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Faschismus und soziale Ungleichheit. Studien des Gesellschaftswissenschaftlichen Institutes Bochum (GIB) Band 1

eBook Faschismus und soziale Ungleichheit. Studien des Gesellschaftswissenschaftlichen Institutes Bochum (GIB) Band 1 Cover
Autor
Verlag
Erscheinungsjahr
2007
Seitenanzahl
187
Seiten
ISBN
9783940251091
Format
PDF
Kopierschutz
DRM
Geräte
PC
MAC
eReader
Tablet
Preis
22,99
EUR

Aus dem Vorwort

Das Selbstverständnis der heutigen Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hebt sich deutlich vom sozialpolitischen common sense ab, der bis in die achtziger Jahre des 20 Jahrhunderts hinein vorherrschend war und die langfristige relative Stabilität in den westeuropäischen Industrienationen begründet hatte: Immerhin waren die verschiedenen Sozialstaatskonzeptionen, welche die Grundlage dieses common sense bildeten, aus den katastrophalen Erfahrungen der großen Krisen und Kriege entstanden, die u a als Folge einer ungezügelten marktwirtschaftlichen Entwicklung im 19 und 20 Jahrhundert verstanden wurden Bereits parallel zur rasanten Dynamik der industriellen Revolution wurden jedoch Konzepte entwickelt, mit denen man offensichtlichen, aus dieser Entwicklung hervorgegangenen Widersprüchen begegnen wollte, denn die Durchsetzung des Kapitalismus ließ schon früh dessen Anfälligkeit für Krisen durchscheinen.

Spätestens seit den siebziger Jahren des 20 Jahrhunderts aber setzten sich mit den Schriften Buchanans, Hayeks und Nozicks Standpunkte durch, welche der Notwendigkeit – ja der Legitimität – des Sozialstaates grundsätzlich widersprachen So konstatierte Claus Offe 1983, dass in „der zweiten Hälfte der siebziger Jahre ( ) der Sozial- bzw Wohlfahrtsstaat politisch und sozialwissenschaftlich ins Gerede gekommen\ war. Mittlerweise sind, was die Stellungnahmen führender Vertreter der bundesdeutschen Wissenschaftselite anbetrifft, bereits alle Dämme gebrochen Für Wolfgang Kersting beispielsweise ist inzwischen klar, dass „alle, zumindest alle Klarsichtigen, wissen, dass sie ihre Interessen in einem marktförmigen Kooperationssystem weit effektiver und auf einem höheren Niveau verfolgen können als in jedem anderen System gesellschaftlicher Zusammenarbeit\, denn die „Vorzüge des Marktes sind beeindruckend Der Markt verlangt die Anspannung aller menschlichen Kräfte, er ist eine Talentschmiede und eine Hohe Schule menschlicher Phantasie und Erfindungsgabe. Er erzieht die Individuen zu einer selbstverantwortlichen rationalen Lebensführung Seine Fähigkeiten zur Problemlösung sind überwältigend, selbst für Probleme, die er selbst erzeugt, hält er Lösungen bereit\ – wenngleich mit der kleinen Einschränkung: „Zwar nicht für alle, jedoch für viele.\ Schließlich führe all dies dazu, „dass immer mehr Menschen mit immer mehr Gütern versorgt werden können, dass der Handlungsspielraum und die Entscheidungsfreiheit der Individuen unaufhörlich wachsen, dass das gesellschaftliche Wissen explodiert und die technischen Möglichkeiten der Naturbeherrschung und Bedürfnisbefriedigung rasant ansteigen.\ Dem gegenüber habe der Wohlfahrtsstaat, insbesondere in seiner späten Ausprägung aus dieser Perspektive wenig zu bieten „Der Wohlfahrtsstaat ist ein zwangssolidarisches Umverteilungssystem, das die Verteilungen des Marktes durch ein staatliches Steuer- und Abgabensystem korrigiert und dabei eminente ökonomische und moralische Kosten verursacht Er zerstört die lebensweltlichen Netze der freiwilligen privaten Hilfe durch ein zentralistisches System umfassender Zwangsmitgliedschaft und gesetzlich geregelter Versorgungsansprüche Er ist gierig und verschlingt bereits ein Drittel des gesamten gesellschaftlichen Einkommens hierzulande.\ Laut Kersting habe sich der Wohlfahrtsstaat zu „einer unaufhörlich expandierenden Reglementierungs-, Betreuungs- und Versorgungsbürokratie entwickelt, zu einem System umfassender Daseinswattierung, das seit geraumer Zeit die Grenzen seiner Finanzierbarkeit testet und der Marktwirtschaft wie ein Alp auf der Brust sitzt, überdies das bürgerliche Lebensethos untergräbt, Bürger in Klienten verwandelt und so die bürgerlichen Regenerationskräfte der Demokratie schwächt.\

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