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E-Book

Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums

AutorMartin Zimmermann
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl353 Seiten
ISBN9783831608539
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis27,99 EUR
Physische Gewalt ist eine Universalie der Kulturen und zu allen Zeiten zu beobachten. Besserung im Sinne einer Mäßigung oder einer Abnahme von Gewalt ist in der bisherigen Geschichte der Menschheit nicht festzustellen. Die Formen und der Umfang, in dem sie ausgeübt wird, sind aber einem historischen Wandel unterworfen. Dieser Wandel selbst ist für den Historiker und Kulturwissenschaftler von Interesse, denn jede Zeit findet zugleich besondere Ausdrucksformen, in denen sie über physische Gewalt kommuniziert. Diese mediale Verständigung über physische Gewalt ist ein zentraler Schlüssel zum Verständnis der Kulturen. Die Art und Weise, in der extreme Formen von Gewalt verboten, zugelassen und in Bildern wie Texten thematisiert werden, offenbart zeit- und kulturspezifische Regeln und Ordnungsmuster.

Die in diesem Band versammelten Beiträge versuchen, dies anhand verschiedener Kulturen des Altertums zu verdeutlichen. Dabei geht es auch, aber nicht in erster Linie um eine Rekonstruktion der Gewaltexzesse, sondern um die Frage, ob und wie diese in den Medien der Zeit wiedergegeben werden und welche Informationen sich daraus für die jeweiligen Kulturen der Antike gewinnen lassen.

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Leseprobe
Symbolische Gewalt im Alten Ägypten (Seite 47)

Wenn man das Standardwerk der Ägyptologie, das Lexikon der Ägyptologie, zur Hand nimmt und nach dem Stichwort »Gewalt« sucht, so findet man dort nichts. Man findet weder einen Eintrag »Gewalt« oder ähnliches noch irgendetwas dergleichen im ausführlichen Index. Dies bedeutet nun nicht, wie man sich vielleicht denken kann, daß es im alten Ägypten keine Gewalt gegeben hat, sondern vielmehr, daß sich die Ägyptologen mit dieser Frage nicht beschäftigt haben. Die Gründe hierfür sind diverser Art und zeitabhängig. Die ältere Generation der Ägyptologen betrachtete die alten Ägypter als friedliebend nach dem Motto, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, die mittlere, 68er Generation empfand das Problem als zu komplex, falls sie es überhaupt in den Blick bekommen hat, die jüngere interessiert sich für soziologische und politische Fragestellungen kaum noch.
Im folgenden sei nun Gewalt nicht generell behandelt, sondern lediglich symbolische Gewalt, die vom Staat ausgeht und die sich gegen Personen richtet, nicht gegen Sachen. Der Begriff der symbolischen Gewalt ist heutzutage untrennbar mit dem Namen Pierre Bourdieu verbunden, der folgendes postulierte: »Jede Macht zu symbolischer Gewalt, d. h. jede Macht, der es gelingt, Bedeutungen durchzusetzen und sie als legitim durchzusetzen, indem sie die Kräfteverhältnisse verschleiert, die ihrer Kraft zugrunde liegen, fügt diesen Kräfteverhältnissen ihre eigene, d. h. eigentlich symbolische Kraft hinzu.«
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Vorwort6
Zur Deutung von Gewaltdarstellungen8
I. Im Sog der Gewalt: Die Präsenz von Gewalt in Rom9
II. Und Griechenland?17
III. Eine gewalttätige Antike?20
IV. Soziologie der Gewalt und historische Kontextualisierung25
V. Forschungsfelder der Alten Geschichte33
VI. Bilder und Texte von Gewalt als kulturhistorische Quelle40
Symbolische Gewalt im Alten Ägypten48
Bildliche Darstellungen50
Texte57
Abbildungsverzeichnis65
Waren die Assyrer grausam?66
Literaturverzeichnis117
Grausame Hinrichtungen – friedliche Bilder Zum Verhältnis der politischen Realität zu den Darstellungsszenarien der achämenidischen Kunst1122
Das In-den-Trog-Setzen125
Das Pfählen128
Das In-die-Asche-Werfen143
Friedliche Bilder148
Abbildungsverzeichnis153
Extreme Formen physischer Gewalt in der antiken Überlieferung1156
I.158
II.162
III.182
IV.190
Zur historischen Interpretation medialer Gewalt Darstellungen von Leiden und Sterben im Athen des späten 6. und frühen 5. Jahrhundert v. Chr.194
Mediale Gewalt und Ereignisgeschichte: Erwartete Zusammenhänge194
Das Athen des späten 6. und frühen 5.Jahrhunderts: Ein Beispiel wider die Erwartungen?197
Die Zäsuren verfrühen sich: Die Eigendynamik der Gewaltikonographie206
Neue Interessen im Vorfeld neuer Erfahrungen? Das thematische Spektrum weitet sich.213
Annäherung an ein historisches Verständnis der neuen Gewaltbilder221
Plädoyer für eine neue Sicht auf die Zeugnisse der medialen Gewalt228
Abbildungsverzeichnis230
Zur Funktion extremer Gewalt in Kampfdarstellungen der hellenistischen Sepulkralkunst Etruriens1232
Einleitung232
Keltomachien in der späthellenistischen Sepuralkunst Etruriens240
Extreme Gewalt243
Sexuelle Erniedrigung als Assoziationsangebot?249
Abbildungsverzeichnis256
Sadismus in der hellenistischen Dichtung258
I.259
II.261
III.263
IV.267
Tyrannen und Märtyrer: Seneca und das Gewaltkonzept in der Literatur des ersten Jahrhunderts n.Chr.276
I.276
II.284
III.292
Staatliche Gewalt in der Spätantike: Hinrichtungen322
I. Formen der Hinrichtung in der Spätantike324
II. Entwicklung der Zahl der Hinrichtungen in der Spätantike330
III. Zusammenfassung346
Literaturverzeichnis349

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