literatur116
Geschlecht und Gewaltprävention122
1 Geschlecht und Gewalt122
2 Geschlechterdifferenz in der Sozialisation123
3 Gewalt als Skandal126
4 Opferprävention128
5 Täterprävention130
6 Prävention und Migrationshintergrund132
Literatur134
Zur Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit für die Arbeit im Elementarbereich136
1 Die Institution und ihr Personal: Wie viele Männer und Frauen arbeiten im Elementarbereich?138
2 Die Institution und ihr Personal: Was wird passieren, wenn die Männer kommen?141
3 Geschlechterreflektierende Arbeit mit Kindern: Frauen an die Werkbank, Männer in die Rollenspielecke?143
4 Geschlechterreflektierende Arbeit mit Kindern – die Frage der Geschlechtsidentität145
5 Sex und Gender?146
6 Wie Geschlecht entsteht148
7 Schluss149
Literatur151
Interdependente Geschlechtskonstruktionen in der Mädchenschule. Ein empirisch-intersektioneller Blick auf geschlechtersegregierte Lernkontexte153
1 Problemaufriss: Heterogenität als Herausforderung für die Erziehungswissenschaft153
2 Die Frage der empirischen Erfassung von Heterogenität – eine Antwort auf Ebene qualitativer Forschungsmethodologie154
3 Ausgangsannahmen: Zum Zusammenhang von Mädchenschule und Geschlecht157
4 Geschlechtskonstruktionen im segregierten Raum einer Mädchenschule158
5 Fazit175
6 Schluss178
Literatur179
Gender und Heterogenität in der politischen Bildung mit eingewanderten Frauen und Männern182
1 Einleitung: Gender und Heterogenität in der Erwachsenbildung182
2 Integrations- und Orientierungskurse: (politische) Erwachsenbildung für Migranten und Migrantinnen187
3 Evaluationsstudien: Gender Mainstreaming in Kompass- und Erstorientierungskursen190
4 Fazit: Die Intersektionalitätsperspektive als methodisch herausragende Fragestellung203
5 Ausblick205
Literatur207
Geschlecht und Erziehung in Familien und die doppelte Entgrenzung210
Einleitung210
1 Systemische Theorie der Familie und das Geschlecht211
2 Konstruktion von geschlechtstypischer Identität bei Mädchen und Jungen in Familien215
3 Doppelte Entgrenzung und Doppelbelastung: Verarbeitung der Wandlungsprozesse der Familie219
4 Fazit225
Literatur225
Pluralität – Heterogenität – Heterotopie? Begrifflich-theoretische Anmerkungen zur Frage nach dem Wandel von Familie230
1 Der analytische Blick auf Familie: Begriffsprobleme231
2 Familie aus kulturtheoretischer Perspektive235
3 Wissenssoziologisch-diskurs-/dispositivanalytische Weiterungen240
4 Fazit: Zum Verhältnis von Familie und sozialem Wandel246
Literatur247
Zentrale wissenschaftliche Positionen zur aktuellen Situation der Familie und ihre Widerspiegelung in Sozialkundebüchern in Deutschland – ein Werkstattbericht250
1 Kontroversen und Ergebnisse der aktuellen sozialwissenschaftlichen Familienforschung in Deutschland – einige Akzentsetzungen250
2 Schulbuchanalysen255
3 Schluss259
Literatur260
Vom gerechten Umgang der Schule mit religiös-weltanschaulicher Heterogenität. Ergebnisse der Durchführung einer Lehr-Lernsequenz mit Schülerinnen und Schülern261
1 Schule als Ort interreligiös-interkultureller Verständigung262
2 Lehr-Lernsequenzen zur Förderung interreligiös-interkultureller Verständigung263
3 Die Durchführung der Lehr-Lernsequenz „Von der Schwierigkeit der Toleranz“264
4 Evaluation der Lehr-Lernsequenz278
5 Zusammenfassung281
Literatur284
Perspektiven für heterogenitätsorientierten Unterricht durch Projektarbeit in Lernbereichen in der Sekundarstufe I286
1 Einleitung286
2 Design und Fragestellung der Studie288
3 Einstellung zur Schule und zu den Lernbereichen291
4 Umgang mit Heterogenität294
5 Fazit301
Literatur304
Das Heterogenitätsverständnis von Lehrkräften im jahrgangsgemischten Unterricht der Grundschule306
1 Zum Verständnis von Heterogenität im Schulunterricht306
2 Empirische Studie zum Heterogenitätsverständnis von Grundschullehrkräften313
3 Diskussion der Befunde319
Literatur321
Zum Zusammenhang von Geschlecht, kultureller Herkunft und sozialer Herkunft mit Lernen und Leistung im Kontext von Schule und Unterricht323
1 Einleitung323
2 Geschlechts- und herkunftsbezogene Disparitäten im Bildungsbereich324
3 Grundlinien theoretischer Erklärungen326
4 Auswählte empirische Evidenz329
5 Schluss336
Literatur337
Lehrerprofessionalität im Zeichen von Heterogenität – Stereotype bei Lehrkräften als kollegial zu bearbeitende Herausforderung340
1 Einleitung340
2 Umgang mit Stereotypen als Element der Lehrerprofessionalität341
3 Verbesserung des Umgangs mit Heterogenität durch Lehrerkooperation348
4 Ausblick355
Literatur355
Innovative methodische Zugänge für qualitative Forschung im interkulturellen Kontext363
1 Die interkulturelle Forschungskonstellation im Fokus der Methodendiskussion363
2 Selbstzuordnungsprozesse von Migrant(inn)en und Effekte in qualitativen Interviews365
3 Plädoyer für eine Pluralisierung der Perspektiven im Prozess der Datengewinnung369
4 Methodische Anforderungen an die Textinterpretation371
5 Anwendungsbeispiel374
6 Diskussion als Ausblick386
Literatur388
Heterogenität als erziehungswissenschaftliche Herausforderung – Über die Schwierigkeit, die Einheit in der Differenz zu denken391
1 Heterogenität als Problemfeld der Dichotomie von Einheit und Differenz392
2 Heterogenität als Ausweg aus der Dichotomie von Einheit und Differenz – rhizomatisches Denken vorausgesetzt401
3 Heterogenität als erziehungswissenschaftliche Herausforderung407
Literatur410
Autorinnen und Autoren412

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