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E-Book

Gefühl statt Kalkül

Authentisch und erfolgreich mit der Kraft der Emotionen

AutorRichard Röhrhoff
VerlagAriston
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl272 Seiten
ISBN9783641104351
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Ein Plädoyer für mehr Leidenschaft und Mut
Schreien, lachen, weinen: Als erwachsener Mensch Emotionen ehrlich und unverblümt zu zeigen ist in unserer Gesellschaft verpönt. Dabei kann ein einziger aufrichtiger Gefühlsausbruch wirkungsvoller sein als viele lange Diskussionen. Richard Röhrhoff zeigt, wie man die emotionale Ebene bewusst nutzen kann, um langfristigen Erfolg zu erzielen, ohne sich zu verbiegen.

Werbung und Medien sprechen die Gefühlsebene gezielt an, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen, und auch in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen spielen Emotionen eine beherrschende Rolle. Wer damit umzugehen weiß, ist klar im Vorteil. Richard Röhrhoff präsentiert eine Vielzahl unterhaltsamer Beispiele, die belegen, dass Menschen, die - entgegen den Erwartungen anderer - Gefühle offen zeigen, sehr viel wirksamer ihre Interessen vertreten. Authentizität wirkt - nur Mut!


Richard Röhrhoff wurde 1976 in Mönchengladbach geboren. Bereits als 18-Jähriger machte er sich durch seine mitreißenden Übertragungen der Fußballbundesliga einen Namen als Radiomoderator und Sportreporter. Der Veranstaltungsexperte ist selbstständiger Berater für Eventlocations, Unternehmen und Agenturen. Seine Fähigkeit für authentische emotionale Kommunikation setzt er unter anderem als Geschäftsführer des Essener Marketing-Clubs ein. Richard Röhrhoff lebt mit seiner Frau und seinem Sohn im Ruhrgebiet.

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Leseprobe

Kapitel 1

Lachen, heulen, schreien – Emotionen regieren unser Leben

»Eure Scheißstimmung, da seid ihr doch verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich?! Was glaubt ihr eigentlich, was wir das ganze Jahr machen, damit wir euch für 7 Euro in die Südkurve gehen lassen können?«

Genau so rastete Uli Hoeneß, der heutige Präsident des FC Bayern München und damalige Manager des Klubs, bei der Mitgliederversammlung im Jahr 2007 aus. Fangruppen hatten die Stimmung im neu gebauten Stadion kritisiert. Da drehte Hoeneß durch. Mit hochrotem Kopf feuerte er den Fans seine Wut und seinen Zorn über diese Aussage entgegen. Für alle, die im Fußball nicht so bewandert sind: Diese Fans sind Vereinsmitglieder, denen faktisch der Verein genauso gehört wie Hoeneß selbst und die ebenjenen Manager in sein Amt wählen oder auch nicht. Überspitzt formuliert sind es seine Gesellschafter. Doch das interessierte den früheren Nationalspieler nicht. Er war aufgebracht, wütend, zornig. Oder im Volksmund: Mit Hoeneß gingen in jenem Moment die Pferde durch. Wie Sie wissen, ist der Manager (nicht nur Fußballmanager) des Jahres 1999 auch heute noch im Amt. Seine starke Emotion in diesem Moment wusste er im Nachhinein zu managen. Wenn es aber nach den einschlägigen Fachbüchern – Managerbüchern oder Emotionsratgebern – geht, dann würde dieser Gefühlsausbruch negativ bewertet, folglich hätte er Hoeneß Schaden zufügen müssen. Das ist aber nicht passiert. Ganz im Gegenteil: Hoeneß hat gesagt, was gesagt werden musste. Die Frage ist nur, ob es nicht dieselbe Wirkung gehabt hätte, wenn er es etwas ruhiger, sachlicher und netter formuliert hätte. Ich sage: Nein! Anhand des Ausbruchs von Uli Hoeneß und vielen anderen Beispielen werde ich Ihnen deutlich machen, dass es manchmal ganz gut ist, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sicher werden wir uns auch damit beschäftigen, eine Emotion managen zu lernen, aber mein Appell lautet zunächst, dass eine Emotionen etwas ganz Natürliches ist und nichts Negatives.

Emotionen, was ist das? Oder: Woher der Angstschweiß kommt

»Jeder weiß, was eine Emotion ist, bis er gebeten wird, eine Definition dafür zu geben.«

Dieser Satz der Emotionsforscher Beverly Fehr und James A. Russell aus dem Jahr 1984 beschreibt exakt das Problem der wissenschaftlichen Forschungsarbeit rund um das Thema Emotionen. Gefühle wie zum Beispiel Zorn, Freude, Angst oder Trauer sind nur die Spitze des Eisberges. Emotionen sind viel mehr, sie sind vor allem ein nützliches Warnsystem unseres Körpers.

Dazu ein einfaches Beispiel: Sie waren in der Altstadt ein wenig feiern und gehen zu Fuß nach Hause. Sie haben etwas getrunken, hängen mit Ihren Gedanken irgendwo bei den Gesprächen des Abends und fühlen sich müde, aber auch fröhlich. Plötzlich taucht ein junger Mann vor Ihnen auf, der Sie mit einem Messer bedroht und Sie auffordert, ihm sofort Ihr Portemonnaie zu geben. Jetzt kommen die Emotionen ins Spiel. Schlagartig sind Sie nüchtern, zumindest fühlen Sie sich so. Ihre Augen sind nicht mehr müde, sondern weiten sich, Sie beginnen zu schwitzen, Ihr Herz pocht wie wild. Was ist da passiert? Ihr Körper hat in Sekundenbruchteilen reagiert, Ihre Konzentration voll und rasend schnell auf diese Situation gelenkt und somit optimale Voraussetzungen für Sie geschaffen, heil aus der Situation rauszukommen. Sie sind jetzt in der Lage anzugreifen, zu fliehen oder sonst irgendwas zu tun. Vor allem wird Ihr Gegenüber bemerken, dass sich bei Ihnen etwas tut. Bestenfalls verunsichern Sie den Angreifer so sehr, dass er selbst Angst bekommt. Gehen wir einmal davon aus, dass Sie den Typen lauthals anschreien und dadurch die Aufmerksamkeit der gesamten Straße auf sich ziehen, der Mann abhaut, weil es ihm zu stressig wird mit Ihnen und er beschließt, sich lieber ein leichteres Opfer zu suchen. Entscheidend für die Emotionsforscher ist, dass Sie diese emotionale Reaktion im Anschluss nur subjektiv wiedergeben werden können, weil sie von Ihnen auch nur subjektiv erlebt wurde. Ihr Verstand hat sich ausgeschaltet und Sie sind Ihren ureigenen Instinkten gefolgt. Oder ganz einfach: Sie wissen nicht, was Sie getan haben, und Sie können sich daran auch nicht genau erinnern. Grundsätzlich ist eine Emotion immer ein Zusammenwirken von mentalen und physischen Prozessen. Und weil die Emotion, wie in unserem Beispiel, so komplex ist, führt sie zu einem subjektiven Erleben. Die Emotionen haben Sie blitzschnell aus dieser schwierigen Situation herausmanövriert, ohne dass Sie überlegen mussten, weil dafür ohnehin gar keine Zeit war. So kann eine Emotion Ihnen mitunter Ihr Leben retten! Emotionen sind die subjektive Ebene unseres Verstandes. Wir verstehen sie nicht immer, aber sie führen uns zum Großteil durchs Leben und wir müssen ihnen vertrauen. Auch darum wird es in diesem Buch gehen.

Bereits 1995 schrieb Daniel Goleman in seinem Bestseller Emotional Intelligence (Bantam Books, 1995), dass solche emotionalen Explosionen wie neurale (nervliche) Überfälle sind. Das denkende Gehirn bekommt keine Chance, die Befehlsgewalt zu übernehmen und zunächst zu prüfen, ob die Angriffsstrategie tatsächlich richtig ist. Deshalb wissen wir hinterher auch nicht mehr genau, was passiert ist.

»Emotion: außergewöhnliche Bewegung, die Körper und Geist aufrührt und das Temperament oder das Gleichgewicht des Gemütes stört.«

So werden Emotionen bereits 1690 in einem französischen Wörterbuch beschrieben. Für die französischen Emotionsforscher Christophe André und François Lelord enthält diese alte Definition auch heute noch die wesentlichen Merkmale, mit denen Emotionen auch in der modernen Wissenschaft definiert werden. Wie bei Uli Hoeneß. Eben noch ganz ruhig auf dem Podium, plötzlich ein Angriff aus dem Publikum, und schon ist der Zorn da. Bei Hoeneß gleich an einem hochroten Kopf auch körperlich zu erkennen.

Ein weiteres Merkmal ist das Aussetzen oder eben Schärfen des Verstandes. Dieses Phänomen wird in der Psychologie als »kognitive Komponente« beschrieben. Die Emotion hilft, zum Beispiel bei der Flucht oder wenn einem »die Sicherung durchbrennt«. In jedem Fall ist eine Emotion immer die Reaktion auf ein Ereignis. Auf den Überfall, die Wortmeldung. Es muss irgendetwas passieren, das uns aufwühlt, egal was es ist.

Und dann ist da noch die Verhaltenskomponente. Es passiert etwas, wir handeln. Schreien, fliehen, schimpfen, weinen, jubeln oder sind frustriert.

Eine Emotion ist eine plötzliche Reaktion unseres Körpers und unseres Geistes.

Die Reaktionen sind vielfältig. Schon die alten Griechen befassten sich mit Emotionen, und auch bis heute ist sich die Wissenschaft nicht einig, wie viele Emotionen es gibt. Man kann es mit den Evolutionspsychologen halten, die von sogenannten »Basisemotionen« sprechen. Sie helfen uns beim Überleben, sind vergleichbar mit dem Verhalten unserer tierischen Verwandten und Vorfahren – und der Hauptbeweis der Evolutionsforscher lautet: Schon Babys zeigen diese (Basis-)Emotionen.

Ende des 19. Jahrhunderts stellte der Amerikaner William James eine zweite Hypothese auf. Emotion ist Empfindung. James behauptet, dass wir nicht zittern, weil wir Angst haben, sondern Angst haben, weil wir zittern. Deshalb mache es gute Laune, wenn man lächelnde Menschen sieht. Die Laune stelle sich bereits ein, bevor wir darüber nachdenken. In dem Moment, wenn der Mann mit dem Messer vor Ihnen auftaucht, haben Sie nach der Theorie von James nicht direkt Angst. Erst kommt die Reaktion, dann die Angst. Haut der Mann sofort ab, merken Sie vielleicht erst einige Momente danach, dass Sie Angst hatten. Die Emotion hilft uns, schneller zu reagieren, als unser Verstand eine Strategie erfinden kann.

Neben den Vertretern der physiologischen und evolutionären Hypothese gibt es die Freunde der kognitiven Herangehensweise, die meinen, dass wir Emotionen verspüren, weil wir denken. Nach dieser dritten Theorie kategorisieren wir Emotionen. Wir speichern also ab, was wir erleben. Zum Beispiel wenn Sie einem Freund auf die Mailbox gesprochen haben und dieser nicht zurückruft, dann hängt Ihre emotionale Reaktion davon ab, was Sie denken. Wenn Sie glauben, dass er nichts mehr mit Ihnen zu tun haben will, werden Sie traurig. Falls er gerade den Kopf voll hat, weil er verliebt ist, werden Sie neidisch, Sie freuen sich oder verfallen in Sorge, weil Sie denken, dass ihm etwas zugestoßen sein muss.

Sie sehen, Sekundenbruchteile spielen eine entscheidende Rolle. Der Verstand hat in diesem Beispiel genügend Zeit, die Reaktion einzuordnen, dennoch stellt sich ein Gefühl ein.

Die vierte Hypothese wird als kulturrelativistisch bezeichnet. Sie setzt voraus, dass wir emotionale Verhaltensweisen von unserem Umfeld erlernen. Hier im Ruhrgebiet sind die Menschen bekanntermaßen besonders fußballverrückt und ich kenne Leute, die sagen, dass es ihnen richtig dreckig geht, wenn der FC Schalke verloren hat. Und das so sehr, dass selbst Leute, die keine Fußballfans sind, sagen: »Lass mal den Günter in Ruhe, der hat heute ’nen schlechten Tag.«

Alle diese Hypothesen haben nebeneinander Bestand, weil sie im Prinzip auf derselben Basis aufbauen. Emotionen sind ein Teil unserer Intelligenz. Sie sind gegeben, wie bei den Tieren. Wir reagieren ganz automatisch auf Reize. Mit der Zeit und durch alle Erfahrungen, die wir machen, trainieren wir sozusagen unsere emotionale Intelligenz, weil unsere Erfahrungen abgespeichert werden. Dadurch erwerben wir eine emotionale Kompetenz, und zwar unabhängig davon, ob uns das bewusst ist oder nicht.

Die Forscher der Universität Genf um Professor Scherer fanden heraus, dass es Basisemotionen gibt, die internationale Gültigkeit für das Auslösen von Emotionen haben. Für...

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