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Flache oder steile Hierarchien in Forschungsinstituten? Empirische Befunde für die Max-Planck-Institute

AutorCatharina Leilich
VerlagRainer Hampp Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl184 Seiten
ISBN9783866181670
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis22,99 EUR
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage der optimalen Hierarchieform von Forschungsinstituten und verfolgt damit eine für die Forschungspraxis zentrale Problemstellung. Ziel ist dabei die Entwicklung eines organisations-ökonomischen Hierarchiemodells für außeruniversitäre Forschungsinstitute. Den modelltheoretischen Überlegungen zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen der optimalen Hierarchieform für Forschungsinstitute und verschiedenen Institutseigenschaften, nämlich der fachlichen Ausrichtung und der in den Instituten praktizierten Nachwuchsausbildung.

Diese vermuteten Zusammenhänge werden anhand eines umfangreichen Datensatzes über die Max-Planck-Institute einer empirischen Überprüfung unterzogen. Die ökonometrische Auswertung der Daten belegt den Einfluss verschiedener Institutseigenschaften auf die Hierarchisierung der Institute: So varriert die Hierarchieform mit dem Ausmaß und der Form der Nachwuchsausbildung in den jeweiligen Instituten. Weiterhin zeigt sich ein Unterschied in der Hierarchisierung von natur- und humanwissenschaftlichen Instituten, für den sogar ein Effekt auf den wissen-schaftlichen Output der Institute festgestellt werden kann.

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Leseprobe
I. Einführung: Hierarchien in Forschungsinstituten – bildungspolitische Relevanz und organisationsökonomisches Forschungsinteresse (S. 7)

Welche Organisationsform ist für Forschungsinstitute empfehlenswert? Sollten sie eine flache Hierarchie aufweisen, in der der Direktor1 eines Instituts direkt mit allen seinen Mitarbeitern zusammenarbeitet? Oder sollten sie eher über eine steile Hierarchie verfügen, in der zwischen dem Direktor und den Mitarbeitern noch eine koordinierende Zwischenebene existiert? Welche hierarchische Struktur für vorteilhaft gehalten wird, hängt sicherlich von der Wahrnehmung der Forschungsarbeit ab. Einerseits kann sie als komplexer Prozess verstanden werden, in dem die Koordination vieler Einzelaktivitäten die wesentliche Herausforderung darstellt.

Dies spräche für eine steile Hierarchie. Aus einer anderen Perspektive betrachtet soll die Forschungsorganisation vor allem sicherstellen, dass die Kommunikation zwischen den Forschern nicht durch komplizierte Weisungsstrukturen behindert wird. Vor diesem Hintergrund scheint eine flache Hierarchie sinnvoll. Prinzipiell sind also beide Formen der hierarchischen Gestaltung vorstellbar. Sowohl für die eine als auch die andere Form lassen sich Argumente finden.

Für steile Hierarchien in Forschungsinstituten spricht das Konzept der Arbeitsteilung. Bei Forschungsprozessen handelt es sich um sehr komplexe Vorgänge. Dementsprechend scheint es nicht sinnvoll, alle Aufgaben von einem Mitarbeiter durchführen zu lassen. Vielmehr scheint eine Spezialisierung der Mitarbeiter auf einzelne Aspekte der Forschung, beispielsweise inhaltliche oder methodische, zwingend notwendig. Dabei liegt es auf der Hand, dass die Betreuung dieser unterschiedlich spezialisierten Mitarbeiter zu aufwändig ist, um von einer Person, dem Institutsdirektor, allein geleistet zu werden.

Stattdessen scheint es notwendig, Mitarbeiter auf einer Zwischenebene anzusiedeln und diese für die Koordination einzusetzen. Diese hierarchische Form der Forschungsorganisation könnte zu einem höheren Forschungsoutput führen. Denn es ist denkbar, dass nur ein stark arbeitsteilig organisiertes – und eine entsprechende Hierarchie aufweisendes – Team effizient an verschiedenen Projekten gleichzeitig arbeiten kann. Möglicherweise ist auch der Direktor eines hierarchisch organisierten Instituts produktiver.

Denn er erführe eine Entlastung von den unmittelbaren Aufgaben des Projektmanagements. Somit könnte er sich stärker auf grundsätzliche, strategische Fragen konzentrieren und als Forschungsmanager tätig sein. Für flache Hierarchien spricht hingegen, dass das Teilen von Wissen eine wichtige Grundlage für Forschungsprozesse darstellt. Häufig kann dieses Wissen nur im direkten Gespräch vermittelt werden. Dementsprechend könnte die Organisation von Forschungsinstituten dazu dienen, sicherzustellen, dass den Mitarbeitern untereinander, aber auch im Kontakt zum Direktor, möglichst viele Kommunikationswege offen stehen. Dies ist besonders in einer flachen Hierarchie gewährleistet, in der der Direktor direkt mit seinen Mitarbeitern zusammenarbeitet.

Darüber hinaus könnten die Mitarbeiter in Forschungsinstituten mit flachen Hierarchien möglicherweise besser kreative und unorthodoxe Ideen entwickeln. Denn in stark hierarchisch organisierten Instituten könnten Forschungsideen einer stärkeren Kontrolle unterworfen sein. Sie müssten erst von Vorgesetzten auf verschiedenen Ebenen für gut befunden werden, um tatsächlich umgesetzt werden zu können. Liegen hingegen flache Hierarchien vor, könnten unter Umständen mehr unkonventionelle Projekte durchgesetzt werden, da in diesem Fall nur die Zustimmung des Direktors erforderlich ist.

In diesem Sinne könnten flache Hierarchien der wissenschaftlichen Kreativität zugute kommen und so den Forschungsoutput steigern. Doch wovon hängt es ab, ob der Forschungsprozess in einem Institut besser von einer steilen oder einer flachen Hierarchieform unterstützt wird? Dass diese Frage auch über die ersten intuitiven Überlegungen hinaus interessant ist, belegen die folgenden Abschnitte. Denn die Hierarchisierung von Forschungsinstituten spielt in der öffentlichen Diskussion um Forschungsstrukturen eine große Rolle, wie Abschnitt I.1 zeigt.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort6
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
Tabellenverzeichnis13
Abbildungsverzeichnis15

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