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E-Book

Fördern durch Sachunterricht

AutorDagmar Beatrice Gaedtke-Eckardt
VerlagKohlhammer Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl286 Seiten
ISBN9783170228603
FormatePUB/PDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis23,99 EUR
In der Didaktik des Sachunterichts finden bislang die besonderen Erfordernisse in den Förderschulen und die Bedürfnisse von Kindern mit Beeinträchtigungen wenig Beachtung. Das Buch greift dagegen vor allem diejenigen Aspekte des Sachunterrichts heraus, die besondere Bedeutung für die gezielte Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen haben, wobei der Schwerpunkt auf den Beeinträchtigungen des Lernens, der emotionalen und sozialen Entwicklung, der Sprache und des Sprechens liegt. Das besondere Potential des Sachunterrichts für die Sonderpädagogik liegt darin, dass er von der konkreten Sache ausgeht, die die Schüler umgibt. Der Sachunterricht stellt die Lebenswelt der Schüler in den Mittelpunkt; er hilft ihnen, die Welt handelnd zu erschließen. Die aktuellen Entwicklungen aufgreifend wird der Sachunterricht unter der Perspektive der Inklusion betrachtet Ein umfangreicher Teil des Buches widmet sich dem Lehrenden als Lernbegleiter, Berater und Organisator eines Unterrichts, in dem in stimulierenden Lernsituationen zum Lernen motiviert wird.

PD Dr. Gaedtke-Eckardt leitet als Verwaltungsprofessorin an der Leibniz Universität Hannover im Institut für Sonderpädagogik die Abteilung 'Sachunterricht und Inklusive Didaktik'.

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Leseprobe

I Fördern durch Sachunterricht


Überblick


Regelschule – Förderschule – Eine Schule für alle


Der Sachunterricht ist ein Fach mit unzähligen Themen und einem großen Gestaltungsspielraum. Man darf zu den Themen zurückkehren, die einen als Kind bewegt haben. Man kann wieder darüber nachdenken, warum wir manchmal nur eine Mondsichel sehen, man kann einen Waldspaziergang als Arbeit bezeichnen und sogar Zeitreisen sind mit dem Sachunterricht vereinbar. Man kann Modelle bauen oder Experimente durchführen und Kunstwerke gestalten oder einfach mal das malen, was man fühlt. Das Fach Sachunterricht hilft nicht nur Schülern, die Welt besser zu verstehen und sich leichter in ihr zurechtzufinden, das Studium dieses Faches erleichtert auch Studierenden den Zugang zu den Problemen der Schüler, weil es sie an vielen Stellen in die Position der Lernenden versetzt.

Dieses Buch versucht einen Weg zu finden, zwei Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen: Den Schüler, und zwar insbesondere denjenigen Schüler, der besonderer Unterstützung bedarf, mit der Sache, sei es ein greifbares Objekt aus der nahen oder fernen Umwelt oder eine abstrakte, schwer fassbare Angelegenheit.

In dem 2007 erschienenen „Handbuch Didaktik des Sachunterrichts“, herausgegeben von Joachim Kahlert, Maria Fölling-Albers, Margarete Götz, Andreas Hartinger, Dietmar von Reeken und Steffen Wittkowske, widmen sich Kapitel u. a. folgenden Themen: „Aufgaben und Ziele des Sachunterrichts“, „Inhaltsbereiche“, wobei in fachbezogene Inhaltsbereiche und fächerübergreifende Bildungsaufgaben untergliedert wird, „Konzeptionen und Entwicklungen des Sachunterrichts“, „Sachunterrichtspezifische Lernvoraussetzungen“, „Lehren und Lernen im Sachunterricht“ und hier wird unterschieden zwischen „Methoden, Prinzipien und Arbeitsformen“, „Medien – Repräsentationsformen und Arbeitsmittel“ sowie „Beurteilen im Sachunterricht“. In vorliegender Publikation ist auf systematische Erfassung aller Aspekte des Sachunterrichts verzichtet worden, um dem Anspruch gerecht werden zu können, eine Darstellung des Sachunterrichts zu geben, die dem Primat der Förderung von Schülern mit Beeinträchtigungen folgt, selbst wenn davon auszugehen ist, dass Kinder mit ausgewiesenem sonderpädagogischem Förderbedarf nicht grundsätzlich andere Konstruktionen zu Lernfeldern oder Phänomenen des Sachunterrichts mit in den Unterricht brächten als andere Kinder, so Simone Seitz (2008, 193).

Andererseits muss man sich auch die gegenwärtige Situation vor Augen führen (vgl. Budnik 2009, 243). In vielen Grundschulen wird Unterricht immer schwieriger. Viele Lehrer klagen über zunehmende Aufmerksamkeitsstörungen, dissoziales Verhalten und Hyperaktivität ihrer Schüler. Sie sehen sich vor die immer schwieriger werdende Aufgabe gestellt, soziale Ungleichheiten und Entwicklungsrisiken auszugleichen. In Sachsen-Anhalt wurden schon 2003 Grundschullehrer befragt, was ihnen besonders problematisch erschien. Das Fazit der Studie lautete: Die Lehrenden fühlen sich vor Probleme gestellt, die ihre pädagogische Arbeit stark beeinträchtigen und die sie ohne zusätzliche Unterstützung oder Inputs nicht bewältigen oder auflösen können (vgl. Budnik 2009, 244). Neben der personellen Unterstützung z.B. durch einen mobilen sonderpädagogischen Dienst und der professionellen Fortbildung ist ein grundsätzliches Umdenken von der Sachzentrierung zur Subjektzentrierung erforderlich. Der Sachunterricht kann durch die Nähe zur Lebenswelt die Schüler in besonderer Weise fördern und gleichzeitig auch den Bildungsauftrag erfüllen.

Die Schüler werden in den Mittelpunkt gerückt, die Ziele des Sachunterrichts dabei aber nicht vergessen, ermöglicht wird das durch die Orientierung an geeigneten Unterrichtsprinzipien, durch den Einsatz geeigneter Methoden und durch den Ansatz an der Lebenswirklichkeit der Schüler (Abb. 1).

Abb. 1: Themenübersicht über Teil I

Zusammenfassung der Kerngedanken zum Fördern durch Sachunterricht

Unterricht ist eine komplexe Angelegenheit, die sich kaum auf Buchformat herunterrechnen lässt. Hier wird auf Sachunterricht fokussiert, doch unter dem Blickwinkel des Einsatzes in der Förderschule, in Integrations-, in Kooperationsklassen oder im gemeinsamen Unterricht, in inklusiven Bildungsprozessen. Diese Verengung der Perspektive steht über der Fachsystematik, der Fokus liegt auf den Schülern, ihrer Lebenswelt. Gefragt wird nach zentralen Anliegen des Fachs und gesucht nach geeigneten Vorgehensweisen, seien es Methoden oder Prinzipien, um Sachunterricht gestalten zu können, der allen Schülern gerecht wird.

Literatur

Budnik, I.: Erziehung und Bildung im Grundschulbereich. Allgemeine Schule. In: Opp, G./Theunissen, G. (Hrsg.): Handbuch schulische Sonderpädagogik. Klinkhardt. Bad Heilbrunn 2009, 243–246.

Kahlert, J./Fölling-Albers, M./Götz, M./Hartinger, A./von Reeken, D./Wittkowske, S. (Hrsg.): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. Klinkhardt. Bad Heilbrunn 2007.

Seitz, S.: Diagnostisches Handeln im Sachunterricht. In: Graf, U./Moser Opitz, E. (Hrsg.): Diagnostik und Förderung im Elementarbereich und Grundschulunterricht. 2. überarb. Aufl. Schneider. Baltmannsweiler 2008, 190–197.

1 Lernbereich Sachunterricht


Einführung zum Kapitel


Über den grundlegenden Bildungsauftrag des Sachunterrichts herrscht trotz unterschiedlicher Lehrpläne und curricularer Vorgaben Einigkeit: Der Sachunterricht „soll Kinder dabei unterstützen, sich belastbares und geordnetes Wissen über die soziale, natürliche und technisch gestaltete Umwelt anzueignen und sich in der modernen Gesellschaft zunehmend selbstständig und verantwortlich zu orientieren“ (Götz et al. 2007, 18).

Das sinnvolle und nützliche Wissen ist viel zu umfangreich. Darüber hinaus verlangen die gesellschaftlichen Veränderungen und Umbrüche „nach einer Revision tradierter Bildungsinhalte und Erziehungsziele“ (Knauf 2001, 82). Individualisierung, Pluralisierung, Globalisierung und sich beschleunigende Modernisierung verändern die Anforderungen an das Individuum (vgl. Knauf 2001, 95).

Es bedarf also relevanter Auswahlkriterien, um dem Bildungsauftrag des Sachunterrichts nachzukommen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Überlegungen von Wolfgang Klafki (1993) zum Bildungsauftrag des Sachunterrichts. Besondere Bedeutung kommt aber auch der Mehrperspektivität sowie den Unterrichtsmethoden des Sachunterrichts zu.

Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass sich der Sachunterricht „in seinem Selbstverständnis bislang unmissverständlich als ‚Regelschuldidaktik‘“ (Seitz 2005, 12) verortet. In den „allermeisten Fällen“ werden Forschungsfragen des Sachunterrichts „ausschließlich auf ‚nichtbehinderte‘ Kinder bezogen“. Nur selten wird beachtet, dass Sachunterricht ebenfalls in den verschiedenen Sonderschulformen stattfindet, dass er ebenfalls und das sogar schon seit langer Zeit in Klassen mit gemeinsamem Unterricht stattfindet. Lediglich die zunehmende Heterogenität der Lernvoraussetzungen wird diskutiert, wenngleich der gemeinsame Unterricht dann „nur äußerst selten“ thematisiert wird (Seitz 2005, 12).

Dieses Buch stellt die Schüler mit Beeinträchtigungen in den Mittelpunkt. Überlegungen zum gemeinsamen Unterricht finden sich verstärkt im vierten Teil.

Zusammenfassung der Kerngedanken zum Lernbereich Sachunterricht

Der Sachunterricht soll Schülern dabei helfen, sich zuverlässiges Wissen über ihre natürliche, soziale und technisch gestaltete Umwelt anzueignen und sie dabei unterstützen, sich zunehmend selbstständig zu orientieren. Eine Begrenzung der Themen und Inhalte ist notwendig, die Auswahl daher umstritten. Zwischen dem Wissenserwerb, der Persönlichkeitsentwicklung und der Beziehung der Person zu ihrer Lebenswelt sollte bei der Auswahl der Themen und Methoden eine starke Beziehung bestehen. Auch die gesellschaftlichen Veränderungen und die veränderten Möglichkeiten der Informationsbeschaffung müssen berücksichtigt werden.

Literatur

Götz, M./Kahlert, J./Fölling-Albers, M./Hartinger, A./von Reeken, D./Wittkowske, S.: Didaktik des Sachunterrichts als bildungswissenschaftliche Disziplin. In: Kahlert, J./Fölling-Albers, M./Götz, M./Hartinger, A./von Reeken, D./Wittkowske, S. (Hrsg.): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. Klinkhardt. Bad Heilbrunn 2007, 11 – 30.

Klafki, W.: Zum Bildungsauftrag des Sachunterrichts in der Grundschule. In: Grundschulunterricht 40/1, 1993, 3 – 6.

Knauf, T.: Einführung in die Grundschuldidaktik. Lernen, Entwicklungsförderung und Erfahrungswelten in der Primarstufe. Kohlhammer. Stuttgart 2001.

Seitz, S.: Lehr-Lernforschung für inklusiven Sachunterricht. Forschungsmethodische Strategien zum Lernfeld Zeit. Didaktisches Zentrum. Oldenburg 2005.

1.1 Ziele und Aufgaben des Sachunterrichts


Denkanstöße

„Der Sachunterricht der neueren Zeit wird ... durch sehr verschiedene Zielkategorien geprägt“, so Leonhard Blumenstock (2005, 9), und an anderer Stelle: „Seit der Sachunterricht um 1970 die Heimatkunde abgelöst hat, ist seine Ausrichtung umstritten und wird immer wieder neu diskutiert“ (Blumenstock 2005, 9).

Aufgaben und Ziele des Sachunterrichts sind mitunter nicht...

Blick ins Buch

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