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Europäische Probleme und Sozialpolitik / European problems and Social Policies

AutorFritz-Helmut Wisch, Marianna Martinson, Paul Martin, Peter Schruth
VerlagFrank & Timme
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl252 Seiten
ISBN9783865960313
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Aus der Perspektive Großbritanniens, Estlands, Schwedens und Deutschlands wird ein Überblick über ausgewählte Probleme europäischer Sozialpolitik vermittelt. Damit sind in der vorliegenden Publikation folgende Ziele verbunden: 1. ein kritisches Verständnis der geschichtlichen Hintergründe europäischer Sozialpolitik zu entwickeln; 2. unterschiedliche Modelle europäischer Sozialpolitik kennen zu lernen und miteinander zu vergleichen; 3. ausgewählte Beispiele von Rechtsgrundlagen europäischer Sozialpolitik kritisch einschätzen, bewerten und vergleichen zu können sowie 4. Zukunftsperspektiven und Strategien für ein inklusives Europa zu gewinnen.

Zu den Autoren

Fritz-Helmut Wisch ist Professor für Heil- und Sonderpädagogik an der Hochschule Magdeburg-Stendal mit den Schwerpunkten Hörbehinderung, Ethik und Anthropologie, Geschichte der Heilpädagogik und Studien zur Inklusion.

Marianne Martinson ist Lektorin an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Tallin (Estland). Sie lehrt im Bereich Grundschul- und Sonderpädagogik

Peter Schruth ist Professor für Rechtswissenschaften an der Hochschule Magdeburg- Stendal mit den Schwerpunkten Jugend- Sozial und Strafrecht, Schuldnerberatung sowie europarechtliche Auswirkungen auf freie Wohlfahrtspflege in Deutschland.

Paul Martin ist der Dekan des Fachbereichs Sozialwesen and Psychologie am Edge Hill College of Higher Education (Großbritannien). Er forscht und veröffentlichte Publikationen auf den Gebieten Bildungspolitik, Identität und politische Ideologie.

 

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Leseprobe
2 SOZIALPOLITIK IN EUROPA (S. 18-19)

Fritz-Helmut Wisch

Sozialpolitik als Teilbereich der Politik greift in verschiedene gesellschaftliche Bereiche ein, um durch eine Angleichung der Lebenschancen und der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung die staatliche Politik trotz des Trends zu wachsender sozialer Ungleichheit in der Industriegesellschaft zu legitimieren und zu stabilisieren (vgl. Knowlex 2004). Aus einer Vielzahl unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Modelle, die sich seit der ersten Initiative zu allgemeinen Sozialversicherungen durch Otto von Bismarck in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelt haben, sind mindestens fünf hervorzuheben:

Das freiwillige, staatlich subventionierte Modell basiert auf gegenseitigen Versicherungslösungen und wurde in der Entstehungsphase des Industrialismus vor allem von Gewerkschaften, Arbeitgebern geschaffen, hinzu kamen öffentliche Finanzierung und Kontrolle.

Das Modell der Bedürftigkeitsprüfung wurzelt in der im 18. Jahrhundert in den Pfarrgemeinden eingeführten Armenpflege.

Das korporative Modell schloss in der von Bismarck in Deutschland vertretenen Form die Höchstverdienenden aus, teilte jedoch die Leistungsempfänger in verschiedene Berufsgruppenprogramme ein.

Das Modell der allgemeinen Grundsicherheit und

das Modell der allgemeinen Einkommenssicherheit haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg in unterschiedlicher Weise in einer Reihe von Industrieländern unter der Maxime entwickelt, die Zahl der Sozialversicherten in einem gemeinsamen System zu maximieren; im besten Falle sollte es alle Einwohner des Landes umfassen.

2.1 AUSGEWÄHLTE EUROPÄISCHE ANTWORTEN

Nach Esping-Andersen (1990), einem der wichtigsten Stellvertreter der komparativen, historisierenden Wohlfahrtsstaatsforschung existieren „Drei Welten" des Wohlfahrtsstaates. Er unterscheidet drei idealtypische Modelle der verschiedenen Wohlfahrtsstaatsregime: das konservative kontinentaleuropäische (F, I, D, NL), das liberale angelsächsische (GB, USA, CAN, Australien und Neuseeland) und das sozialdemokratische skandinavische Modell (v.a. S und DK). Diese Modelle repräsentieren für Esping-Andersen nicht nur qualitative und quantitative Aspekte, sondern auch sozialpolitische Prinzipien sowie Macht- und Parteipolitik der Wohlfahrtsstaaten. Seine drei Modelle stellen jeweils unterschiedliche Formen der Institutionalisierung von sozialer Sicherheit und Vollbeschäftigung dar, wobei Esping-Andersen als Differenzierungskriterium den Begriff der „Dekommodifikation" verwendet, den er versteht als ein Maß an staatlich erwirkter, relativer Unabhängigkeit von den Zwängen und Risiken kapitalistischer Märkte.

Am deutlichsten ausgeprägt wurde der Effekt der Dekommodifikation in den über Jahrzehnte sozialdemokratisch ausgeprägten Regimes in Dänemark, Norwegen und Schweden, wo der Wohlfahrtsstaat als universalistisch verstanden wurde. Anspruchsgrundlage bilden in diesem System die sozialen Bürgerrechte, als weitere Charakteristika der nordischen Wohlfahrtsstaaten gelten nach Esping-Andersens idealtypischer Kategorisierung ein starker Staat, steuerfinanzierte Sozialleistungen und die Sozialdemokratie. (http://lms.cms.hu-berlin.de/cgi-bin/Wohlfahrtsstaat.pl?Wohlfahrtsstaat, S. 2)

Die Europäische Kommission kategorisiert die EU-Mitgliedsländer in vier geosoziale Gruppen, die vergleichbare Strukturen aufweisen:

1. die skandinavischen Länder mit einem Beveridge-System1 allgemeiner Versorgung plus zusätzlicher, beitragsfinanzierter Versorgung der Erwerbstätigen,

2. die angelsächsischen Länder mit einem Beveridge-System allgemeiner, allerdings durch hohe Bedürftigkeitsgrenzen ´durchlöcherter` Versorgung plus zusätzlicher, beitrags- oder selbstfinanzierter Versorgung der Erwerbstätigen,

3. die „rheinischen Länder" mit einem Bismarck-System2 der einkommensabhängigen Sicherung plus hochentwickelter Grundsicherung des soziokulturellen Minimums,

4. die Mittelmeerländer mit einer ausgeprägten Mischung aus Bismarck ´scher Sicherung der Altersversorgung und Einkommenssicherung und zunehmender Gesundheitsvorsorge nach dem Beveridge-Typ (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 1998, 3.1).
Inhaltsverzeichnis
Europäische Probleme und Sozialpolitik6
Inhaltsverzeichnis8
0 Vorworte12
0.1 Vorwort der Herausgeber12
0.2 Vorwort der Autoren15
1 Einführung (Fritz-Helmut Wisch)16
1.1 PROBLEMAUFRISS16
1.2 SCHLÜSSELBEGRIFFE17
1.3 ZIELE17
1.4 LERNERGEBNISSE17
2 Sozialpolitik in Europa (Fritz-Helmut Wisch)19
2.1 AUSGEWÄHLTE EUROPÄISCHE ANTWORTEN19
2.2 RECHTSGRUNDLAGEN EUROPÄISCHER SOZIALPOLITIK (Peter Schruth)69
2.3 EUROPÄISCHE ERKLÄRUNGEN ZU EINER INKLUSIONBEFÖRDERNDEN SOZIALPOLITIK (Fritz-Helmut Wisch)92
2.4 AUSGEWÄHLTE PROBLEME EUROPÄISCHER SOZIALPOLITIK101
3 Weiterführende Aufgaben130
4 Bibliographie133
European Problems and Social Policies134
Contents136
0 Prefaces140
0.1 Editors’ Preface140
0.1 Authors’ Preface142
1 Introduction (Fritz-Helmut Wisch)143
1.1 PROBLEM OUTLINE143
1.2 KEY TERMS144
1.3 OBJECTIVES144
1.4 LEARNING OUTCOMES144
2 Social Policies in Europe (Fritz-Helmut Wisch)145
2.1 SELECTED EUROPEAN ANSWERS145
2.2 Legal Bases of European Social Policies (Peter Schruth)191
2.3 EUROPEAN DECLARATIONS REGARDING AN INCLUSION-PROMOTING SOCIAL POLICY (Fritz-Helmut Wisch)212
2.4 SELECTED PROBLEMS OF EUROPEAN SOCIAL POLICIES221
3 Advanced Tasks245
4 Bibliography247
4.1 PUBLICATIONS247
4.2 FURTHER READING249
Autoren251
Authors252
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