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E-Book

Geht die Arbeitslosenversicherung in Rente?

Denkanstoß für ein System privater Arbeitslosen- und Rentenversicherung

AutorRoman Lutz
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl260 Seiten
ISBN9783763944057
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,00 EUR
Diese Dissertation entwickelt ein Konzept für eine private Arbeitslosen- und Rentenversicherung mit jeweils risikoäquivalenten Versicherungsprämien. Der Autor stellt unterschiedliche Ansätze zur Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung vor und bewertet deren praktische Relevanz. Darüber hinaus werden die Argumente gegen eine Privatisierung der Arbeitslosenversicherung ausführlich diskutiert und kritisch hinterfragt. Sodann werden die empirischen Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zu Arbeitslosigkeit und Langlebigkeit sowie zu den Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Risiken erörtert. Der Autor entwickelt ein komplettes Prämienkalkulationsmodell mit konkreten Tarifmerkmalen und leitet daraus, auf Basis ökonometrischer Modelle, Versicherungsprämien ab. Dabei auftretende Schätzprobleme werden umfassend diskutiert. Das Buch stellt eine Machbarkeitsstudie dar und bietet interessante Denkanstöße für die zukünftige Ausgestaltung sozialer Sicherungssysteme.

Roman Lutz promovierte mit dieser Arbeit an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er arbeitet jetzt in der volkswirtschaftlichen Abteilung eines Versicherungskonzerns.

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Leseprobe

2.5 Kontenmodelle (Seite 22)

Individuelle Arbeitslosigkeitskonten stellen eine vollkommene Abkehr vom Versicherungsprinzip dar (Schäfer 2003a: 56). So spart der einzelne Arbeitnehmer im Laufe seines Erwerbslebens einen Teil seines Einkommens an, auf das er dann im Falle einer Arbeitslosigkeit zurückgreifen kann. Das Risiko der Arbeitslosigkeit trägt folglich allein der Arbeitnehmer. Insofern stellen Kontenmodelle eine Form der Selbstversicherung dar (Stiglitz und Yun 2005: 2066). Konkrete Konzeptionen zu individuellen Arbeitslosigkeitskonten liefern die Arbeiten von Feldstein und Altman (1998), Orszag und Snower (1997 und 2002) sowie Stiglitz und Yun (2005). All diese Vorschläge sehen obligatorische Sparverträge vor, wobei ein etwaiges Guthaben am Ende des Erwerbslebens zur Alterssicherung genutzt oder ausgezahlt wird. Zudem werden positive Kontoendbestände gegebenenfalls vererbt (Feldstein und Altman 1998: 2). Unterschiedlich gehen die einzelnen Konzepte mit einem negativen Kontensaldo während sowie zum Ende des Erwerbslebens um. Feldstein und Altman (1998: 2) setzen im Falle eines vorübergehend negativen Saldos den Staat als Kreditgeber ein, wobei dieser Kredit bei erneuter Erwerbstätigkeit zurückgezahlt werden muss. Negative Kontostände nach Beendigung der Erwerbskarriere werden einfach durch den Staat ausgeglichen (Feldstein und Altman 1998: 2). Auch Stiglitz und Yun (2005: 2065) lassen negative Salden zu. In ihrem Konzept werden verbleibende Defizite am Ende des Arbeitslebens allerdings mit Rentenansprüchen verrechnet, was eine staatlich garantierte Grundrente notwendig macht (Stiglitz und Yun 2005: 2063). Orszag und Snower (2002: 2) schließen negative Kontensalden gänzlich aus. Arbeitslose, deren Sparkonto erschöpft ist, erhalten lediglich eine steuerfinanzierte Grundsicherung.
Was die Höhe der Ein- und Auszahlungen anbelangt, sieht der Vorschlag von Feldstein und Altman (1998: 10 f.) streng definierte Regelungen vor. Einbezahlt wird ein fester Anteil des Bruttoeinkommens bis zu einer am Einkommen orientierten Deckungshöchstsumme. Eine Auszahlung ist in maximaler Dauer und Höhe durch diese Deckungshöchstsumme festgelegt. Orszag und Snower (2002: 2) dagegen schreiben lediglich Mindesteinzahlungs- sowie Maximalentnahmegrenzen vor. Dazwischen besteht ein Spielraum für individuelle Präferenzen der Konteninhaber.

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Danksagung8
1 Einleitung10
2 Unterschiedliche Konzepte für die monetäre Absicherung des Verdienstausfalls bei Arbeitslosigkeit14
2.1 Der Zusammenhang zwischen finanzieller Absicherung im Arbeitslosigkeitsfall und Arbeitslosigkeit15
2.2 Reformen im gegenwärtigen, staatlichen System18
2.3 Arbeitgeber als Versicherer gegen Arbeitslosigkeit20
2.4 Gewerkschaften als Versicherer gegen Arbeitslosigkeit21
2.5 Kontenmodelle23
2.6 Privatisierung der Arbeitslosenversicherung25
2.7 Mischsysteme28
2.8 Begleitende Reformideen28
2.9 Folgerungen30
3 Hindernisse auf dem Weg zu einer privaten Arbeitslosenversicherung2932
3.1 Allgemeine Versicherbarkeit eines Risikos33
3.2 Versicherungstechnische Argumentation39
3.3 Sozialpolitische Argumentation62
3.4 Fazit65
4 Ein System privater Arbeitslosen- und Rentenversicherung als Denkanstoß zur Umgestaltung der deutschen Sozialversicherung66
4.1 Kombinierte versus getrennte Versicherung68
4.2 Versicherungszwang versus freiwillige Versicherung70
4.3 Zusatz- versus Gesamtrisikoversicherung – Probleme beim Übergang vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren72
4.4 Versicherungswechsel und Konkurrenz auf dem Versicherungsmarkt74
4.5 Versicherungsvertrag und Tarifwahl75
4.6 Finanzierung80
4.7 Besonderheiten eines Systems privater Arbeitslosen- und Rentenversicherung81
5 Determinanten von Arbeitslosigkeit und Langlebigkeit – theoretische Erklärungsansätze und empirische Befunde86
5.1 Arbeitslosigkeit86
5.2 Langlebigkeit109
5.3 Arbeitslosigkeit als eigenständige Einflussgröße auf die Gesundheit bzw. Langlebigkeit119
6 Methodik und Daten126
6.1 Das theoretische Prämienkalkulationsmodell126
6.2 Das ökonometrische Prämienkalkulationsmodell129
6.3 Schätzprobleme und ihre Folgen für die Prämienkalkulation136
6.4 Prognose und Prognosegüte145
6.5 Datensatz und Datenaufbereitung150
7 Empirische Ergebnisse164
7.1 Tarifmerkmale für den Eintritt und Verbleib in leistungsberechtigter Arbeitslosigkeit164
7.2 Tarifmerkmale für den Eintritt und Verbleib in Rente188
7.3 Die Versicherungsprämie – Beispielrechnungen203
8 Fazit212
Abbildungsverzeichnis216
Tabellenverzeichnis217
Verzeichnis der Anhangtabellen218
Literatur220
Anhang246
Kurzfassung260

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